Porsche Macan Facelift (2019)

Porsche schickt den Macan zu letzten Abstimmungsfahrten nach
Südafrika. Wir sind dabei, wenn der SUV zum Facelift seinen letzten
Feinschliff bekommt.
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Porsche schickt den Macan zu letzten Abstimmungsfahrten nach Südafrika. Wir sind dabei, wenn der SUV zum Facelift seinen letzten Feinschliff bekommt.

© Porsche
05.06.2018 - 00:00 Uhr von Holger Wittich

Porsche gibt dem Macan zum Modelljahr 2019 ein Facelift. Wir waren mit einem Erlkönig bei letzten Abstimmungsfahrt dabei und haben alle Infos: Motoren, Bilder und Fakten zum SUV von Porsche finden Sie hier.

  • Mitfahrt
  • Motoren
  • Marktstart

Mitte 2018 wird Porsche den überarbeiteten Macan an den Start bringen. Wobei die Änderungen an dem SUV nicht groß sein werden. Die Frontpartie wird leicht geändert, die Scheinwerfer modifiziert und eine neu geformte untere Spoilerlippe soll dem Design mehr Aggressivität liefern. Auch wenn der facegeliftete Porsche Macan in Kürze auf den Markt kommt, irgendwas ist bis zum Start eigentlich immer. Um Stress zu verhindern, schickt Porsche seinen Erfolgs-SUV deshalb nochmal zu letzten Abstimmungsfahrten nach Südafrika. Und uns gleich mit.

Mitfahrt im Erlkönig

Eine Tiefgarage irgendwo in Johannesburg. Einträchtig parkt eine Rotte Porsche-SUV nebeneinander. Cayenne in gedeckten Farben und vier schwarze Macan. Schwarze Macan? Irgendwas ist komisch. Richtig, die Klebstreifen an der Haube, an der Hecklappe und auch sonst. Beim anderthalbten Blick kommen die eigenartigen Scheinwerfer dazu, ebenfalls mit Aufklebern camoufliert. Klar, Erprobungsautos. Und wir dürfen ran! Sind ja auch nicht zum Spaß in Südafrika, sondern auf Erprobungsfahrt, bei einem der letzten Checks, bevor der facegeliftete Macan in Produktion geht, endgültig aufs Band und dann zum Kunden. Oliver Laqua, Leiter Gesamtfahrzeug SUV, erklärt die Prozedur: „Wir beurteilen die Autos aus Kundensicht. Immer mit dem Fokus auf dem Gesamtfahrzeug.“. „ Virtualität und Computersimulation, schön und gut, und natürlich verführerisch, weil schnell und preiswert. Doch ohne Prototypentests in der realen Welt geht es nicht.“

Macan-Prototypen zwischen -50 und +50 Grad Celsius

Wie hier, wo wir rund um Johannesburg ans Steuer dürfen, bevor der ganze Tross samt Entwicklern zum Höhentest Richtung Sani-Pass und dann nach Durban weiterzieht. Diesmal ist die Truppe zwei Wochen am Stück zusammen, es gibt aber auch längere Törns. „Wir sind in der ganzen Welt unterwegs“, erzählen die Jungs und berichten von Temperaturspannen zwischen minus 50 und plus 50 Grad, die Autos (und die Tester) ertragen müssen. Die Macan-Prototypen reisten übrigens per Flieger von Finnland nach Stuttgart und von dort aus weiter nach Südafrika.

Im Fokus solcher aufwendigen Erprobungen stehen einerseits die Komponenten für sich, also Karosserie, Fahrwerk, Antrieb, Elektronik – am Ende aber das komplette Auto als Einheit. Die Männer und Frauen aus den einzelnen Disziplinen tanzen um den Zielkonflikt herum: Package, Energie, Homologation, Aerodynamik, Konzept, Energie-Management. Digitale Modelle werden erstellt und dann an die Fachabteilungen gegeben. Die Daten stehen allen zur Verfügung, am Ende kommen sie aufs richtige Auto. Dann kommen die Targets: Kosten, Styling, dann startet der konstruktive Streit. Vier Jahre Zeit für Gesamtentwicklung. Sämtliche Bereiche sind in Projekthaus vereint, bis hin zu Aftersales.

Hitze, Schwüle, Schlaglöcher – Ponyhof geht anders

Draußen sind es jetzt 30 Grad, schwülwarm, die Sonne brennt. Nach wenigen Minuten droht ein Sonnenbrand, während drinnen im Macan die Klimaanlage schuftet – und das erfolgreich. Ein wichtiger Testpunkt, denn sie und das gesamte Thermomanagement dürfen nicht schwächeln. Weder bei Kälte noch bei anhaltender Hitze.Die Strecke führt am Heartbeesport Dam und Boederstroom vorbei. Raue Straßenoberfläche, kurze Absätze, kleine Wellen, gut für NVH, also das Aufspüren von unerwünschten Geräuschen oder Vibrationen. Nicht zu vergessen: Die fetten Schlaglöcher, zum Glück meist von „Pothole“ -Schildern angekündigt. Hier muss das Fahrwerk dann richtig ran. Na ja, zur Not haben sie ein paar Ersatzteile und Reifen dabei, falls jemand mal was verbiegt oder versenkt.

Schwarzfahrer: Ohne Tarnung geht nix

Ralf Bosch, für die Erprobungskoordination der SUV zuständig bringt noch ein anderes Thema ins Spiel: die Tarnung. Schließlich sollen die neuen Modelle nicht vorzeitig entdeckt und über die schnellen Netzwerke in die Welt posaunt werden. Porsche setzt statt auf Psychofolie auf schwarze Autos. Glänzend schwarze, matt war zu auffällig. Ziel: die Autos sollen möglichst wie der Vorgänger, möglichst serienmäßig aussehen. Sicken werden – wie oben erwähnt – per Klebstreifen versteckt, Fugen auch. Problem: wenn Tarnung Bauteile überdeckt kann es später Probleme geben, Korrosion oder Verschmutzung etwa wird zu spät erkannt. Ganz klar: es gibt einen Zielkonflikt zwischen Tarnung und Funktion. Auch deshalb prüft man die Folie für die Scheinwerfer bevor sie ihre Freigabe erhalten. „Bei Wintererprobungen schneiden wir die Öffnungen manchmal etwas größer aus, um mehr Licht zu bekommen,“ so Bosch.

Neues Infotainment, bewährtes Bedienkonzept

Noch ist Tarnung auf dem Macan. Fake-Blinkerstreifen vorn, die echten sind verdeckt. Hinten versteckt Klebfolie das durchgehende Leuchtenband, mittlerweile Porsche-Markenzeichen. Innen liegt ein schwarzer, von der Sattlerei maßgefertigte Lappen auf dem Armaturenbrett, um Instrumente und Armaturenträger zu verbergen.

Etwa den Infotainment-Mix aus bekannten und neuen Systemen. Der Bildschirm wirkt wie ein Mittelweg aus beiden Baureihen, die Bedienung läuft wie gehabt. Neu beim Macan: der Modusschalter am Lenkrad. Wie gehabt, so fährt sich der sportliche-SUV auch. Die bescheidene Oberflächenqualität der Straßen kann ihm nicht viel anhaben, das Fahrwerk filtert die Unebenheiten zuverlässig weg, der Macan fühlt sich weder stößig noch wankig an.

Motoren von 252 bis 440 PS

Und die Motoren? Zweiliter Vierzylinder mit 252 PS und 370 Newtonmetern, Der Dreiliter-Monoturbo im S mit 355 PS und 480 Nm und das Topmodell Turbo, 2,9-Liter Biturbo mit 440 PS und 550 Nm

Wir starten mit dem Vierzylinder. Wie gehabt ist er vom Charakter her ein schlichtes Antriebsaggregat. Jeglicher Motor-Erotik unverdächtig – dennoch ein Erfolgstyp, denn die Chinesen lieben und kaufen den Zweiliter. Bei mäßiger Last durchaus nachvollziehbar, dann arbeitet er diskret und kultiviert. Sobald es scharf hergeht, wird die Sache dann schon etwas plärrig, zieht sich die Zweiliter-Souveränität in den Hintergrund zurück. Zeit für den Dreiliter-Sechszylinder des S. Er läuft ebenfalls kultiviert, behält das Prädikat auch beim strammen Tritt aufs rechte Pedal. Ordentlich voran geht es obendrein. Wobei im Konvoi kein Platz für ausgeprägte Dynamikversuche bleibt, Prämisse: zusammenbleiben und nichts kaputtmachen.. Immerhin: der Zieharmonika-Effekt beim Kolonnenfahren bietet uns am Ende der Truppe ausreichend Luft, auch mal einen Sprint bis in den vierten, fünften Gang anzusetzen.

Offroad im Macan

Der Unterschied zwischen S und Turbo bleibt unter diesen Bedingungen trotzdem überschaubar. Erst rechts als wir abbiegen und über ein Art Feldweg auf einen Pass gelangen. Ausgewaschen, mit eingewachsenen Steinen und losen Felsen. An den kniffligen Stellen steigen die Beifahrer aus und lotsen. Schließlich möchte keiner Reifen aufschlitzen oder den Unterboden beschädigen. Manchmal sind zwei Räder diagonal in der Luft, der Offroad-Modus der Luftfederung erhöht die Bodenfreiheit, konditioniert die Systeme. Ein bisschen stolz sind wir schon, als die härteste Passage ohne Abschürfungen passiert ist.

Wir sind schon tolle Typen, der Macan sowieso. Denkt wir jedenfalls, bis sich zwei weiße Fremdkörper in den virtuellen Lorbeerkranz drängeln. Ein VW Bus und ein Hyundai Kleinbus. Kein Allrad, kein Offroad-Klimbim, dafür bis zum Dach vollgepackt. Unsere Servicecrew. Aussteigen? Wozu. Die Jungs bleiben sitzen, verziehen keine Miene und zwingen ihre Kisten über die Steine. Okay, hie und da surft der Schweller, dotzt der Unterboden, aber am Ende kommen sie durch. Nun ja, das ist der Fiat Panda-Effekt in den Alpen, wenn stolzen Mountainbikern, Enduro-Piloten oder 4x4-Virtuosen der örtliche Ziegenhirt mit seinem runtergerockten Kleinwagen entgegenkommt. Na ja, aber darum geht es beim Macan ja auch nicht. Er wird auch in der facegelifteten Generation eher auf Asphalt daherräubern. Und das vermutlich besser denn je.

Marktstart und Preise

Aktuell beginnt der Einstieg in die Macan-Baureihe bei 56.264 Euro und reicht bis 91.964 Euro für den Macan Turbo mit Performance-Paket. Nach dem Facelift zum Modelljahr 2019 dürften die Preise um ein paar Hundert Euro steigen.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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