sport auto-Perfektionstraining 2016

sport auto hat auch 2016 wieder zum Perfektionstraining auf die
Nürburgring Nordschleife geladen.
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sport auto hat auch 2016 wieder zum Perfektionstraining auf die Nürburgring Nordschleife geladen.

© Rossen Gargolov
02.01.2017 - 11:20 Uhr von Jens Dralle

Die Kleinigkeit von 73 Kurven, Anstiege mit 18 Prozent, Gefälle von elf Prozent und ein nach wie vor trickreichen Belag lernt niemand nebenbei. Das zweitägige Perfektionstraining allerdings hilft, die Nordschleife besser kennenzulernen.

Es geht bergab, mal wieder. Und wieder wirst du schnell, sehr schnell. Vermutlich irgendwas um Tempo 230, doch du siehst nicht genau hin. Konzentrierst dich auf die Strecke. Und die Frage: Geht die Kompression in der Fuchsröhre jetzt voll oder nicht? Geht. Auch für Silvia Stoll, obwohl sie kaum Nordschleifen-Erfahrung besitzt. Eigentlich gar keine.

Eine Frage des Gefühls

Deshalb fährt sie mit ihrer Gruppe hier auch langsamer. Macht nix. „Die Fuchsröhre zählt definitiv zu meinen Lieblingsabschnitten auf dieser Strecke“, sagt sie – und gibt wieder Gas. Gefühlvoll. Wie überhaupt vieles eine Frage des Gefühls ist, hier in der Eifel auf der 20,832 Kilometer langen Achterbahn für echte Autos. Autos wie Silvias Mitsubishi Lancer Evo der letzten Generation, ein besonders dezentes Exemplar in Graumetallic und ohne Riesenflügel auf dem Kofferraumdeckel. Silvia beschäftigt sich nicht mit Abtrieb oder Ähnlichem, zumindest noch nicht. Sie will die Strecke kennenlernen. Und ihr Auto.

Mehr über das eigene Fahrzeug erfahren oder aber mehr mit ihm erfahren, das zählt zur am meisten genannten Motivation der Teilnehmer – völlig unabhängig vom Können. Darin liegt zugleich die Herausforderung der Organisatoren. Welche Instruktoren müssen gebucht werden, um den unterschiedlichen Anforderungen am besten gerecht zu werden? Welche Technikpartner helfen den Teilnehmern sinnvoll bei der Weiterentwicklung ihres persönlichen Ring-Spielzeugs? Ach ja: Mit welcher Attraktion lassen sich Menschen, in deren Garage ein Porsche 911 GT3 RS, ein Mercedes-AMG GT S oder auch ein McLaren 650 S parkt, noch zum Staunen bringen?

Bei den Instruktoren vertraut man auf Profis

Da sich niemand den Kopf des sport auto-Teams zerbrechen soll, wird an dieser Stelle die Taste „schneller Vorlauf“ gedrückt. Für die immerhin 26 unterschiedlichen Gruppen findet Cheforganisator Ruben Zeltner (ja, richtig, der mit dem Nebenberuf Deutscher Rallye-Meister) Nordschleifen-Helden wie Christian Menzel, Markus Lungstrass, Benjamin Leuchtenberger und Timo Kluck als Instruktoren. Und deren Fahrzeuge? Decken ebenfalls ein möglichst breites Spektrum ab, um wirklich jeder Gruppe die passenden Einlenk- und Bremspunkte zu zeigen.

„Die Spitzengruppen fahren Zeiten um acht Minuten, da würde es mit einem Fronttriebler schon schwer, vorauszufahren, selbst wenn der größte Künstler am Lenkrad dreht“, sagt Zeltner. Zumal dort der Porsche 911 GT3 offenbar zur Standardausrüstung vieler Teilnehmer zählt.

Auch Tobias Kappler freut sich über einen GT3 der Generation 991, erfüllte sich mit dem Kauf einen Traum: „Ich habe mit meinem Golf R an vielen Trainings auf unterschiedlichen Strecken teilgenommen, um die Linie zu lernen. Jetzt muss ich mich auf das neue Auto umstellen – und zwar mit dem größten Vergnügen!“ An die Acht-Minuten-Marke tastet er sich langsam heran, vielleicht noch nicht dieses Mal, auch wenn der Speed in der Fuchsröhre dieser Zeit schon verdächtig nahekommt. Für Hermann-Josef van der Locht und seinen Sohn Thomas stellt sich dagegen zunächst weniger die Frage nach der Rundenzeit, sondern vielmehr danach, wer sich länger auf die Zunge beißen kann.

Runde um Runde um 73 Kurven

Die beiden teilen sich einen Porsche Cayman GT4, für den nun öfter mal ihr Alpina-BMW B5 Touring stehen bleibt. „Als der Verkäufer den Motor des GT4 angelassen hat, blieb mir nichts anderes übrig, als das Auto zu kaufen“, erklärt Hermann-Josef begeistert. Und? Wer ist nun der bessere Beifahrer? „Ich“, sagt Thomas überzeugt. Sein Vater nickt unmerklich und stumm.

Für Silvia und ihre drei Porsche-Kollegen geht es also wieder von vorne los. Wie weit kann ich mich wirklich an das Kilometer-zwei-Schild eingangs Hatzenbach heranwagen? Wann verträgt die Linkskurve Ausgang Hocheichen wieder Vollgas? Wie erwische ich die Doppel-Rechts am Flugplatz optimal? Bringt es wirklich etwas, ausgangs der Eiskurve den Curb mitzunehmen? Und so weiter und so fort. Neues Auto, neue Strecke – neues Glück. Runde um Runde.

Trockene Runde um trockene Runde, obwohl die Wettervorhersage Schlimmeres prophezeit. Daher entscheiden die Organisatoren bereits am ersten Tag, den Teilnehmern ein einstündiges Zeitfenster zum freien Fahren zu öffnen. Nur für den Fall, dass der Nachmittag des zweiten Tages dafür draufgeht, die Regenlinie zu suchen.

Muss aber niemand. Stattdessen fahren sich einige schlicht um ihre Kondition, fressen immer wieder die 73 Kehren, bohren 18-prozentige Steigungen hinauf, stürzen sich 11-prozentige Gefälle hinab. Hadern mit sich oder ihrem Auto. Oder mit beidem.

Öhlins-Spezialisten helfen bei den Fahrwerkssetups

Stefan Rupp beispielsweise kennt die Nordschleife. Vor allem mit seinem umfangreich modifizierten Porsche Turbo der Generation 997. Der bleibt heute im heimischen Landshut. „Mich fasziniert der Nissan GT-R wegen des Schubs und der Fahrbarkeit. Aber irgendetwas passt noch nicht hundertprozentig. Gut, dass wir noch ein paar Runden drehen können“ – spricht's und gibt Gas, lädt die Gänge des Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebes durch. Serienmäßig ist sein GT-R ebenfalls längst nicht mehr, weit über 700 PS und ein neues Fahrwerk.

Vielleicht können ihm die Spezialisten von Öhlins helfen? Speziell am zweiten Tag, dann, als der eine oder andere Fahrer vielleicht einfach schon platt ist, nimmt der Betrieb am Service-Lkw zu. Gerne wird das Angebot genutzt, die Achsgeometrie zu überprüfen. Grobe Fehler finden die Fahrwerksspezialisten bei keinem Auto, Spielraum für Feinarbeit jedoch schon. Doch das lässt sich ebenso wenig nebenbei erledigen, wie die Nordschleife kennenzulernen. Und wenn du auf dem Beifahrersitz des KTM X-Bow GT4 oder des Radical RXC festgezurrt wirst, hast du sowieso andere Sorgen. Beispielsweise wer das Duell Mageninhalt gegen Querbeschleunigung gewinnt.

Die beiden auf maximalen Abtrieb und minimales Gewicht gebürsteten Sportwagen eröffnen dem einen oder anderen Passagier eine neue Dimension der Kurvengeschwindigkeit. Am Schwedenkreuz etwa. Oder in der Kompression der Fuchsröhre. Welche Geschwindigkeit dort anliegt? Kann hinterher keiner mehr sagen. Hat in dem Moment auch niemand dran gedacht. Unwichtig. Wichtig nur: wie sich die Nordschleife in einem Rennwagen anfühlt. Auch für Neulinge wie Silvia Stoll? Weniger. Sie weiß jetzt, dass hier noch mehr geht. Dennoch bleibt die Fuchsröhre einer ihrer liebsten Abschnitte der Strecke.

Die Autos der Instruktoren

Damit jeder der erfahrenen Instruktoren das Tempo seiner Gruppe optimal deren Können anpassen kann, braucht er ein optimales Führungsfahrzeug. Die Bandbreite reicht dabei vom aktuellen Rundenzeit-Rekordhalter VW Golf GTI Clubsport S bis hin zum für den Renneinsatz präparierten Porsche Cayman GT4 von Race Navigator. Und sonst? Tritt die internationale Sportwagenelite an, selten mit weniger als 500 PS – schließlich liegt das Niveau vieler Teilnehmer sehr hoch.

2017 bieten wir wieder allen ambitionierten, sportlich orientierten Fahrern die Möglichkeit, die Ideallinie auf der exklusiv gemieteten Nürburgring Nordschleife zu finden. Hier finden Sie alle Infos und Termine.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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