Camperliebe CL 1 im Test

Camperliebe CL1: Das Aufstelldach gibt es serienmäßig, ebenso
die Markise. Der Einstieg an der Schiebetüre ist mit 62 Zentimetern
ausreichend breit.
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Camperliebe CL1: Das Aufstelldach gibt es serienmäßig, ebenso die Markise. Der Einstieg an der Schiebetüre ist mit 62 Zentimetern ausreichend breit.

© Ingolf Pompe
27.01.2019 - 06:39 Uhr von Christian Becker

Er ist der Erste seiner Art. Der CL 1 basiert auf dem Hyundai H 350 – einem unbekannten Wesen in der Reisemobilbranche. Der Hersteller, die Camperliebe-Manufaktur aus Berlin, hat ambitionierte Ziele

Obwohl er mit Recht Exotenstatus beanspruchen darf, wirkt der Hyundai H 350 irgendwie vertraut: ein bisschen Mercedes Sprinter hier, ein wenig Ford Transit da. Tatsächlich lehnt sich das Design des Kastenwagens bewusst an hiesigen Standards an, Hyundai hat den großen Transporter speziell für Europa entwickelt. Vom Band läuft er in der Türkei beim Hersteller Karsan.

Die Berliner Marke Camperliebe macht aus dem Lastesel einen schicken Campingbus, den CL 1 für 58.500 Euro. Das klingt ja nicht gerade nach Schnäppchen. Was also bekommen Käufer dafür? In erster Linie ein gut ausgestattetes Basisfahrzeug mit 170 PS starkem 2,5-Liter-Vierzylinder. Enorme 422 Nm Drehmoment haben keine Mühe mit dem 3,5-Tonner. Die Kraft wird auf die Hinterräder übertragen; Traktionsprobleme sind kein Thema.

Eine Automatik ist allerdings nicht verfügbar. Man muss sich mit einer Sechsgang-Handschaltung begnügen. Die ist etwas hakelig, gefällt aber durch kurze Schaltwege. Der Federungskomfort ist geschmeidiger als im vergleichbaren Ducato. Die Lenkung agiert frei von Antriebseinflüssen und trägt dadurch ihren Teil zum handlichen Fahrgefühl des CL 1 bei. Mit serienmäßiger Navigation und Rückfahrkamera bleiben kaum Wünsche offen. Das übersichtliche Cockpit erinnert an Pkw von Hyundai, fühlt sich gut an und wartet mit vielen Ablagen auf.

Sitzgruppe und Schlafbereich schneiden gut ab

Für den H 350 gibt es keine Drehkonsolen für die Fahrerhaussitze, deshalb konstruiert Camperliebe diese kurzerhand selbst. Störend ist hier nur, dass die Handbremse rechts vom Fahrersitz zum Drehen gelöst sein muss. Der Boden fällt vom Fahrerhaus in Richtung Ladefläche schräg ab. Somit liegt der Wohnbereich deutlich unterhalb des Niveaus im Cockpit. Um dennoch auch bei gedrehtem Sitz eine bequeme Abstellposition für die Füße zu haben, zieht sich ein erhöhter Tunnel quer am Übergang von Fahrkabineund Laderaum durchs Auto. Einerseits praktisch, andererseits eine Stolperfalle auf dem Weg nach hinten.

Die Quersitzbank der Dinette gefällt mit einer Sitztiefe von 52 Zentimetern. Eine Person sitzt hier sehr bequem, bei zwei Campern wird es aber kuschelig, denn die Bank ist nur gut 84 Zentimeter breit. Ein Problem, das in der Serienfertigung durch eine ausziehbare Bank gelöst werden soll. Der Tisch mit 45 Zentimeter Breite und 82 Zentimeter Länge kann mit einer drehbaren Erweiterungsplatte auf 1,28 Meter vergrößert werden. So wäre auch genug Raum für das Frühstück zu viert vorhanden.

Die Küche kann ebenfalls mit viel Arbeitsfläche punkten. Es gibt genug Platz, um zum Beispiel eine Kaffeemaschine zu stellen, und eine 30 Zentimeter lange Klapperweiterung reicht fast bis zum Dinettentisch. Komfortabstriche muss man dafür beim Herd in Kauf nehmen. Die Koch-Spül-Kombination muss mit einem Zweiflammkocher ohne Zündhilfe auskommen. Der Kompressorkühlschrank unter dem Küchenblock fasst 90 Liter, was für Campingbusmaßstäbe recht groß ist.

Im Anschluss an die Küche folgt ein auf Tellerfedern gelagertes bequemes Längsdoppelbett mit 1,77 Meter Breite und 1,80 bis 1,95 Meter Länge. Der mittlere Teil des Bettes lässt sich zur Laderaumerweiterung hochklappen. So können auch sperrige Gegenstände mit auf die Reise. Im Schlafbereich warten fünf Hängeschränke auf das Gepäck der bis zu vier Passagiere.

Sanitär in Serie besser ausgestattet

Ein echter Kleiderschrank mit der Möglichkeit, Bügel aufzuhängen, hat allerdings keinen Raum im Camperliebe CL 1 gefunden. Das Bad wirkt im Prototyp trist. Der kleine Raum mit 66 mal 62 Zentimetern Grundfläche kann zwar mit einer guten Stehhöhe von 1,9 Meter aufwarten, ist aber nur mit einem Waschbecken ohne Ablagen ausgestattet. Der Wasserhahn ist gleichzeitig als Dusche zu verwenden. Zum Duschen kann die Kassettentoilette platzsparend unter das linke Bett geschoben werden. Die Entsorgung der Kassette über den Heckstauraum ist aber umständlich. Ein schmales Fenster hilft bei der Belüftung. In der Serienfertigung, die gerade angelaufen ist, soll das Sanitärabteil besser ausgestattet und etwas breiter sein, denn die Dinette wandert ein paar Zentimeter nach vorne.

Im Aufstelldach wartet ein Doppelbett mit 2,0 mal 1,37 Metern, gelagert auf Tellerfedern, auf müde Camper. Das eigenentwickelte Hubdach ist ebenso im Grundpreis enthalten wie die große Markise. Unter dem Strich relativieren sich die Kosten, denn die 58.500 Euro sind ein Komplettpreis für das Gesamtpaket. Individuelle Sonderwünsche sind aber trotzdem optional möglich. Der Vertrieb erfolgt über ausgewählte Hyundai-Händler.

Alle Infos Camperliebe CL 1

  • Länge/Breite/Höhe: 6,19/2,03/2,82 m
  • Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
  • Grundpreis: ab 58.500 Euro, individuelle Sonderwünsche optional.

AufbauStahlblechkarosserie mit Original-Blechhochdach und Hubdach, Innenverkleidung mit Sperrholz, Isolierung 5 mm Armaflex, 5 Kunststoff-Isolierfenster mit Alu-Rahmen, Dachhaube mit elektrischem Lüfter.

AusbauMöbel aus Sperrholz mit HPL-Beschichtung, Sitzbank mit 2 Dreipunktgurten, Heckbett 1800–1950 x 1770 mm, Dachbett 2000 x 1370 mm, Bad mit verschiebbarer Kassettentoilette und integrierter Dusche, Küche mit Zweiflammkocher und Kompressorkühlschrank 90 L.

BordtechnikGas-Gebläseheizung/Boiler Truma Combi 4, Frischwassertank 100 L, Abwassertank 100 L, Bordbatterie Blei-AGM-Typ 100 Ah, Gasflaschen 2 x 11 kg.

BasisfahrzeugHyundai H 350, Hinterradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 2497 cm3, Leistung 125 kW/170 PS, Sechsganggetriebe.

Testwertung (maximal 5 Punkte)

Sitzgruppe: 3,5 Möbelbau: 3,5 Schlafen: 4 Sanitär: 2 Küche: 3

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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