BMW Alpina D3 Biturbo Touring Allrad im Test

BMW Alpina D3 Biturbo Touring Allrad, Exterieur
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BMW Alpina D3 Biturbo Touring Allrad, Exterieur

© Christian Gebhardt
06.02.2019 - 17:07 Uhr von Christian Gebhardt

Redaktionsbesuche bei sport auto sind Härtetests: So fehlerfrei wie der BMW Alpina D3 Biturbo schnitt bisher kaum ein Dauertestwagen ab. Unsere Bilanz nach 60.000 Kilometern.

Aus dem Harman-Kardon-Surround-Soundsystem massiert die legendäre Bassstimme von Radiomoderator Peter Urban das Gehör, während das leere Asphaltband der nächtlichen Autobahn A 7 im Zeitraffer vorbeifliegt. Wie, empfange ich jetzt schon wieder NDR 2? Subjektiv verdichtet kein anderes Fahrzeug lange Distanzen wie beispielsweise vom Stuttgarter Redaktionssitz in die norddeutschen Gefilde mit einer so rasanten Gelassenheit wie der BMW Alpina D3 Biturbo Touring Allrad. Für mich sind es diese schnellen, aber gleichzeitig sparsamen Autobahnfahrten, die nach 60.000 Dauertest-Kilometern mit dem Power-Diesel-Traumwagen ganz besonders in Erinnerung bleiben.

Und was bleibt sonst noch vom Redaktionsbesuch des Alpina D3 in Erinnerung? Eine fehlerfreie Dauertestbilanz, wie es sie nur selten gibt.

„Unsere Autos sind vollgasfest, da sie speziell dafür ausgelegt werden und auch unter extremer Belastung erprobt werden“, hatte Alpina-Chef Andy Bovensiepen vorab versprochen. Doch wie steht der auf 350 PS hochgezüchtete Reihensechszylinder-Diesel den stressigen Redaktionsalltag wirklich durch? Immerhin trommelt der Power-Kombi mit einem satten Drehmoment-Punch von 700 Newtonmetern zum Angriff. Wir erinnern uns kurz an den letzten starken Diesel in unserem Dauertest-Fuhrpark zurück. Richtig, das war mit dem 381 PS starken BMW M550d xDrive Touring ein ähnlicher Selbstzünder-Held aus der Kaste der Power-Diesel.

Und eben jenen Sechszylinder-Triturbo ereilte in unserem Langzeittest, nach einer Laufleistung von 40.000 Kilometern, das Schicksal eines Turboladerdefekts. Außerdem mussten das Abgasrückführungsventil sowie später noch der AGR-Kühler getauscht werden.Richtig standfest geht anders.

Das Alpina-Triebwerk: standfeste Leistungskur Allerdings darf dabei nicht unerwähnt bleiben, dass wir die Fahrzeuge im Langzeittest nicht auf Händen durch die Gegend tragen, sondern auch öfters mal mit Volllast bewegen. Aber mal ehrlich, wer einen Power-Diesel erwirbt, macht das in der Regel auch – sein Fahrprofil besteht nicht nur aus Kurzstreckenfahrten in der Stadt, sondern eben auch aus schnellen Langstreckentouren. Großes Ehrenwort: Wir haben den Alpina D3 aber niemals ohne Respekt vor der Technik getreten – braves Warm- und auch wieder Kühlfahren gehören bei unseren Tempoausflügen immer zum Programm.

Damit aus dem D3 Biturbo ein verlässlicher Vollgas-Kumpel wird, modifizierte die Alpina-Entwicklungsmannschaft aus Buchloe das BMW-Basisfahrzeug tief greifend. Basis für das Alpina-Triebwerk ist der N57-Reihen-sechszylinder mit drei Litern Hubraum, Common-Rail-Direkt- einspritzung sowie zweistufiger Turboaufladung mit variabler Turbinengeometrie, der unter anderem auch im BMW 335d mit 313 PS zum Einsatz kommt.

270 km/h: Vmax lässt manche verdutzt zurück

Alpina steigert für das Leistungsplus nicht nur banal den Ladedruck um 0,2 bar, sondern legte das Triebwerk insgesamt noch standfester aus. Zu den Alpina-Modifikationen zählen neben der Entdrosselung der Ansaugwege auch ein großvolumiger Ladeluftkühler sowie zwei vor die Radhäuser ausgelagerte und noch besser angeströmte Wasserkühler. Außerdem trägt der D3 neben einem speziellen Abgaskrümmer aus hochfestem Werkstoff ab dem Mittelschalldämpfer eine Akrapovic-Abgasanlage aus Edelstahl. Jetzt wird auch klar, warum den für Alpina so typischen Doppelendrohren ein kernigerer Klang als bei einem 335d von der Stange entweicht.

Doch nicht nur die tiefere Stimme treibt ein Lächeln ins Gesicht des Alpina-Lenkers, sondern auch die Überlegenheit in Sachen Höchstgeschwindigkeit. Alpina lässt dem D3 quasi freien Lauf und regelt seine Vmax nicht elektronisch ab.

Aus Sportfahrersicht gibt es nichts Schöneres, als auf einer leeren Autobahn bei Höchstgeschwindigkeit einen leistungstechnisch überlegenen Gegner zu überholen, der aber bei 250 km/h abgeregelt ist. Mit einer Topspeed von echten 270 km/h lässt der Alpina D3 Touring so manchen verdutzt zurück. Übrigens ist die Höchstgeschwindigkeit auch ein Argument gegenüber einem normalen 335d xDrive Touring, der „nur“ mit einem Maximaltempo von 250 km/h erhältlich ist.

Ideal für lange Strecken: sportlich und effizient

Bevor wir tiefer in die Dauertestanalyse einsteigen, müssen wir an dieser Stelle, trotz der alles andere als positiven Großwetterlage, erst einmal eine Lanze für den Dieselantrieb brechen. Wie alle Dieseltriebwerke ist natürlich auch der Reihensechser des D3 alles andere als ein reinrassiger Sportmotor. Doch das Durchzugstier mit Leistung satt in allen Lebenslagen ist eines der effizientesten Aggregate auf dem Markt, wenn es um das Thema Verbrauch bei gleichzeitig sportlichen Fahrleistungen geht.

Keiner schonte das Redaktionsbudget in der abgelaufenen Dauertest-Saison so erfolgreich wie der D3. Der Minimalverbrauch lag bei niedrigen 5,7 Litern pro 100 Kilometer. Doch der Minimalverbrauch ist für Sportfahrer auf langen Strecken eine uninteressante Währung.

Neben dem akzeptablen Durchschnittsverbrauch von 10,3 Litern pro 100 Kilometer ist eher der maximale Testverbrauch interessant. Die 19,3 Liter pro 100 Kilometer, die sich der D3 auf einer seiner nächtlichen Autobahnfahrten genehmigte, klingen jetzt erst einmal nach viel, doch man sollte dabei nicht vergessen, dass Benziner ähnlichen Kalibers bei rasanter Fahrweise teilweise fast doppelt so viel wegsaufen.

Was dem Alpina D3 zur absoluten Perfektion fehlt? Ein größerer Tank. Mit einem Tankvolumen von 57 Litern lag die „ Volllast-Reichweite“ bei besagtem Maximalverbrauch bei knapp unter 300 Kilometern. Gut, aber der große Traum wäre ein Alpina D3 mit 100-Liter-Tank.

Im Vergleich zu manchem Benziner ist die Reichweite bei Volllast jedoch lobenswert. Bei Sportlern à la Audi RS 6 oder BMW M5 wird der Boxenstopp bei Vmax-Touren trotz größerem Tank gefühlt im 45-Minuten-Takt und nach knapp 100 Kilometern fällig. Bei zurückhaltender Fahrweise punktete der Alpina D3 mit sehr guten Reichweiten von rund 900 Kilometern.

Leistung ist das eine, Fahrkomfort das andere. Speziell auf langen Strecken glänzt der Diesel-Kombi mit seinem Federungskomfort. München–Flensburg-Distanzen fühlen sich hier tiefen-entspannter an als in anderen Fahrzeugen die Fahrt zum Bäcker. Selbst die grobschlächtigen Betonplatten der historischen Steilkurve auf der Rennstrecke von Monza schluckte der D3 galant weg.

Erste Testnotiz: „Ein perfekter Reisewagen“

Monza, Mailand, Rimini, Pisa, Florenz oder Venedig – an der hohen Anzahl von Fernreisen innerhalb eines Dauertests lässt sich das Fahrverhalten eines Testwagens immer gut ablesen. Wir predigen zwar Hardcore-Sport, aber für die langen Etappen werden die Bandscheiben-Klopfer im Redaktionsfuhrpark nicht ganz so oft gewählt. „Ein wirklich perfekter Reisewagen“ lautet dementsprechend auch der erste Eintrag ins Dauertest-Fahrtenbuch des D3.

Bis auf den Spaßvogel, der immer wieder im Fahrtenbuch seine Fahrzeugwäschen einträgt, findet sich in den Dauertestnotizen nur noch eine weitere Bemerkung. „Etwas schwammiges Fahrverhalten mit Winterreifen in schnellen Autobahnkurven. Mit den Sommerreifen fährt sich der D3 deutlich präziser“ steht da als zweiter von insgesamt nur zwei Einträgen im Fahrtenbuch geschrieben.

Das leicht schwammige Fahrverhalten mit Winterbereifung auf trockener Piste fällt deswegen so auf, weil der D3 auf seiner griffigen Sommerbereifung vom Typ Michelin Pilot Super Sport mit BMW-Kennung wirklich um Welten besser fährt.

Gradmesser sind da für mich im Alltagsbetrieb immer zwei schnelle Autobahnkurven-Passagen. Zum einen auf der A 81 bei Tauberbischofsheim und zum anderen auf den wenigen noch unlimitierten Stücken der A 7-Autobahn-Legende „Kasseler Berge“. Hier klebt der sommerbereifte Alpina D3 mit einem unfassbar guten Gripniveau auf dem Asphalt der Kuppen, Senken und Highspeed-Kurven.

Schweißnasse Hände muss man dank des guten Grips im D3 nicht fürchten. Die Entwickler haben hier bei der Fahrwerksabstimmung ganze Arbeit geleistet und einen perfekten Mix aus Alltag und Sport getroffen.

Apropos Mix: Die Spreizung zwischen den Fahrprogrammen Comfort und Sport+ ist wesentlich wahrnehmbarer als bei einem normalen BMW 335d. Das komfortable Alpina-Fahrgefühl haben wir bereits hinlänglich beschrieben. Im Sport-Modus präsentiert sich der D3 mit straffer Abstimmung des Adaptivfahrwerks und strammeren Haltekräften der Lenkung. Da vergisst man glatt, dass der umfangreich ausgestattete Edel-Dreier mit Allradantrieb und Panorama-Glasdach satte 1,9 Tonnen wiegt.

Stichwort Allradantrieb: Dass die Vmax des D3 Touring mit Allrad vier km/h niedriger ist als beim hinterradangetriebenen D3 Touring, konnte speziell im Winter verschmerzt werden. Mit beruhigender Fahrstabilität fräste sich der Allradler über Pässe mit festgefahrener Schneedecke.

Nicht nur das Fahrverhalten ist voll wintertauglich, auch den Kälteschock von 13,5 Grad minus überstand der D3 und sprang selbst bei Tiefsttemperaturen jederzeit problemlos an.

Auch nach 60.000 Kilometern wirkte unser D3 noch taufrisch. Die serienmäßigen Sportsitze treffen nicht nur den Mix aus Komfort und Seitenhalt sehr gut, auch ihr Lederbezug ließ sich die Laufleistung kaum anmerken. Lederfalten fanden sich in den Sitzseitenwangen bei Dauertestende so gut wie keine. Egal ob Sitze oder Klavierlack, dem D3 sieht man sein bewegtes Redaktionsleben im Interieur kaum an.

Sie haben Lust auf den gut eingefahrenen Langstreckenheld bekommen? Dann nichts wie hin nach Buchloe. Denn am Alpina-Stammsitz steht unser ehemaliger Dauertester derzeit für 53.900 Euro zum Verkauf. Kein Schnäppchen, aber es ist eigentlich wie immer: Traumwagen haben eben ihren Preis.

Technische Daten:

D3 Touring Allrad

Leistung: 257 KW (350 PS)
Drehmoment (bei U/min): 700
Höchstgeschwindigkeit:270 km/h
Grundpreis:63.900 €

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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