Kia Ceed Sportswagon 1.4 vs Skoda Octavia Combi 1.5

Kia hat 2018 die dritte Generation des Ceed gebracht. Wir testen
nun den Kombi und vergleichen ihn gleich mit dem Primus in der
Kompaktkombi-Klasse, dem Skoda Octavia. Wer macht das Rennen?
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Kia hat 2018 die dritte Generation des Ceed gebracht. Wir testen nun den Kombi und vergleichen ihn gleich mit dem Primus in der Kompaktkombi-Klasse, dem Skoda Octavia. Wer macht das Rennen?

© Achim Hartmann
18.12.2018 - 12:11 Uhr von Thomas Hellmanzik

Der neue Kia Ceed Sportswagon wurde in Frankfurt gestaltet, in Rüsselsheim entwickelt und wird in der Slowakei gebaut. Bei uns in Stuttgart tritt er gegen den Skoda Octavia Combi an.

  • Skoda Octavia: Fast Golf-Qualität zu Skoda-Preisen
  • Kia Ceed: Fast Skoda-Qualität zu Kia-Preisen
  • Maße: größerer Gepäckraum im Kia, mehr Beinfreinheit im Skoda
  • Skoda: hoher Fahrkomfort
  • Kia: starke Bremsleistung
  • Fazit

Da bringt Kia gerade den neuen Ceed Sportswagon auf den Markt, und was machen wir bei auto motor und sport? Natürlich: Wir hetzen ihm gleich mal den Kompaktkombi-Platzhirsch auf den Hals.

Mit Samthandschuhen anfassen geht anders, denn mit dem Skoda Octavia Combi um Bewertungspunkte zu kämpfen ist kein Spaß. Obwohl seine Ablösung naht, hält er seine klasseninterne Konkurrenz immer noch ordentlich in Schach – und hat nach wie vor Siegchancen. Gegen eine C-Klasse ist er in der Eigenschaftswertung nah genug drangeblieben, um den Benz im Kostenkapitel zu überrennen (Ausgabe 8/2017).

Skoda Octavia: Fast Golf-Qualität zu Skoda-Preisen

Den tschechischen Kombi in der Eigenschaftswertung zu knacken ist hart, liefert er doch Golf-Qualität zu Skoda-Preisen. Chancen auf den Testsieg hat der Kia trotzdem, schließlich hat der Fließheck-Ceed sich gegen Golf und Astra sehr ordentlich präsentiert: Den Opel hat er geschlagen, dem VW ist er zumindest nah auf die Pelle gerückt (Ausgabe 19/2018). Der Kia Ceed Sportswagon kostet 34.290 Euro und ist ausstattungsbereinigt rund 4.000 Euro günstiger als der Octavia: Reicht das für ihn, um das Ding als Underdog nach Hause zu fahren?

Der Kia-Testwagen kommt als vollausgestattete Topversion, die in wenigen Klicks konfiguriert ist: eine von neun Farben aussuchen (nur Deluxeweiß Metallic kostet 200 Euro Aufpreis), dann entscheiden, ob der Importeur für 110 Euro noch eine „hochwertige Zusatzkonservierung für Motorraum und Fahrzeugunterboden“ aufbringen soll, und das war’s. LED-Scheinwerfer, Radartempomat, JBL-Soundsystem, Rückfahrkamera, Parkpiepser rundum, Totwinkelassistent sind nur einige Highlights, die zum Umfang der Platinum Edition gehören.

Kia Ceed: Fast Skoda-Qualität zu Kia-Preisen

Auch Sitze im Leder-Kunstleder-Mix gehören zu der Ausstattung. Sie könnten zwar etwas niedriger montiert sein, dafür haben sie eine Belüftungsfunktion sowie eine elektrische Verstellung auf der Fahrerseite inklusive zweier Speicherplätze. Dazu sind die Sitze angenehm weich gepolstert. Überhaupt bietet das Interieur wenig Angriffsfläche für Kritik, es liegt qualitativ nahezu auf dem Niveau des Konkurrenten. Okay, die Ziernähte auf dem Kunststoffarmaturenbrett des Kia treffen jetzt nicht jeden Geschmack – aber da haben wir schon schlimmere Design-Sperenzchen gesehen, oder?

Wie auch immer, das Bedienkonzept überzeugt mit Übersichtlichkeit und einem hoch montierten Acht-Zoll-Touchscreen, der zusätzlich über physische Direktwahltasten sowie Drehknöpfe bedienbar ist – ein wichtiges Feature, das Skoda-Kunden mit dem hochaufgelösten 9,2-Zoll-Infotainment-System Columbus verlieren. Zusätzlich eliminiert Kia so manches Rätselraten mit dem Bordcomputer, der bei Benutzung des Lichtschalters oder des Scheibenwischerhebels deren aktuelle Einstellung einblendet.

Maße: größerer Gepäckraum im Kia, mehr Beinfreinheit im Skoda

Knappe sieben Zentimeter kürzer ist der Kia mit seinen 4,60 Metern. Hinter der elektrischen Heckklappe warten trotzdem 15 Liter mehr Raum auf Gepäck. Und mit doppeltem Boden, Schienensystem, Rücksitzlehnen-Fernentriegelung, 12-V-Anschluss und Gepäcktrennnetz ist der Kofferraum mindestens so variabel wie der des Octavia. Wobei: Der hat bis auf das Schienensystem all das auch – und eine Kofferraumlampe, die als herausnehmbare Taschenlampe multifunktioniert.

Ist man Fondpassagier, bevorzugt man jedoch den Skoda ganz erheblich. Zunächst haben beide gleichermaßen bequeme Rücksitze mit ergonomisch sinnvoll angewinkelten Lehnen; auch Luftausströmer und Mittelarmlehnen mit Getränkehaltern gibt’s hier wie dort. Der große Unterschied: klassendurchschnittliche Beinfreiheit im Kia versus E-Klasse-Platzverhältnisse im Skoda-Fond. In Zahlen ausgedrückt: 745 gegen 690 Millimeter Normsitzraum.

Skoda: hoher Fahrkomfort

Bei Autobahnrichtgeschwindigkeit hörst du zwar nur im Skoda Windverwirbelungen im Bereich der A-Säule. Dennoch ist das Geräuschempfinden angenehmer: weniger Fahrwerks- sowie gedämpftere Motorengeräusche.

Beim Federungskomfort ist der Skoda im Vorteil, da seine Adaptivdämpfer (920 Euro, für Kia nicht erhältlich) eine spürbare Spreizung in den unterschiedlichen Modi erreichen. Auf Comfort bügelt er Unebenheiten geschmeidig weg, was auf den meisten Autobahnen gut funktioniert. Bei kurvigen oder lädierten Landstraßen ist das nicht immer angenehm, weil die soften Federvorgänge den Aufbau in Bewegung bringen. Im Normal-Modus ist das Fahrwerk zwar etwas straffer, hält die Karosserie in Kurven oder über Unebenheiten dafür entschieden ruhiger; Sport reduziert den Komfort etwas im Tausch gegen eine spürbar verringerte Wankneigung.

Der Kia fahrwerkt in etwa wie sein Kontrahent im Normal-Modus – lediglich über kurze Wellen und Fugen rollt er spürbar ruppiger ab. Jedoch wankt der Ceed auf zügigen Landstraßenetappen stärker und reicht insgesamt nicht ganz an die Präzision des Octavia heran – auch weil dessen Lenkung eine Idee gesprächiger ist.

Kia: starke Bremsleistung

Auf der Bremse haut der Koreaner ordentlich einen raus, denn 33,8 Meter aus 100 km/h sind selbst bei Fahrzeugen mit ernsthaft sportlichem Anspruch längst keine Selbstverständlichkeit. Blöd für sein Punktekonto ist nur, dass der Skoda mit 34,7 Metern auch stark verzögern kann – und zügiger beschleunigt.

Subjektiv sind die Performance-Unterschiede der Vierzylinder meist weniger präsent, als die Messwerte suggerieren; erst bei Volllast werden sie deutlicher. Erfreulich ist, dass weder Kia noch Skoda an lähmender Turboverzögerung aus niedrigeren Drehzahlen leiden. Einen Extrapunkt erarbeitet sich der Skoda mit einer situationsabhängig etwas ausgefeilteren Getriebeabstimmung.

Den größeren Anteil am geringeren Testverbrauch des Octavia werden wohl die Zylinderdeaktivierung und das geringere Leergewicht haben. Mit 7,4 Litern pro 100 Kilometer verbraucht er einen halben Liter weniger Super. Auf 10.000 km liegt die Ersparnis bei einem Spritpreis von 1,55 Euro somit bei 77,50 Euro.

Der Spritverbrauch ist eine von vielen Bewertungskriterien, bei denen der preiswertere Ceed Sportswagon ziemlich nah, aber eben nicht ganz an den hohen Standard des Octavia Combi herankommt. Der erfahrene Tscheche beherrscht eben das komplette automobile Handwerk von Platzangebot über Antrieb bis Handling und Komfort.

Technische Daten:

Ceed SW 1.4 T-GDI

Leistung: 103 KW (140 PS)
Drehmoment (bei U/min): 242
Höchstgeschwindigkeit:206 km/h
Grundpreis:34.290 €

Octavia Combi 1.5 TSI ACT

Leistung: 110 KW (150 PS)
Drehmoment (bei U/min): 250
Höchstgeschwindigkeit:218 km/h
Grundpreis:29.130 €

Bewertung

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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