VW Golf VIII 1.5 eTSI

Bevor der neue Golf noch vor Weihnachten zu den Händlern rollt,
lässt VW uns in einem 1.5 eTSI hinters Steuer. Der Mildhybrid
ergänzt das Golf-Angebot um eine komplett neue Antriebsform. Was
taugt sie?
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Bevor der neue Golf noch vor Weihnachten zu den Händlern rollt, lässt VW uns in einem 1.5 eTSI hinters Steuer. Der Mildhybrid ergänzt das Golf-Angebot um eine komplett neue Antriebsform. Was taugt sie?

© Volkswagen

Bevor der neue Golf noch vor Weihnachten zu den Händlern rollt, lässt VW uns in einem 1.5 eTSI hinters Steuer. Der Mildhybrid ergänzt das Golf-Angebot um eine komplett neue Antriebsform. Was taugt sie?

Neben zwei Benzinern (130 und 150 PS) und zwei Dieselmotoren (115 und 150 PS) bringt VW die achte Golf-Generation zum Marktstart im Dezember auch als Mildhybrid. Heißt in aller Kürze: elektrisch unterstützt, nicht aber elektrisch fahrend. Im eTSI, der zunächst mit 150 PS, später auch mit 110 und 130 PS verfügbar ist, koppelt VW einen 1,5-Liter-Benziner mit einem 48-Volt-Riemen-Startergenerator und einer 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie.

Das System erlaubt dem Golf 8, mit abgeschaltetem Motor zu segeln, und soll den Kompakten gegenüber dem Vorgänger mit herkömmlicher Verbrenner-Technik so rund zehn Prozent sparsamer machen. Weil der Riemen-Startergenerator aber auch das Antriebsdrehmoment erhöht, also als Booster fungiert, soll der neue Kompakte nicht nur verbrauchsärmer, sondern auch agiler sein.

Golf 8 1.5 eTSI beschleunigt vehement

Mit diesem Wissen dürfen wir nun also hinter das Steuer des immer noch MQB-basierten, aber rundum erneuerten Wolfsburgers. Was alles neu ist am neuen Golf, haben wir bereits an dieser Stelle beschrieben. Alle Infos zu den Antrieben und somit auch den noch folgenden Plug-in-Hybriden lesen Sie hier. Und das neue Bedienkonzept im Golf-Cockpit haben wir hier genauestens beleuchtet.

Jetzt also einsteigen, was gewohnt golfig gelingt, da der Kompakte in Abmessungen und Radstand nur marginal verändert wurde. Auch die Sitzergonomie ist wie gehabt, die des Cockpits jetzt aber noch konsequenter auf den Fahrer ausgerichtet. Da der Golf hier in der höchsten Ausstattungslinie Style (ersetzt Highline) steht, startet der Motor serienmäßig schlüssellos. Im eTSI stets an Bord ist auch der Siebengang-Doppelkuppler, der nun über einen stark geschrumpften Wählknubbel in der Mittelkonsole – ähnlich wie im neuen Porsche 911 – bedient wird.

Der Vierzylinder legt knurrig los und bringt den Golf mit Unterstützung des Riemen-Startergenerators, der von einer Batterie unter dem Beifahrersitz versorgt wird, hurtig auf Tempo. Die 100-km/h-Marke fällt nach achteinhalb Sekunden. Sagt Volkswagen. Rein subjektiv wirkt die Beschleunigung sogar vehementer, weil die 48-Volt-Technik vom Start weg Kraft beimischt. Das maximale Drehmoment von 250 Nm liegt schon ab 1.500 Umdrehungen an und steht bis dreieinhalbtausend Touren zur Verfügung. Die Zeiten der dem Doppelkuppler zugeschriebenen Anfahrschwäche sind passé. Auf Befehle mit dem Gasfuß reagieren Motor und Getriebe beinahe ansatzlos, weshalb auch Zwischensprints durchaus Freude bereiten.

Hat der eTSI Fahrt aufgenommen, bietet er seinem Fahrer den Segelmodus an. Nein, er fordert dazu auf. Im digitalen Kombiinstrument. Mit Ausrufezeichen. Also, Fuß vom Gas nehmen! Die virtuelle Drehzahlnadel sinkt auf Null und der Golf rollt antriebs- und beinahe lautlos weiter. Dafür braucht es nicht einmal Landstraßentempo. Auch in der Stadt will der Segelmodus beim Spritsparen helfen – offizielle Verbrauchsangaben macht VW aber noch nicht. Tempo baut der segelnde Golf nur sehr langsam ab – zumindest in der Ebene. Will man wieder beschleunigen, holen Gasfuß und Generator den Vierzylinder verzögerungsfrei zurück ins Leben. Beim Cruisen macht sich auch das nur im Drehzahlmesser bemerkbar, da das Getriebe im höchstmöglichen Gang bleibt.

Beim Fahren denkt der Golf mit

In einigen Situationen schaltet sich der Verbrenner aber auch selbständig wieder dazu. Dann nämlich, wenn die vernetzte Bordtechnik mittels Navidaten und Frontkamera Ortschaften, Vorausfahrende, Kreuzungen, Kreisverkehre oder Tempolimits erkennt und die Rekuperation des 48-Volt-Systems nicht genug Bremsmoment aufbaut. Der selbständige Wechsel in niedrige Gänge sorgt dann dafür, dass der Golf zusätzlich an Tempo verliert. Bremsen ist unter Umständen also gar nicht nötig. Es braucht ein wenig Eingewöhnung, den eigenen Fahrstil an die Fähigkeiten und Vorzüge der Mildhybrid-Technik anzupassen. Alleine schon deshalb, weil man so oft vom Gas gehen kann. Hat man aber verinnerlicht, wann der Kompakte wie reagiert, kommt alles in Fluss und der Golf wird zu einem vorzüglichen Cruiser.

Dabei könnte der Wolfburger seinen Fahrer noch mehr unterstützen. Der optionale „Travel Assist“ lenkt, beschleunigt und bremst bis 210 km/h aktiv mit. Und die serienmäßige, voll vernetzte Car2X-Kommunikation wird den Fahrer künftig frühzeitig über Gefahrenstellen informieren. Damit das vollumfänglich gelingt, müssen aber auch andere Fahrzeuge und die Verkehrsinfrastruktur mit dieser Technik ausgestattet sein.

Und sonst? Eigentlich alles Golf im neuen Golf 8. Zum Beispiel die Lenkung, die immer noch ebenso leichtgängig wie direkt arbeitet und dabei ausreichend Rückmeldung gibt. Oder das Fahrwerk, das in diesem Golf und in jeder anderen 150-PS-Variante mit einer Mehrlenker-Hinterachse ausgestattet ist (sonst Verbundlenker). Die Federung ist wie gewohnt komfortbetont, für die sportliche Gangart aber ausreichend straff ausgelegt. Beim Handling ist der Golf so gelassen wie eh und je.

Geblieben ist auch das gute Variabilitäts-Niveau. Hinten finden bis zu drei Passagiere Platz. Wirklich bequem ist es aber nur für zwei. Hinter der Mittel-Armlehne gibt es eine Durchreiche, in der zwei Cupholder Platz finden. Die Lehne klappt im Verhältnis 40:20:40 weg und vergrößert das Kofferraumvolumen bei Bedarf von 380 auf bis zu 1.237 Liter.

Technische Daten:

Golf 1.5 eTSI

Leistung: 110 KW (150 PS)
Drehmoment (bei U/min): 250
Höchstgeschwindigkeit:224 km/h

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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