Tesla-Attacke auf den Porsche Taycan

Tesla Model S Nürburgring
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Tesla Model S Nürburgring

© Stefan Baldauf

Tesla bereitet sich intensiv darauf vor, den Nordschleifen-Rekord des Porsche Taycan zu brechen. Wir haben die ersten Fotos von Übungsfahrten. Am Steuer: Nicht Nico Rosberg, sondern der erfahrene Nordschleifen-Rennfahrer Thomas Mutsch.

Mit dem Taycan hat Porsche ein monströs potentes Elektroauto auf die Räder gestellt. In 2,8 Sekunden blitzt der Viertürer in der Version Turbo S auf Tempo 100 – eine Zehntelsekunde schneller als der 911 Turbo S. Natürlich hat Porsche den Taycan längst zur Nordschleife gebracht und natürlich hat er dort umgehend den Rekord für Elektroautos gebrochen: In 7:42 Minuten schoss Testfahrer Lars Kern über die 20,6 kurvigen Kilometer. Soweit, so schlimm für Elon Musk: Der Sportwagen verliebte Tesla-Chef fühlt sich ganz offensichtlich vom Taycan herausgefordert – jetzt reagiert er.

McLaren-F1-Fahrer Musk herausgefordert

Elon Musk kehrt zwar gerne die Umweltvorteile von Elektroautos heraus, aber die sportliche Seite seiner Modelle ist ihm mindestens ebenso wichtig. Schließlich besaß Musk vor seinem Einstieg bei Tesla unter anderem einen McLaren F1, von dessen fahrdynamischen Qualitäten er umfangreich schwärmte. Mit der Vorstellung des Taycan ging Musks typisches Getwittere los. Erst machte er sich darüber lustig, dass Porsche den Begriff „Turbo“ in die Elektroauto-Welt hinüberrettet. Damit hat er Recht und damit steht er auch nicht allein da. Doch dann der Knaller: „Model S on Nürburgring next week.“ (Model S nächste Woche auf dem Nürburgring).

Manch einer hielt das zunächst für einen Marketinggag oder einen Scherz, allerdings boten sich sofort Fahrer an, die Nordschleifenfahrt mit einem Model S P100D in Angriff zu nehmen – darunter der Formel 1-Weltmeister von 2016 Nico Rosberg. Jetzt sind zwei Tesla Model S und eine provisorische Werkstatt an der Nordschleife eingetroffen, erste Testfahrten auf dem Ring sind absolviert. Am Steuer: Thomas Mutsch, VLN-Pilot und ausgewiesener Nordschleifen-Kenner, der bereits bei der Erprobung des Projekt SCG 003 der Scuderia Cameron Glickenhaus hinter dem Steuer saß.

Diesel-Power, Cup-Reifen und Power-Plus für Tesla Model S

Schon die Reifen der beiden Nordschleifen-Model-S sind eine Ansage: Michelin Pilot Sport Cup 2 R zieht Tesla normalerweise nicht bei seinen Straßenmodellen auf. Die Autos, laut Musk Siebensitzer, verfügen zudem über eine optimierte Aerodynamik und Frischluftversorgung, verbreiterte Radläufe und wohl auch Überrollbügel. Auch an der Leistungsschraube hat Tesla offenbar gedreht: Der Nürburgring-Tesla zeigt am Heck die Modellbezeichnung P100D+, die es bisher noch nicht gab.

Passend dazu twitterte Elon Musk jüngst: „Das Einzige, was über Ludicrous hinausgeht, ist Plaid.“ Ein Verweis auf Teslas Leistungsmodi, von denen „Ludicrous“ bisher der extremste war (die neuen Raven-Motoren verbessern wohl vor allem die Effizienz; über ihre Leistungswerte ist bislang nichts Konkretes bekannt). „Plaid“, was übersetzt „kariert“ bedeutet und wieder eine Anspielung auf den Film „Spaceballs“ ist, dürfte also eine noch heftigere Leistungsentfaltung ermöglichen und soll in etwa einem Jahr auch in den Serienversionen des Model S, Model X und des neuen Roadsters zum Einsatz kommen.

Schneller als Model 3 und Cadillac CTS-V

Um die Zusatz-Power für die Serie zu testen, hat sich Tesla bereits auf einer legendären Rennstrecke ausgetobt: in Laguna Seca im US-Bundesstaat Kalifornien. Dort stellte Tesla mit 1:36.55 Minuten einen neuen Rundenrekord für Viertürer auf; das Model S war damit fast eine Sekunde schneller als der bisherige viertürige Rekordhalter, ein Tesla Model 3 Performance. Bester Viertürer mit Verbrennungsmotor: Der Cadillac CTS-V, der 2015 eine Zeit von 1:38.52 Minuten benötigte.

Doch zurück in die Eifel. Zusammen mit dem Tesla ist ein Container aus Amerika am Ring angekommen. Sein Inhalt: ein großes Diesel-Aggregat. Dieses erzeugt den Strom zum Laden des Model S. Da es Tag und Nacht lärmt, hat es bereits den Ärger der Anwohner auf sich gezogen. Und die Anwohner können sich noch eine Weile ärgern: Tesla bleibt voraussichtlich für mindestens drei Wochen. Test- und Abstimmungsfahrten sollen jeden Tag stattfinden, für Mittwoch den 18. September 2019, ist eine größere Fahrt geplant.

Tesla geht das Unterfangen Nordschleifen-Rekord für Elektroautos also mit großem Ernst und minutiöser Planung an. Sobald es weitere Informationen gibt, melden wir diese.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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