Wie viel Geld bringt berühmter Vorbesitz?: Die teuersten Promi-Autos

Ein Ferrari 365 GT4 Berlinetta Boxer, der 1974 neu an Elton John
ausgeliefert worden war, brachte bei einer Auktion von Bonhams
260.000 Euro.
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Ein Ferrari 365 GT4 Berlinetta Boxer, der 1974 neu an Elton John ausgeliefert worden war, brachte bei einer Auktion von Bonhams 260.000 Euro.

© Bonhams

Je prominenter ein Vorbesitzer, desto teurer das Auto? Nicht unbedingt, der Autobezug des Promis scheint wichtiger: John Surtees zählt mehr als Keith Richards, Steve McQueen mehr als Queen Elizabeth.

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Erinnern Sie sich noch an den Ratzinger-Golf? Deutschland hatte einen Papst und ein Zivi seinen Golf. Benjamin Halbe hatte den Kompaktwagen im Januar 2005 bei einem Siegener Autohaus gekauft. Ein ganz normaler Golf IV in metallicgrau, 115 PS, 75.000 Kilometer gelaufen, für 10.000 Euro. Als Erstbesitzer steht "Josef Kardinal Ratzinger" im Fahrzeugbrief. Nachdem Ratzinger Papst wird, stellt Halbe seinen Golf auf Ebay ein. Am Ende bietet ein Online-Casino in den USA 188.938,88 Euro.

Autos mit berühmten Vorbesitzern


  1. 260.000 Euro für Elton Johns Ferrari

    Nicht immer steigert ein prominenter Vorbesitz den Wert so stark wie im Fall des Ratzinger-Golf. Ein von Bonhams in Goodwood versteigerter Ferrari 365 GT4 Berlinetta Boxer brachte 224.250 britische Pfund. Das sind umgerechnet 260.943 Euro, der Schätzwert wurde nicht erreicht, obwohl das Auto 1974 an Elton John ausgeliefert wurde. Classic Analytics notiert den Mittelmotor-Sportwagen in gepflegtem Zustand bei 352.800 bis 477.200 Euro. Von einem Promi-Bonus keine Spur.

  2. Beckhams Aston Martin

    Fußballer David Beckham spielt nicht ganz in der gleichen Promi-Kategorie, sorgt aber auch für einen spürbaren Preisanstieg von Gebrauchtwagen. Eigentlich kaum verwunderlich, wenn schon die Unterschrift auf einem Trikot den Wert eines Kleidungsstücks nach oben treiben kann. Aston Martin Works bietet derzeit den Aston Martin AMV8 Volante von Beckham für mehr als eine halbe Million Euro an. Knapp 550.000 Euro werden veranschlagt, während andere Exemplare bei rund 300.000 Euro rangieren. Allerdings, und das muss man schon erwähnen, ist der Zustand des 1987er Modells tadellos. Unter der Haube arbeitet ein 5,3-Liter-V8 mit X-Pack-Upgrade (ab Werk) und 432 PS, die Außenhaut erstrahlt in Windsor Rot, die Pneus spannen sich um die Original Ronal-Felgen.

  3. Karajan-Flügeltürer bringt 1,4 Millionen Dollar

    Die Kombi aus einem 300 SL als überraschendem Garagenfund und hochkarätigem Erstbesitzer war einem Käufer 1.435.000 US-Dollar wert. Das entspricht rund 1,27 Millionen Euro und liegt etwa um den Preis eines neuen SL 500 über den Notierungen für einen Flügeltürer. Auch den angesetzten Preisrahmen übersteigt der weiße Flügeltürer: Den hatte das Auktionshaus Gooding zwischen 1 und 1,4 Millionen Dollar angesetzt. Die Auktion fand in ScottsdaleArizona statt.

    In diesem Mercedes 300 SL ist Musik drin: Der weiße Flügeltürer aus dem Baujahr 1955 gehörte einst dem Stardirigenten Herbert von Karajan. Der charismatische Österreicher führte die Berlin Philharmoniker und liebte in seiner Freizeit schnelle Autos. Sein ehemaliger, in der seltenen Farbe Grauweiß lackierter Flügeltürer überlebte unrestauriert 34 Jahre lang gut versteckt in einer Garage in Kalifornien. Jetzt kommt er in Scottsdale (USA) unter den Hammer. Zu den Besonderheiten von Karajans 300 SL zählen die Rudge-Felgen mit Zentralverschluss, die die Attraktivität eines Exemplars des Traumwagens bei Sammlern heute noch steigern. Außerdem verfügt Karajans Sportwagen von 1955 bereits über ein Autoradio.

    Im Innenraum steckt noch eine Spezialität dieser W198 mit der Chassisnummer 198.040.5500378: Karajan ließ spezielle Kartennetze anbringen: "vielleicht um Notenblätter seiner aktuellen Arbeit verstauen zu können", mutmaßt das Auktionshaus Gooding, welches den 300 SL jetzt verkauft. Herbert von Karajan übernahm seinen Flügeltürer im Sommer 1955. Er wählte die ungewöhnliche Farbkombination Weißgrau (Farbcode DB 158) mit rotem Karo-Interieur. Kurz vor dem Kauf seines 300 SL hatte er die Berliner Philharmoniker Anfang 1955 auf deren erster Konzertreise durch Amerika geleitet. Im Jahr darauf wurde er Chefdirigent des Sinfonierorchesters. Seinen SL fuhr er mindestens bis 1957, wie ein Foto aus diesem Jahr belegt. Wann er den Mercedes-Zweisitzer verkaufte, ist nicht bekannt. Danach gehörte er der Sportwagen einem Schweizer.

    Spätestens 1964 wurde das Auto in die USA verkauft. Aus diesem Jahr stammt die älteste Registrierungskarte. Der kalifornische Fahrzeugbesitzer stellte den Ex-Karajan-SL 1984 in einer trockenen Garage ab, wo er erst 2018 entdeckt wurde. Der weißgraue Flügeltürer steckte gut versteckt unter mehreren Schutzhüllen. Einziger Schönheitsfehler: Das Aluschildchen mit der Fahrgestellnummer stammt nicht von diesem 300 SL, sondern von einem älteren Exemplar. Der Grund dafür ist unbekannt.

  4. Berühmt: Steve McQueens Porsche

    Den zehnfachen Preis für ein Promi-Auto? Das ist selten, kommt aber vor. Im August 2018 versteigerte RM Sotheby’s den Porsche 911 S von Steve McQueen. Die Besonderheit: Das Auto gehörte nicht nur einem Prominenten, sondern wurde auch selbst prominent, weil ein identisches Modell im Filmklassiker Le Mans auftaucht. Die Bieter steigerten den Preis bis zum Höchstgebot von umgerechnet 950.000 Euro. Laut Classic Analytics wäre das Modell ohne Promi-Bonus 74.000 Euro wert. Auch wenn der prominente Vorbesitzer einen Bezug zum Auto hat: Ein am 1. Dezember 2018 bei Bonhams versteigerter 507 zeigt es: Der Roadster hat mal dem Designer Graf Goertz gehört und brachte inklusive Aufgeld umgerechnet 2,67 Millionen Euro ein – immerhin ein kleiner Promi-Bonus für den Designer des Autos.

  5. Günstig: Prince Charles‘ Bentley Turbo R

    Königlicher Vorbesitz steigerte im September 2018 den Wert eines normalerweise 400.000 Euro teuren Rolls-Royce Phantom IV auf 900.000 Euro. Damit war die 1955 gebaute Limousine aus dem Vorbesitz der Queen mehr als doppelt so teuer als eines aus bürgerlichem Vorbesitz. Dass ein Royal nicht immer den Wert steigert, beweist übrigens Prine Charles' Bentley Turbo R, den H&H Auctions im Oktober für 17.800 Euro versteigerte – sechs Prozent unter den Notierungen in Deutschland.

  6. Teuer: John Surtees‘ BMW 507

    Für eine kräftige Preissteigerung sorgte im Juli 2018 John Surtees, als Bonhams seinen BMW 507 versteigerte. Der Rennfahrer hatte das Auto 1957 von seinem Rennstall bekommen und seither behalten: Zum Promi-Bonus kam hier noch die außergewöhnliche Historie. Statt 2,3 Millionen Euro brachte der Surtees-507 4,3 Millionen Euro. Nicht ganz so heftig wie bei Surtees wirkte sich im September 2018 der langjährige prominente Erstbesitz eines Ferrari aus: Keith Richards besaß von 1972 bis Mitte der Achtziger einen Dino 246 GT. Der Sportwagen brachte bei Bonhams 504.000 Euro statt 300.000 Euro, die Classic Analytics für ein Modell veranschlagt, das nicht Keith Richards gehörte.

  7. 183.000 Euro für Bowies Volvo

    Mit umgerechnet 183.000 Euro erzielte der Volvo 262 C Bertone von David Bowie bei einer Auktion der Oldtimer Galerie Toffen in Gstaad Ende Dezember 2017 einen Rekordpreis. Ohne Promi-Bonus notiert das von Bertone gefertigte Volvo-Coupé in gutem Zustand bei 19.000 Euro, also einem Zehntel des bei einer Auktion im schweizerischen Gstaad erzielten Preises. Am 22. Juni 1981 wurde das Coupé in der Schweiz auf den Namen des Musikers zugelassen. 1985 folgte die Umschreibung auf die Plattenfirma von David Bowie und Iggy Pop.


Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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