Ford Focus 1.5 EcoBoost gegen VW Golf 1.5 TSI

"Das Beste, das wir je gebaut haben" - das sagt Ford über den
neuen Focus. Aber wie gut ist er wirklich? Wir vergleichen den
Focus in der nun 4. Generation gleich mit dem Referenzwagen der
Kompaktklasse: dem VW Golf.
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"Das Beste, das wir je gebaut haben" - das sagt Ford über den neuen Focus. Aber wie gut ist er wirklich? Wir vergleichen den Focus in der nun 4. Generation gleich mit dem Referenzwagen der Kompaktklasse: dem VW Golf.

© Achim Hartmann
08.10.2018 - 00:00 Uhr von Michael von Maydell

Schon oft traten Ford Focus und VW Golf gegeneinander an, doch auf den ersten Platz fuhr der Kölner nur selten. Schafft Nummer vier nun die Wende? Im ersten Vergleich trifft der Focus 1.5 EcoBoost St-Line auf den Golf 1.5 TSI ACT Highline.

  • Innenraum
  • Fahrverhalten
  • Motor
  • Fazit

„Das Beste, das wir je gebaut haben“ – mit diesem Claim begleitet Ford die Einführung des neuen Focus. Ein selbstbewusster Anspruch, der zumindest von Besitzern eines Kuga oder Mondeo Vignale etwas zwiespältig aufgenommen werden dürfte. Für alle anderen stellt sich wohl eher die Frage, wie gut der Focus der vierten Generation denn nun wirklich ist.

Als ersten Testwagen schickte Ford eine Limousine 1.5 EcoBoost mit 150 PS in der sportlichen ST-Line zum Vergleich, und messen muss er sich gleich am Referenzobjekt der Kompaktklasse – dem VW Golf. Im 1.5 TSI BlueMotion in gehobener Highline-Ausführung sitzt gleichfalls ein aufgeladener 1,5-Liter-Benziner unter der Fronthaube, der es allerdings nur auf 130 PS bringt. Passt nicht? Passt doch – schließlich spielen die Testwagen preislich in einer Liga. Der Focus kostet 26.500 Euro, der Golf kommt auf 26.700 Euro; und selbst wenn man die beiden Probanden auf ein Ausstattungslevel bringt, ist der Golf rund 300 Euro teurer.

Einverstanden? Gut – dann zurück zu den Autos. Rein optisch sieht der Focus, der sich als tiefergelegter ST-Line mit schwarzem Wabengrill, Spoilerlippe, Diffusor und Doppelrohr-Auspuff ziert, schon mal sehr selbstbewusst aus, während der zwölf Zentimeter kürzere und 3,5 Zentimeter schlankere Golf schüchtern dreinblickt. Mehr geht übrigens auch nicht. Im Sinne des BlueMotion-Gedankens ist weder ein R-Line-Optikpaket zu haben noch Sportfahrwerk und Progressivlenkung oder eine adaptive Fahrwerksregelung. Doch dazu gleich mehr.

Erst mal checken wir die Innenräume. Schon mal gut: In puncto Platzangebot und Laderaum ist der Focus dem geräumigen Golf nun ebenbürtig. So fasst der Laderaum des Ford (mit Notrad) 341 bis maximal 1.320 Liter (VW: 380 bis 1.270 l), und vier Insassen kommen hier wie dort bequem unter, wobei der Focus im Fond bedeutend mehr Bein-, aber etwas weniger Kopffreiheit bietet. Seine Sitzgelegenheiten sind indes etwas zu hoch montiert und weich geraten, selbst wenn Ford sie als Sportsitze bezeichnet.

Innenraum: Golf als Qualitätsmaßstab

Zu seinen Schwächen zählten bisher eine eher mittelmäßige Materialqualität und ebensolche Detaillösungen. Hier galt es also nachzuholen, und die Gestalter haben sich eindeutig Mühe gegeben. Ähnlich wie beim Golf finden sich in der Mittelkonsole nun genügend Ablagen mit gummierten Einsätzen, Türfächer sind mit Filz ausgekleidet, Luftausströmer fühlen sich bedeutend wertiger an, und große Teile des Armaturenbretts profitieren von soften Kunststoffen.

Schade nur, dass die Klimareglereinheit in Hartplastik eingebettet wurde. Dass es noch besser geht, beweist der rundherum solidere Golf mit seiner Mittelkonsole. Zwar geizt auch VW hier mit weichen Materialien, doch wird der Kostendruck geschickter kaschiert – beispielsweise mit einer einheitlichen Farbgebung und ähnlicher Narbung. Außerdem dürfen sich Fondpassagiere über gepolsterte Armauflagen und Luftausströmer freuen, während der Focus hier nur mit schnödem Hartplastik aufwartet.

Highlight im Golf ist freilich das sauber eingebettete und aufwendig programmierte Infotainment- und Navi-System, mit dessen Bedienung inzwischen wohl jeder klarkommt. Doch Achtung: VW verlangt für das Discover Pro beachtliche 2.435 Euro. Beim Focus ST-Line ist das kaum minder kompetente Sync 3 samt Navi, gut platziertem Touchscreen, cleverer Sprachbedienung und Webanbindung dagegen schon serienmäßig an Bord.

Fahrverhalten: Dynamischer Kölner

Fahren – das konnte der Focus schon immer richtig gut. Egal ob mal etwas sanfter oder giftiger eingestellt, trumpfte jede Generation mit einer Fahrwerksabstimmung auf, die viel Kurvenspaß ermöglichte und die Insassen dennoch von übermäßigem Gerüttel verschonte – ganz ohne Direktlenkung und adaptive Dämpfer. Da ist es keine Überraschung, dass unser Testwagen dieser Tradition so gut wie möglich folgt.

Warum die kleine Einschränkung? Als ST-Line verfügt der Focus über härtere Dämpfer und zehn Millimeter kürzere Federn, womit er selbst kleinere Unebenheiten recht herb und zum Teil rüde absorbiert. Wem das nicht behagt, dem seien das Standardfahrwerk oder besser noch die erstmals angebotenen Dämpfer mit elektronischer Regelung empfohlen (1.000 Euro).

Probleme bereitet diese Abstimmung dem Ford in diesem Vergleich trotzdem nicht. Denn weil der Golf 1.5 TSI nicht mit adaptiven Dämpfern zu haben ist, federt er hier ähnlich straff an und rumpelt sogar deutlich hörbar über Querfugen oder Gullydeckel.

Zugleich gibt es an der Ford-Lenkung wenig zu kritisieren. Wie gewohnt setzt sie Lenkbefehle sensibel, flott und präzise um und verhilft dem Focus zu einer erfrischenden Leichtfüßigkeit. Enorm auch, wie traktionsstark er sich aus Spitzkehren und ansteigenden Kurven selbst unter Volllast herausdrückt. Der einzige Nachteil der agilen Auslegung ist eine gewisse Hibbeligkeit, die auf der Autobahn schon mal stören kann.

Der Golf kann und will mit einer derartigen Agilität gar nicht dienen. Vielmehr liegt er in nahezu jeder Fahrsituation souverän und spurstabil auf der Straße. Falls gefordert, lässt er sich aber ähnlich präzise und ebenso flott durch Kurven dirigieren.

Motor: Überzeugender Dreizylinder

Weniger überzeugt sind wir hingegen von seinem 130 PS starken BlueMotion-Benziner. 200 Nm bei 1.400/min, VTG-Lader, aktives Zylindermanagement, erhöhte Verdichtung und eine spezielle Ventilsteuerung – eigentlich ist der Motor ein Hightech-Gerät. Im realen Betrieb wirkt der Vierzylinder eher freudlos, schiebt gleichmäßig, aber recht lustlos an und klingt zudem über das gesamte Drehzahlband brummig. Überdies ist der Vierzylinder im Gegensatz zum Ford-Motor noch nicht mit einem Partikelfilter ausgerüstet und noch nicht nach WLTP homologiert. Dass sein Verbrauch im Testmittel um 0,2 bis 0,4 Liter Super niedriger liegt, tröstet da wenig.

Viel ambitionierter geht der 20 PS stärkere 1.5-EcoBoost-Benziner im Ford zur Sache. Der vibrationsarme Dreizylinder, ebenfalls mit Zylinderabschaltung, tritt kräftiger an, verhilft dem Ford zu besseren Fahrleistungen bis zur Tempo-160-Region und klingt zugleich angenehm kernig. Passend dazu röhrt der Dreizylinder frech aus seiner Auspuffanlage. Dass das Ausknipsen des dritten Brennraums im Teillastbetrieb nicht zu spüren ist, macht den Motor nur noch besser.

Besser aufgestellt ist der Ford auch im Kapitel Sicherheit. Neben dem umfangreicheren Angebot an Fahrerassistenzsystemen wartet er auch mit tadellosen Bremswerten auf, während der Golf hier ungewohnt schwächelt. Das kostet Punkte.

Wie geht das Duell aus? Nun, der Ford gewinnt – sogar mit einem recht deutlichen Abstand. Gratulation nach Köln und an die Schrauber im Werk Saarlouis. In Details nicht ganz so ausgewogen wie der VW, aber im Vergleich zum Vorgänger viel besser, zwingt er den nicht mehr taufrischen Golf auf den zweiten Platz. Besser kann es zum Marktstart nun wirklich nicht laufen.

Technische Daten:

Focus 1.5 EcoBoost

Leistung: 110 KW (150 PS)
Drehmoment (bei U/min): 240
Höchstgeschwindigkeit:210 km/h
Grundpreis:26.500 €

Golf 1.5 TSI ACT Blue Motion

Leistung: 96 KW (130 PS)
Drehmoment (bei U/min): 200
Höchstgeschwindigkeit:210 km/h
Grundpreis:26.700 €

Bewertung

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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