Schumachers zweite verpasste Quali: Team-Kritik nach Trainingsunfall

Schumachers zweite verpasste Quali: Team-Kritik nach
Trainingsunfall
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Schumachers zweite verpasste Quali: Team-Kritik nach Trainingsunfall

© Motorsport Images

Für Mick Schumacher war der Samstag bereits nach dem dritten Training vorbei. Ein Unfall kostete ihn zum zweiten Mal im elften Rennen die Qualifikation. Sein Haas-Rennstall beziffert den Schaden auf über eine halbe Millionen US-Dollar. Nach dem fünften Crash der Saison muss der Youngster Kritik über sich ergehen lassen.

Mick Schumacher konnte einem leidtun. Er stand da in der Garage, mit dem Helm auf dem Kopf und dem Blick auf sein Auto. Einsteigen durfte er nicht. Stattdessen musste der 22-jährige Neueinsteiger mitansehen, wie seine Mechaniker ein Rennen gegen die Zeit ausfechten, wie es kein Team in der Formel 1 gerne macht. Statt sich an der Stoppuhr mit den Gegnern zu messen, lief da eine andere Zeit unerbittlich ab. Die 18 Minuten des ersten Qualifikations-Durchgangs.

Die Haas-Mechaniker schafften es nicht, dass Auto nach seinem Unfall am Samstagvormittag rechtzeitig wieder fahrtüchtig zu bekommen. Der Schaden war zu groß. "Wir hätten fünf oder zehn Minuten mehr gebraucht. Eine rote Flagge hätte bereits gereicht. Leider hat uns keiner die Extra-Zeit verschafft", bedauerte Schumacher. Zur Unterbrechung kam es erst in Q2. Die nutzte ihm nichts. Es war kein glücklicher Tag für den Rookie.

Risiko zum falschen Zeitpunkt

Zum Frust gesellte sich Kritik. Teamchef Guenther Steiner tadelte seinen Fahrer. "Mick ist in den letzten Rennen zu oft verunfallt. Er muss lernen, wann es wert ist, Risiko einzugehen und wann nicht. Ich werde mich mit ihm zusammensetzen, und im das große Bild zeigen. Das muss er erkennen. Wenn es etwas zu gewinnen gibt, darf er ins Risiko gehen. Wenn zum Beispiel die Chance besteht, in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft eine Position zu klettern. Aber das dritte Training ist nicht der Zeitpunkt für Risiko."

Nach einem guten Saisonstart bläst Schumacher erstmals in seiner noch jungen Formel 1-Karriere ein strammer Wind ins Gesicht. In Budapest baute er bereits seinen fünften Unfall des Jahres. In Imola warf er sein Auto hinter dem Safety Car weg. Das kann schon mal passieren auf einer nassen Strecke. In Monaco ramponierte er seinen Haas erst im zweiten Training, dann im dritten. Das kostete ihn das erste Mal die Teilnahme an der Qualifikation. Der Stadtkurs gehört zu den schwersten Strecken im Rennkalender. Ein Ausrutscher in die eng gesteckten Leitplanken ist da akzeptabel. Zwei schwer zu verdauen.

In Frankreich entgleiste der Rookie im ersten Qualifikations-Teil in seiner zweiten fliegenden Runde. Der Teamchef wird ihm diesen Unfall nachgesehen haben, auch wenn Schumacher dadurch eine Ausfahrt in Q2 verwehrt blieb. Die erste Runde hatte bereits für den Aufstieg gereicht, doch der Pilot konnte sich nicht sicher sein. Es gab etwas zu gewinnen.

Abflug mit Ankündigung

Der Crash von Budapest gehörte nicht in diese Kategorie. Er war mehr als unnötig. Ähnlich wie der von Alpha Tauri-Pilot Yuki Tsunoda im ersten Training. Die Rookies wollen zu schnell zu viel. "Mir wäre es lieber, er hätte zwei Zehntel hergeschenkt, wäre in die Box gefahren und hätte den Ingenieuren mitgeteilt, dass das Auto übersteuert. Die hätten dann eine Lösung dagegen gefunden", sagte Alpha Tauri-Teamchef. Ähnlich wird Steiner gedacht haben.

Schumacher übertrieb es 17 Minuten vor Ablauf des dritten Trainings und steckte im Reifenstapel. Der Aufprall erfolgte mit einer Verzögerung von mehr als 30g. Der Unfallort ist die zweitschnellste Kurve am Hungaroring. Im Rechtsknick am Ende des zweiten Sektors erreichen die Autos zwischen 240 und 250 km/h. "Das war mein bisher härtester Unfall in der Formel 1."

Es war ein Abflug, der sich bereits ein paar Kurven zuvor angekündigt hatte, den Fahrer aber doch überraschte. Weil er an einer Stelle passierte, an der Schumacher das ganze Wochenende keine Probleme mit dem Auto hatte. Schumacher erklärte den Unfall mit stärker aufkommendem Wind und der hohen Streckentemperatur, die zu überhitzenden Reifen führte.

"Unser Auto reagiert sensibel auf diese beiden Sachen. Die Situation begann bereits in Kurve sieben. Aus der Schikane hatte ich durchdrehende Hinterräder. Dadurch überhitzte die Reifenoberfläche. In Kurve neun war ich darauf vorbereitet, dass das Heck kommen könnte. Tat es auch. Damit hatte ich dort schon das ganze Wochenende zu kämpfen. In Kurve elf hatte ich dagegen nicht mit einem ausbrechenden Heck gerechnet. Leider war der seitliche Einschlag unglücklich und hat zu vielen kaputten Teilen geführt." Der Pilot selbst schnaufte schwer und wirkte zunächst etwas wacklig auf den Beinen. Nach Checks im Medical Center erhielt er die Freigabe.

Ein stark beschädigtes Auto

Sein Haas bezahlte es mit einer breitflächig verwundeten linken Seite. Das Schadensprotokoll: Frontflügel, Nase, Unterboden, Seitenkasten, Bodywork, Bremsen, Lenkung, Aufhängungen und Getriebe. Immerhin überlebte das Chassis. Sonst hätte Schumacher schnell mehr in den Sand gesetzt. Das Team kalkuliert den Schaden auf mehr als eine halbe Million US-Dollar. Die sind schnell zusammen, wenn allein Frontflügel und Nase 170.000 kosten.

Das Unfallbudget ist inzwischen weit überzogen. Dazu hat zwar auch Teamkollege Nikita Mazepin beigetragen, doch der Russe hat sich in den letzten Wochen stärker zurückgehalten. Und seine vielen Dreher hatten nicht dasselbe Ausmaß wie die von Schumacher. Der Teamchef stört sich an der Häufigkeit der Unfälle. "Wir haben einen Punkt erreicht, an dem es zu viel ist." Eigentlich wollte Haas sparen, um im nächsten Jahr den Budgetdeckel stärker ausschöpfen zu können.

Schumacher muss die Kritik akzeptieren und aus den Unfällen lernen. Er rechtfertigte sich auch für sein überzogenes Risiko im Training. "Ich kann nicht abwarten bis zur Qualifikation und dann erst nach dem Limit suchen. Mit unserem Auto muss ich nach ein bisschen mehr hier und da suchen, um eine Chance zu haben. Auf Knopfdruck machst du keine großen Sprünge."

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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