Der neue Morelo Palace 88 LB im Test

Mit feinem Design und durchdachter Technik will Morelo in der
Oberklasse an die Spitze. Das jüngste Beispiel: der neue
Palace.
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Mit feinem Design und durchdachter Technik will Morelo in der Oberklasse an die Spitze. Das jüngste Beispiel: der neue Palace.

© Ingolf Pompe
10.02.2019 - 17:10 Uhr von Dominic Vierneisel

Mit feinem Design und durchdachter Technik will Morelo in der Oberklasse an die Spitze. Das jüngste Beispiel: der neue Palace. In promobil stellt sich der Liner erstmals dem Test.

In der Luxus-Klasse ist der Morelo Palace so etwas wie der Newcomer des Jahres. Schon die Größe beeindruckt; mit 8,99 Meter Länge und 3,45 Höhe ist der 88 LB ein echter Brummer. Doch auch der feine Strich gefällt. Frontspoiler, Scheinwerfereinfassungen, Seitenschürzen, Radläufe und das markant modellierte Heck zeigen eine schlüssige und harmonische Linienführung. Der Aufbau selbst – mit dick gedämmten, beidseitig mit Aluminium beschlagenen Wänden – zeigt jene technische Reife und gute Verarbeitung, die man in der Preisklasse jenseits der 200.000 Euro erwarten darf.

Wohnen

Trotz fünf Stufen lässt sich der Wohnraum durch die große Tür bequem entern. Dank Doppelboden und der Höherlegung des Fahrerhauses, das ein schick gestaltetes Armaturenbrett in den Wohnraum integriert, erstreckt sich der isolierte Laufboden stufenlos von hinten bis ins Cockpit. Das Raumgefühl ist großzügig, zumal der Testwagen anstelle eines Hubbetts im Bug einen Ausbau mit Hängeschränken hat. Es lässt sich jedoch noch toppen: Den Aufbau gibt’s auch in 2,50 Meter statt 2,40 Meter Breite (Serie bei Basis Iveco Eurocargo und Mercedes Atego).

Unerwartet straff sind die Polster der beiden Längsbänke, vielfach verstell- und beheizbar die komfortablen, luftgefederten Schwingsessel (3350 Euro). Das abnehmbare Lenkrad erleichtert das Drehen des Fahrersitzes. So ergibt sich ein luxuriöses Platzangebot rund um die große Tafel; um sie zu verschieben, müssen zwei Schrauben unter der Tischplatte gelöst werden. Weiteres, kleines Manko: der Mangel an offenen, gut erreichbaren Ablageflächen rund um die Sitzgruppe.

Keine Wünsche offen lässt hingegen die Küche in Sachen Stauraum. Ebenso ansprechend ist die edle Kunststeinarbeitsplatte samt zwei eingeformten Spülbecken und reichlich Arbeitsfläche. Viel Platz für große Töpfe ist auf dem Kocher allerdings nicht. Dafür finden sich – wie in allen Wohnbereichen – mehrere Steckdosen in Griffnähe; unter anderem für die Kapselkaffeemaschine, die per Spannungswandler (Option) auch ohne Landstromanschluss betrieben werden kann.

Das Badezimmer nimmt die ganze Aufbaubreite ein. Zwei Schiebetüren trennen es nach vorn von der Küche und nach hinten vom Schlafzimmer ab. Dann geht auch die offene Gestaltung des WCs, das nicht separat abteilbar ist, in Ordnung. Die Dusche gefällt mit viel Bewegungsfreiheit. Sie wird von zwei Wänden und einer Tür aus Mineralglas abgeteilt. Der Zugang ist beinahe ebenerdig, entsprechend großzügig wie im gesamten Innenraum ist die Stehhöhe. Unter dem Waschtisch gegenüber finden sich drei breite Schubladen, darüber ein dreiteiliger Spiegelschrank. Seifenspender, Zahnputzbecher, Ablagen, Haken und zwei ausziehbare Handtuchstangen – alles da.

Höchste Ansprüche erfüllt das Schlafzimmer. Große Betten mit gutem Zugang und wolkenweichen Matratzen in einer speziellen Watergel-Qualität – man könnte ins Schwärmen geraten. Das Ambiente ist gemütlich, 230-V-Steckdosen sind vorhanden, Lesespots an Schwanenhälsen, sogar ein eigener Fernseher, aber keine USBs. Wir wollen nicht kleinlich sein.

Beladen

Eine gute Figur macht der Palace auch beim Beladen, denn Stauraum gibt es für Monate; ein Traum für Spanien-Überwinterer. Zwei große Kleiderschränke ergänzen 13 Dachstaukästen. Dass diejenigen über der rechten Sitzbank nur die Gläservitrine enthalten, weil dahinter der stattliche 32-Zoll-TV unterkommen muss – geschenkt. Die drei enorm praktischen Schubladen in den Sitztruhen entschädigen dafür mehr als reichlich. Drei Außenstaufächer trägt der 42 Zentimeter hohe Doppelboden bei, die Heckgarage wird ihrem Namen mit 4550 Liter Volumen mehr als gerecht. Die Türen entriegeln elegant elektrisch, allerdings nervt es etwas, dass sie sich nur widerwillig mit viel Kraft schließen lassen.

Die Zuladung? Trotz 790 Kilo Extras bleiben noch stattliche 900 Kilo übrig. Die Vorderachse verträgt beim Testwagen aber gerade noch 150 Kilo und das linke Vorderrad operiert gar im roten Bereich. Der große Diesel- und der Gastank auf der Fahrerseite sowie der lange Radstand machen den Prototyp links- und frontlastig. Morelo hat das Problem aber erkannt und kürzt in der Serie den Radstand um 20 Zentimeter, was beide Bauteile entlasten wird.

Technik & Fahren

Technisch ist alles in Butter. Die riesigen Wasserreservoirs und der 280-Liter-Fäkaltank gewähren lange Autarkie; die zwei Bordakkus mit insgesamt 420 Amperestunden (Option) ebenso. Dank armdicker Ablassrohre sind Schwarz- und Grauwassertank in Nullkommanichts entleert und haben zudem einen Spülanschluss.

Relativ lang braucht die Warmwasserheizung, um auf Temperatur zu kommen; richtig behaglich wird’s beim Test zudem erst nach dem Zuschalten der Fußbodenerwärmung (Serie), die sich leider nur von außen bedienen lässt. Die Beleuchtung ist stimmungsvoll, die Schaltung intelligent und von mehreren Stellen möglich.

Gattungsbedingt ist der Palace kein sonderlich handliches Fahrzeug. Hat man sich an die trotz 205 PS wenig dynamische Art der Fortbewegung jedoch gewöhnt, freundet man sich mit dem erhabenen Fahrgefühl schnell an. Dank hoher Sitzposition und großer Außenspiegel, die auch sichtbar machen, was direkt vor dem Auto passiert, ist der Liner sogar recht übersichtlich. Die erwachsenen Abmessungen lassen sich jedoch nicht wegdiskutieren. Während man hochkonzentriert über Landstraßen zweiter Ordnung lenkt, überlässt man die Schaltarbeit gern der Achtgang-Automatik (4950 Euro).

Preise

Die hochklassige Technik, der luxuriöse Wohnkomfort und die gute Serienausstattung summieren sich beim Palace 88 LB auf 219.900 Euro Grundpreis. Allein in das Fahrgestell lassen sich spielend weitere 20.000 Euro stecken, wenn man sich für Vollluftfedern, schicke Alufelgen, die breite Vorderachse, die Automatik und standesgemäße hydraulische Hubstützen entscheidet. Ob’s unbedingt der 200-Liter-Dieseltank sein muss, sei mal zur Diskussion gestellt. Unter dem Strich stehen beim voll ausgestatteten Testwagen 297.080 Euro – hohes Niveau, in jeder Hinsicht.

Grundpreis: 219.900 Euro (Fiat Ducato 35 L, Motor 96 kW/130 PS) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II Testwagenpreis: 297.080 Euro

Infos und Bewertung Morelo Palace 88 LB

Gurte/Schlafplätze: 4/2 Zul. Gesamtgewicht: 7490 kg Länge/Breite/Höhe: 8,99/2,40/3,49 m

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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