Fahrbericht Mercedes-AMG A 35 4Matic (2018)

AMG schickt mit dem A 35 den ersten Affalterbacher unter 50.000
Euro auf die Straße. Doch der 306 PS starke Kompaktsportler möchte
mehr als nur der kleine Bruder des A 45 sein.
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AMG schickt mit dem A 35 den ersten Affalterbacher unter 50.000 Euro auf die Straße. Doch der 306 PS starke Kompaktsportler möchte mehr als nur der kleine Bruder des A 45 sein.

© MediaPortal Daimler AG
05.12.2018 - 15:32 Uhr von Michael von Maydell

AMG schickt mit dem A 35 4Matic den ersten Affalterbacher unter 50.000 Euro auf die Straße. Der 306 PS starke Kompaktsportler macht schnell klar: Er möchte mehr als nur der kleine Bruder des kommenden A 45 sein.

  • Dynamik
  • Motor
  • Fazit

Zugegeben, einen einfachen Stand hat der A 35 sicherlich nicht. Kenner wissen: 2019 kommt mit dem A 45 die über 400 PS starke Power-A-Klasse auf den Markt. Dass der „kleinere“ Kompaktsportler aber nicht nur ein Lückenfüller zwischen ihr und dem A 250 sein möchte, wird mit einem Blick auf die tiefgreifenden Fahrzeugänderungen deutlich. Für den neuen A 35 haben die Ingenieure den Unterbau nämlich nahezu komplett umgebaut. So könnte man fast meinen, die bislang stärkste A-Klasse sei ein müdes und kurvenuntaugliches Auto für Fahranfänger gewesen.

Der A 35 bekommt leichtere Alu-Querlenker vorne, neue Quer- sowie Längslenker plus optimierte Radträger und geänderte Lager hinten. Selbst die Gummilager zwischen Fahrschemel und Rohbau mussten weichen. Klar, dass auch die Bremsanlage größer ausfällt. Eine mit der Karosserie verschraubte massive Alu-Platte unter dem Motor soll zudem die Torsionssteifigkeit erhöhen. Das gleiche gilt für die zusätzlichen Diagonalstreben. Optional sind adaptive Dämpfer zu haben, die Direktlenkung gibt es dagegen in Serie.

Viel Druck, schöner Sound

Apropos Lenkung. Gefahren haben wir den A 35 im mallorquinischen Tramuntana-Gebirge, fernab von Palma. Dass er hinreichend gemütlicher Cruiser sein kann, beweist er gleich zu Beginn: Im Komfort-Modus meistert er selbst fiese Strecken gelassen, schüttelt sich gebührend über Querfugen hinweg, während der Benziner friedlich vor sich hin brummelt. Auf den folgenden kurvenreichen Sträßchen kann der fast 1,5 Tonnen schwere AMG aber zeigen, was er sportlich drauf hat. dazu lohnt es sich den Drehknopf am gripstarken Lenkrad auf Sport zu stellen – dann geht die Post ab.

Traktionsprobleme kennt der Allradler keine. Vielmehr spurtet er aus dem Stand beeindruckend mächtig in 4,7 Sekunden von auf 100 km/h, wechselt seine Gänge unter Volllast angemessen zackig, dreht munter gen 6000 Touren. Und man höre und freue sich: Er klingt ab 4000 U/min kerniger. Einzig der Drang des AMG-eigenen Doppelkupplungsgetriebes im Automatik-Modus bei Zwischenspurts etwas überhastet in niedrige Gänge zu wechseln und sich nicht auf die 400 Nm zu verlassen, schmälert das Vergnügen. Umso mehr Laune macht der manuelle Schaltmodus, schon, weil sich die Schaltpaddel am Lenkrad hochwertig anfühlen und prima zu erreichen sind. Einfach klasse, wie hart und schnell die Speedshift dann die Gänge sortiert und wie geschwind der Motor bei Bedarf Richtung Begrenzer dreht. Komfort? Immer noch anständig und langstreckentauglich. Bremse? Sanft dosierbar und doch zupackend.

Zweiliter-Vierzylinder mit 306 PS

Dem Motor Kernstück der Sportskanone widmete die Mercedes-Tochter besondere Aufmerksamkeit: Sie statteten ihn mit einem Twin-Scroll-Turbolader und statt nur Luft kühlt nun Wasser die Ladeluft. Der Vierzylinder leistet nicht nur 306 PS, sondern bringt ab 3000 U/min beachtliche 400 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle. Zum Vergleich: Der AMG A 45 – die bis 2017 stärkste gebaute A-Klasse – brachte es auf 381 PS und 475 Nm. Die Abgasanlage des A 35 tönt dank Klappen mal leise, mal souverän dramatisch. Trotz des Soundengineerings brauchen die Nachbarn nicht um die Ruhe fürchten: Beim Anlassen schnurrt der A 35 immer im Silent-Start-Mode.

bessere Sportsitzen, Nappalederlenkrad sowie allerlei AMG-Stylingelementen wie Flaps, dicken Schwellern, kleinem Spoiler und schwarzem Diffusor und das Doppelkupplungsgetriebe – was den Aufpreis von 8866 Euro zum 250er relativiert. Zu den wichtigsten Extras zählen klasse konturierte AMG-Performance-Sitze und Zusatztasten.

Sportlich, aber nicht aggressiv

Aber wieder zurück auf die Straße: Freude bereitet hier auch die sehr direkte Parameterlenkung. Der Viertürer lässt sich präzise und geschmeidig dirigieren – immer mit einer gehörigen Schwere um die Mittellage, die jegliche Nervosität im Keim erstickt. Freunde des A 45 dürften ein bissigeres Einlenkverhalten vermissen. Selbst im Sport-Plus-Modus mit schärferer Kennlinie und bewusst eingesetzten Bremseingriffen am kurveninneren Hinterrad gibt sich der AMG noch ausgewogen. Dafür pofft und knallt er im Schiebebetrieb prächtig aus seinen beiden Endrohren und das nun überaus straffe Fahrwerk vermittelt reichlich Infos über den aktuellen Fahrbahnzustand. Warum auch nicht? Den Fahrwerksingenieuren lag eine breite Spreizung am Herzen – und das ist absolut gelungen.

Technische Daten:

AMG A 35 4Matic

Leistung: 225 KW (306 PS)
Drehmoment (bei U/min): 400
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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