Mercedes Sprinter 319 CDI 4x4 Fahrbericht

Nachdem im Sommer 2018 die Zweirad-Varianten des neuen Sprinter
debütierten folgen nun die Allradmodelle.
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Nachdem im Sommer 2018 die Zweirad-Varianten des neuen Sprinter debütierten folgen nun die Allradmodelle.

© Mercedes
01.12.2018 - 00:00 Uhr von Torsten Seibt

Der neue Mercedes Sprinter ist ab sofort wieder mit Allradantrieb verfügbar. Wir konnten bereits erste Fahreindrücke mit dem geländetauglichen Großraumkasten sammeln.

2018 war das Jahr des Sprinters. Das Mercedes-Nutzfahrzeug mit einer mehr als 20jährigen Ahnengalerie debütierte in einer komplett neuen Generation und geht künftig sogar als reines Elektrofahrzeug an den Start. Doch eine Variante fehlte bislang: der Sprinter 4x4. Das ist ab sofort anders, die Produktion des Allradmodells hat zum Jahresende 2018 begonnen. Zeit für eine erste Ausfahrt.

Mercedes Sprinter ab sofort wieder als 4x4

Dass es sich beim Allrad-Sprinter nicht nur um eine exotische Spielerei handelt, liegt auf der Hand. Die Anwendungen sind so vielfältig wie die verschiedenen Sprinter-Varianten. Nicht nur im Baustelleneinsatz oder in schneereichen Regionen kann der Sprinter 4x4 punkten. Auch der seit Jahren boomende Wohnmobilbereich fragt immer stärker Modelle nach, die nicht an der ersten feuchten Wiese scheitern und im Urlaub auch einmal etwas unzugänglichere Gegenden erschließen.

Bestellen lässt sich der Allradantrieb nicht für jeden neuen Sprinter. Die leichteren Modelle mit bis zu 3,0 Tonnen Gesamtgewicht bleiben ebenso außen vor wie die 114-PS-Basismotorisierung. Los geht es entsprechend beim 314 CDI. Wie beim Vorgänger ist der Aufpreis für das überlegene Antriebskonzept beachtlich: 10.289,93 Euro sind für den Zuschaltallrad fällig, den man am besten gleich mit der zuschaltbaren Getriebeuntersetzung bestellt – die kostet dann nur noch 653,31 Euro zusätzlich.

In Sachen Kaufpreis hilft eine gewisse Grundvergnügtheit ohnehin, um einen Allradsprinter vergleichbar zum diesmaligen Testwagen zu erwerben. Der als verglaster Sprinter Tourer-Bus mit Hochdach, Automatikgetriebe und zahlreichen weiteren Extras angetretene Neunsitzer sprengt bereits ohne Allrad die 60.000-Euro-Grenze ganz mühelos. Grund dafür ist auch der verbaute Motor. Im Sprinter 319 CDI kommt der bewährte Dreiliter-V6-Diesel zum Einsatz, hier mit 190 PS und 440 Newtonmeter am Start. In Verbindung mit dem 7G-Tronic-Automatikgetriebe ist das eine – für einen Kastenwagen – recht potente Motorisierung und so im Wettbewerb ansonsten nicht zu finden.

Zuschalt-Allradantrieb

Die Ausführung des 4x4-Antriebs als Zuschaltallrad ist in dieser Form ebenfalls ungewöhnlich, jedoch vom Vorgänger bekannt. Im Gegensatz zu anderen Systemen setzt Mercedes weder auf einen fest verblockten Zuschaltallrad mit entsprechenden Verspannungen bei Kurvenfahrt noch auf einen Permanent-Allrad mit 50:50-Aufteilung. Beim Sprinter ist nach Aktivierung per Druckknopf die Vorderachse zu 35 Prozent, die Hinterachse mit 65 Prozent am Vortrieb beteiligt. Die zuschaltbare Getriebereduktion verkürzt alle Gänge nochmals um den Faktor 1,42:1 und leistet so in schwierigeren Situationen gute Unterstützung für eine behutsame und dennoch kraftvolle Fahrweise.

Die Testfahrt auf einer zugeschneiten und teilweise vereisten Passstraße brachte die Eigenheiten des Sprinter-Allrad gut zur Geltung. Der zugeschaltete Allrad macht sich mit einem ganz leichten „Hintergrundsingen“ akustisch bemerkbar. Bei normaler Fahrt ist außer diesem Zusatzsound jedoch kein Unterschied spürbar. Der V6-Sprinter geht so beherzt vom Fleck, wie man das von einem solchen (aus Pkw-Sicht) riesigen Kasten üblicherweise nicht gewohnt ist, die Siebengang-Automatik bleibt im besten Sinne unauffällig, legt weitgehend ruckfrei die passende Gangstufe ein und kümmert sich ganz nutzfahrzeugig um den Betrieb des V6 im optimalen Drehzahlband.

Bei Kurvenfahrt auf sehr glattem Untergrund wird die spezifische Eigenheit des 35:65-Allradantriebs spürbar. Hier neigt die Hinterachse im Grenzbereich zu einem Ausflug in Richtung Kurvenaußenrand, wird aber von der wirkungsvoll und sensibel regelnden Elektronik sofort eingefangen und auf Kurs gebracht. Neben diesem adaptiven ESP, das auch bei zugeschaltetem Allrad voll in Funktion bleibt, gibt es weitere Elektronikhelfer, welche Schlechtwegetauglichkeit und Traktion des Sprinter 4x4 weiter verbessern. Der automatischen Bremseneingriff 4ETS verhindert durchdrehende Räder und dient als Differentialsperren-Ersatz, in Verbindung mit dem Untersetzungsgetriebe lässt sich außerdem eine elektronische Bergabfahrkontrolle ordern.

Was den neuen Mercedes Sprinter 4x4 jedoch besonders von anderen Allrad-Nutzfahrzeugen in diesem Segment unterscheidet, ist der beachtliche Fahrwerksumbau. Denn alle Traktion nutzt nichts, wenn die Fuhre aufsitzt – was gerade bei Transportern mit ellenlangem Radstand und gewaltigen Überhängen erheblich schneller passiert als bei einem handelsüblichen Geländewagen. Stramme 15,5 Zentimeter vorne und 13,5 Zentimeter hinten beträgt die Höherlegung, was in Sachen Geländetauglichkeit einen gewaltigen Vorteil bietet, etwa im Tiefschnee oder bei tief ausgefahrenen Waldwegen. So verbessert sich der Rampenwinkel beim Modell mit Standard-Radstand von 14 auf 23 Grad, der vordere Böschungswinkel von 16 auf 26 Grad – das sind Welten.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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