Knaus Van TI Plus im Test

Mit dem Van TI Plus präsentiert Knaus einen Teilintegrierten mit
seltener, aber wertvoller Basis. Der MAN TGE erhöht dank
Assistenzsysteme die Fahrsicherheit.
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Mit dem Van TI Plus präsentiert Knaus einen Teilintegrierten mit seltener, aber wertvoller Basis. Der MAN TGE erhöht dank Assistenzsysteme die Fahrsicherheit.

© Christian Haasz
01.03.2019 - 06:40 Uhr von Dominic Vierneisel

Mit dem Van TI Plus präsentiert Knaus einen schlanken, handlichen Teilintegrierten. Selten, aber wertvoll ist die Basis. Der MAN TGE erhöht dank vieler Assistenzsysteme die Fahrsicherheit.

Liebäugeln, flirten, verlieben, erobern. Wie im richtigen Leben, so funktioniert der Bindungsprozess auch bei Reisemobilen. Allerdings verliebt man sich selten Hals über Kopf in ein bestimmtes Basisfahrzeug, denn die sind nicht oft so einmalig wie beim Knaus Van TI Plus.

Der schlanke Teilintegrierte ist tatsächlich die einzige Möglichkeit, ein Reisemobil auf MAN TGE zu fahren. Natürlich nutzen wir die erste Gelegenheit und starten zu einer Spritztour in den Bayerischen Wald. Wir schwingen uns hinters Lenkrad, und schon die ersten Meter machen klar: Der MAN ist ein triftiger Grund, den neuen Van TI zu mögen.

Die MAN-Basis überzeugt

Auffallend leise und vibrationsarm brummelt er vor sich hin. Intuitiv findet man sich zurecht im Cockpit, kein Schalter liegt mehr als eine Armlänge entfernt. Dank sesseliger Sitze mit langen Oberschenkelauflagen und einem weit verstellbaren Lenkrad findet man schnell eine bequeme Position. Ergonomie und Bedienfreundlichkeit – man muss es so sagen –, das haben sie einfach drauf bei VW, Pardon, natürlich MAN.

Vorsicht Verwechslungsgefahr – vom Löwen in Grill und Lenkrad abgesehen, sind Crafter und TGE baugleiche Zwillinge. Wie den Crafter gibt es auch den TGE mit Vorder-, Hinter- und Allradantrieb. Knaus bietet alle Varianten an, Basis ist der Fronttriebler, bereits serienmäßig mit 140 PS. Angetriebene Hinterräder kosten 1.970 Euro extra, 4 x 4 vergleichsweise moderate 4.320 Euro. Der Gipfel des Antriebskomforts ist die Achtgang-Automatik, die es allerdings nur in Verbindung mit dem starken 177-PS-Diesel bzw. Front- (4.070 Euro) und Allradantrieb(8.390 Euro) gibt.

Schon in der Basisvariante gibt der Knaus sich angenehm verbindlich. Auch handgeschaltet schnürt der kleine Diesel munter bis Landstraßentempo. Das Fahrwerk federt sehr manierlich. Darüber hinaus lockt der TGE mit vielen Assistenzsystemen wie der serienmäßigen Notbremse, die Kollisionen verhindern hilft, sowie optional einem Abstandsregeltempomaten und einem Spurhalteassistenten, der aktiv in die Bahn zurücklenkt. Die Lenkung selbst arbeitet leichtgängig und direkt. Der mit 2,20 Meter Breite eher schlanke Teilintegrierte lässt sich damit handlich pilotieren und rangieren.

Sitzgruppe mit ausziehbarem Tisch

Für Reisemobil-Entwickler ist der MAN herausfordernd. Im Vergleich etwa zum Fiat Ducato ist der Fahrerhausvorbau des TGE deutlich länger. Soll das Reisemobil – wie der vorgestellte 650 MEG – sieben Meter Länge nicht überschreiten, kostet das im Innenraum effektiv Platz. Mit verschiedenen Kniffen gelingt es Knaus aber, das so zu kompensieren, dass der Wohnkomfort nicht leidet.

Die Rückbank etwa steht leicht schräg in den Raum und öffnet so die Sitzgruppe. Auch lässt sich dadurch eine Bankbreite realisieren, auf der zwei Personen noch gut nebeneinander Platz haben. Für einen geringen Mehrpreis sind sämtliche Sitzmöbel mit einem fleckenunempfindlichen, faser- und nicht nur oberflächenimprägnierten, Active-Line-Polsterstoff bezogen. Dreht man die Pilotensessel in Wohnstellung, was trotz des schmalen Fahrerhauses passabel gelingt, ergänzen sie die Sitzgruppe um zwei weitere Plätze, auf denen man allerdings trotz Höhenverstellung merklich tiefer sitzt als im Wohnraum – Knaus will noch eine verbesserte Drehkonsole einbauen. Der große Tisch dürfte jedoch für die meisten passen, auch weil er sich durch eine ausdrehbare Platte vergrößern lässt.

Erweiterbar ist ebenso die Abstellfläche in der Küche: Das Zusatzbrettchen lässt sich mit einer Hand auf- und wieder anklappen. Eingelassen in die Arbeitsplatte mit robuster HPL-Oberfläche ist eine große Spüle und ein Zweiflammenkocher. Zwei breite Schubladen und ein Oberschrank bunkern Vorräte und Kochgeschirr, im 140-Liter-Kühlschrank ist für weit mehr als nur kalte Erfrischungsgetränke Platz. Der Küchenblock selbst verjüngt sich nach vorne, sodass der Durchgang hier ausreichend breit ist.

Dank der Rollotür des Sanitärraums gegenüber, die beim Öffnen nicht in den Gang ragt, bleibt der Durchgang nach hinten stets frei. Im Bad wird zwar ebenfalls Platz gespart, doch Knaus nutzt die kleine Grundfläche gut aus. Der Schlüssel liegt in der Doppelfunktion: Aus dem Wasch- und WC-Raum entsteht, sobald man die Spiegelwand über die Banktoilette geschwenkt hat, eine gut nutzbare Dusche. Daneben gibt es drei offene Ablagen, einen Hängeschrank, ein clever eingebautes Fach für Kosmetiktücher, zwei Handtuchhaken und eine Kleiderstange, die zum Beispiel für nasse Jacken prädestiniert ist.

Gleich fünf Garderobenhaken finden sich im Wohnraum selbst. Ansonsten kommen auf Bügeln gelagerte Kleidungsstücke in zwei Schränken unter den Bettenden unter. Darüber hängen drei, optional sogar bis zu fünf Dachstaukästen und zwei offene Ablagefächer. Wohnlich und praktisch zugleich macht das Schlafzimmer die Verkleidung am Kopfende mit einer Ablage für Bettlektüre oder Smartphones, die dort auch eine Steckdose vorfinden.

Am falschen Ende gespart hat Knaus auch bei den Betten des Van TI Plus 650 MEG nicht. Beide Liegeflächen sind knapp zwei Meter lang sowie achtzig Zentimeter breit und lassen sich über zwei große Stufen komfortabel entern. Die Kopffreiheit reicht, um bequem aufrecht zu sitzen. Viel Licht fällt von oben durch das lange Fenster (Option) über dem mittleren Polster.

Bordtechnik und Aufbau

Unter den Betten befindet sich eine geräumige, beleuchtete Fahrradgarage. Sie ist serienmäßig über eine Tür zugänglich. Aufgeräumt in einer Nische ist die Bordelektrik installiert. Auch darüber hinaus kann sich die Technik des Van TI Plus sehen lassen. Zwar sind nicht alle der gezeigten Beleuchtungselemente serienmäßig, doch die intelligente Steuerung ist grundsätzlich schon in der Basis an Bord. Dazu zählen auch beschriftete Mehrfachwechselschalter an mehreren Stellen im Aufbau. Auch vom Kontrollbord aus sind die Lampen schalt- und großteils dimmbar. Via Touchfunktion wie bei einem Smartphone lässt sich über das Display unter anderem auch die Raumtemperatur zentral einstellen. Serienmäßig erwärmt den Innenraumeine Truma Combi 6; optional wird – ungewöhnlich für die Klasse – auf Wunsch alternativ eine Warmwasserheizung installiert.

Ungewöhnlich ist auch der Aufbau der hohen Kabine konstruiert. Darf man die schützende GfK-Schicht an Dach und Boden mittlerweile erwarten, verblüfft der Van TI Plus mit beidseitig Alu-beplankten Sandwichwänden samt textil verkleideter Innenseite – eine Technik, die man sonst eher aus der Oberklasse kennt.

Da stellt sich die Frage nach dem Preis von selbst. 65.000 Euro Grundpreis klingen erst mal nicht nach Schnäppchen, zumal das MAN-Paket (2.190 Euro) und das Van-TI-Plus-Paket (1.890 Euro) obligatorisch sind. Vergleicht man den MAN-Van jedoch hausintern mit dem Van TI auf Fiat-Basis, erscheinen gut 5.000 Euro mehr für das deutlich modernere Mobil nicht zu viel. Der Einmaligkeitsbonus kommt dazu. Wer sich in den MAN TGE verliebt, kommt am Plus nicht vorbei.

Neu zur CMT: Van TI Plus 700 LF

Pünktlich zum Anlauf der Serienproduktion des Van TI Plus stellt Knaus auf der ersten Messe des neuen Jahres, der CMT in Stuttgart, den zweiten Grundriss der Baureihe vor. Der 700 LF ist 7,47 Meter lang (Radstand 4,49 Meter) und verfügt über ein französisches Längsbett im Heck. Auf 2,01 Meter Länge und 1,40 Meter Breite erstreckt sich die Liegefläche, die mit gutem Zugang von zwei Seiten gefällt. Das schmalere Fußende lässt sich durch ein Zusatzpolster samt ausklappbarer Auflage verbreitern. Neben dem Kopfende links im Heck befindet sich die Dusche samt WC. Das Waschbecken steht davor frei im Gang, was das großzügige Raumgefühl, das diesem Grundrisstyp generell zu eigen ist, nochmals verbessert. Eine fahrradtaugliche Garage lässt sich bei diesem Modell nicht verwirklichen, immerhin hat der 700 aber einen voluminösen Bettkasten. Die eigentliche Besonderheit des neuen Grundrisses ist jedoch die außergewöhnlich große Sitzgruppe. Sie besteht aus zwei Längsbänken, eine davon in L-Form. Durch diese Anordnung ist die Sitzgruppe jederzeit einfach nutzbar. Platz für mindestens vier Personen ist auch dann, wenn die Fahrerhaussitze nicht gedreht werden. Für Passagiere lassen sich beide Bänke einfach zu je einem Sitz mit Dreipunktgurt umbauen.

Daten und Preise

Aufbau: Sandwichaufbau, Wände außen und innen Aluminium, Dach und Boden GfK, Isolierung Wände und Dach EPS-, Boden XPS-Schaum, 4 Kunststoff-Isolierfenster (optional mit Alu-Rahmen), 3 Panorama-Dachfenster, 2 Dachhauben.

Ausbau: Möbel aus Sperrholz, Sitzbank mit 2 Dreipunktgurten, Einzelbetten 2 x 1.980 x 810 mm, Sanitärraum mit Kassettentoilette und abtrennbarer Dusche, Küche mit Zweiflammkocher und Absorber-Kühlschrank 142 L.

Bordtechnik: Gas-Gebläseheizung/Boiler Truma Combi 6 CP, Frischwassertank 100 (10) L, Abwassertank 73 L, Bordbatterie AGM-Typ 2 x 80 Ah, Gasflasche 2 x 11 kg.

Basisfahrzeug: MAN TGE , Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 1.998 cm3, Leistung 103 kW/140 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe.

  • Länge x Breite x Höhe 6.990 x 2.200 x 2.900 mm
  • Radstand 3.640 mm
  • zulässiges Gesamtgewicht 3.500 kg
  • Masse fahrbereit 2.980 kg (Herstellerangabe).

Preise: Grundpreis 64.990 Euro, MAN-Paket (u. a. Fahrerhaus-Klimaanlage, Multifunktionsanzeige, Außenspiegel elektrisch einstell-/beheizbar, Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Müdigkeitserkennung) 2.190 Euro, Van-TI-Plus-Paket (u. a. Insektenschutztür, Fahrersitzbezüge im Wohnraumdesign, Garagentür links, Fahrerhaussitze drehbar, CP-Plus-Bedienpanel, Midi-Heki) 1.890 Euro, Abstandsregeltempomat 1.154 Euro, Aktiver Spurhalteassistent 512 Euro,177-PS-Motor 1.680 Euro, Alde-Warmwasser-Heizung 2.470 Euro, Rückfahrkamera 619 Euro, Multifunktionslenkrad 351 Euro.

Testwertung

(maximal 5 Punkte)

Sitzgruppe: 3 Möbelbau: 4 Schlafen: 4 Sanitär: 3,5 Küche: 3

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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