Peugeot e-208

Peugeot e-208
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Peugeot e-208

© Markus Heimbach

Ihr Herz für Kleinwagen mit E-Antrieb haben unsere französischen Nachbarn früh entdeckt – in Form des Renault Zoe zum Beispiel. Jetzt bekommt er Konkurrenz vom Peugeot e-208. Kurz vor der Markteinführung im Januar 2020 konnten wir den elektrisierenden 208 fahren.

Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als Elektroautos auf ihren staksigen Rädchen wie optische Verzichtserklärungen daherrollten und auf seltsame Namen wie I-MIEV, Fluence oder auch IQ hörten? Seien Sie beruhigt, diese Zeiten sind nahezu vorbei. Stattdessen registrieren wir französischen Schick, spüren Esprit und Liebe zum Detail. Zumindest hier in diesem Peugeot 208, dessen Neuauflage uns erstmals für Fahreindrücke zur Verfügung steht.

Neben dem Benziner und Diesel, die im November 2019 zu den Händlern rollen, folgt die Elektroversion im Januar 2020. Die unterscheidet sich optisch nur in wenigen Details von der Verbrenner-Variante: ein Kühlergrill mit Applikationen in Wagenfarbe, das Löwenemblem in veränderlicher Farbe und natürlich der Schriftzug e-208 an Heck und C-Säule.

Der vorangestellte Buchstabe weist auf den E-Motor hin, der mit 100 kW (136 PS) und einer Reichweite von 340 Kilometern (nach WLTP) aufwartet. Gespeist wird er von einem Akku mit 50 kWh, der sich in einer halben Stunde zu 80 Prozent aufladen lassen soll – eine 100 kW-Säule vorausgesetzt. An der Haushaltssteckdose mit 230 Volt dauert es allerdings 16 Stunden, während eine Wallbox zuhause den Vorgang auf fünf Stunden und 15 Minuten verkürzt.

Auf Augenhöhe mit der Konkurrenz

Mit seiner Ladeleistung von 100 kW bewegt sich der 208 auf Augenhöhe zur Konkurrenz, zu der ja auch der Plattform-Partner Opel Corsa-e gehört. Technisch gibt es da keinen Unterschied, und ein VW ID.3 schafft ab Sommer 2020 (Verkaufsstart) mit 125 kW nicht wesentlich mehr.

Reinsetzen, wohlfühlen? Nicht auf Anhieb. Über das kleine, niedrige Lenkrad schaut der Fahrer auf ein digitales Kombiinstrument in 3D-Optik. So rücken wichtige Fahrdaten wie die Geschwindigkeitsanzeige für das Fahrerauge in den Vordergrund. Unwichtigere Infos wie die Reichweite oder Navianzeige bleiben optisch im Hintergrund. Peugeot verspricht sich davon weniger Ablenkung und eine halbe Sekunde weniger, die das Auge zum Justieren der Informationen braucht.

In der Mitte des Cockpits sitzt ein Touchscreen, der je nach Ausstattungsvariante sieben oder zehn Zoll groß ist. Schon die Basisversion Active hat serienmäßig Müdigkeitswarner, Notbremsassistent, Tempomat, Verkehrsschilderkennung sowie Spurhalteassistenten an Bord. Hinzu kommen Annehmlichkeiten wie Klimaautomatik, Regensensor, LED-Scheinwerfer und Audioanlage. Nicht schlecht für ein Auto der Vier-Meter-Liga, das mit E-Antrieb bei 30.450 Euro startet. Die Liste der Assistenzsysteme ist darüber hinaus lang, gegen Aufpreis ist fast alles zu haben.

Übersichtliche Platzverhältnisse

Da die Ingenieure die Batteriepakete im Unterboden und unter der Rückbank verstecken, nehmen sie innen keinen zusätzlichen Raum ein. Während das Platzangebot vorn okay und auf der Rücksitzbank bis 1,80 Meter zumutbar ist, fällt der Kofferraum mit 265 Litern Volumen aber recht überschaubar aus. Viel mehr Platz bieten jedoch auch die Verbrenner-Modelle nicht, denn die verstecken unter dem Kofferraumboden ein vollwertiges Ersatzrad.

E-Auto-typisch guter Durchzug

Auf den menschenleeren Straßen südlich von Lissabon können wir schon mal ausprobieren, was sonst noch alles in ihm steckt. Erst den Start-Stopp-Knopf, wie bei Peugeots üblich, etwas länger drücken, dann sanft das Fahrpedal. Schon setzt sich der e-208 laut- und ansatzlos in Bewegung. 260 Newtonmeter Drehmoment sorgen für fast sportliche Spurtkraft, die bei einem Cityflitzer immer noch überrascht. Subjektiv und messbar geht der e-208 so ähnlich gut wie der Top-Benziner mit 130 PS im normalen 208, bleibt natürlich beim Sound deutlich leiser. Vom Temperament her ist er jedenfalls nicht nur für Fahrten zum Einkauf und zur Arbeit gut gerüstet, sondern auch für längere Reisen.

Doch so richtig komfortabel federt der e-208 gerade auf den maroden portugiesischen Landstraßen nicht. Es entsteht fast der Eindruck als konnten sich die Fahrwerker noch nicht so recht entscheiden, ob sie den 208 sportlich oder lieber doch komfortabel abstimmen wollen. Zudem rollen die 17-Zoll-Räder etwas hölzern ab. Die elektromechanische Lenkung agiert recht präzise, allerdings wäre etwas mehr Rückmeldung wünschenswert. Durch die tiefe Einbaulage senkt der Lithium-Ionen-Akku den Fahrzeugschwerpunkt, wodurch die e-Version spürbar satter liegt.

Statt wie die Verbrenner beim Bremsen Energie in Wärme zu verwandeln, holt sich der e-208 diese über zwei unterschiedlich starke Rekuperationsmodi zurück in die Batterie. Über den Wahlhebel lässt sich die Stärke der Verzögerung in zwei Stufen von sanft bis stark regeln. Das kennt man schon aus anderen E-Autos und ist selbst für E-Autoneulinge kaum gewöhnungsbedürftig.

Alternativ verzögert der Stromer über das Bremspedal mit Hilfe des E-Motors, solange bis die mechanische Bremse wirkt. Der Übergang ist dabei kaum zu spüren und wird lediglich auf der kleinen digitalen Anzeige ersichtlich. Ansonsten gefällt der kleine Peugeot mit gutem Handling, einfacher Beherrschbarkeit.

Der Preis ist nicht so heiß

Peugeot behauptet, dass sich die Elektrovariante trotz höherer Anschaffungskosten über den Lebenszyklus mit geringen Betriebs- und Wartungskosten rechnet. Tatsächlich ist die Variante mit 30.490 Euro die teuerste im Portfolio. Abzüglich 4.000 Euro E-Auto-Prämie bleiben höhere Anschaffungskosten von rund 3.000 Euro gegenüber dem Top-Benziner. Bei vergleichbarer gehobener Ausstattung Allure wächst die Differenz sogar auf 5.000 Euro. Zum Vergleich: Im billigsten Fall kostet der 208 mit 1,2-Liter-Saugbenziner 15.490 Euro, also nur knapp die Hälfte, ist dann zwar auch schlechter, aber auch nicht schlecht ausgestattet.

Technische Daten:

e-208

Leistung: 100 KW (136 PS)
Drehmoment (bei U/min): 260
Höchstgeschwindigkeit:150 km/h
Grundpreis:30.450 €

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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