BMW X4 und Mercedes GLC Coupé im Vergleichstest

Duell der SUV-Coupés. Sowohl BMW X4 xDrive 28i als auch der
Mercedes GLC 300 4Matic kommen mit vier Zylindern und 245 PS.
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Duell der SUV-Coupés. Sowohl BMW X4 xDrive 28i als auch der Mercedes GLC 300 4Matic kommen mit vier Zylindern und 245 PS.

© Achim Hartmann
06.03.2017 - 00:07 Uhr von Heinrich Lingner

An vieles muss man sich heutzutage gewöhnen. Etwa daran, dass BMW mit der Zahl 28 sowie Mercedes mit der 300 im Namen Vierzylinder sind. Ob X4 28i und GLC 300 dennoch feine Autos sind, lesen Sie in unserem Vergleichstest.

In ein ordentliches Premium-Auto gehört ein Sechszylinder – das war vor nicht allzu langer Zeit ehernes Gesetz in den gehobeneren Fahrzeugklassen. Heute, in Zeiten von Downsizing und Turboaufladung, gilt das nicht mehr, obwohl die Typenbezeichnungen es suggerieren. Wobei: Zweiliter-Vierzylinder mit 245 PS und ein Grundpreis von rund 55.000 Euro passen gut zusammen, oder?

Um das herauszufinden, trifft das Mercedes GLC 300 Coupé auf den BMW X4 28i, beide mit Vierzylinder-Benzinern, Allradantrieb sowie Automatik und praktisch gleich teuer. Allerdings kommt der Mercedes als AMG Line, was seinen Neupreis auf mindestens 57.180 Euro hievt. Der BMW hingegen tritt in der für diese Motorisierung preiswertesten Advantage-Version (ab 54.300 Euro) an.

Wenig Platz im Fond

Nun wollen wir hier nicht aufs Neue die Diskussion austragen, welchen Sinn hochbeinige SUV-Coupés mit stattlichen Ausmaßen, doch bescheidenem Raumangebot haben. Es gibt sie, sie werden gekauft und gefahren, Punkt. Noch eine Bemerkung, bevor wir uns vom Geschmäcklerischen dem exakt Messbaren zuwenden: Klassische Auto-Schönheiten sind beide SUV-Coupés nicht, der kleinere BMW wirkt dabei kaum zierlicher als der größere, rundliche Mercedes. Dem verschaffen die etwas größere Karosserie und der üppigere Radstand (rund sechs Zentimeter) einen Vorsprung beim Raumangebot.

Was freilich nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass beide in dieser Disziplin nicht sehr überzeugend abschneiden. Vorn ist jeweils ordentlich Platz, da unterscheiden sie sich kaum vom normalen GLC oder dem X3, doch in Fond und Laderaum geht es so eng zu, dass man sich schon fragt, wozu man mit 4,7-Meter-Automobilen durch die Gegend fährt.

Wenig Übersicht in den SUV-Coupés

Immerhin lassen sich die Kofferräume von 500 auf 1.400 Liter erweitern, wobei nur der Mercedes über eine Lehnen-Fernentriegelung verfügt. Die engen Luken und die hohen Ladekanten schränken die Nutzbarkeit allerdings ein. Golfsets und Stand-up-Paddling-Boards passen hier besser rein als Kühlschränke und Ikea-Kartons. Dass beide Coupés dazu noch bemerkenswert unübersichtlich sind, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Zum Glück gehören die Parkassistenten bei beiden zum Serienumfang, beim GLC sogar mit Rückfahrkamera.

Mit den Rücksitzbänken macht man sich im Bekanntenkreis keine Freunde, bei beiden Autos ist der Zustieg in den Fond beschwerlich, die Kombination von hoher Sitzkante und niedrigem Türausschnitt erweist sich vor allem beim BMW als ungünstig. Der hat zudem die straffer gepolsterte Bank, lädt also noch weniger zum Verweilen auf den hinteren Plätzen ein. Doch vermutlich ist das den meisten GLC-Coupé- und X4-Käufern recht egal. Sie hätten ja, wenn sie mehr Wert auf Sekundärtugenden legten, die jeweiligen SUV-Varianten mit mehr Platz gewählt.

Überzeugende BMW-Automatik

Immerhin geben sie für den knapperen Raum sogar mehr Geld aus, ein entsprechender X3 ist rund 3.200 Euro billiger, beim GLC beträgt die Preisdifferenz zuungunsten des Coupés sogar mehr als 5.000 Euro.

Dafür kommen SUV-Coupés, wenn sie als X4 28i xDrive und GLC 300 Coupé 4Matic bestellt werden, serienmäßig mit Allradantrieb und Automatikgetriebe. Im Falle des BMW mit der bekannt guten Achtstufen-Steptronic, der Mercedes mit der konzerneigenen 9G-Tronic. Die eine Fahrstufe mehr bringt dem GLC allerdings nicht viel. Eher scheint es so, als wisse das Getriebe nicht immer, welcher Gang nun der optimale sei, schaltet manchmal scheinbar unnötig hin und her und sorgt so für etwas Unruhe im sonst so komfortablen Wagen.

Da zeigt sich das BMW-Getriebe einmal mehr souveräner, schaltet schneller und nur dann, wenn es wirklich sein muss. Zudem ist der zentral platzierte Wählhebel deutlich besser bedienbar als der zierliche Lenkradhebel des Mercedes, und das Getriebe reagiert spontaner auf manuelle Befehle mit den Schaltwippen.

Besserer Antrieb im GLC 300

Ansonsten aber schneidet der Antrieb des GLC in diesem Vergleich besser ab. Unter anderem weil er geschmeidiger läuft, sich beim Fahren weniger nach Vierzylinder anfühlt als der Zweiliter-Turbo im X4. Der macht vor allem bei hoher Last wenig Hehl aus seiner Zylinderzahl, dröhnt unangenehmer und ist subjektiv lauter als das Mercedes-Triebwerk.

Dieses gehört zur Motorenfamilie M 274 und ist daher mit einem sogenannten Lanchester-Ausgleich ausgestattet, der den Massekräften zweiter Ordnung im unteren Drehzahlbereich sehr spürbar entgegenwirkt. Das Modul besteht aus zwei sehr kompakten Ausgleichswellen mit definierter Unwucht, die mit doppelter Kurbelwellengeschwindigkeit rotieren und so vibrationshemmend wirken. Beim etwas rauer laufenden BMW-Vierzylinder der Familie N20 sind die Ausgleichswellen übrigens mit der Ölpumpe zu einer Baugruppe zusammengefasst.

Der GLC ist sparsamer

Die Fahrleistungen der beiden sind dabei praktisch gleich, sie liegen fast im Rahmen der Messtoleranz, der BMW beschleunigt etwas fixer und fühlt sich spritziger an, dafür hat der Mercedes die etwas höhere Endgeschwindigkeit. Größer ist der Unterschied dann beim Verbrauch. Da ist das Mercedes-Triebwerk ebenfalls im Vorteil, im Testmittel benötigt es 0,7 Liter weniger als jenes des BMW. Auch auf der Eco-Runde und bei forcierter Fahrt zeigt sich der GLC 300 etwas genügsamer. Das ist zwar einerseits ressourcenschonend, doch einen wirklich spürbaren Kostenvorteil bringt der Minderverbrauch kaum. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 km und einem Spritpreis von 1,50 Euro ergibt sich eine Ersparnis von nicht ganz 160 Euro.

Dass der Mercedes als das feinere und komfortablere Auto erscheint, liegt jedoch nicht nur am ausgewogeneren Antrieb und den besseren Sitzen vorn wie hinten, sondern ebenso am komfortableren, besser ansprechenden Fahrwerk. Ausgerüstet mit der aufpreispflichtigen Air Body Control (Luftfederung) für 2.261 Euro, spricht er deutlich besser auf kleine und gröbere Unebenheiten an. Zudem wird das geschmeidigere Abfedern nicht durch übermäßiges Karosseriewanken erkauft. Der BMW wirkt dagegen recht polterig und herb, er nimmt vor allem feine Stöße nicht so gelassen. Da er zudem unbequemere Sitzmöbel mitführt, geht die Komfortwertung an den GLC.

Harmonischer Mercedes

Das nimmt man als BMW-Fahrer gern in Kauf, schließlich wird man dafür mit ausgeprägteren dynamischen Talenten belohnt, oder? Stimmt in diesem Fall allerdings nicht uneingeschränkt. Klar, auf der Teststrecke, etwa beim 18-Meter-Slalom und dem doppelten Spurwechsel, ist der X4 fixer, doch im Alltag auf Landstraße und Autobahn zeigt sich das GLC Coupé als das vergnüglichere Auto.

Das liegt zum einen an der ausgewogenen und harmonischen Lenkung, zum anderen an der geringeren Untersteuerneigung und dem offenbar hurtiger reagierenden Allradantrieb. Beim X4 agiert die Lenkung etwas zu nervös aus der Mittellage, was bei kurviger Landstraßenfahrt zu unnötiger Hektik, auf schnellen Autobahnetappen zu unstetigerem Geradeauslauf führt.

Am Ende der Testfahrt fällt übrigens kaum mehr auf, dass beide von Vierzylinder-Benzinern angetrieben werden. Sehr angenehme Begleiter sind sie in jedem Fall, der Bessere ist hier indes der Mercedes GLC 300.

Technische Daten:

X4 xDrive 28i

Leistung: 180 KW (245 PS)
Drehmoment (bei U/min): 350
Höchstgeschwindigkeit:232 km/h
Grundpreis:54.300 €

GLC Coupé 300 4Matic

Leistung: 180 KW (245 PS)
Drehmoment (bei U/min): 370
Höchstgeschwindigkeit:236 km/h
Grundpreis:58.012,5 €

Bewertung

Mercedes GLC 300 4Matic Coupé

Testwertung: 444 Punkte

Mit dem ausgewogeneren Fahrwerk und dem kultivierteren und sparsameren Motor gewinnt der GLC diesen Vergleich sehr deutlich. Die besseren Bremsen hat er obendrein.

BMW X4 xDrive 28i

Testwertung: 416 Punkte

Schwächen beim Komfort, der Assistenzausstattung und beim Motor kosten den X4 in diesem Vergleich viele Punkte. Positiv: die kompaktere Karosserie und das bessere Getriebe.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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