Fahrbericht Mini Cooper S E Countryman All4

Mini Countryman S E ALL4 - Hybrid - ab 35.900 Euro Es dürfte für
Mini ein Novum sein, mit niedrigem Preis in einem Segment
aufzufallen. Aber unter den Plug-in-Hybriden markiert der
Countryman den Einstieg. Den Antrieb teilt er sich mit dem BMW
225xe.
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Mini Countryman S E ALL4 - Hybrid - ab 35.900 Euro Es dürfte für Mini ein Novum sein, mit niedrigem Preis in einem Segment aufzufallen. Aber unter den Plug-in-Hybriden markiert der Countryman den Einstieg. Den Antrieb teilt er sich mit dem BMW 225xe.

© Günter Schmied
10.05.2017 - 00:00 Uhr von Jörn Thomas

Der Verbrennungsmotor treibt die Vorderräder an, eine 88 PS starke E-Maschine die Hinterräder – jetzt kommt der Mini Countryman als allradgetriebener Teilzeit-Elektriker mit Plugin-Hybrid. Wir durften ihn fahren.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag in der Mini-Familie: Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Neuheiten-Action rockt ja seit kurzem der neue Countryman das Haus. Neben den üblichen Verdächtigen mit Benzin und Dieselmotoren, Vorderrad- oder Allradantrieb stromert er nun ab Juni auch als Plugin-Hybrid ins Kompakt-SUV-Segment. Unter optimalen Bedingungen 40 Kilometer weit – lokal ohne Emissionen, weil ohne Verbrenner. Dessen Einsatz spürt man, denn der konzernweit bekannte 1,5-Liter-Dreizylinder meldet sich mit zarten Vibrationen und sympathischem Grummeln, unter Last auch mal mit vorlautem Turbozischeln. Insgesamt bleibt er ein entspannter Typ, der seine Spitzenleistung von 136 PS schon bei 4.400/min abliefert, das Drehmoment (220 Newtonmeter) schon ab 1.250/min - Dreizylinder eben.

Geschmeidiges Zusammenspiel der Motoren

Und bei unserem Plugin kommt die E-Maschine hinzu, was das Fortkommen nochmals lässiger gestaltet. 88 PS und 165 Newtonmeter Drehmoment aus dem Stand, dazu der prinzipiell vibrationsfreie Lauf: Wenn beide Aggregate zusammenspielen, kommt gediegene Fahrfreude auf. Weniger über spektakuläres Durchziehen oder Verbrenner-Radau, sondern geschmeidigen Extra-Schub und das insgesamt niedrige Drehzahlniveau. Besonders gut gelingen im Fahrbericht kurze Spurts mit dem Mini Cooper S E Countryman All4, etwa um noch eine Grünphase mitzunehmen. Wo andere Modelle mit Wandlerautomatik oder Doppelkuppler gefühlsmäßig im Schlupf oder der Wartepause versumpfen, gibt der Countryman SE den Nackenmuskeln Hausaufgaben.

By the way: Die Systemleistung beträgt 224 PS und 385 Newtonmeter. Das kommt Ihnen bekannt vor? Schon möglich, wenn sie mal einen BMW 225xe Active Tourer fuhren. Die beiden sind nämlich nicht nur Plattform-Geschwister (UKL), sondern nutzen auch den gleichen Antrieb. Also Verbrenner an der Vorderachse, E-Maschine an der Hinterachse, das Ganze ohne mechanische Verbindung, aber über die elektronische Stabilitätskontrolle voll in die Fahrdynamikregelung eingebunden. Das unauffällig und zielführend arbeitende Sechsgang-Automatikgetriebe ist ebenso identisch, wie die Lithium-Ionen-Batterie unter der Fondsitzbank.

Elektrisches Fahren? Aber gern!

Sie speichert maximal 7,6 kWh, was im NEFZ-Modus für die besagten 40 Kilometer reichen soll, im echten Leben wohl eher für 30. Doch die haben es durchaus in sich, denn selbst im reinen E-Modus fährt der 1,7-Tonner (200 Kilogramm mehr als beim Cooper S) gar nicht mal so trödelig. Zum Mitschwimmen reicht es locker, maximal summt der elektrifizierte Landmann 125 km/h. Wer das Pedal über den Widerstand Richtung Kickdown durchtritt und den kompletten Antriebsstrang boosten lässt, saust in 6,9 Sekunden auf 100, Topspeed 198 km/h.

Ganz ordentlich oder? Vor allem für diejenigen, über denen das Damoklesschwert umweltbedingter Fahrverbote schwebt. Um stets genug Strom im Akku zu haben, hilft der Mini Cooper S E Countryman All4 seinem Piloten mit unterschiedlichen Fahrmodi beim Managen elektrischen Fahrens. Auch wenn es Save und nicht Load Battery heißt, so lädt der Mini-SUV per verstärktem Einsatz des Dreizylinders dennoch den Akku bis 90 Prozent Füllung nach. Was Plugin-Hybrid-typisch aber wenig an der Mangelverwaltung in Bezug auf das rein elektrische Fahren ändert. Um es auf längeren Strecken zu nutzen, kann man entweder möglichst sparsam und/oder rekuperativ fahren oder den Akku extern laden. Die Komplettladung dauert an einer Wallbox mit 3,6 kWh rund 2:15 Stunden, an einer Haushaltdose etwa 3:15.

Und dann summst du elegant, lautlos und praktisch emissionsfrei durchs Wohngebiet, kannst stark belastete Zonen durch den Verzicht auf Abgase, Bremsen- und Kupplungsstaub entlasten. Entspannt und mit gutem Gewissen. Nein, in solchen Momenten bitte nicht an Binnenschiffe, Hochseefrachter oder die Industrien in aufstrebenden Weltregionen denken. Lieber genießen, wie gut es sich anfühlt, vor seiner Haustür gutmenschig zu handeln, den Nachbarn freundlich zuzuwinken - mit dem guten Gefühl, ihnen beim Vorbeifahren keine lungengängigen Partikel in die Atemwege zu pusten.

Mini-Fahrgefühl? Klar, präzise aber auch komfortabel

Na, und Spaß macht der Mini Cooper S E Countryman All4 überdies. Wir hatten das Thema ja schon des Öfteren, dass die Minis schon mal radikaler fuhren. Sei’s drum für die meisten Konkurrenten, zumal im Kompakt-SUV-Zirkus reicht es fahrspaßmäßig immer noch. Traktionsprobleme? I wo, Allradantrieb obligatorisch. Ins präzise Lenkgefühl pfuschendes E-Drehmoment? Kein Thema, geht ja nach hinten. So kann sich die Lenkung auf Präzision konzentrieren, mit sauberer Mittellage und kalkulierbarem Ansprechen ohne hibbelige Aktivität.

Wer für seine Aktivitäten Platz braucht, der bekommt ihn. Neben vier bequemen Sitzplätzen mit ordentlich Luft in alle Richtungen plus einem Notplatz hinten Mitte, genügt auch der Kofferraum Alltagsansprüchen - selbst wenn er durch die im Heck eingelagerten Akkus seinen Stauraum unter dem Ladeboden einbüßte (minus 45 Liter auf 405 Liter, maximal 1.275). Assistenzen? Klar, neben dem fitzeligen Head-up per Plexischeibe beherrscht der Mini Abstandsregelung, Notbremsassistenz, Spurverlassenswarnung und Co. sowie die problemlose Kopplung von Mobilgeräten inklusive der Nutzung von Spotify und Co.

Lust auf alternativen Antrieb light bekommen? Der Eintritt in den Club der Teilzeit-Stromer kostet mindestens 35.900 Euro.

Technische Daten:

Countryman Cooper S E

Leistung: 165 KW (224 PS)
Drehmoment (bei U/min): 385
Höchstgeschwindigkeit:198 km/h
Grundpreis:35.900 €

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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