Mercedes CLK 230 Kompressor Cabrio

Mercedes CLK 230 Kompressor Cabrio
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Mercedes CLK 230 Kompressor Cabrio

 
18.07.2000 - 15:31 Uhr

Neben vier Plätzen an der Sonne sowie mercedestypischer Solidität und Sicherheit verspricht das neue Cabrio auf CLK-Basis bisher ungekannte Wonnen: Mit Dynamik und Chic soll der Beau vor allem jüngere Käuferschichten erobern.

Die gute Nachricht zuerst:  Nach SLK und CLK Coupé  erweitert Mercedes seine Lustflotte  mit dem CLK Cabrio um  ein weiteres Nischenauto, das  gleichermaßen Herz und Verstand  anspricht und die Tradition  eleganter Viersitzer-Cabrios  aufs schönste fortsetzt. Die  schlechte: Auch dieses Modell  ist bereits bis Ende 1999 ausverkauft,  bevor es am 20. Juni  zu den Händlern kommt.  Neben der attraktiven Form  beruht die große Nachfrage  nicht zuletzt auf der Tatsache,  daß die einst stattlichen Luxusliner  von Generation zu Generation  sportlich-kleiner und relativ  preiswerter wurden.

Beides  hat miteinander zu tun,  denn das neue Cabrio basiert  nicht wie seine Vorgänger auf  der S- oder E-Klasse, sondern  bedient sich wie das entsprechende  Coupé der C-Klasse-  Plattform. Dadurch blieben die  Entwicklungskosten (180 Millionen  Mark) im Rahmen, obwohl  der offene CLK viel eigenständiger  als das bisherige  E-Cabrio wirkt.  Weil er von Anfang an parallel  zur Festdach-Version mit  eingeplant war, entfielen aufwendige  Änderungen und allzu  viele Neuteile. So stammen die  Frontpartie bis zu den Türblechen  sowie die hinteren Stoßfänger  und das Cockpit praktisch  unverändert vom Coupé,  die cabriospezifischen Komponenten  liefert Karmann in  Osnabrück, wo das Auto auch  gebaut wird.  Dort erhält die Bodengruppe  zudem die notwendigen Versteifungen,  die den fehlenden  Dachaufbau kompensieren sollen. 

Dazu gehören stabilere Längsträger und Kardantunnel,  zusätzliche Quer- und Diagonalstreben  sowie Verstärkungen  an A-Säule und oberem Windschutz-  Scheibenrahmen. In Verbindung  mit den hochfesten,  bei Gefahr in Sekundenschnelle  ausfahrenden Fondkopfstützen  verspricht Mercedes zugleich  einen zuverlässigen Überrollschutz  für die Insassen.  Das Mehrgewicht von rund  200 Kilogramm gegenüber dem  Coupé beinhaltet wie beim Vorgänger  einen Schwingungstilger  im Vorbau, der jenes Restzittern  abstellen soll, das selbst  umfangreiche Versteifungen  nicht aus der Welt schaffen  können. Auf schlechten Straßen  beweisen aber Erschütterungen  der Karosserie bis ins Lenkrad  hinein, daß eine hundertprozentige  Lösung noch nicht gefunden  ist. Beim Testwagen zeigte  sich sogar nach längerem Parken  auf unebenem Grund ein  Riß in der Frontscheibe.  Ansonsten erfordert der offene  CLK im Vergleich zu geschlossenen  Karosserien allerdings  denkbar geringe Zugeständnisse.  

Unter den viersitzigen  Cabrios gibt es derzeit  wohl keines, das weniger schüttelt  und ähnlich ruhig bleibt.  Erheblichen Anteil hat daran  das hochwertige Verdeck, bei  dem eine dicke Polstermatte  zwischen Textilhaut und Innenhimmel  für wirksame Schallund  Wärmeisolierung sorgt.  Dank tadelloser Paßform,  sauberer Verarbeitung und hoher  Spannkraft bleiben die  Windgeräusche erfreulich niedrig,  erst ab 130 km/h registrierten  die Meßgeräte einen leichten  Schalldruckanstieg gegenüber  dem Coupé. Auch wegen  der beheizbaren Glasheckscheibe  eignet sich das CLK Cabrio  als Ganzjahresauto, obwohl das  kleine Rückfenster die ohnehin  schlechte Übersichtlichkeit  weiter einschränkt. 

Eine serienmäßig elektrohydraulische  Betätigung macht  es aber leicht, das Verdeck bei  jeder sich bietenden Gelegenheit  zu versenken. Nach Entriegelung  mittels Drehgriff am  vorderen Scheibenrahmen und  einem Zug am Schalter auf der  Mittelkonsole verschwindet es  in weniger als 30 Sekunden unter  einem festen Deckel hinter  den Rücksitzen. Durch zweimaliges  Drücken dieser Taste  lassen sich zugleich die Seitenscheiben  zentral hoch- und  runterfahren.  Doch selbst bei völliger  Offenheit kommen hartnäckige  Frischluftfanatiker kaum auf  ihre Kosten, weil die stark geneigte Frontscheibe den Fahrtwind  über die tief sitzenden  Frontpassagiere hinwegleitet.

Bei höheren Geschwindigkeiten  vermindern geschlossene  Fenster und das aufpreispflichtige  Windschott störende Turbulenzen,  was den Mercedes  dann allerdings in einen Zweisitzer  verwandelt. Im Fond ist  es jedoch ohnehin derart zugig,  daß schon Landstraßentempo  zur Tortur wird.  Dabei sind die hinteren Einzelsitze  trotz etwas geringerer  Innenbreite und Beinfreiheit als  im Coupé ähnlich grosszügig  und komfortabel wie die vorderen.  Nicht einmal eine klappbare  Mittelarmlehne fehlt zur  Langstreckentauglichkeit, eher  schon ein angemessenes Gepäckvolumen.  Bei offenem Verdeck  faßt der Kofferraum gerade  mal 237 Liter, geschlossen  passen dank flexiblem Rollo  350 Liter hinein.  In puncto Komfort gibt es  keine Einbußen zu verzeichnen,  vielmehr ein leichtes Plus aufgrund  des höheren Gewichts.  

Die serienmäßige Fahrwerksabstimmung  – ohne Mehrpreis ist  wahlweise ein strafferes Sportfahrwerk  lieferbar – überzeugt  als gelungener Kompromiß  zwischen geschmeidiger Federung  und gutem Handling, ohne  freilich an die Lenkpräzision  und Agilität eines BMW Dreier  Cabrios heranzureichen. Gediegenheit  und Harmonie prägen den Gesamteindruck, besonders  in der noblen Elegance-  Version (1160 Mark Aufpreis).  Dennoch mangelt es weder  an Fahrsicherheit noch an Vergnügen,  wenn man den CLK im  flotten Galopp über kurvenreiche  Landstraßen treibt.

 Da zeigt  er souveräne Neutralität ohne  Lastwechselreaktionen, und bei  allzu forscher Beschleunigung  greift die serienmäßige Antriebsschlupfregelung  mäßigend  an den hinteren Antriebsrädern  ein. Effektive und standfeste  Bremsen runden die dynamischen  Qualitäten ab.  Von der hier eingebauten  Antriebseinheit läßt sich das  nicht behaupten. Unter den drei  im Cabrio angebotenen Motoren  wirkt der 2,3 Liter-Kompressor  zunächst verführerisch,  weil er in den Fahrleistungen  fast an den 3,2 Liter-V6 reicht,  bei den Kosten hingegen näher  am ebenfalls vierzylindrigen  Zweiliter liegt. Die Meßwerte  bescheinigen dem aufgeladenen  CLK 230 denn auch ein gutes  Temperament, doch das ist nur  die halbe Wahrheit.  Bei cabriogemäß verhaltener  Fahrweise senkt die 3468  Mark teure Fünfgang-Automatik  zwar das Drehzahlniveau,  sorgt aber für hektische Betriebsamkeit,  wenn Leistung  zum Überholen oder Einfädeln  verlangt wird.

Dann fangen  Wandler und Kompressor heftig  zu rotieren an, bis es mit einiger  Verzögerung endlich losgeht.  Dabei liefert der Vierventiler  eine kernige, angestrengt  klingende Begleitmusik.  So wundert es kaum, daß  der Testverbrauch (11,9 Liter/  100 km) nicht besonders niedrig  ausfällt. Bei der Preisgestaltung  hat Mercedes ohnehin die  kurzzeitig geübte Zurückhaltung  aufgegeben, denn das Cabrio  ist nicht nur 11 000 Mark  teurer als das Coupé, sondern  auch bis zu 16 000 Mark kostspieliger  als die Sechszylinder-  Konkurrenten Audi 2.8, BMW  328i oder Chrysler Stratus 2.5.  Auch die günstige Versicherungseinstufung  und die reichhaltige  Sicherheitsausstattung  machen das Vergnügen kaum  billiger, weil gängige Extras zu  weiteren Aufschlägen führen.  Doch am Geld für den Schönling  scheint es nicht zu fehlen –  eher schon an einem günstigen  Platz auf der Warteliste.  

Technische Daten:

CLK 230 Kompressor Cabriolet

Leistung: 142 KW (193 PS)
Drehmoment (bei U/min): 280
Höchstgeschwindigkeit:226 km/h
Grundpreis:40.917,87 €

Quelle: 2000 Motor-Presse Stuttgart
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