Ford Fiesta Active 1.0 Ecoboost vs. Kia Stonic 1.0 T-GDI

Die Nachfrage nach Mischlingen steigt. Der Ford steigt als neuer
Active in den Ring der höhergelegten Kleinwagen. Als erster
Herausforderer wartet dort der Kia Stonic. Wer ist besser?
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Die Nachfrage nach Mischlingen steigt. Der Ford steigt als neuer Active in den Ring der höhergelegten Kleinwagen. Als erster Herausforderer wartet dort der Kia Stonic. Wer ist besser?

© Hans-Dieter Seufert
05.09.2018 - 11:54 Uhr von Thomas Hellmanzik

Der Ford Fiesta steigt als neuer Active in den Ring der höhergelegten Kleinwagen. Als erster Herausforderer wartet dort der Kia Stonic. Wir haben beide auf Herz und Nieren getestet.

  • Antrieb und Fahrleistung
  • Ausstattung
  • Fazit

Früher haben wir Extrascheine auf den Händlertresen gelegt, damit graues Plastik weitestgehend lackiert wurde oder die Karosserie dem Asphalt ein Stückchen näher rückte. Doch obwohl Sportfahrwerke nach wie vor beliebt sind, werden heute tendenziell eher Aufpreise für höhergelegte Mischlinge bezahlt. Die Frage lautet gerade bei den Subkompakten: Warum?

Der Ford Fiesta in der Outdoor-Variante Active und der Kia Stonic haben nur Frontantrieb, was in dieser Klasse völlig üblich ist. Das Argument mit der hohen Sitzposition geht maximal mit einem freundlichen Augenzwinkern durch – zwei, drei Zentimeter höher sitzen die Passagiere im Vergleich zu einem konventionellen Fiesta und Rio. Und die zusätzliche Bodenfreiheit reicht im Zweifel maximal für höhere Bordsteine aus. Dann hat die Popularität vermutlich wohl irgendwas mit Lifestyle zu tun, oder?

Also raus in den Kletterpark, wo wir das Aufmacherfoto mit den beiden Crossovern geschossen haben. Richtig abenteuerlich wird es für sie aber erst auf unserer Komfortteststrecke, die nur noch wenige Schlaglöcher von einem Offroad-Zertifikat entfernt ist. Schon diese eine lange, mindestens dreifach geflickte Welle bringt wichtige Erkenntnisse: Der Ford hebt sich über ihr höher aus den Federn, lässt sich dabei Zeit, bevor er relativ sanft wieder zurückfällt. Der Kia schließt die Federvorgänge an der Stelle zügiger, aber auch spürbar stößiger und im Innenraum lauter hörbar ab.

Apropos laut: Obwohl der Stonic in den Geräuschmessungen bei gleichmäßiger Fahrt kaum schlechter abschneidet, ist das subjektive Empfinden meist ein anderes, denn die Windgeräusche und besonders der Motor wirken deutlich vordergründiger.Hier wie dort arbeiten Einliter-Dreizylinder unter der Fronthaube, für deren Soundkulisse mancher sportliche Vierender mit Soundaktuatoren schummelt, um vergleichbar kernig zu klingen. Dabei emittiert das Ford-Triebwerk tiefere Frequenzen, bleibt insgesamt zurückhaltender.

Zylinder-Downsizing

Den geringen Hubraum kompensieren jeweils Turbolader, um ein gangbares Drehmoment zu generieren: 172 Nm sind es beim Stonic, acht mehr schafft der Fiesta. Beide stellen ihr Maximaldrehmoment schon ab 1.500/min bereit, doch bei diesem niedrigen Drehzahlniveau nur unter eher theoretischen Bedingungen. In der Praxis dauert es beispielsweise nach dem Abbiegen im zweiten Gang mit 15 km/h einen langen Moment, bis der Turbo die Finger von der Snooze-Taste lässt.

Beim flüssigen Fahren hingegen reagieren beide angenehm zügig, der Kia in Nuancen je nach anliegender Drehzahl noch eine Idee aufgeweckter als der Fiesta, der trotz 20 PS Mehrleistung nicht schneller auf 100 km/h beschleunigt und seine Werksangabe um eine halbe Sekunde verfehlt. Erst auf der Autobahn macht sich das Leistungsplus in überschaubarem Maße bemerkbar.

Beim Verbrauch nehmen sie sich ebenfalls nichts, liegen mit knapp über sieben Litern auf 100 Kilometer in einem guten Verhältnis zur gebotenen Leistung. Wer nicht unbedingt den stärksten Motor braucht, bekommt den Fiesta Active für 750 Euro weniger auch mit der 125 PS starken Ausführung des Dreizylinder-Turbos.

Zurück auf die Landstraße. Auf kurvigen Strecken fühlt sich der Ford wegen seiner direkteren Lenkung etwas agiler an, und wenn dort einer mal sanft untersteuert, dann der Kia. Warum ist der Stonic dann bei den Fahrversuchen im Slalom so viel schneller unterwegs? Da tanzen die Fahrzeuge am Limit durch den Hütchenkurs, und das im Ford nicht abschaltbare ESP gängelt den Fahrer dabei ständig, was ihn nicht nur Zeit kostet, sondern auch das Lenkgefühl trübt.

Gute Sitze sind nicht nur bei solchen Gelegenheiten wünschenswert, doch die serienmäßigen Sportsitze des Fiesta liegen zwar eng an, bieten aber keinen ausgeprägten Seitenhalt. Im Gegenzug profitiert der Rücken von der verstellbaren Lendenwirbelstütze, die für die weiter geschnittenen Kia-Sitze gar nicht erhältlich ist.

Bei der Inneneinrichtung haben sich die Koreaner strikt an den Kompaktwagentugenden der 90er orientiert: harte Kunststoffmaterialien, die durch ihre Materialstärke und Oberflächenqualität enorm solide wirken und genauso sauber verarbeitet sind wie im Ford. In dem sind die Kunststoffe an manchen Stellen dünn aufgeschäumt, die vorderen Türverkleidungen haben gar etwas Leder abbekommen. Außerdem sind die Zierleisten mit einer Art Carbon-Imitat aufwendiger gestaltet und umkleiden auch den Bildschirm.

Auf dem tippt der Fahrer häufiger rum, denn die physischen Tasten am Sync-3-Infotainment-System dienen in der Hauptsache der Musiksteuerung. Im Kia führen sie hingegen zusätzlich zu häufig verwendeten Funktionen. Dafür lässt der Stonic nur über Siri oder Google mit sich reden, unterstützt jedoch Apple CarPlay und Android Auto schon in der Basisversion serienmäßig (Ford: 200 Euro). Die Anbindung des Smart-phones funktioniert über die genannten Applikationen einwandfrei, sodass man sich die 790 Euro für das Kia-Navisystem eigentlich sparen kann. Allerdings ist daran im Paket der wichtige Digitalradioempfang (DAB) gekoppelt.

Kia bietet manches nicht an

Keine Geldfrage ist hingegen die Ausrüstung mit einem radargesteuerten Tempomat, denn ein solcher ist – ebenso wie LED-Scheinwerfer (750 Euro) – nur für den kölsche Jung erhältlich (Sicherheitspaket II, 350 Euro). Der Stonic wartet nur mit einer einfachen Geschwindigkeitsregel-anlage auf, deren aktuell eingestellte Geschwindigkeit im Tacho nicht verraten wird – ein Kuriosum mancher asiatischer Pkw.

Ein solches hat der Fiesta Active auch auf Lager. Die Außenspiegel sind tatsächlich so winzig, wie sie auf den Fotos wirken. 425 Euro kosten übrigens die empfehlenswerten Totwinkelwarner inklusive lackierter Spiegelkappen und Anklappmotoren.

Ohne Motorunterstützung werden die Heckklappen geöffnet. Dahinter lassen sich im Fiesta 311 und im Stonic 352 Liter Gepäck verstauen. Praktisch ist bei beiden auch der einstellbare Gepäckraumboden. Für den Fiesta kostet er zwar 75 Euro, dafür kann er beim Beladen aufgestellt und die Hutablage anschließend darunter gelagert werden. Im Stonic muss die Kofferraumabdeckung an anderer Stelle Platz finden.

Ein weiteres pfiffiges Ford-Extra ist der Türkantenschutz (150 Euro), der sich beim Öffnen der Türen automatisch um die Kante schmiegt und diese ebenso schützt wie eng daneben geparkte Autos. Die besten Plätze sind natürlich in der ersten Reihe, doch im Fond sitzen zwei Erwachsene ebenfalls nicht gedrängt. Allerdings ist die Kia-Rückbank etwas straffer gepolstert.

Für den Alltag sind die beiden Abenteurer also bestens gerüstet, doch wie eingangs vermutet lassen sich die Aufpreise gegenüber ihren konventionellen Schwestermodellen rational nicht rechtfertigen. Beim Fiesta muss einem die Active-Variante bei vergleichbarer Ausstattung rund 800 Euro wert sein, beim Stonic werden sogar fast 2.000 Euro mehr als für einen Rio fällig. Dafür gibt es aber eine komplett eigenständige Karosserie und nicht nur Anbauteile.

Das kann die Kaufentscheidung beeinflussen, muss es aber nicht. Autos sollen schließlich auch Freude bereiten, und wenn das einen Aufpreis kostet, der in einem gesunden Verhältnis zum persönlichen Spaßgewinn steht, dann sagen wir: Aber gerne doch!

Technische Daten:

Fiesta Active 1.0 EcoBoost

Leistung: 103 KW (140 PS)
Drehmoment (bei U/min): 180
Höchstgeschwindigkeit:200 km/h
Grundpreis:23.150 €

Stonic 1.0 T-GDI

Leistung: 88 KW (120 PS)
Drehmoment (bei U/min): 172
Höchstgeschwindigkeit:184 km/h
Grundpreis:22.350 €

Bewertung

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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