VW Beetle Fun Cup in Miami

Sonne in Miami: Der VW Beetle Fun Cup debütiert in den USA.
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Sonne in Miami: Der VW Beetle Fun Cup debütiert in den USA.

© Volkswagen of America / Sean Maynard
03.02.2017 - 09:48 Uhr von Natalie Diedrichs

Alte VW Käfer mit 130-PS-Reihenmotoren im Heck, damit auf die Rennstrecke? Klingt nach Spaß. Wenn der Kurs in Miami liegt und die Rallycross-Profis Tanner Foust und Scott Speed dazustoßen, wird daraus ein teurer, aber ein Riesenspaß.

Als wir noch Kinder waren, hatten wir viele Träume: Die einen wollten als Astronauten den Weltraum erkunden, die anderen als Feuerwehrmänner Leben retten und wieder andere erhofften sich als Rennfahrer schnelle Autos, Ruhm und Ehre. In den meisten Fällen bleiben diese Professionen unerreicht, heute finden wir uns mit weniger spektakulären Jobs ab. Das heißt aber nicht, dass man sich diese Träume endgültig abschminken muss. Zumindest für manche nicht.

Terry, 45, wohnt in Paris und führt ein Unternehmen in der Stahlindustrie. Sicherlich nicht die schlechteste Berufswahl, aber dennoch wenig abenteuerlich, findet er. Heute will er wieder Kind sein und spielt Rennfahrer. Während das europäische Wetter im Januar recht bescheiden ist, scheint in Florida bei 28 Grad die Sonne. Der Franzose nimmt die Ray-Ban ab und setzt sich seinen Helm auf. Dann schwingt er sich in sein vierrädriges Schätzchen. Er dreht ein paar Runden auf der Rennstrecke in Homestead, etwa 50 Minuten südlich von Miami.

VW Beetle Fun Cup: 7 Saisonrennen und 25-Stunden-Rennen in Spa

Während in Homestead normalerweise amerikanische NASCARS durch die Steilkurven jagen, hoppeln dort heute 32 quietschbunte VW Käfer über den Asphalt. Denn der Beetle Fun Cup gibt an dieser Stelle sein amerikanisches Debüt. Vor knapp 20 Jahren in Belgien und Frankreich gegründet, macht die Amateur-Rennserie inzwischen einmal im Jahr einen gemeinsamen „Klassenausflug“. Denn nach 7 Saisonrennen auf verschiedenen europäischen Strecken und einem jährlichen 25-Stunden-Rennen in Spa, wünschen sich die Fahrer ein bisschen Abwechslung: „Die Jungs meinten, dass sie mal irgendwo fahren wollen, wo schönes Wetter ist“, erklärt Fun-Cup-Organisator Benoit Abdelatif. Letztes Jahr stand Dubai als Sonderziel auf dem Rennplan des Beetle Fun Cup, dieses Jahr ist es Florida.

In der Boxengasse geht es drunter und drüber. Bis zum Start sind es noch 30 Minuten. Doch anstelle von Technikingenieuren, Team-Chefs, Medienvertretern und Grid-Girls tummeln sich hier Familien gemischt mit Altherren-Cliquen und stärken sich mit Sandwiches aus der Lunch-Box. Das professionelle Werkzeug auf dem Boxen-Boden ist überschaubar. Nach dem Warm-Up wirft Terrys Team einen Blick auf den Motor des Käfers. Allerdings erinnert streng genommen eigentlich nur noch die aufgemotzte GFK-Karosserie an den populären deutschen Oldtimer.

1.8-Liter-Motor aus dem VW Golf in den Beetle- Fun-Cup-Cars

Denn der Boxer-Motor wich einem 1.8-Liter-Motor aus dem VW Golf und bringt die quirligen Rennkugeln auf 130 PS. Der Gitterrohrrahmen mit MacPherson-Aufhängung sowie innenbelüftete Scheibenbremsen sorgen für mehr Sicherheit und Durchhaltevermögen bei den sechsstündigen Rennen, erklärt Organisator Abdelatif. Der einzelne Fahrersitz ist mittig platziert, abgesehen von den wichtigsten Instrumenten wie Lenkrad, Pedale und Co. sind wie Wagen leergeräumt und bringen etwa 750 Kilo auf die Waage. Insgesamt kostet so ein Spielzeug dann um die 50.000 Euro, schätzt Abdelatif.

Terry fährt seit fünf Jahren beim Fun Cup mit. Ein Fun-Beetle hat er aber nicht. Das Auto mietet sich der Franzose für die Rennen. 10.000 Euro pro Wochenende für ein Rundum-Sorglos-Paket, sagt er. Verglichen zu anderen Rennserien sei das ein Schnäppchen. Trotzdem lebt hier eher eine betuchtere Klientel ihre Kinderträume aus: „Ich bin mir sicher, dass ich heute Abend ein ganzes Stück ärmer sein werde“, beteuert Terry, „meine Frau ist in Miami shoppen. Und sie hat meine Kreditkarte.“ Eine Sorge, die ihn jedoch nicht wirklich zu bekümmern scheint. Viel wichtiger ist das heutige Rennen. Sohn Raphael, 19, hat dem Team die Pole Position gesichert.

Scott Speed und Tanner Foust fuhren für Volkswagen mit

Doch ums Gewinnen geht es beim Fun Cup eigentlich nicht. Der Name suggeriert es ja bereits. Hier geht es in erster Linie um den Spaß, um Träume und um die Flucht aus dem Alltag. Mit den quietschbunten Knallkisten über den Asphalt poltern, das Team vom Fahrbahnrand anfeuern, sich einfach mal wieder wie ein Kind freuen. Rallycross-Fahrer Scott Speed ist trotzdem in Wettbewerbsstimmung: „ Natürlich fahre ich, um ein Rennen zu gewinnen“, sagt der ehemalige Formel-1-Pilot, der heute im Auftrag von Volkswagen ebenfalls an den Start geht. Gemeinsam mit Rallycrossfahrer und Stuntman Tanner Foust sowie den belgischen Rennfahrern Anthony Kumpen und Maxime Potty soll er das Spaßrennen ein bisschen aufmischen.

Speeds professionelle Vorbereitung? „Frosted Donuts“, verrät er kauend, stopft sich ein weiteres amerikanisches Gebäckstück in den Mund und knüllt die leere Tüte zusammen. „Mein Energydrink ist dafür aber zuckerfrei“, erwidert er auf irritierte Blicke. Heute dürfen es auch die Profis mal etwas laxer angehen lassen.

Nach ein paar Aufwärmrunden gibt das Safety-Car die Strecke für den fliegenden Start frei und Homestead wird zur Carrera-Bahn in Lebensgröße. Mit 180 Sachen flitzen die farbenfrohen Plastikflummis über die Geraden. Warum eigentlich Käfer? „Sie sind das Symbol von Frieden und Vergnügen“, erklärt Abdelatif. Trotz aller Sorglosigkeit erhielten die Fahrer ein mehrtägiges Coaching und müssen in Besitz einer A-Rennlizenz sein, ergänzt der Franzose.

Sieger beim VW Beetle Fun Cup unwichtig

Währenddessen dröhnen die Käfer so laut auf dem Speed Way, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen kann. Etwa alle 20 Minuten wechseln sich die Fahrer der Teams ab und ziehen sich gegenseitig mit vereinten Kräften aus dem engen Cockpit. Zwischendurch fahren sie zur Tankstelle, die auf dem Gelände liegt, wechseln Reifen in der Gasse oder fahren zwischendurch in die Boxen, um Motor- und Fahrwerksprobleme zu beheben. Alles geht flott und beschwingt, jeder kümmert sich um alles. Eine angespannte Hektik bricht aber nicht aus, das Grinsen der Fahrer passt zum Karibikwetter.

Nach drei Stunden ist das erste Rennen an diesem Wochenende geschafft, am Sonntag geht es weiter. Wer hat doch gleich gewonnen? Organisator Abdelatif zuckt mit den Schultern. „Puh, das weiß ich gar nicht so genau.“ Aber darum scheint es hier ja auch nicht zu gehen. Nur bei einem sind sich alle Fun-Cup-Fahrer einig: Gewonnen hat der Spaß.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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