Frankia M-Line I 7400 Plus Test

Schnell mal in die Stadt? Nicht mit dem Frankia. In
Altstadtgassen sind 2,30 Meter oft zu breit, nur mit Glück findet
sich eine Lücke, die lang genug ist für den 7,73 Meter langen
Integrierten.
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Schnell mal in die Stadt? Nicht mit dem Frankia. In Altstadtgassen sind 2,30 Meter oft zu breit, nur mit Glück findet sich eine Lücke, die lang genug ist für den 7,73 Meter langen Integrierten.

© A. Of
14.11.2018 - 16:24 Uhr von Andreas Of

Frankia stattet seinen neuen Luxus-Integrierten I 7400 Plus mit einer Hecksitzgruppe aus, das Hubbett senkt sich elektrisch ab. Die Basis: Der neue Sprinter, inklusive Option auf einen Sechszylinder-Diesel. Das müssen wir ausprobieren!

  • Wohnen
  • Fahren
  • Preis und Ausstattung

Günstig kann ein 7,73 Meter langer Integrierter mit Sprinter-Fahrgestell nicht sein. Der Frankia M-Line I 7400 kostet in der Grundausstattung mindestens 121.000 Euro – dafür gibt es drei Grundrisse und sechs Wohnwelten zur Auswahl. Serienmäßig hat der Frankia einen Vierzylinder-Diesel mit 163 PS und Schaltgetriebe. In unserem Testwagen bringt der Sechszylinder mit drei Litern Hubraum und 190 PS das Fahrzeug auf Touren. Die geschmeidige Siebengang-Automatik ist im Aufpreis von 6.500 Euro enthalten.

Wohnen: Viel Licht und Luft im Innenraum

Wir wohnten zu zweit eine Nacht lang im I 7400 Plus und staunten über die Raumfülle. Die Hecksitzgruppe mit ihrem sympathisch grobem Polsterstoff ist ein bequemes Sofa für zwei oder eine großzügige Sitzgruppe für fünf bis sechs Personen. Große Fenster mit soliden Rollos und vier Dachfenster lassen viel Licht hinein und machen das Lüften leicht.

Hubbett und Rollo fahren elektrisch herunter

Bevor sich das Hubbett elektrisch absenkt, müssen der Fahrer- und Beifahrersitz gedreht und die Sitzlehnen abgeklappt werden. Das vordere Rollo fährt elektrisch herunter, die seitlichen Rollos schließen von Hand. Gut für empfindliche Schläfer: Das Wohnmobil kann komplett abgedunkelt werden, die Warmwasserheizung läuft fast lautlos. Die Betten sind sehr bequem und über die Auszieh-Treppe auch leicht zu erreichen. Für zwei Leute, die getrennt voneinander liegen möchten, sind die Matratzen genau richtig. Quer liegen geht auch, dann ist allerdings die Bewegungsfreiheit zur Seite und nach oben eingeschränkt. Ein echtes Doppelbett kann jedoch aus der Sitzgruppe im Heck gebaut werden.

2 Meter Stehhöhe, großes Bad

In der Toilette gibt es einen Heizkörper, in der Dusche eine Stange zum Trocknen von nassen Sachen. Dusch- und WC-Raum lassen sich mit Klapp- und Schiebetür zu einem Raumbad verbinden, das dann die gesamte Breite des Innenraums nutzt. Direkt über dem Gang befindet sich eine Luke zum Lüften. Das Bad ist schick und hochwertig eingerichtet: Die Toilette besteht aus Keramik, der Waschtisch wirkt fast so hochwertig wie zuhause und die Dusche hat Glastüren sowie LED-Leuchtstreifen. Das Raumbad bietet jede Menge Bewegungsfreiheit, wer lediglich die Toilette nutzt, muss sich allerdings mit dem dann etwas schmalen Raum arrangieren.

Die äußeren Dimensionen des Frankia, die in zugeparkten Innenstadt-Straßen zum Problem werden können, sind beim Wohnen ein echter Gewinn. Die Hecksitzgruppe taugt auch als Sofa, in der Küche lässt es sich arbeiten und die Stehhöhe im Wohnraum ist mit zwei Metern großzügig. Der Stauraum ist mehr als ausreichend für eine Zweier-Besatzung, die Verschlüsse von Klappen und Türen sind solide und einfach zu bedienen. Der Kleiderschrank ist gut beleuchtet, hat einen großen Spiegel in der Tür und ist so tief, dass man einen Bordtrolley quer hineinlegen kann. Das ist praktisch, falls doch mal ein Gast einen Koffer mitbringt.

Neben dem Kleiderschrank steht ein 160-Liter-Kühlschrank mit Tiefkühlfach. Darüber baut Frankia für 650 Euro einen Gasbackofen ein. In die Küche gegenüber passen Vorräte, Töpfe und Besteck. In einem Auszug befinden sich ein Abfalleimer und Fächer mit soliden Abtrennungen zum Einhängen. Serienmäßig hat der Herd zwei Flammen, drei Flammen kosten extra. Passgenaue Platten decken die Spüle ab, bilden so eine erweiterte Arbeitsplatte.

Fahren: V6-Diesel mit 190 PS

Ein Vergnügen ist der Motor: Der Dreiliter-Sechszylinder grummelt leise im Leerlauf, um dann kraftvoll loszuziehen. Die Kraft des Motors beeindruckt besonders bei mittleren Drehzahlen, wenn der Integrierte die vier Tonnen Leergewicht souverän Berge hochschiebt. Die Automatik unterstützt den Motor, schaltet sanft, schnell und pünktlich. So ist alles drin: vom gelassenen Dahinrollen bei 90 km/h und 2000/min bis zum Ausreizen der Leistungsreserven des erstaunlich drehfreudigen Dieselmotors beim Einfädeln auf die Autobahn. Dabei bleibt der Motor stets leise und kultiviert, pfeift allerdings beim Beschleunigen etwas vorlaut mit seinem Turbolader. Anders als viele Vierzylinder wird der V6 auch beim Ausdrehen nicht laut, ändert lediglich seine Tonlage vom Grummeln ins Kernige.

Gewaltige Abmessungen, komfortables Fahrwerk

In Kurven und bei Seitenwind bewegt sich der drei Meter hohe Aufbau relativ stark, der Sprinter wiegt sich in den Federn. Sicher und verlässlich bleibt er jedoch jederzeit. Die ausreichend präzise Lenkung erlaubt sicheres Fahren – nicht unwichtig bei 2,30 Meter Breite und 4,33 Meter Radstand – das entspricht der Länge eines mittelgroßen Kompaktautos.

Gut, dass die Spiegel so groß und sinnvoll positioniert sind; der obere Teil lässt sich elektrisch einstellen, der untere manuell. Relativ schmale Dachsäulen stehen beim Peilen kaum im Weg. Auch ist der Wendekreis erstaunlich klein. Nichts knarzt oder klappert. Einzig die Dämmung nach außen könnte besser sein. Das Fahrwerk ist sehr komfortabel, bügelt Schlaglöcher, Wellen und Kanten fast komplett weg – Gewicht und Radstand helfen hier natürlich.

Preis und Ausstattung: 121.000 Euro ohne Extras

Unser Testwagen hat ein paar Extras, die ihn heller, wintertauglicher, funktionaler und souveräner machen. Ohne die Rückfahrkamera für 1.250 Euro wird kaum jemand vom Hof rollen wollen. Das MBUX-Infotainment von Mercedes mit Navigation, DAB-Radio und Sprachsteuerung kostet 2.150 Euro extra. Ob die zwei zusätzlichen Gurtsitzplätze, die aus dem Staukasten in der Hecksitzgruppe gefaltet werden und dort Stauraum kosten, unbedingt nötig sind, muss jeder selbst entscheiden.

Backofen und Dachfenster statt Notsitze

Wer die Gurtplätze weglässt, kann die gesparten 1.650 Euro zum Beispiel für zwei Dachfenster (900 Euro) und einen Backofen (650 Euro) ausgeben und vom Rest zu zweit Essen gehen. Der Vollständigkeit halber: eine elektrisch ausfahrbare Trittstufe an der Fahrertür kostet 690 Euro, die Duo Control mit Eis-Ex für die beiden 1-Kilo-Gasflaschen 315 Euro und das Reserverad 270 Euro. Eine sehr angenehme Haptik hat das Lederlenkrad für 230 Euro. Überflüssig erscheinen die LED-Scheinwerfer, die happige 1.829 Euro kosten und nicht sehr weit leuchten.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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