Mit ungekannter Fahrdynamik

Mit dem neuen Einstiegsmodell ATS nimmt Cadillac den BMW 3er und
Konsorten ins Visier.
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Mit dem neuen Einstiegsmodell ATS nimmt Cadillac den BMW 3er und Konsorten ins Visier.

© Hans-Dieter Seufert
18.03.2013 - 00:00 Uhr von Jens Dralle

Cadillac will mit dem neuen Einstiegsmodell ATS dem BMW 3er und anderen Premium-Limousinen der Mittelklasse Kunden klauen. Als Zweiliter-Turbobenziner tritt er mit 276 PS und Hinterradantrieb an.

Autos der US-Nobelmarke Cadillac trifft man hierzulande bislangeher selten an. Damit sich das ändert, schicken die Amerikaner nunein neues Basismodell nach Europa – den Cadillac ATS. Mit einerLänge von 4,64 Metern, einem kräftigen Turbo-Benziner undHeckantrieb ordnet er sich in das Segment des BMW 3er ein.

Beim ersten Probesitzen überrascht der Cadillac ATS mit einerfür Modelle dieser Marke eher unbekannten Materialqualität undsolider Verarbeitung. Doch jetzt nicht zu lange staunen, Startknopfdrücken. Was ist das? Ein Begrüßungs-Jingle ertönt, dasInfotainment-System fährt hoch. Tatsächlich gleicht die Bedienungdes berührungsempfindlichen Monitors der moderner Smartphones. Daauch die Funktionen der Klimaanlage darüber gesteuert werden, kommtdie Mittelkonsole des Cadillac ATS mit lediglich vierBedienelementen aus. Das sieht aufgeräumt aus und funktioniert nachkurzer Eingewöhnung prima.

Cadillac ATS überzeugt fahrdynamisch

Nochmals den Startknopf drücken, und der mit 1,36 baraufgeladene Vierzylinder im Cadillac ATS beginnt mit der Arbeit.Akustisch ähnlich freudlos wie ein BMW 328i, beschleunigt derDirekteinspritzer jedoch mit beeindruckender Vehemenz, die keineZweifel an seinem maximalen Drehmoment von 353 Newtonmeternaufkommen lässt. Die Werksangabe für den Standardsprint von nullauf Tempo 100 verfehlt der ATS allerdings um 1,2 Sekunden.

Dafür hält der Cadillac ATS ein anderes Versprechen seinesHerstellers: das der besonders hohen Agilität. Beinahe schon gierigstürzt er sich in Kurven, lenkt ebenso präzise wie dynamisch einund verkneift sich dabei unbeholfenes Wanken. Die von ZF zugekaufteLenkung vermittelt ebenso viel Rückmeldung wie dieMehrlenker-Doppelgelenk-Vorderachse. Hinten arbeitet eineaufwendige Fünflenker-Konstruktion ähnlich wie bei BMW. Damit folgtder Cadillac ATS Kurvenradien mit nur geringer Seitenneigung undnahezu neutralem Eigenlenkverhalten davon waren bisherige Modelleder Marke so weit entfernt wie Detroit von München.

Eingeschränkter Komfort,eingeschränkte Modellauswahl

Doch die Abstimmung geht zu Lasten des Federungskomforts – trotzadaptiver Dämpfer. Selbst in der "Tour"-Einstellung bleibt derCadillac ATS betont straff. Dass dennoch beispielsweise beimÜberfahren von Querfugen keine harten Schläge zu den Insassendurchdringen, zeugt von einer gelungenenFeder-Dämpfer-Kombination.

Ein ganz auf Dynamik getrimmter Cadillac also – warum nicht? Nurdie träge Sechsstufen-Automatik stört dabei. Alternativ steht imCadillac ATS ein manuelles Sechsganggetriebe zur Wahl, dann sogarmit mechanischer Differenzialsperre für eine noch bessereTraktion.

Ob der Cadillac ATS seinem Hersteller bessere Absatzzahlen inEuropa beschert? Gut möglich, wenn auch in überschaubarem Rahmen –was weniger am Cadillac ATS selbst liegt, sondern daran, dass esihn bislang nicht mit Dieselmotor oder als Kombi gibt.

Quelle: 2013 Motor-Presse Stuttgart
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