Mercedes E-Sprinter Fahrbericht

Mercedes will binnen eines Jahres den neuen eSprinter serienreif
auf die Straße bringen.
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Mercedes will binnen eines Jahres den neuen eSprinter serienreif auf die Straße bringen.

© Mercedes
03.07.2018 - 16:31 Uhr von Torsten Seibt

Nach dem E-Vito bringt Mercedes auch den Sprinter mit Elektroantrieb. 2019 soll der batteriebetriebene Transporter ausgeliefert werden. Wir konnten den elektrischen Großraumkasten bereits ausprobieren.

Kein futuristisches Design, kein ultracooler Auftritt und auch keine spektakuläre Show begleiten die Weltpremiere des E-Sprinter, der ab 2019 in Serie gehen soll. Ganz schlicht und von außen auf den ersten Blick nur durch die Aufkleber als etwas Besonderes zu erkennen, macht der E-Sprinter damit auch gleich von Beginn an klar, wo die Vorteile für Mercedes liegen: Die neue Sprinter-Baureihe, die 2018 debütierte, war von vorne herein auf die Elektrifizierung vorbereitet und entsprechend für die benötigten Komponenten angepasst. So lässt sich die komplette Technik einfach in die bestehende Plattform montieren, ohne teure Sonderanfertigungen zu benötigen.

Erst beim genauen Hinsehen von der Seite fallen die orangefarbenen Kabel an der Unterseite des Mercedes E-Sprinter auf. Was hier auf einem abgesperrten Areal im Hamburger Großmarkt vorgestellt wird, ist ein Erprobungsfahrzeug im frühen Stadium, die unverkleideten Batteriepakete des Prototypen werden in der Serienfertigung natürlich rundum gekapselt und verkleidet sein. Der Ausblick auf die Akkus am Unterboden macht jedoch zwei weitere wichtige Punkte klar. So schmälern die Traktionsbatterien einerseits nicht das Ladevolumen des Sprinter, da sie (schwerpunktmäßig vorteilhaft) unterhalb des Laderaums montiert sind. Und: Es handelt sich um Standard-Teile, die auch bereits in anderen elektrisierten Mercedes-Modellen Verwendung finden.

E-Komponenten aus anderen Mercedes-Modellen

Durch diese Verwendung von Komponenten in verschiedenen Baureihen lässt sich ähnlich wie bei konventionellen Verbrennermotoren natürlich durch entsprechend höhere Stückzahlen ein günstigerer Preis erzielen. Tatsächlich entspricht die Elektromaschine, die Leistungselektronik und die Akkutechnik der inzwischen schon in anderen Mercedes-Elektrofahrzeugen wie dem inzwischen serienreifen eVito verwendeten: Akkus für rund 150 Kilometer Reichweite, die Elektromaschine mit 84 kW Leistung und 300 Newtonmeter Drehmoment. Bei Nutzung einer DC-Ladestation soll binnen 45 Minuten genug Strom für 80 Prozent der Batteriekapazität getankt werden können.

Viel Auslauf, den elektrischen Transporter von Morgen auszuprobieren, gewährt uns Mercedes diesmal noch nicht. Auf einem Großparkplatz ist ein kurviger Rundkurs mit Pylonen markiert, der durchfahren werden darf. Beschleunigen, bremsen, enge und weite Kurven fahren und vor allem rekuperieren kann hier jedoch bereits gut erprobt werden. Die E-Maschine entspricht mit ihrer Leistung dem schwächsten Dieselmotor im Mercedes Sprinter 311 CDI, was für den vorgesehenen Einsatz in städtischen Gebieten völlig ausreicht. Entsprechend fehlt natürlich der kräftige Antritt stark motorisierter E-Autos, der Sprinter setzt sich zwar zügig, aber unspektakulär in Bewegung.

Was vor einigen Jahren noch für blankes Erstaunen gesorgt hätte, ist jedoch inzwischen beinahe Gewohnheit geworden: Der nahezu lautlose Antrieb des Großraumkastens wirkt nicht mehr nach ferner Zukunft, sondern fast schon wie normale Gegenwartstechnik. Nur ein ganz entferntes Surren ist zu vernehmen, das einzige echte und von außen wahrnehmbare Fahrgeräusch entsteht durch das Abrollen der Reifen.

Der eSprinter fährt sich völlig unspektakulär

Die Fahrbarkeit unterscheidet sich, soviel auf der engen Teststrecke überprüfbar ist, nicht von der des konventionell angetriebenen neuen Mercedes Sprinter. Leicht und präzise lässt sich der Kastenwagen durch die Pylonengasse zirkeln, fühlt sich viel kompakter an, als er eigentlich ist. Wie der eVito verfügt auch der eSprinter über die Schaltpaddel der Automatikmodelle hinter dem Lenkrad, über die sich die Rekuperation der E-Maschine in mehreren Schritten einstellen lässt. In der empfehlenswerten (und beim Fahrzeugstart automatisch eingestellten) stärksten Rekuperationsstufe benötigt man die eigentliche Bremse praktisch nur noch, um das Modell zum Stillstand zu bringen. Bei allen anderen Fahrsituationen (und entsprechend vorausschauender Fahrweise) genügt ein mehr oder minder starkes Lupfen des Fahrpedals, um den Kastenwagen wahlweise sehr deutlich zu verzögern.

Mercedes will bereits 2019 mit der Auslieferung des eSprinter-Serienmodells beginnen, trifft allerdings zum heutigen Zeitpunkt noch keine Aussagen über Preise und angepeilte Stückzahlen. Ziel ist es in jedem Fall, den Gewerbekunden eine über die gesamte Einsatzdauer des Fahrzeugs vergleichbare Kostensituation zum Verbrenner zu ermöglichen. Hier schlagen sich bei zunehmender Betriebsdauer die geringeren „Kraftstoff“kosten (speziell bei Kunden mit günstigem Industrie-Stromtarif), die geringeren Wartungskosten sowie die derzeit auf zehn Jahre befristete Kfz-Steuerbefreiung aus.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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