RM Sotheby’s Oldtimer-Auktion London 2018

RM Sothebys Auction London 2018
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RM Sothebys Auction London 2018

06.09.2018 - 11:06 Uhr von Thomas Harloff

Natürlich versteigerte RM Sotheby’s in London die üblichen millionenschweren Ferraris, Maseratis und Mercedes 300 SL Flügeltürer. Aber auch ziemlich Absurdes, Charmantes und Seltenes. Die skurrilsten Objekte der letzten Auktion.

So schön und begehrenswert ein Ferrari 365 GTB/4, ein Jaguar E-Type der ersten Serie oder ein Porsche 911 GT2 der Baureihe 993 auch sind – das ist dann doch Standardkost auf den Auto-Auktionen dieser Welt. Eine sechsstellige Summe hier, ein oder zwei Milliönchen da, schon ist die eine Autosammlung kleiner und eine andere aufgestockt worden. Business as usual. Individualisten dürften sich eher für das abseitige Programm interessieren, die Einzelstücke und Memorabilien sowie die Fahrzeuge, Kunst und Autoteile mit besonderer Geschichte. Genau diese stellen wir in dieser Übersicht vor.

Maserati Barchetta von 1992

Porsche, Ferrari, Lamborghini: Einen Markenpokal zu initiieren, gehört für einen Sportwagenhersteller zum guten Ton. Auch Maserati hatte mal einen namens Grantrofeo Monomarca Barchetta Maserati, ausgetragen in den Jahren 1992 und 1993. Gefahren wurde mit diesen offenen, kompromisslosen Boliden mit interessanten technischen Daten: Der nur zwei Liter große Doppelturbo-V6 leistet 319 PS, die mit dem 775 Kilogramm leichten Auto aber keine Probleme haben dürften. Insgesamt wurden 17 Exemplare gebaut, nur wenige haben – wie das angebotene Exemplar – eine Straßenzulassung. Nicht verkauft!

De Tomaso Guará Spyder von 1998

Der Weg vom Maserati Barchetta zum De Tomaso Guará ist kürzer als gedacht, schließlich basiert das Chassis von Letzterem auf dem des Ersteren. Der De Tomaso sieht aus wie ein Supercar, ist aber recht harmlos, schließlich leistet der von BMW zugelieferte Vierliter-V8 einigermaßen überschaubare 286 PS. Reizvoll ist das Auto trotzdem, vor allem wegen seiner Historie. Es ist eines von nur vier gebauten Spyder-Exemplaren (daneben sind 38 Coupés entstanden), stammt aus Erstbesitz und hatte bereits vielbeachtete Auftritte beim Goodwood Festival of Speed – darunter auch in diesem Jahr. Nicht verkauft!

Sbarro Espera Genesis von 2008

Eine Designstudie, gezeigt auf einer großen Automesse, in der heimischen Garage: Der Gedanke hat Charme, vor allem, wenn es sich um ein echtes Einzelstück handelt. Dieser Sbarro Espera Genesis wurde von den Studenten des Schweizer Ateliers entwickelt und debütierte auf dem Genfer Autosalon 2008. Kein Dach, freistehende Vorderräder, eckige und geschwungene Linien im Wechsel: Der Zweisitzer verspricht Radikalität ebenso wie Fahrspaß. Nur der Antrieb scheint nicht so recht zum Konzept zu passen: Ein V6-Motor mit Automatikgetriebe von PSA, der sonst in den Oberklassemodellen von Peugeot und Citroën seinen Dienst verrichtete. Versteigert für 8.050 Pfund (8.947 Euro).

Zagato Zele 1000 von 1974

Zagato: Der Firmenname steht für wunderschön gestaltete italienische Sportwagen und Gran Turismos. Auch Aston Martin griff immer wieder auf die Dienste der Design- und Karosserieschmiede aus der Nähe von Mailand zurück. Weniger bekannt ist, dass Zagato ein Vorreiter der Elektromobilität war. Der zwischen 1974 und 1976 gebaute Zele 1000 verfügt über einen Elektromotor von Marelli, vier Zwölf-Volt-Batterien und ansonsten über einiges an Fiat-Technik. Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 40 km/h und die maximale Reichweite soll bei etwa 80 Kilometern liegen. Viel mehr schaffen moderne Elektro-Minis auch noch nicht. Versteigert für 11.500 Pfund (12.782 Euro).

Peel Trident von 2011

Den Peel P50 kennen wohl die meisten Autofans – spätestens, seit Jeremy Clarkson dem Miniauto mehrere große Auftritte bei „Top Gear“ verschaffte. Der P50 war aber nicht das einzige Produkt der Firma von der Isle of Man. Es gab seit 1964 auch den Trident, der – man mag es beim Blick auf das Foto kaum glauben – das größere Auto ist. Er bietet nämlich zwei Personen Platz, nicht nur einer. Dieser Peel Trident stammt aus der Neuauflage, die seit 2011 in der Nähe von Nottingham produziert wird – mit Verbrennungs- oder Elektromotor. Versteigert für 10.925 Pfund (12.142 Euro).

Bond Bug 700S von 1972

Obskure Dreiräder hatten in Großbritannien lange Konjunktur. Sie fuhren sich (fast) wie Autos und schützten ihre Insassen mit Dächern und Scheiben vor Wind und Wetter, wurden aber zulassungstechnisch wie Motorräder mit Seitenwagen behandelt. Sie konnten deshalb mit einer niedrigeren Führerscheinklasse gefahren werden und waren steuerlich begünstigt. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Fahrzeugklasse war der Bond Bug. Bei seiner Premiere 1974 sorgte er für enormes Aufsehen, letztlich wurde er aber nur vier Jahre lang gebaut. Das angebotene Exemplar wurde restauriert und soll sich in einem besseren Zustand befinden denn als Neuwagen. Versteigert für 16.100 Pfund (17.894 Euro).

Tuk Tuk aus James Bond 007 „Octopussy“

Die James-Bond-Reihe ist bekannt und geschätzt für Verfolgungsjagden mit skurrilen Gefährten. Eine der bekanntesten ist jene aus „Octopussy“. In diesem Teil ist 007, gespielt von Roger Moore, in Indien unterwegs und muss sich in dem in Asien sehr beliebten Fortbewegungsmittel der Verfolger erwehren. Die Szene endet vergleichsweise unspektakulär, aber so ein originales James-Bond-Tuk-Tuk – übrigens auf Basis einer 1982er Honda 250R – macht sich immer gut in der eigenen Fahrzeugsammlung. Versteigert für 7.800 Pfund (8.669 Euro).

Zylinderkopf des 2003er Formel-1-Ferraris

Fahrer-WM für Michael Schumacher, auch das Team wurde Erster: Es war eine erfolgreiche Saison für Ferrari im Jahr 2003. Aber es waren hart erkämpfte Titel: Schumi hatte lediglich zwei Punkte Vorsprung vor Kimi Räikkönen und elf vor Juan-Pablo Montoya, bei den Konstrukteuren war es ebenfalls eng. Der Dreiliter-V10-Motor hatte entscheidenden Anteil an den guten Ergebnissen. Das Triebwerk, zu dem dieser Zylinderkopf samt angehängter Auspuffanlage gehört, wurde den eingestanzten Botschaften zufolge zur Jahresmitte produziert. Die Originalunterschrift des Rekordweltmeisters kam natürlich erst drauf, nachdem der V10 seine Pflicht und Schuldigkeit getan hatte. Versteigert für 19.200 Pfund (21.340 Euro).

Lenkrad des 1990er Formel-1-Ferraris

Was war die Zeit zwischen 1984 und 1999 für eine Durststrecke für Ferrari! McLaren und Williams beherrschten die Formel 1, die erfolgsverwöhnte italienische Scuderia holte in dieser Zeit nicht einen Titel. Die letzte Fahrer-WM errang ein Ferrari-Pilot gar schon 1979. Also griff der Rennstall gerne zu, als Alain Prost zur Saison 1990 beim McLaren-Team das Weite suchte, um ja nicht mehr mit seinem Intimfeind Ayrton Senna fahren zu müssen. Tatsächlich baute Ferrari für dieses Jahr ein gutes Auto, in der Konstrukteurswertung fehlten nur elf Punkte auf den Weltmeister McLaren. Auch Prost selbst kämpfte lange um den Titel und verlor ihn erst im letzten Rennen bei einem ebenso legendären wie skandalumwitterten Startunfall mit Senna in Suzuka. Dieses Lenkrad ist also ein wesentliches Teil eines Vizeweltmeister-Formel-1-Rennwagens – immerhin. Versteigert für 4.200 Pfund (4.668 Euro).

Gokart von Ayrton Senna

Nur die wenigsten Formel-1-Fans dürften Prost als besten Formel-1-Fahrer aller Zeiten benennen. Diese Ehre gebührt weit öfter seinem großen Rivalen Ayrton Senna, der sich – was sehr gut dokumentiert ist – in diesem Gokart austobte. Besonders am 19. März 1994, als er zusammen mit seinen Freunden über die Kartbahn auf seinem Grundstück in der Nähe von Sao Paulo heizte. Es gibt Fotos und Videoaufnahmen dieses spaßigen Trackdays, der einer der letzten im Leben des Formel-1-Großmeisters gewesen sein dürfte. Denn nur wenige Wochen später fand Ayrton Senna beim GP von San Marino in Imola am Steuer seines Williams-Boliden einen viel zu frühen Tod. Versteigert für 12.000 Pfund (13.337 Euro).

Draht-Skulptur des Lancia Delta Integrale

Nein, Benedict Radcliffe ist nicht der Typ aus den Harry-Potter-Filmen (der heißt Daniel). Benedict Radcliffe fertigt Autoskulpturen aus Draht. In London werden zwei davon versteigert. Diese hier ist einem Lancia Delta Integrale nachempfunden, der Rallye-Ikone aus den späten 80er- und frühen 90er-Jahren. Im Maßstab 1:6 demonstriert die Skulptur eindrucksvoll, was die Werke des Briten auszeichnet: Sie wirken, als seien sie dreidimensional in die Luft gezeichnet. Der Draht-Delta entstand 2017 und ist nur einer von zwei existierenden in diesem Maßstab. Versteigert für 2.640 Pfund (2.934 Euro).

Draht-Skulptur des Ferrari F40

Radcliffe kann es auch größer, manchmal auch in Originalgröße. Das beweist er mit dieser Skulptur aus zehn Millimeter dickem Weichstahl, die im Maßstab 1:1 einen Ferrari F40 nachbildet. Das Einzelstück ist demnach 4,50 Meter lang und 2,20 Meter breit und befindet sich im Neuzustand – es wurde erst im Juli 2018 fertiggestellt. Und welches Auto hat es bitte mehr verdient, von Benedict Radcliffe nachgebildet zu werden als der F40, das zu seiner Zeit – er kam 1987 auf den Markt – schnellste Serienauto der Welt? Schließlich ist er das letzte Auto, das unter der Ägide des Firmengründers und Commendatore Enzo Ferrari entstanden ist. Versteigert für 19.200 Pfund (21.340 Euro).

Bordwerkzeug eines Ferrari 275

Einen richtigen Ferrari 275 konnte man in London auch ersteigern, dazu bedurfte es aber eines Millionen-Pfund-Budgets. Deutlich günstiger war ein originales Bordwerkzeug-Set zu haben, wie es damals jedem Ferrari 275 beigelegt wurde. Mit sieben Maulschlüsseln, fünf Schraubenziehern, zwei Hämmern, Wagenheber und was man sonst noch so braucht, wenn man mit seiner klassischen Sportwagenschönheit mit einem Defekt strandet. Hinzu kommen ein bisschen Spezialwerkzeug und ein Keilriemen von Pirelli. Versteigert für 19.200 Pfund (21.340 Euro).

Fiat 600D Multipla

Wer ersteigert bitte einen Fiat Multipla auf einer Auktion und zahlt dann noch eine ordentliche fünfstellige Summe dafür? Bevor Missverständnisse aufkommen: Es geht nicht um den eigenwilligen sechssitzigen Van, den Fiat rund um die Jahrtausendwende baute, sondern um den Urahnen auf den 50er- und 60er-Jahren. Trotz nur 3,53 Meter Länge finden auch darin sechs Personen Platz, verteilt auf drei Sitzreihen. Bei voller Besetzung dürfte das 767-Kubikzentimeter-Motörchen mit 25 PS so seine Mühe haben, das Auto anzuschieben. Trotzdem reicht der Tacho bis 120 km/h. Das in London angebotene Exemplar befindet sich übrigens im Jahreswagenzustand und hat gerade einmal 5.547 Kilometer auf der Uhr. Versteigert für 23.000 Pfund (25.563 Euro).

Gebhardt 88C2 von 1987

Was heute die LMP1- und LMP2-Kategorie ist, hieß vor etwa 30 Jahren Gruppe C und C2. Waschechte Prototypen-Rennwagen, deren stärkere Vertreter von Werken wie Porsche, Sauber-Mercedes und Jaguar eingesetzt wurden. Die C2-Klasse war der Tummelplatz der Privatteams, darunter das der Gebrüder Gebhardt. Dieser 88C2 fuhr vor allem bei Überseerennen und in der in Europa ausgetragenen Interserie und wird von einem interessanten Motor befeuert: Einem Zweiliter-Fünfzylinder-Turbo von Audi, wie er auch in den legendären IMSA-Quattros zum Einsatz kam. Nicht verkauft!

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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