Ford F-150 Raptor im Fahrbericht (2017)

Der Ford F-150 Raptor wird in den USA rund 1.000 Mal pro Monat
verkauft.
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Der Ford F-150 Raptor wird in den USA rund 1.000 Mal pro Monat verkauft.

© Mathias Winter
30.08.2017 - 12:29 Uhr

Wer mit dem neuen Sport-Pick-up Ford F-150 Raptor auf die Straße rollt, hat Vorfahrt. Da können Mercedes-Stern und bayerischer Propeller noch so schön in der Sonne funkeln. Im Schatten eines 5,60 Meter-Giganten verblassen alle.

- Motor

- Fahrverhalten

- Sound

- Größe

Es war einmal ein Pick-up. Der hatte acht Brennkammern, über sechs Liter Hubraum und einen Motorsound, der noch zwei Blocks weiter die Gläser im Schrank erzittern ließ. Tja. Das war einmal. Zumindest bei Ford. Denn mit dem neuesten Straßengiganten, dem Ford F-150 Raptor, rollen auch diese uramerikanischen PS-Monster mit Ladefläche in ein neues Zeitalter. Allerdings ist dieses Zeitalter gar nicht so übel. Denn so negativ besetzt ist der Begriff Downsizing auch ist. Und so fast schon pervers die Kombination eines EcoBoost-Motor mit einem 2,5 Tonnen-Wagen klingt, so überraschend erfreulich, oder ehrlich gesagt geil, ist eine Fahrt im neuesten High-End-Truck aus dem Hause Ford.

Motor aus dem aktuellen Ford GT

Schon das äußere Erscheinungsbild des 5,59 Meter langen und mit Außenspiegeln 2,46 Meter breiten Detroiters wirkt auf so manch anderen Verkehrsteilnehmer wie eine offene Kampfansage. Ob die nun gegen sich selbst oder einfach mal global gesehen auf die Umwelt gilt, sei einmal dahingestellt. Letzteres ist natürlich nicht ganz wegzudiskutieren. Aber ein Fahrzeug, das sich mit seiner 1,70 Meter langen Ladefläche auch als Arbeitstier einsetzen lässt, darf gern mal 14 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen. Dass dieser Normwert nach gefahrenen 5.000 Kilometern nur um rund zwei Liter nach obenhin korrigiert werden muss, lässt auf die Vorteile des EcoBoost-Motors schließen. Und die Tatsache, dass dieses Triebwerk genau das ist, welches auch den Supersporter Ford GT nach vorn peitscht, macht nicht nur Laune, sondern irgendwie auch ein wenig stolz.

Wenn ein 2,5-Tonner leicht wird

450 PS, 691 Newtonmeter und das neueste Zehngang-Automatikgetriebe von Ford können auf Wunsche des Fahrers in gemütlicher, ja geradezu defensiver Art miteinander harmonieren. Können. Es geht aber auch ganz anders. Ja, geradezu artgerecht. Und das schaut beim Ford F-150 Raptor ein wenig anders aus, als bei nahezu allen anderen Pick-ups dieser Welt. Schon der Name eines der sechs zur Verfügung stehenden Fahrmodi spricht Bände: Baja. Ja, dieser Truck wurde erschaffen, um mit bis zu 170 Kilometer pro Stunde durch die Wüste zu pesen. Ob da nun ein Baumstamm im Weg liegt – dem Raptor ist das Schnuppe. Und solange sich der Fahrer denkt „Drüber!“, wird der Raptor ihm schlicht und einfach folgen. Wem die wilde Wüstenfahrt dann doch eine Nummer zu weit „drüber“ ist, der kann den Parkplatz in seiner Umgebung mit großen schwarzen Achten zieren. Einfach den reinen Hinterradantrieb aktiveren, die Traktionskontrolle deaktivieren und per Schaltwippe den ersten Gang einlegen. Wie sich ein 2,5 Tonnen-Monster so leicht bewegen lässt, grenzt schon an Magie.

Dürrer Sound, fette Mittelkonsole

Nicht gerade magisch wirkt hingegen das Anlassen des 3,5 Liter-Motors. Mit der Vorahnung, dass da nun ein Geräusch aus den beiden zwölf Zentimeter großen Endrohren am Heck ertönt, das dem Aufschrei eines Dinosauriers ähnelt, dem gerade über den Schwanz gefahren wurde, wird der Start-Knopf gedrückt. Brumm. Ende. Das war’ s. Sogar der Rumpelstilzchen-Nachbar, der sich normalerweise schon allein beim Öffnen des Garagentores wild gestikulierend über seinen Balkon lehnt, bleibt in seinem Lehnstuhl hocken. Was für die einen sehr erfreulich, ist für so manch Petrolhead ein harter Schlag aufs normalerweise arg gebeutelte Trommelfell. Da hilft auch die allmorgendliche Tunneldurchfahrt nicht mehr viel, die dank eines satten Gasstoßes zumindest für einen kurzen Augenblick zur Urzeit-Philharmonie wird.

Der Ford F-150 Raptor ist tatsächlich in der Gegenwart angekommen. Und die heißt: Emissionen verhindern wo es nur geht. Ob CO2 oder Dezibel, der Raptor ist clean geworden. Selbst die spontane Fahrt durch die Stadt wirkt an Bord des Fünfsitzers wie eine gemütliche Sightseeing-Tour im Touri-Bus. Weder Wind- noch Abrollgeräusche trügen die Ruhe an Bord. Selbst die Lenkung und die Federung vermitteln dasselbe Gefühl, wie in einem Pkw. Vom Platz in der ersten Reihe einmal ganz zu schweigen, der von einer Mittelkonsole gekrönt wird, in der locker ein ordentliches Männergedeck für eine ganze Fußballmannschaft Platz findet. Dass im Fond auf den drei recht kompakten Sitzen nur typische Fußballer-Frauen Platz finden, dürfte nur Nicht-Fußballer-Frauen stören.

In Europa ein Riese

Die einzige Ausnahme im großen Lobgesang auf den neuen Ford F-150 Raptor stellt eigentlich die Parkplatzsuche dar. Zu diesem Zwecke bieten zwar 360-Grad- und auch eine Rückfahrkamera ihre digitale Hilfe an. Doch bis tatsächlich ein geeigneter Abstellplatz für den zwei Meter hohen Offroader gefunden wurde, haben einige Geschäft bereits wieder geschlossen.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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