Seat Tarraco Fahrbericht

Seat Tarraco 2019
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Seat Tarraco 2019

© Seat
23.11.2018 - 10:20 Uhr von Marcel Sommer

Herzlichen Glückwunsch, es sind Drillinge: Seat schickt mit dem Tarraco bereits den dritten Ableger der gestreckten Tiguan-Plattform auf die Straße. Wer aktuell einen SUV mit rund 4,70 Metern Länge sucht, kommt kommt am Trio Seat Tarraco, VW Tiguan Allspace und Skoda Kodiaq nicht vorbei. Der Fahrbericht klärt, wie sich der Tarraco im Alltag schlägt.

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  • Fazit

Direkt nach dem Einstieg die erste Überraschung: Der Innenraum des Seat Tarraco in Xcellence-Ausstattung fühlt sich enger an, als er aussieht. Ein Grund sind die vergleichsweise schmalen Sitze. Alleine die Vordersitze lassen ungefähr zehn Zentimeter Platz zur Tür. Auch die Sitzhöhenverstellung ist nicht auf allzu große Fahrer vorbereitet: Ab 1,95 Meter bleibt zwischen Frisur und Dachhimmel kaum noch Platz, tiefer stellen geht nicht. Einzige Lösung: Bei der Tarraco-Bestellung das Schiebedach weglassen, dann ist wesentlich mehr Kopffreiheit vorhanden. Für durchschnittlich große Fahrer dürfte die erhöhte Sitzposition aber vorteilhaft, wenn nicht sogar Kaufargument sein. Hinzu kommt, dass alle Oberflächen, mit denen die Arme während der Fahrt in Kontakt kommen, ausreichend gepolstert sind.

Seat Tarraco zeigt drei Mal das Tempo an

Das manuell längs- und höhenverstellbare Lenkrad ist angenehm kompakt und nicht mit zu vielen Schaltern überfrachtet. Das 10,2 Zoll große, komplett digitale Cockpit lässt sich mithilfe der Dreh- und Druckknöpfe am Lenkrad bedienen. Wer es auf die Spitze treiben will, kann sich die Geschwindigkeit gleich an drei verschiedenen Positionen anzeigen lassen.

Der berührungsempfindliche Bildschirm des Infotainmentsystems auf der Mittelkonsole ist acht Zoll groß und sowohl vom Fahrer- als auch vom Beifahrersitz leicht zu erreichen. Nette Idee: Die beiden Becherhalter in der Mittelkonsole fixieren die dort untergebrachten Becher per Knopfdruck mit kleinen Armen aus Plastik. Einem Werkstoff, der sich im Innenraum des Tarraco ziemlich häufig findet. Das ist alles sehr sauber verarbeitet, die vielen relativ harten Oberflächen tragen aber nicht wirklich dazu bei, das von Seat gern kommunizierte Premiumgefühl aufkommen zu lassen. Doch vielleicht klappt das ja auf der Straße.

Unterwegs im 190-PS-Benziner

Wir bekommen den zwei Liter großen Vierzylinder-TSI-Benziner mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) zugeteilt. 190 PS treiben den 1,8-Tonner laut Datenblatt an. Schon beim Start per Knopfdruck fällt auf, dass in Sachen Dämmung alles passt: Weder Lärm noch störende Vibrationen trügen auf den ersten Kilometern den durchweg positiven Gesamteindruck. Sobald sich die verschärfte FR-Version zu den beiden aktuellen Ausstattungsvarianten Style und Xcellence hinzugesellt, dürfte sich vielleicht der Motorenklang ein wenig verändern. Bei der 2020 kommenden 210 PS und 400 Newtonmeter starken Plug-in-Hybridversion fällt dieser auf 50 E-Kilometern ganz weg.

Wer schon zu Beginn der Markteinführung im Februar 2019 Wert auf mehr Sportlichkeit legt, der braucht lediglich ein bisschen Schwung im rechten Bein, dann ist es relativ schnell vorbei mit der Gemütlichkeit. Ein Sportwagen ist der Serien-Tarraco nicht, Motorsound und die auch unter Last kaum spürbaren Gangwechsel sorgen aber dafür, dass man viel zu schnell vergisst, mit einem dicken Familienauto unterwegs zu sein. Der Zwischensprint von 70 auf Tempo 100 ist gefühlt angemessen flott vorüber. Den Höhepunkt der Sportlichkeit bieten die beiden Schaltwippen am Lenkrad, mit denen der Pilot innerhalb des DSG manuell herumschalten kann. Und auch hier gilt: Keinerlei Vortriebsverlust beim Hochschalten. Die Gangwechsel bleiben sanft und kaum spürbar.

Spurtreu und kaum Wankbewegung

Sportlichkeit hin oder her, einen teil- oder vollbesetzten Siebensitzer zu fahren bedeutet vor allem Nachsicht walten zu lassen – zumindest mit den Mägen der bis zu sechs Passagiere. Die Lenkung ist städtetauglich komfortabel, sprich indirekt und leichtgängig abgestimmt, lässt dennoch ein präzises Einlenken zu. Umso erfreulicher für alle Insassen ist die selbst in schnell durchfahrenen Kurven nicht sehr ausgeprägte Neigung zum Wanken. Spalten und Fugen in der Fahrbahn sind zwar spürbar, kommen im Innenraum aber nur dezent an. Der Allradler bleibt zudem spurtreu und legt keinerlei Ambitionen zum Unter- oder Übersteuern an den Tag. Wie es auf einer Rennstrecke ausschaut, sollte an dieser Stelle einmal egal sein.

Nicht egal ist uns der Spurhalteassistent mit dem Hang zur Hyperaktivität, der nach einer längeren Geradeausstrecke den Fahrer bittet, seine Hände zurück ans Lenkrad zu nehmen. Blöd nur, dass die auf der langen Geraden genau dort zu finden waren. Hier darf gerne ein wenig nachgebessert werden.

Mit dem SUV ins Gelände

Mit Blick auf die Armada der Frontantriebs-SUV gar nicht mehr selbstverständlich: Der Seat Tarraco kann auch Gelände. Aber natürlich auch das alles im Rahmen eines Familien-SUV. Auf dem Offroadparcours nahe Barcelona zeigte er zumindest keinerlei Schwächen. Und ja, das war natürlich von Seat so geplant. Aber: Auch den muss ein Großstadt-Soccer-Mum-Car erst einmal so galant durchfahren.

Technische Daten:

Tarraco 2.0 TSI 4Drive

Leistung: 140 KW (190 PS)

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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