Probleme bei Takata nehmen kein Ende: Erneuter Airbag-Rückruf trifft BMW

Neue Vorwürfe wegen Takata-Airbags: Sind auch die neuen
Gasgeneratoren gefährlich?
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Neue Vorwürfe wegen Takata-Airbags: Sind auch die neuen Gasgeneratoren gefährlich?

 © Caro, Picture-Alliance, Ullstein-Bild, Vario Images, Hans Peter Seufert

Bereits im Januar musste BMW in den USA mehr als 350.000 Autos mehrerer Baureihen wegen defekter Gasgeneratoren in Airbags in die Werkstätten rufen. Jetzt folgen weitere 86.500 Autos in Deutschland.

Der japanische Airbag-Spezialist Takata ist eigentlich längst insolvent und gehört inzwischen dem chinesisch-amerikanischen Autozulieferer KSS. Trotzdem werden immer wieder Meldungen wegen jenes Problems publik, dass zu der Insolvenz geführt hat: Fehlerhafte Gasgeneratoren in Airbag-Systemen, die wegen des verwendeten Stoffes Ammoniumnitrat Feuchtigkeit absorbieren. Dadurch kann der Airbag entweder mit zu geringem Druck aufgeblasen werden. Oder das andere Extrem passiert: Der Gasgenerator kann explodieren und dabei Metallsplitter durch den Innenraum feuern.

86.500 Autos in Deutschland

Bereits 2016 hatte BMW Autos mit defekten Takata-Airbags zurückrufen müssen. Jetzt sind weitere 86.500 Fahrzeuge von diesem Problem betroffen. Der erweiterte Rückruf umfasst jetzt Modelle aus den älteren Baureihen E39 und E46. Konkret gehe es damit um 78.700 5er-BMW aus den Baujahren 2002 bis 2004 (E39) sowie um 7.800 3er-BMW aus den Baujahren 2002 bis 2006 (E46).

357.000 BMWs in die Werkstätten

Wie die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA im Januar 2020 bekanntgab, müssen wegen des Problems wieder Autos zurückgerufen werden. Diesmal traf es vor allem die Airbags in BMW-Modellen. Gleich drei Rückrufe umfassen etwa 357.000 Fahrzeuge des Münchner Autoherstellers, die aus den Modelljahren 2000 bis 2013 stammen. Dabei geht es ausschließlich um US-Autos; deutsche Fahrzeuge sind vorerst nicht betroffen.

Das Besondere: Genau jene Autos waren schon einmal Gegenstand eines Rückrufs. Damals wurde das Problem allerdings nur unzureichend behoben, indem wieder Gasgeneratoren mit Ammoniumnitrat eingebaut wurden. Im Zuge der jetzigen Aktion, die am 6. März 2020 startet, soll der Mangel dauerhaft gelöst werden, da Gasgeneratoren mit einem anderen Treibmittel verwendet werden.

Weiterer Mega-Rückruf droht

Die drei BMW-Rückrufe teilen sich auf verschiedene Baureihen auf. Um das gesamte Fahrerairbag-System geht es bei Modellen der 1er-, 3er-, X1- und X3-Reihe, die aus den Modelljahren 2006 bis 2013 stammen. Bei X5- und X6-Exemplaren der Modelljahre 2007 bis 2010 wird nur der Gasgenerator des Fahrerairbags getauscht. Beifahrer-Airbags müssen bei Modellen der 3er-, X5- und X6-Reihe ersetzt werden. Erstere stammen aus dem Modelljahr 2000, die betroffenen SUVs gehören den Modelljahren 2007 bis 2010 an.

Der Rückruf könnte sich allerdings noch ausweiten und auf andere Marken übergreifen. Die NHTSA geht davon aus, dass Takata etwa zehn Millionen fehlerhafte Gasgeneratoren installierte, um das ursprüngliche Problem zu beheben; diese müssten nun abermals ausgetauscht werden. Dies könnte beispielsweise auf Volkswagen, Audi und Daimler zukommen. Noch sei zwar unklar, um wie viele Autos es genau geht. Aber erste Hersteller hätten bereits mit Rückrufen begonnen, darunter Ferrari und General Motors. Nissan etwa, das vor wenigen Tagen bekanntgegeben hat, mehr als 300.000 Autos in die Werkstätten zu holen.

Insgesamt 41,6 Millionen Autos zurückgerufen

Anfang Dezember 2019 mussten wegen dieses Problems in den USA bereits 1,4 Millionen Autos zurückgerufen werden. Dabei handelte es sich laut NHTSA um Fahrzeuge von verschiedenen Herstellern der Modelljahre 1995 bis 2000. Betroffen waren Autos der Marken Audi, BMW, Honda, Mitsubishi und Toyota. Sie sollen vom 24. Januar 2020 an in die Werkstätten geholt werden. Auslöser soll ein Vorfall gewesen sein, bei dem ein BMW-Fahrer getötet wurde.

NHTSA-Angaben zufolge umfasst der Takata-Rückruf allein in den USA inzwischen 41,6 Millionen Fahrzeuge von 19 Herstellern. Da manche mehrfach in die Werkstatt mussten, verzeichnet die Statistik insgesamt sogar 57,4 Millionen zurückgerufene Autos. Die Behörde spricht vom „größten und kompliziertesten Sicherheits-Rückruf in der US-Geschichte“ und bringt weltweit 24 Todesfälle (16 in den USA) sowie 300 Verletzungen damit in Verbindung.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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