Audi Q2, Hyundai Kona, VW T-Roc im Test

Im Vergleich: Audi Q2 2.0 TFSI, Hyundai Kona 1.6 T-GDI 4WD, VW
T-Roc 2.0 TSI 4Motion (von links).
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Im Vergleich: Audi Q2 2.0 TFSI, Hyundai Kona 1.6 T-GDI 4WD, VW T-Roc 2.0 TSI 4Motion (von links).

© Hans-Dieter Seufert
29.01.2018 - 00:00 Uhr von Michael von Maydell

Bei den kleinen SUV ist derzeit richtig was los, nach Kia Stonic und Seat Arona wollen nun Hyundai Kona 1.6 T-GDI 4WDund VW T-Roc 2.0 TSI 4Motion den Markt aufrollen. Im Vergleich mit dem etablierten Audi Q2 2.0 TFSI checken wir, was die beiden können.

  • Audi Q2 2.0 TFSI
  • Hyundai Kona 1.6 T-GDI 4WD
  • VW T-Roc 2.0 TSI 4Motion

Als Kulisse für diesen Test haben wir uns die Baumhäuser im Natur-Resort Tripsdrill ausgeguckt. Warum wir genau hierhergefahren sind? Nun, die hölzernen Hütten passen sehr gut zum aktuellen Zeitgeist. Denn so staksig sie auch ausschauen, innen verfügen die Hütten über Fußbodenheizung, Flachbild-TV, Schminkspiegel, Kaffeepadmaschine und WLAN, sind kuschelig eingerichtet, und abends kann man den Wölfen aus dem nahen Wildpark lauschen.

Die Hütten passen also ganz gut zu den Besitzern peppiger, putziger, teils auch geländegängiger Crossover, von denen schon viele durch das Resort gekurvt sein dürften. Und ginge es nach Hyundai und VW, sollen es ab sofort möglichst viele Kona oder T-Roc sein. Welchen wir für Ausflüge dieser Art bevorzugen, klären wir mit einem Vergleich der starken Benziner mit Allradantrieb – und dem Audi Q2 als Messlatte.

Teuer und gut: der Q2

Starten wir mit dem Q2. Als Audi ihn vor einem Jahr auf den Markt brachte, schüttelten viele verwundert den Kopf. Zu bunt, zu speziell, zu unpraktisch, zu teuer – so der Tenor. Doch die Nachfrage spricht eine andere Sprache, er verkauft sich blendend, und sicher gilt er vielen SUV-Gestaltern als Vorbild.

Eines – das steht auch nach diesem Vergleich fest – wird er all seinen Gegnern weiter voraushaben: sein feines Ambiente, die fühl- und sichtbare Qualität. Dabei sind es gar nicht mal die Materialien, die beeindrucken, denn auch im Q2 finden sich reichlich harte Kunststoffe. Aber sie sind mit Bedacht ausgewählt, zum Teil zart bedruckt oder matt getönt und meist gut aufeinander abgestimmt. Zugleich schafft es Audi besser als andere, die Teile auch sauber einzubauen.

Aber – und das ist der größte und im Grunde einzige Nachteil des Q2 – Qualität hat ihren Preis. Denn fast alle Nettigkeiten im und am Auto kosten extra, obwohl Audi für den 190 PS starken Q2 2.0 TFSI Sport bereits 34.150 Euro verlangt. Dabei geht es gar nicht um den angenehm großen TFT-Monitor oder das sehr empfehlenswerte virtuelle Cockpit. Nein, nicht einmal ein Bordcomputer ist Serie, und selbst die silberfarbenen Einsätze rund um die Lüftausströmer oder an den Fensterhebertasten wollen extra bezahlt sein. Nur 90 Euro – aber es läppert sich gewaltig. Der Preis des Testwagens steigt so auf knapp über 50.000 Euro. Dafür bekommen Sie auch schon 1,5 vollausgestattete Kona inklusive der fünf Jahre Garantie. Aber dazu später mehr.

Erst einmal lassen wir Kona und T-Roc bei den Hütten stehen und drehen mit dem Audi unsere Runden. Traktionsprobleme kennt der Allradler naturgemäß nicht, und da unter der Haube ein wenig charismatischer, aber kräftiger Turbobenziner sitzt, geht es ausgesprochen spritzig voran. Den Spurt von null auf 100 km/h erledigt der 4,19 Meter lange SUV in 7,1 Sekunden, kleine Zwischensprints sind dank 320 Nm (ab 1.500/min) schnell erledigt, und selbst die 200-km/h-Marke wird locker geknackt. Wobei sich hier übrigens alle drei Probanden nur wenig schenken.

Das beim 2.0 TFSI serienmäßige Siebengang-DKG arbeitet wie gewohnt zackig und meist ruckarm; es passt bestens zum sportlichen Auftritt. Wer mag, kann zudem via Schaltpaddel am fein belederten Lenkrad (395 Euro) die Gänge wechseln. Dabei bleiben Vierzylinder und Auspuffanlage in nahezu jeder Situation so manierlich leise, dass es fast schon etwas langweilig werden könnte. Wird es aber nicht – schließlich gibt es ja auch Kurven. Und die durcheilt der mit adaptiven Dämpfern (800 Euro) bestückte Audi sehr behände und mit weniger Seitenneigung als seine beiden Konkurrenten. Dabei bleibt der Allradler lange neutral auf Linie und neigt erst spät zum Untersteuern. In der Not helfen extrem kräftig zupackende Bremsen (33,3 Meter aus 100 km/h) und ein sensibel eingreifendes ESP.

Das klingt alles recht rasant und nach einem straffen, holprigen Fahrwerk. Von wegen – ähnlich wie der komfortable T-Roc federt der 1,51 Tonnen schwere Q2 sowohl in der Stadt als auch bei schneller Fahrt sehr manierlich und rüttelt seine Insassen nur höchst selten durch. Zudem halten sich die Abroll- und Windgeräusche sehr in Grenzen.

Auch über Rückenbeschwerden dürften die vorderen Insassen kaum klagen, denn die beim Q2 Sport serienmäßigen Sportsitze sind bestens konturiert und bieten genug Beinauflage. Weniger gemütlich haben es die Passagiere im eng geschnittenen Fond. Die Sitzbank hier ist zwar gut ausgeformt, aber die Lehne steht einen Tick zu steil, und Reisende über 1,80 Meter Länge streicheln mit der Schläfe die C-Säule. Ähnlich eng geht es im Kofferraum weiter, nur 355 bis 1.000 Liter Gepäck lassen sich hier verstauen. Immerhin erleichtert eine dreigeteilte Lehne (250 Euro) den Transport langer Gegenstände – vielleicht ein paar Walking-Stöcke für den Marsch durch den Wald?

Schnell und günstig: der Kona

Immerhin 361 bis 1.143 Liter schluckt der mit 26.400 Euro deutlich günstigere Kona 1.6 T-GDI 4WD in Style-Ausstattung. In einem Unterbodenfach lassen sich kleine Gepäckstücke sicher und sichtgeschützt verstauen, doch mit einer Durchladeöffnung in der Fondlehne oder spürbar mehr Platz als der Audi kann der mit reichlich Kunststoff beplankte Hyundai nicht dienen. Wohl aber mit einer etwas gemütlicheren Rücksitzbank.

Große Passagiere nehmen also besser vorn Platz und dürften sich sehr schnell zurechtfinden. Sie blicken auf klassische, gut ablesbare Rundinstrumente, einen großen Touchscreen mit scharfer Darstellung oberhalb der Mittelkonsole und große Direktwahltasten – alles sinnig platziert und solide eingebaut. Vor dem Schalthebel findet sich zudem ein großes Fach mit induktiver Ladestation für das Smartphone, 12-Volt-Buchsen und USB-Anschluss. Anders als bei Q2 und T-Roc sind sie übrigens serienmäßig – ebenso wie Klimaautomatik, DAB, Mirrorlink, Rückfahrkamera und einiges mehr. Ganz neu hingegen und für Hyundai geradezu aufmüpfig farbenfroh ist das Sitz-paket (1.400 Euro), das mit bunten Kunststoffeinsätzen, Nähten und Gurten sowie auffälligen Lackfarben junge Kundschaft anlocken soll.

Uns interessiert allerdings mehr, wie der 4,17 Meter lange Kona fährt. Also los zur zweiten Runde. Schon nach den ersten Metern ist klar: Der SUV lenkt zwar präzise ein und kann einem Q2 auf kurvigen Strecken gut folgen, doch mit der Geschmeidigkeit und Harmonie hapert es noch ein wenig. Auf seinen 18 Zoll großen Rädern rumpelt er bei Stadttempo über Querfugen, sein 1,6-Liter-Turbobenziner klingt allzu präsent, und das Doppelkupplungsgetriebe legt nicht sonderlich beflissen den passenden Gang ein.

Bei flotter Fahrt steigen die Innengeräusche sogar massiv an, und der Testverbrauch liegt mit Werten zwischen 7,4 (minimal) und 9,8 l (im Mittel) deutlich über dem Zweiliter-TSI aus dem VW-Konzern. Schade, denn trotz seiner 13 PS und 55 Nm weniger ist der Vierzylinder ein sehr tüchtiger Geselle. Er bringt den Hyundai völlig ebenbürtig in Schwung und wirkt subjektiv tatkräftiger, als es die Werte zeigen. Gleichfalls sehenswert: die soliden Bremswerte (35,5 Meter).

Groß und bequem: der T-Roc

Womit wir schon beim einzigen Schwachpunkt des T-Roc 2.0 TSI 4Motion mit DSG sind. Vorgefahren in der Sport-Version, prunkt er zwar mit roten Bremssätteln, doch die anderen verzögern kräftiger. Das kostet ihn wichtige Punkte, insbesondere im Duell mit dem Q2.

Hinsichtlich Vortrieb lässt der 190 PS starke VW dagegen nichts anbrennen. Sein gut gedämmter Turbobenziner zieht vom Start weg kräftig an, liefert über ein breites Drehzahlband immer mächtig Schub, während das DSG virtuos mit den sieben Gängen jongliert. Die Unterschiede zum Audi sind minimal, doch als Einziger der drei besitzt der T-Roc einen Drehknopf, um den Allradantrieb dem Untergrund in drei Modi (Straße, Schnee, Offroad) anzupassen.

Entsprechend könnte man sich etwas tiefer ins Resort wagen. Aber wir lassen das – schon aufgrund der mächtigen 19-Zoll-Räder und einer Bodenfreiheit von 16 Zentimetern – und bleiben lieber auf der Straße. Ausstaffiert mit adaptiven Dämpfern (1.045 Euro) und einer direkten, präzisen Lenkung, ist der 4,23 Meter lange T-Roc gleichermaßen komfortabel wie wendig und auf Strecken aller Art ein idealer Begleiter.

Wer macht das Rennen?

Schließlich soll das T im Namen die innige Bindung zum Tiguan zeigen, und Roc spricht ja für sich selbst. Der Wagen soll rocken, Jungvolk locken. Mittels kantiger Form, kräftiger Lackfarben, weiß oder schwarz gefärbter Dächer und bunter Dekoreinlagen – leider nicht zu sehen in unserem 30.800 Euro teuren Topmodell. Den 2.0 TSI gibt es nur als „Sport“, und der präsentiert sich mit Klavierlack in der Mittelkonsole und sauber eingepassten Einsätzen in Caribou Grey konservativ.

Nachteile fängt er sich damit freilich nicht ein. Das Cockpit ist übersichtlich und aufgeräumt. Dazu finden sich ein bestens bedienbarer großer Touchscreen mit zwei Drehreglern, die ansehnlichen digitalen Instrumente und bequeme Sportsitze mit der längsten Beinauflage (52 cm). Ähnlich gut fühlt man sich auf den gemütlichen Rücksitzen samt Durchlade aufgehoben. Und da es im Fond zugleich eine ordentliche Innenhöhe (vier Zentimeter mehr als im Kona) gibt, geht man im VW auch sehr entspannt auf Reisen. Passend dazu fällt der Kofferraum (392 bis 1.237 Liter) hier am größten aus.

Technische Daten:

Q2 2.0 TFSI Quattro

Leistung: 140 KW (190 PS)
Drehmoment (bei U/min): 320
Höchstgeschwindigkeit:228 km/h
Grundpreis:34.800 €

Kona 1.6 T-GDI 4WD

Leistung: 130 KW (177 PS)
Drehmoment (bei U/min): 265
Höchstgeschwindigkeit:205 km/h
Grundpreis:26.400 €

T-Roc 2.0 TSI 4Motion

Leistung: 140 KW (190 PS)
Drehmoment (bei U/min): 320
Höchstgeschwindigkeit:216 km/h
Grundpreis:30.800 €

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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