Challenger 270 im Test

Äußerlich wirkt der Challenger 270 unscheinbar. Doch innen
überrascht der Teilintegrierte mit hochinnovativem Grundriss. Auf
moderater Länge wird scheinbar Unmögliches machbar.
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Äußerlich wirkt der Challenger 270 unscheinbar. Doch innen überrascht der Teilintegrierte mit hochinnovativem Grundriss. Auf moderater Länge wird scheinbar Unmögliches machbar.

© Jacek Bilski
16.06.2018 - 17:02 Uhr von Dominic Vierneisel

Äußerlich wirkt der Challenger 270 unscheinbar. Doch innen überrascht der Teilintegrierte mit hochinnovativem Grundriss. Auf moderater Länge wird scheinbar Unmögliches machbar.

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  • Preise
  • Basisinfos und Baureihe
  • Fazit

Der französische Hersteller Challenger – und ebenso die in Deutschland noch populärere Schwestermarke Chausson – sind für praxistaugliche Reisemobile zu fairen Konditionen bekannt. Während sich beim oberflächlichen Grundpreisvergleich heute aber kaum noch ein nennenswerter Preisvorteil gegenüber einheimischen Anbietern ergibt, wissen Kenner der Branche Challenger noch für einen anderen Umstand zu schätzen. Die Ingenieure in Tournon-sur-Rhône sind äußerst findig beim Entwickeln kreativer und innovativer Grundriss-Ideen.

Auch der 270, seit 2017 im Programm, ist so ein besonderer Fall. Denn er kombiniert beliebte Grundrisselemente, die bislang nicht miteinander vereinbar schienen. So ergänzt etwa eine Fahrradgarage das große Bad quer im Heck. Und obwohl Einzelbetten an Bord sind, reicht der Teilintegrierte nicht über sieben Meter Gesamtlänge hinaus. Dennoch bleibt Platz für ein Wohnzimmer mit gutem Raumgefühl.

Das klingt ziemlich spannend. Ist der Challenger 270 etwa die erste eierlegende Wollmilchsau? Zum Test tritt der Teilintegrierte in der höherwertigen Mageo-Ausführung an, die ab 52.690 Euro Grundpreis zu haben ist. Als Basis dient zudem der im Vergleich zum Fiat Ducato 1500 Euro günstigere Ford Transit.

Wohnen

Eine der vielen Spezialitäten des 270 betrifft den Schlafbereich. Zur Nacht schweben gleich zwei Einzelbetten von der Decke, und zwar so weit, dass die Einstiegshöhe anders als sonst bei Hubbetten bequem tief liegt. Vorher muss man noch den Tisch absenken. Etwas langwierig, doch der Kraftaufwand ist gering, denn alles funktioniert elektrisch. Jede Liegefläche wird an vier Gurten und drei Schienen stabil und wackelfrei geführt. Querschlafen klappt allerdings nicht, und während man sonst unabhängig voneinander ins Bett gehen kann, ist das hier nur eingeschränkt möglich. Die Absenkmechaniken arbeiten zwar separat. Aber wäre es nicht eine recht seltsame Situation, wenn ein Partner noch an der Sitzgruppe liest, wenn der andere – unmittelbar daneben – bereits schlafen will?

Also gemeinsam rein, gemeinsam raus. Betten aufräumen – nicht zu dicke Decken können übrigens obendrauf liegen bleiben – und das morgendliche Heißgetränk bei tollem Raumgefühl im freundlichen Ambiente genießen. Die Stehhöhe unter den Betten beträgt im hinteren Bereich immerhin 1,87 Meter; nur vorne beim Durchgang zum Fahrerhaus muss man den Kopf einziehen, doch beim Frühstück im Sitzen stört das ja nicht. Statt der üblichen Querbank liegen im 270 links und rechts zwei Längssofas.

Am großen, der Länge nach zusammenklappbaren und beliebig verschiebbaren Tisch sitzt man sich so gemütlich gegenüber, dass kaum ins Gewicht fällt, dass das Drehen der Vordersitze extrem umständlich und fummelig ist, weil beim Ford Transit die Längsschienen nicht mitdrehen. Doch man braucht sie eigentlich nur, wenn Gäste geladen sind. Sogar für vier würden die beiden Längsbänke, in denen sich je ein weiterer Gurtplatz befindet, reichen. Ein Manko bleibt: Richtig doll aufstützen sollte man sich nicht auf den Tisch: Weil der Fuß unter der rechten Platte steht, ist die linke ziemlich nachgiebig.

Dennoch legen Betten und Sitzgruppe die Messlatte ziemlich hoch, und deshalb wirkt die Küche im 270 im Vergleich etwas karg und geradezu einfallslos. Frühstückseier, Nudeln mit Soße, mal eine Suppe – das kriegt man hier schon hin. Doch für Haute Cuisine fehlt es an Platz auf dem Dreiflamm-Kocher (ohne E-Zündung) und in der Spüle sowie einer vernünftigen Abdichtung rund um die Arbeitsplatte. Immerhin gibt es eine beeindruckend solide, schicke Armatur, eine brauchbare, hochklappbare Abstellfläche und einen großen, gut zugänglichen Kühlschrank.

Großzügig wiederum präsentiert sich das Bad. Dusche und Waschraum lassen sich bequem sogar gleichzeitig nutzen. Eine Schiebetür trennt bei Bedarf den Wohnraum ab. Stauraum ist da, Ablagen, Zahnputzbecher, Seifenschale und Handtuchstange. Drei Verbesserungsvorschläge hätte der Tester dennoch: eine Dichtfuge rund um das Waschbecken, damit kein Wasser zwischen die Möbel laufen kann, einen Halter für die Brause über Kopfhöhe und zwei zuverlässig schließende Plexiglastüren, die man beim Duschen nicht so leicht versehentlich aufstößt.

Modernes Ambiente prägt das Interieur. Helles strukturiertes Holzdekor kontrastiert mit mittelbraunen Fronten und Aluminiumleisten mit hinterleuchteten Nadelstreifen. Die Behaglichkeit bleibt dabei nicht auf der Stecke, allerdings etwas die Finesse bei Beschlägen, Griffen und die Sorgfalt bei der Verarbeitung.

Beladen

Wegen der unkonventionellen Grundrissgestaltung ist die Beladungssituation im Challenger Mageo 270 etwas unüblich. In der Regel verteilen sich die Verstaumöglichkeiten auf mehrere Hängeschränke, einen Kleiderschrank und mal mehr, mal weniger zusätzliche Truhen, Schubladen oder Sonstiges. Im Testmodell konzentriert sich der größte Teil der Aufbewahrungsmöglichkeiten für Kleidung auf den Kleiderschrank im hinteren Bereich. Der ist zwar nur vom Bad aus zugänglich, doch da man sich in der Regel nach der Morgentoilette ankleidet, kann man sich damit gut arrangieren.

Hinter zwei Spiegeltüren öffnet sich also ein geräumiges Abteil mit breiter Hängemöglichkeit in der Mitte. Rundherum gibt es auf drei Ebenen reichlich Ablagemöglichkeiten für Hosen, Hemden, T-Shirts, Pullover und Co. Zwei Mankos gibt es jedoch: Nicht jede Ecke ist gut erreichbar; vor allem kleinere Menschen tun sich mit den oberen Etagen schwer. Darüber hinaus gibt es weder vertikale Unterteilungen, die für mehr Ordnung sorgen würden, noch Rüttelkanten an den Böden. So herrscht hier nach holpriger Anfahrt ein ziemliches Durcheinander.

Die Heckgarage liegt direkt darunter. Zwei Fahrräder lassen sich in dem bis zu 1,26 Meter hohen Abteil gegenläufig unterbringen, was vor allem deshalb gut gelingt, weil man über die große Heckklappe hervorragend an die Fracht herankommt. Während Steckdosen und Lampe vorhanden sind, herrscht an Fixiermöglichkeiten allerdings Mangel. Lediglich in die Aluprofilleiste an der Frontseite lassen sich Zurrösen einfädeln. Gegenstücke dazu fehlen jedoch. Platz für Auffahrkeile oder Kabeltrommel findet sich hinter der hohen Tür auf der linken Seite; weil die Fachböden jedoch sehr hoch liegen, ist der Zugriff erschwert.

Und die Zuladung? Gemessen an Größe und Ausstattung ist der Challenger 270 kein schweres Reisemobil. Entsprechend funktioniert der Teilintegrierte mit 3,5 Tonnen Gesamtgewicht bei einer Nutzung durch zwei Personen gut. Mit etwas Zurückhaltung bei Gepäck und Extras steht auch der Vier-Personen-Nutzung nichts im Weg.

Beladungstipps

Mit dem 3,5-t-Chassis bietet der Testwagen zwei Personen ausreichend Zuladung. Knapp werden die Reserven für die theoretisch möglichen vier Mitreisenden, besonders an der Vorderachse. Das sollte auch im Auge behalten, wer zusätzlich Markise (ca. 50 kg) und Sat-Anlage (ca. 20 kg) anbauen will. Mit rund 70 Kilo Extras ist der Testwagen bereits praxistauglich ausgestattet.

Technik

Sehen wir uns zunächst den Aufbau an. Die Dämmung der Sandwichwände ist hochwertig, aber nicht komplett frei von Holzverstärkungen. Vor Hagel, Stößen und Spritzwasser ist der 270 rundum mit GfK geschützt. Breite Profilleisten dichten die Kanten ab. Anbauteile wie T-Haube, Heckleuchtenträger und Schürzen sind von einfacher Machart und mäßiger Passgenauigkeit. Lob verdienen die serienmäßigen, soliden Rahmenfenster und die optionale, zentralverriegelte Aufbautür mit Fenster (VIP-Paket).

Zumindest in der Anlaufphase arbeitet die Gebläse-Heizung akustisch sehr präsent, bringt den Wohnraum aber über neun sinnvoll platzierte Warmluftdüsen schnell auf Temperatur. Seinen Brennstoff bezieht der Ofen aus dem Kraftstofftank des Basisfahrzeugs. Das macht die Versorgung prinzipiell einfach. Gas wird aber dennoch für Boiler, Kocher und Kühlschrank benötigt; deshalb ist es ein klarer Nachteil, dass es keine Reserveflasche gibt. Immerhin lässt sich der 11-kg-Behälter leicht wechseln; die Ladekante des außenliegenden Gaskastens liegt niedrig.

Teile der Bordtechnik sind in der sogenannten Technibox zentral zusammengefasst. Nach dem Vorbild einiger Wettbewerber sind in einem Außenstaufach der Frischwassertank nebst Einfüllstutzen, Sicherungskasten und FI-Schutzschalter installiert. So ist, etwa bei der turnusmäßigen Reinigung, auch die große Weithalsöffnung gut zu erreichen. Da sie seitlich am Tank sitzt, muss man penibelst darauf achten, sie sorgsam zu verschließen; sonst läuft der Tank unbemerkt leer. Immerhin sorgt aber eine Art Kunststofftrichter dafür, dass das Wasser nach unten abläuft und sich nicht in den Aufbau ergießt.

Im Innenraum fällt vor allem die aufwendige LED-Beleuchtung ins Auge. Während der Challenger in dieser Beziehung kaum Wünsche offen lässt, ist die übrige Elektrik keine Stärke des Teilintegrierten. Im ganzen Innenraum findet sich nur eine einzige 230-Volt-Steckdose. Auch bei der Wintertauglichkeit (unisolierter Abwassertank) und der Verarbeitung lässt der 270 wertvolle Punkte liegen.

Lichtcheck

Mit durchschnittlich 164 Lux liegt die Helligkeit an der Sitzgruppe im Mittelfeld. Gut: flexible Spots. Die Werte für die Einzelbetten über der Sitzgruppe fallen ähnlich aus: 150 Lux. Es sind ja auch teilweise dieselben Lampen. 209–302 Lux. Nur knapp schrappt die Küchenbeleuchtung an „grün“ vorbei. Badlicht in Blau? Sinn ergibt das nicht und kostet Helligkeit. Besonders dunkel: die Dusche (78 Lux).

Fahren

Immerhin 1500 Euro kann sparen, wer den Ford Transit als Basisfahrzeug wählt. Wie beim Fiat Ducato sind 130 PS Serie. Der kräftige 170-PS-Diesel kostet nur 1500 Euro Aufpreis, und wer Wert auf Fahrspaß legt, wird diese Investition nicht bereuen. Der drehfreudige, 405 Nm starke 2-Liter-Diesel wirkt entspannt, läuft allerdings erst bei gehobener Drehzahl zu Hochform auf. Der Turbolader lässt sich eine gefühlte Ewigkeit Zeit, bis er bei etwa 1400 Touren mit Wucht loslegt. Man passt seine Fahrweise allerdings schnell dieser unhomogenen Kraftentfaltung an, schaltet entsprechend früh einen Gang runter, was auch die weite Spreizung zwischen den Fahrstufen erforderlich macht. Der sechste Gang ist mit seiner langen Übersetzung als reiner Spargang ausgelegt. Kompliment nebenbei an die knackige Schaltung.

Fahrbarkeit und Fahrverhalten des Transit bleiben etwas hinter dem Ducato zurück. Die Kupplung verlangt mehr Gefühl, die Lenkung ist indirekter, die Seitenwindempfindlichkeit ausgeprägter. Dafür ist der Federungskomfort hoch. Dass die Bewertung hier nicht besser ausfällt, liegt einzig an den ausgeprägten Nebengeräuschen aus dem Aufbau. Die Bremsen greifen trotz breiter 16’’-Räder etwas zögerlich zu. Auch dass der Beifahrerairbag in der Serienausstattung fehlt, gibt Punktabzug. Eine Sicherheitslücke, die viele wohl mit dem fast obligatorischen VIP-Paket schließen.

Preise

Auch wenn die Genesis-Variante günstiger ist, bekommt das Mageo-Paket eine klare Empfehlung. Für 2500 Euro Aufpreis gibt es ein ganzes Bündel sinnvoller Ausstattung, das Wohnambiente und -komfort deutlich steigert. Auch eine Rückfahrkamera ist dann schon an Bord. Zur reisefertigen Ausstattung fehlen indes noch mindestens drei nahezu unverzichtbare Extras: die Cockpit-Klimaanlage, der Beifahrerairbag und die Fahrerhaus-Verdunkelung. Alle drei kosten zusammengefasst im VIP-Paket teure 4500 Euro. Challenger drängt nicht mit Kampfpreisen in den Markt – im Wettbewerbsvergleich stehen die Modelle aber preislich attraktiv da.

Grundpreis: 51.695 Euro(Ford Transit 350, Motor 96 kW/130 PS) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II Testwagenpreis: 60.287 Euro✘ Turbodiesel 125 kW/170 PS (0 kg) 1500 Euro✘ ABS/ASR/ESP✔Serie/Serie/Serie✘ Fahrer-/BeifahrerairbagSerie/VIP-PaketChassis mit 4,1 t zGG (0 kg)✔1000 Euro✘ Automatikgetriebe Ford (0 kg)1935 EuroAusstattungsvariante Mageo: Rückfahrkamera, L-Bank, Panorama-Dachfenster, TV-Halter, Duschrost, Schonbezüge Fahrerhaussitze, diverse Dekokissen, Spiegelbeleuchtung Bad, indirekte Beleuchtung im Küchenfensterrahmen u. a. (27 kg) 2500 EuroVIP-Paket: Fahrerhaus-Klimaanlage, Beifahrerairbag, Tempomat, el. beh. Außenspiegel, lackierter Stoßfänger, Nebelscheinwerfer, Fahrerhaus-Verdunkelung, Fliegenschutztür, Aufbautür mit Fenster und Zentralverriegelung u. a. (42 kg) 4500 Euro

Kosten und ServiceKfz-Steuer (3,5 t zGG, S4)240 EuroHaftpflicht/Vollkasko (500 Euro SB, Tarif Allianz)565/1205 EuroDichtigkeitsgarantie/-kontrolle 84/12 MonateServicestellen in Deutschland/Europa 34/k.A.

✘im Testwagen enthalten; ✔empfehlenswert

Basisinfos Challenger 270

Gurte/Schlafplätze: 4/2–4 Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg Länge: 6,96 m Breite: 2,35 m Höhe: 2,89 m Grundpreis: ab 50.190 Euro

Baureihe Challenger

Preise: 45.190–57.990 Euro Basis: Fiat Ducato, Ford Transit Länge: 5,96–7,49 m Gesamtgewicht: 3500 kg Weitere Modelle: 25 Charakter: Die Grundrissvielfalt ist beeindruckend bei Challenger. Insgesamt 26 Modelle, sowohl mit gängigen als auch außergewöhnlichen Zuschnitten, stehen zur Wahl. Viele Modelle sind alternativ auf Fiat Ducato oder Ford Transit verfügbar. 14 Modelle gibt es wahlweise in der günstigeren Ausstattungslinie Genesis oder in der gehobeneren Mageo-Ausführung. Für 2500 Euro Aufpreis gehören dann bereits Rückfahrkamera, Komfortmatratzen, Panorama-Dachfenster und vieles andere zur Ausstattung. Besonders gut ausstaffiert sind die sechs Modelle der Special Edition ab 48 990 Euro.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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