Ford Fiesta, Kia Rio und Seat Ibiza im Test

Zum Vergleichstest haben wir drei Kontrahenten geladen. Kia Rio,
Seat Ibiza und die Neuauflage des Ford Fiestas treten im Segment
der Kleinwagen gegen einander an. Welcher City-Flitzer überzeugt
als Komplettpaket?
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Zum Vergleichstest haben wir drei Kontrahenten geladen. Kia Rio, Seat Ibiza und die Neuauflage des Ford Fiestas treten im Segment der Kleinwagen gegen einander an. Welcher City-Flitzer überzeugt als Komplettpaket?

© Hans-Dieter Seufert
30.10.2017 - 00:00 Uhr von Michael von Maydell

Auf dem Markt der quirligen Kleinwagen geht es derzeit ziemlich rund. Der aktuelle Kia Rio verkauft sich gut, der spritzige Seat Ibiza beglückt gerade die ersten Kunden, und nun gesellt sich noch der neue Ford Fiesta hinzu. Wir testen, welcher von den dreien das beste Angebot ist.

Ganz gleich, wie dieser erste Vergleich für den neuen Ford Fiesta ausgeht, eines sei schon jetzt gewürdigt: sein Stammwerk in Köln-Niehl. Dort ist es zwar weniger schön als zugig und verkehrsüberlastet, und einzig der nahe Rhein verdient einen Besuch. Doch seit nunmehr 38 Jahren produziert Ford hier durchweg den Fiesta. Über 8,5 Millionen Exemplare in sieben Generationen. In Zeiten, in denen selbst das heilige Kölsch auf verbrecherische Weise aus dem Sauerland nach Köln importiert wurde (Stichwort Kölsch-Skandal), schon beachtlich.

Jedenfalls rollt hier seit dem 16. Mai nun die achte Generation vom Band, und ein knackig rot lackiertes Exemplar muss sich nun seinem ersten Vergleichstest stellen. Unter der Haube: der bekannte Einliter-Dreizylinder, der es hier auf 100 PS bringt, aber auch mit 125 und 140 PS zu haben ist. Seine Konkurrenten Kia Rio und Seat Ibiza sind ebenfalls frisch auf dem Markt und harte Gegner. So toppte der Kia kürzlich den Fabia, und der Seat, Vorbote des nächsten VW Polo, fuhr dem Hyundai i20 gewaltig um die Ohren. Auch sie setzen auf aufgeladene Einliter-Dreizylinder, mit 95 (Ibiza) und 100 PS (Rio).

Fiesta: hat sichtbar gewonnen

Bis zuletzt litt der Fiesta ja keineswegs an einem drögen Fahrverhalten und schwachen Motoren, sondern eher an seinem zerklüfteten, altmodischen Cockpit, mäßigen Platzverhältnissen und seinem hohen, schwer überschaubaren Heck. Damit ist nun Schluss. Insbesondere die Heckpartie des um sieben Zentimeter gewachsenen Ford fällt jetzt deutlich kantiger, ja kastenförmiger aus. Entsprechend geht es im Fond etwas luftiger zu. Leider blieb der Einstieg eher eng und der Laderaum mit 292 bis 1.093 Litern Volumen weiterhin klein.

Komplett neu präsentiert sich das Cockpit – wertig und viel übersichtlicher. So ist der Fiesta wieder voll auf Augenhöhe mit seinen Konkurrenten. Ist zudem das frische Infotainment-System (Sync 3, 450 Euro) samt Touchscreen an Bord, fehlt es auch nicht an einer superscharfen Kartendarstellung, einfacher Smartphone-Anbindung, ausgereifter Sprachsteuerung und einem Notrufassistenten. Darüber hinaus erfreut der als Titanium bestens ausstaffierte Testwagen mit schmuckvollen schwarzen Einsätzen und netten Details wie dezent gummierten Reglern für Klimaanlage und Lüftungsgitter.

In Vorleistung geht Ford in puncto Assistenzsysteme. Aktiver Spurhalter (immer Serie), ACC, Totwinkelwarner, Notbremsassistent mit Fußgängererkennung – alles zu haben. Selbst wenn man es dank verbesserter Rundumsicht nicht benötigt, könnte der Fiesta nun sogar eigenständig ein- und ausparken. Nicht schlecht, denn hier geht es immer noch um einen Kleinwagen. Kritik verdient hingegen die Preispolitik, denn selbst dem Titanium-Modell zum Preis von heftigen 18.950 Euro fehlen beispielsweise elektrische Fensterheber hinten, ein variabler Ladeboden oder ein Tempomat.

Ganz ohne Zuzahlung gibt es hingegen ein gekonnt abgestimmtes Fahrwerk. Ob nun harsche Querfugen, kurze oder lange Wellen – nahezu jegliche Unbill fangen die Feder-Dämpfer-Einheiten sensibel ab, sodass die Insassen von schlecht asphaltierten Straßen kaum belästigt werden. Nur damit wir uns richtig verstehen: Der Fiesta ist deswegen kein wachsweicher Softie, er bleibt im Verbund mit einer sehr präzisen, direkten, aber nie nervösen Lenkung ein Kurvenkünstler par excellence, der viel Spaß machen kann.

Und dabei flott und sicher unterwegs ist. Mit 63,5 km/h im Slalom und 138,0 km/h im Spurwechsel fallen auch die Messwerte entsprechend aus, wobei das ESP mit feinfühligen Eingriffen überzeugt. Auch die Verzögerungswerte (35,1 Meter aus 100 km/h) sind top, woran die aufgezogenen Michelin Pilot Sport 4 sicher nicht ganz unbeteiligt sind. Ein „normaler“ Fiesta-Fahrer wird sich diese Pneus wohl kaum leisten.

Der Motor kann da in Sachen Dynamik nicht ganz mithalten. Gekoppelt an eine lang übersetzte Sechsgang-Schaltbox, lässt er es früh an Schubkraft mangeln. Entsprechend häufig muss man zum Schalthebel greifen, was angesichts des präzise rastenden Getriebes aber nicht weiter schwerfällt. Dafür gefällt der bewährte 1.0 Ecoboost mit hoher Laufkultur und niedrigem Verbrauch, im Testmittel genügten ihm 6,0 Liter Super auf 100 km.

Rio: für eine Überraschung gut

Und die anderen? Fangen wir beim Kia an, und zwar dort, wo es keiner erwartet – auf unserer Teststrecke in Lahr. Da flitzt der 100-PS-Koreaner doch tatsächlich deutlich schneller auf 130 km/h als seine Konkurrenten, übertrumpft den Fiesta im Slalom und den Ibiza im Spurwechsel. Zudem packen die Bremsen ganz ordentlich zu. Respekt, schließlich waren Modelle von Kia bislang meist eher von träger Natur. Auch auf der Vergleichsfahrt kommt Freude auf. Der Rio lenkt zwar nicht ganz so leichtfüßig ein wie der agile Fiesta, doch mangelt es der Lenkung nicht an Präzision.

Alles gut also? Leider nein, denn beladen spricht der mit 17 Zoll großen Rädern bestückte Rio auf weniger gut ausgebauten Straßen ziemlich harsch an und kann sich ein Poltern nicht verkneifen. Zudem mindern laute Abrollgeräusche den Fahrkomfort, und der Spritverbrauch (6,5 l/100 km) des akustisch kaum wahrnehmbaren Dreizylinders könnte auch etwas niedriger ausfallen.

Schade, denn ansonsten macht der Rio vieles richtig gut. Er wirkt solider als der Fiesta, bietet seinen Insassen ordentlich Bewegungsfreiheit und lässt sich wie gewohnt einfach bedienen. Die Instrumente sind klar und unverspielt, alle Tasten groß, leicht identifizierbar und sinnig platziert. Es fehlt weder an Staufächern noch an einem sieben Zoll großen Navi mit Drehreglern zum Zoomen der scharf gezeichneten Karte.

Zusätzlich bietet der Rio eine üppige Ausstattung. In der getesteten Spirit-Variante (18.590 Euro) wärmt er beispielsweise Sitze und Lenkrad, hilft mittels Rückfahrkamera beim Einparken und bremst in der Stadt zur Not automatisch. So relativiert sich sein hoher Preis, und auch dank der langen Garantiezeit von sieben Jahren sammelt der Kia eifrig Punkte im Kostenkapitel.

Ibiza: erstaunlich ausgewogen

Zu den buchstäblich größten Vorteilen des Spaniers zählt sein Platzangebot – vorne, im Fond und mit dem größten Kofferraum (355–1 .165 Liter) sowieso. Im Vergleich zum Fiesta bietet der Seat beachtliche sechs Zentimeter mehr Beinraum, gegenüber dem längeren Rio sind es immer noch vier Zentimeter. Auch die Messwerte für Innenhöhe und -breite hinten fallen deutlich besser aus. Ja, das klingt so technisch, doch wer sich reinsetzt, wird es spüren. Zu verdanken hat es Seat dem neuen MQB- A0-Baukasten von VW, auf dem auch der nächste Polo aufbaut.

Trotz seiner Geräumigkeit ist der Ibiza vergleichsweise leicht, und so geht es mit 95 PS auf gerader Strecke ähnlich flott voran wie im Rio. Doch sobald man die erste Kurve – womöglich noch mit schlechtem Belag – in Angriff nimmt, verhält er sich deutlich souveräner. Unterstützt von einer feinfühligen, rückmeldungsstarken Lenkung, durcheilt er jedwede Biegung schnell, sicher und komfortabel. Klar, dass auch das kurz gestufte Fünfganggetriebe nicht hakelt. Was für ein Spaß.

Die Insassen nehmen auf sportlich ausgeformten Sitzen Platz und hören wenig, so sie sich denn nicht vom optionalen Soundsystem beschallen lassen. Der Ibiza ist enorm leise, lediglich der etwas durstige Dreizylinder (6,4 l/100 km) klingt gelegentlich kernig durch. So erweist sich der Seat als agiler und sehr harmonischer Alltagswagen.

An den üblichen Assistenzsystemen mangelt es hier natürlich nicht. Immer eingebaut ist der aktive Notbremsassistent, ein Adaptivtempomat wäre ebenfalls zu haben, und als Einziger in diesem Test leuchtet der Seat mit Voll-LED-Scheinwerfern durch die Nacht.

Schwächen zeigt er dagegen in puncto Materialqualität. Zumindest in der günstigen Style-Ausführung wirkt er innen recht trist und wenig hochwertig, nur der sensible 8,5- Zoll-Touchscreen des Mediasystems sticht hier heraus. Zudem fällt die Ausstattung analog zum niedrigen Preis (17.190 Euro) ziemlich mager aus. Ansehnlicher, das wissen wir aus vergangenen Tests, ist die Xcellence-Variante (18.790 Euro).

So reicht es ihm nicht zum Sieg, aber vielleicht gibt’s dafür ein kleines Fest in Köln-Niehl. Denn der spurtfreudige, noble Kia landet auf Platz drei, der ausgewogene Seat parkt in der Mitte, und der agile, komfortable Fiesta gewinnt. Na, darauf ein Kölsch – wo auch immer es herkommen mag.

Technische Daten:

Fiesta 1.0 EcoBoost

Leistung: 74 KW (100 PS)
Drehmoment (bei U/min): 170
Höchstgeschwindigkeit:183 km/h
Grundpreis:18.950 €

Rio 1.0 T-GDI

Leistung: 74 KW (100 PS)
Drehmoment (bei U/min): 172
Höchstgeschwindigkeit:186 km/h
Grundpreis:19.250 €

Ibiza 1.0 EcoTSI

Leistung: 70 KW (95 PS)
Drehmoment (bei U/min): 175
Höchstgeschwindigkeit:182 km/h
Grundpreis:17.550 €

Bewertung

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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