MAN TGE Seikel Offroad

MAN TGE Seikel Offroad-Umbau Fahrbericht
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MAN TGE Seikel Offroad-Umbau Fahrbericht

© Stephan Lindloff
12.01.2018 - 11:26 Uhr von Torsten Seibt

Mit dem TGE bringt MAN erstmals praktische Kastenwagen auf die Straße. Dank eines neuen Offroad-Umbau-Kit darf man diese nun auch verlassen. Das haben wir ausprobiert.

Die Umstellung auf die komplett neue Crafter-Generation bei VW war für die Volkswagen-Konzerntochter MAN der lang erwartete Startschuss, auch im Bereich der Nutzfahrzeuge unter 7,5 Tonnen an den Start zu gehen. Der MAN TGE ist seit 2017 bei den MAN-Händlern. Und nun gibt es noch ein paar Zusatzargumente, denn der MAN TGE lässt sich mit einem umfangreichen Umbau-Kit auch für heftigere Geländeeinsätze modifizieren.

Basis dafür ist natürlich die 4x4-Version des MAN TGE, die in unserem Fall mit dem 140-PS-Monoturbo zum ersten Test antrat, den Allradantrieb gibt es nur für die beiden stärkeren Motorisierungen. Obwohl der MAN TGE auch als Fahrgestell oder Pritschenwagen zu haben ist, der getestete Kastenwagen-Aufbau ist eine besonders universelle Lösung. Wie in diesem Fahrzeugsegment üblich gibt es drei Radstände und drei Dachhöhen, die sich allerdings nicht frei kombinieren lassen – sechs verschiedene Aufbauformen sind es insgesamt.

Mit dem „Allrad ab Werk“ hat der TGE gegenüber einer Nachrüstlösung durch bekannte Spezialisten wie Dangel oder Oberaigner einen gewissen Vorteil, da der Kunde sein Modell komplett aus einer Hand bekommt. Ein Nachteil der MAN-Lösung: Außer der zusätzlich angetriebenen Hinterachse, der 4x4 basiert auf dem Frontantriebsmodell mit quer eingebautem Motor, gibt es für Fahrten abseits des Asphalts keine weiteren Hilfen, die bei den zuvor genannten Umbauern beispielsweise in Form von Höherlegungsfahrwerken verfügbar sind.

MAN TGE-Umbau von Seikel

Dieses Manko kann MAN nun wettmachen, durch die Kooperation mit einem anderen Spezialisten: Die Firma Seikel aus dem hessischen Örtchen Freigericht ist seit Jahrzehnten für kompetente Offroad-Umrüstungen von VW-Nutzfahrzeugen bekannt. Ein entscheidender Punkt dabei: Seikel ist zertifizierter Partner des Herstellers, bei fachgerechtem Einbau in der Vertragswerkstatt bleibt die Fahrzeuggarantie erhalten. Gerade für Gewerbekunden ein unabdingbarer Punkt.

Für den Umbau des MAN TGE konnte Seikel entsprechend ins Regal mit den bereits fertig entwickelten VW Crafter-Teilen greifen, um den ersten Offroad-TGE für MAN als Erprobungsfahrzeug aufzubauen – den wir gleich nach Fertigstellung für einen ersten Fahrtest entführten. Bedarf an solchen Umbauten ist durchaus vorhanden, neben den klassischen Kunden aus dem Baugewerbe oder dem ländlichen bzw. gebirgigen Umfeld sind es auch zunehmend Wohnmobilbauer, die auf eine Allradbasis setzen und der Kundschaft auf diese Weise neue Wege erschließen.

Um ein Allradfahrzeug zu einem passablen Offroader umzubauen, gibt es seit Generationen gleiche Maßnahmen: Höher und robuster muss es werden. Je mehr Boden- und Bauchfreiheit, desto leichter fällt das Klettern über Hindernisse und Hügel. Und je besser der Unterboden geschützt ist, desto kerniger kann man den Geländeausflug angehen und im Zweifelsfall auch einmal mit Vollgas eine knifflige Situation klären, ohne dass teure Schäden auftreten.

MAN TGE-Umbau besteht aus sechs Komponenten

All das deckt ein Komplettpaket von Seikel ab, welches aus sechs auch einzeln verbaubaren Komponenten besteht. Ein Höherlegungsfahrwerk liftet den TGE um 30 Millimeter und schafft so Freiraum für größere Rad-/Reifen-Kombinationen. Eine solche findet sich beim Testwagen in Form der 255/55 R18er Geländebereifung, die nochmals rund 20 Millimeter Höherlegung gegenüber der Serie beisteuert. Für den Komponentenschutz wurden Schutzplatten für den Motor, Tank und das Hinterachsdifferential verbaut, zwei weitere Bleche beschützen die Hinterachs-Stoßdämpfer. Um die Seitenschweller frei von teurer Verformung zu halten, kommt schließlich ein sogenanntes „Rockslider“-Set zum Einsatz, das derzeit nur für den mittellangen Kastenwagen verfügbar ist. Dem Namen entsprechend kann man mit diesem Schwellerschutz auch prima über Felsen schrubben, ohne dass dem Wagen etwas passiert.

Beim Straßentest macht sich der Umbau nicht negativ bemerkbar. Zwar verschiebt sich durch den Lift der Schwerpunkt des Fahrzeugs, doch eine spürbar gesteigerte Wankneigung lässt sich nicht feststellen. Die neuen Dämpfer aus dem Fahrwerkspaket machen einen guten Job, fühlen sich sogar etwas verbindlicher an als die Serienware. Die Federung selbst bleibt erhalten: An der hinteren Starrachse wird die originale Blattfeder mit einem Distanzstück unterfüttert, vorne werden die Serienfedern in Verbindung mit den neuen Dämpfereinheiten verwendet.

Der 140-PS-Motor zeigt sich als durchaus passabler Antrieb für den riesigen Kasten, der sich völlig entspannt bewegen lässt. Wer nicht ständig schwere Anhänger zieht und die Nutzlast ausreizt, erwischt mit dieser Variante die sprichwörtliche „goldene Mitte“. Der teurere, starke 177-PS-Topmotor kann im Alltag bei normaler Fahrweise und durchschnittlicher Belastung kaum spürbare Vorteile herausfahren.

Automatik ist empfehlenswert

Die Schutzmaßnahmen am Unterboden erleichtern es auch mental, dem MAN TGE im Gelände etwas mehr abzuverlangen. Denn der ellenlange Radstand und das nur minimal verschränkende Fahrwerk sind natürlich im Vergleich zu einem normalen Geländewagen ein ziemliches Handicap. Ohne die Angst, „untenrum“ teure Komponenten zu zerdengeln, ist das Fahrgefühl jedoch deutlich entspannter. Soll der MAN TGE tatsächlich häufig abseits der Straße eingesetzt werden, empfiehlt sich jedoch in jedem Fall der Aufpreis für die Wandlerautomatik, mit der speziell bei Langsam- und Steilfahrten sicheres Fahren möglich ist. Denn eine zuschaltbare Geländeuntersetzung hat der MAN TGE nicht.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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