Wallboxen für Zuhause

Wallbox BMW
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Wallbox BMW

© BMW
05.02.2019 - 10:30 Uhr von Bernd Conrad

Das ständige Laden eines Elektroautos an der Haushaltssteckdose dauer lang und kann gefährlich sein. Die Installation einer Wallbox schafft Abhilfe. Was man darüber wissen sollte und mit welchen Kosten zu rechnen ist.

„Was soll die ganze Aufregung um Ladesäulen und Wallboxen?“ Das mag ich sich mancher Autofahrer, der über die Anschaffung eines Elektroautos nachdenkt, vielleicht fragen. Schließlich ist in der Garage oder am Carport doch eine Steckdose montiert, die bisher den Strom für Staubsauger, Arbeitslicht und Co. spendete. Und dort kann doch das künftige Auto bequem aufgeladen werden. Klar dauert das länger, aber damit kommt man zurecht.

Dieser Gedankengang ist keine Lösung für den dauerhaften Betrieb und das Nachladen eines Elektroautos. Die Haushaltsleitung ist für diese Strommengen und die Dauerbelastung nicht ausgelegt, kann überhitzen und im schlimmsten Fall zu einem Brand führen. Aber auch die Ladegeschwindigkeit ist für viele Menschen durchaus ein Punkt, der für die Installation einer Wallbox spricht, sofern die Gegebenheiten zuhause dies zulassen. Die Box mitsamt der Leitung sollte vom Fachmann installiert werden. Autohersteller mit eigenem Wallbox-Angebot, wie zum Beispiel VW ab Herbst 2019, und Anbieter der Boxen selbst helfen bei der Vermittlung lokal ansässiger Spezialisten.

Schnelles Laden mit bis zu 22 kW

Wird das Auto mit bis zu 22 kW Leistung per Drehstrom geladen, verkürzt sich nicht nur die Ladedauer. Auch unvermeidbare Ladeverluste werden minimiert. Das ist am besten mit einem tropfenden Wasserhahn vergleichbar. Je schneller dieser ganz zugedreht ist, desto weniger Wasser bzw. Strom geht „nebenbei“ verloren.

Bei der Wahl der Wallbox sollte das eigene Auto ebenso wie der mögliche Ersatz in Zukunft bedacht werden. Denn noch gibt es kein einheitliches Steckersystem. Während in Europa der Typ 2-Stecker stark verbreitet ist, gibt es daneben auch den fünfpoligen Typ 1 und CHAdeMO-Stecker für hohe Ladeleistungen, zum Beispiel beim Bestseller Nissan Leaf.

Wählt man eine Wallbox mit eigenem Kabel, sollte also der richtige Stecker daran hängen. Der Vorteil: Das oder die Kabel des Autos können darin verstaut bleiben, um bei Ladebedarf unterwegs zum Einsatz zu kommen. Aktuelle Wallboxen bieten bis zu 11 oder gar 22 kW Ladeleistung. Damit dürften sich in absehbarer Zukunft sämtliche Elektroautos ausreichend schnell laden lassen. Schwächere Ladepunkte sorgen vielleicht bald für Frust beim Nutzer und der Preisvorteil ist durch eine Ersatzanschaffung schnell hinfällig.

ADAC empfiehlt 11 kW-Wallboxen

Der ADAC empfiehlt in einem aktuellen Test die Wahl einer 11 kW-Wallbox. Hier entfallen spezielle Genehmigungen durch den örtlichen Stromnetzbetreiber, zudem hält sich der Anschaffungspreis noch im Rahmen.

Die Vernetzung des Lademanagements sollte zudem auch auf der Agenda stehen. Nur so lässt sich das Elektroauto intelligent aufladen. Über eine Smartphone-App kann beispielsweise die Abfahrtszeit mit vollem Akku eingegeben werden. Die Software steuert dann automatisch den Zeitpunkt und die Menge des zu ladenden Storms und kann dabei unter anderem preisgünstige Nachtarife ausnutzen. Außerdem hat man über eine entsprechende App den Ladezustand der Batterien im Auto stets vor Augen und kann auch bei – einigermaßen – spontanen Fahrten für ausreichend Elektronen im Akku sorgen.

Bei der Installation einer Wallbox bietet sich also auch gleich der Anschluss des Geräts an das Internet, zum Beispiel über das heimische WLAN-Netz an. Sollte die Box im Carport oder an einer anderen Stelle auf dem Grundstück von außen zugänglich sein, muss sie zudem vor fremdem Zugriff geschützt sein. Ein RFID-Chip oder die Freischaltung per Smartphone-App bieten hier die nötige Sicherheit.

Je nach Anbieter, Ausstattung und Ladeleistung variieren die Preise für Wallboxen sehr stark. Günstige Modelle mit 3,7 kW gibt es ab ca. 400 Euro, Drehstrom-Varianten mit 22 kW und voller Vernetzung kosten bis zu 2.500 Euro.

VW bringt eigene Modelle ab 300 Euro

VW will, parallel zum Marktstart des ersten ID.-Modells, auch Wallboxen unter das Volk bringen. Das Einstiegsmodell mit 11 kW Ladeleistung wurde für 300 Euro angekündigt, mit Connectivity für Steuerung und Abrechnung sollen 550 bis 600 Euro aufgerufen werden. Auch eine 22 kW-Wallbox wird der Autobauer für wohl knapp über 2.000 Euro anbieten, hiermit aber eher Flottenbetreiber und Firmenkunden ansprechen.

Nissan kooperiert bei Wallbox mit E.ON

Auch Nissan kümmert sich um seine Kunden. In Zusammenarbeit mit E.ON bietet der Importeur ab sofort eine Wallbox an. Im Preis von 1.865 Euro für die 22 kW-Wallbox ist auch die Installation vor Ort enthalten, die E.ON über Vertragspartner erledigen lässt.

Im Paketpreis sind bis zu 15 Meter Kabel mit dessen Verlegung und, wenn nötig, zwei Mauerdurchbrüche enthalten. Bei komplizierten Installationsarbeiten kann ein 339 Euro teuer Vorabcheck gebucht werden, dem dann ein detaillierteres Angebot für die benötigten Arbeiten folgt. Alternativ zum Kauf können Kunden, die einen Nissan Leaf oder e-NV200 über die Hausbank des Importeurs finanzieren, die Wallbox mitsamt der Installation auch per Ratenzahlung begleichen.

Nach der Wahl einer geeigneten Wallbox und deren Installation gilt es auch, den passenden Stromtarif auszuwählen. Nutzer eines elektrisch angetriebenen Firmenwagens, die ihre Stromkosten mit dem Arbeitgeber abrechnen können, benötigen außerdem einen separaten Zähler für den Fahrstrom.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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