Verbot von Verbrenner-Fahrzeugen

Abgas, Verbrenner, Auspuff, CO2, Klima
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Abgas, Verbrenner, Auspuff, CO2, Klima

 © GEM

Immer mehr Länder und Regionen wollen Verbrenner-Pkw verbieten. Wir zeigen, welche Länder welche Verbote planen. Aktuell haben die Briten einen deutlich gestrafften Zeitplan vorgestellt.

Die Luft wird buchstäblich dünn für das Auto, wie wir es bislang kennen. In immer mehr Regionen der westlichen Welt wird Benzin- und Dieselmotoren das baldige Ende verordnet. Während in Deutschland noch über Dieselfahrverbote diskutiert wird, machen andere konkrete Vorgaben.

Die falsche Seite der Geschichte

Der US-amerikanische Bundesstaat Kalifornien hat im November 2019 beschlossen, mit Ausnahme von Sicherheitsfahrzeugen, keine Regierungsfahrzeuge mehr zu bestellen, die über klassische Verbrennungsmotoren verfügen. Aktuell besteht die Regierungsflotte aus 51.000 Autos und Lkw. Rund 3.000 Fahrzeuge verfügen über einen Hybrid- oder vollelektrischen Antrieb. Damit folgt die Regierung des Westküstestaates den Bestrebungen ihres Gouverneurs Gavin Newsom, die Schadstoffemissionen zu reduzieren. Gleichzeitig setzt Gavin Newsom ein klares Zeichen gegen die Trump-Regierung. Er lässt ausschließlich Bestellungen bei den Fahrzeugherstellern zu, die sich für die kalifornischen Klimaziele und somit gegen die stark abgeminderten Ziele der Trump-Administration aussprechen. „ Autohersteller, die sich für die falsche Seite der Geschichte entschieden haben, werden auf der Verliererseite innerhalb Kaliforniens stehen“, erklärte der 52-Jährige in einer schriftlichen Stellungnahme. Zu diesen „Verlieren“ zählen General Motors, Toyota, Mazda und Fiat Chrysler.

Im Juni 2019 hatte die US-Metropole San Francisco eine „Electric Vehicle Roadmap“ veröffentlicht, in der ein komplett emissionsfreier Verkehr in der kalifornischen Stadt bis zum Jahr 2040 angestrebt und Zwischenziele für 2025 und 2030 festgelegt werden. Bis 2025 soll die Hälfte aller Pkw-Neuzulassungen auf Elektroautos entfallen. Ab 2030 sollen nur noch Fahrzeuge mit Elektroantrieb neu zugelassen werden.

Radikale Einschnitte in US-Metropolen

Davor hatte bereits Los Angeles mit dem Plan zum „Green New Deal“ angekündigt, unter anderem den öffentlichen Nahverkehr, aber auch den Lieferverkehr und die privaten Pkw in den Fokus zu rücken. So sieht der Plan des Bürgermeisters von Los Angeles, einer Metropolregion mit vier Millionen Einwohnern, durchaus radikale Einschnitte vor: Bereits 2025, also in sechs Jahren, sollen 25 Prozent der Autos in Los Angeles rein elektrisch fahren, im Jahr 2050 dann ausschließlich E-Mobile erlaubt sein. Schon deutlich früher soll der öffentliche Transport revolutioniert werden: Ausschließlich elektrische Taxis ab 2028, ebenfalls komplett lokal emissionsfreie Schulbusse ab 2028, ab dem Jahr 2035 muss der gesamte Lieferverkehr in der Stadt emissionsfrei fahren. Einen weiteren Schub für die Pläne in Kalifornien könnte ein Gesetzentwurf liefern, der eine Verdreifachung der Kaufprämien für E-Autos auf 7.500 Dollar vorsieht.

Konkrete Verbrenner-Verbote in Europa

Dass die kalifornische Metropole, wo man sich trotz der nach wie vor den privaten Verkehr dominierenden SUV und Pickup-Trucks gerne als ökologischer Vorreiter feiert, aus europäischer Sicht weit weg ist, sollte hierzulande niemanden zur Tagesordnung übergehen lassen. Denn im Vergleich zum noch in weiter Ferne liegenden 100-Prozent-Elektroanteil in 2050 für L.A. sind viele Länder und Kommunen in Europa schon weiter. Oder wären es, wenn die EU sie denn ließe, denn nach bisherigen Regeln wäre dies nur möglich, wenn die Mitgliedsstaaten dies gemeinsam beschließen würden.

Das Beispiel Dänemark zeigt, wie schwierig es für ein EU-Land ist, ein Verbrenner-Verbot durchzusetzen. Bereits 2018 kündigte die Regierung in Kopenhagen an, Diesel und Benziner ab 2030 verbieten zu wollen. Doch sie musste ihre Pläne zurückziehen, da sie gegen EU-Recht verstoßen. Nun wagen die Skandinavier einen weiteren Vorstoß: Die EU müsse ihre Regeln ändern und den Mitgliedsländern erlauben, ein Verbrenner-Verbot erlassen zu können. Zehn weitere Mitgliedsstaaten unterstützten die Initiative, meinte der dänische Umweltminister Dan Jörgensen nach einem Ministertreffen in Luxemburg. Ein EU-weites Verbot wäre zwar der Plan A, aber wenn das nicht ginge, müssten die Regeln zumindest Einzelstaaten ermöglichen, in Eigenregie Verbote zu erlassen.

Großbritannien ab 2035 Verbrenner-frei

Direkt nach dem Brexit hat die britische Regierung Anfang Fabruar 2020 angekündigt, das Verbot von Verbrennern in Neuwagen von 2040 schon auf das Jahr 2035 vorzuziehen. Das Verbot soll für Benziner, Diesel und neu auch Hybrid-Modelle mit einem Verbrenner an Bord gelten. Der britische Premier Boris Johnson kann sich aber auch vorstellen, das Verbot noch stärker vorzuziehen. Großbritannien strebt an bereits 2050 komplett klimaneutral unterwegs zu sein. Experten hatten gewarnt, das mit einem Verbrenner-Verbot erst ab 2040 dieses Ziel nicht zu schaffen sei.

In Schottland gilt das Verbot reiner Verbrenner ab 2032 bereits als gesetzt. Dabei haben die Schotten ihr Vorhaben im März 2019 sogar noch präzisiert: Unter das Verkaufsverbot sollen demnach auch reine Hybridfahrzeuge ohne externen Ladeanschluss fallen, wie sie derzeit vor allem von den asiatischen Herstellern noch stark auf den Markt gebracht werden. Zulassungsfähig sollen dann nur noch reine Elektrofahrzeuge (BEV) sowie Plug-In-Hybride (PHEV) sein.

In Irland verabschiedete kürzlich die Regierung einen Plan hat, wonach ab 2030 keine Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotor – Diesel und Benziner – mehr verkauft werden dürfen. In die Verbots-Phalanx der europäischen Metropolen (beispielsweise in Paris: komplettes Dieselfahrverbot ab 2024, Fahrverbot für Benziner ab 2030) reiht sich auch Amsterdam ein. Laut dem gerade veröffentlichten „Clean Air Action Plan“ will die niederländische Hauptstadt nach Möglichkeit ab 2030 jegliche Benzin- und Dieselfahrzeuge aussperren. Das gilt wohlgemerkt auch für Motorräder und Roller. Schon ab 2025 soll die Ringautobahn A10 von einem Fahrverbot für Taxis, Busse, Transporter und Roller mit Verbrenner-Motoren betroffen sein, fünf Jahre später dann auch für private Pkw und Motorräder.

Nicht nur Pkw, auch Motorräder und Roller sind betroffen

Das tangiert freilich nicht nur die Einheimischen, sondern auch Touristen. Selbst auf der bei den Deutschen so beliebten Ferieninsel Mallorca stehen die Verbrenner-Ampeln auf Rot: Neue Diesel-Pkw dürfen dort ab 2025 nicht mehr zugelassen werden, Benziner sind ab 2035 dran. Das gilt natürlich auch für die Mietwagenbranche, der bereits ab dem kommenden Jahr 2020 kontinuierlich steigende Quoten an Elektroautos vorgeschrieben werden.

Auch wenn aus heutiger Sicht das Jahr 2030 noch in weiter Ferne liegt, werden die Begleitumstände bereits in unmittelbarer Zukunft spürbar sein. Die Automobilindustrie denkt in Dekaden, beim Erscheinen einer Modellgeneration mit einem üblichen Lebenszyklus von sieben bis zehn Jahren wird bereits längst an der Nachfolgegeneration entwickelt. Da sind elf Jahre nicht viel: Laut KBA lag das Durchschnittsalter der in Deutschland zugelassenen Pkw im Jahr 2018 bei rund 9,4 Jahren.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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