Opel Crossland X (2017) im Fahrbericht

Erst im Frühjahr verkündete der französische PSA-Konzern, Opel
übernehmen zu wollen.
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Erst im Frühjahr verkündete der französische PSA-Konzern, Opel übernehmen zu wollen.

© Opel
17.05.2017 - 00:00 Uhr von Annette Napp

Erst im Frühjahr verkündete der französische PSA-Konzern, Opel übernehmen zu wollen. Doch schon vorher arbeiteten beide Firmen zusammen. Das erste Modell dieser Kooperation – der Opel Crossland X – steht ab Juni bei den Händlern.

Außer der Kooperation mit PSA markiert der Crossland X auch den Beginn von Opels SUV-Offensive. Denn anders als der Vorgänger Meriva entfernt er sich aus dem braven Van-Segment und surft lieber auf der trendigen Crossover-Welle. Mit 4,21 Metern Länge und einer Breite von knapp 1,77 Meter bewegt er sich im Konkurrenzumfeld von Citroën C4 Cactus, Fiat 500X und Peugeot 2008. Wir durften den Neuen vorab schon einen Tag kennenlernen. Folgendes ist uns aufgefallen:

1) Obwohl er äußerlich wie ein SUV auftritt und mit Kunststoffschwellern Robustheit andeutet, behält er innen die Variabilität eines Vans. So lässt sich die Neigung der geteilten Rücksitzlehne verstellen und die Bank um bis zu 15 Zentimeter verschieben. Dann wächst das Ladevolumen von 410 auf bis zu 520 Liter an. Bei umgelegter Rückbank passen bis zu 1.255 Liter Ladung ins Heck. Die gute Rundumsicht mancher Vans fehlt dem Crossland X aber, das peppige Karosseriedesign mit der breiten, an den kleinen Adam erinnernden C-Säule schränkt die Sicht nach hinten etwas ein.

2) Bleiben wir noch kurz im Fond, dort ist nämlich nicht nur Platz für Gepäck, sondern auch für bis zu drei Mitreisende. Die haben es dank der großen Fenster nicht nur schön hell, auch Kopf- und Beinfreiheit gehen trotz der kompakten Außenmaße in Ordnung. Lediglich beim Sitzkomfort müssen die Passagiere hinten Abstriche machen. Während Fahrer und Beifahrer optional auf zertifizierten AGR-Sitzen reisen, sind die Rückbank recht flach und die Beinauflage für Großgewachsene etwas kurz geraten. So fehlt zwar der Seitenhalt. Zum Beladen und für den Einbau von Kindersitzen passt es aber gut.

3) Auch bei der Materialauswahl schien der praktische Gedanke im Vordergrund zu stehen. Während im Cockpit noch teils Oberflächen aus geschäumten Kunststoffen eingebaut sind, bestehen die Tür- und Kofferraumverkleidungen hauptsächlich aus einfachem Hartplastik. Das schadet der Anmutung nicht: Insgesamt wirkt der Crossland X sehr solide verarbeitet.

4) Dennoch wird an der einen oder anderen Stelle deutlich, dass der Crossland X in einem preissensiblen Segment angreift. So ist zwar die grundsätzliche Auswahl an Assistenzsystemen groß, teilweise gibt es diese jedoch nur in einer einfachen Version. So ist nur ein normaler Tempomat (ohne Adaptiv-Funktion) an Bord und der Spurassistent warnt lediglich durch Piepsen beim Verlassen der Spur, unterstützt aber nicht durch Lenkeingriffe.

5) Bei manchen Technik-Details setzt der Crossland X auch Zeichen. So bekommt er nach dem Insignia als zweites Opel-Modell optional ein Head-up-Display. Anders als beim Insignia wird die Schrift zwar nicht direkt auf die Frontscheibe, sondern wie bei Peugeot auf eine separat ausfahrende Scheibe projiziert. Das Schriftfeld ist aber in der Höhe einstellbar und zeigt gut lesbar die wichtigen Daten zu Tempo und erlaubter Geschwindigkeit sowie Hinweise zur Navigation. Außerdem mit an Bord: Kabelloses Aufladen für kompatible Smartphone via Induktion.

6) In puncto Vernetzung bietet der Crossland X ein umfangreiches Programm. Smartphones lassen sich einfach via Apple Carplay oder Android Auto verbinden und für den Notfall ist Opel OnStar mit dabei. Außerdem bekommt das Infotainmentsystem ein bis zu acht Zoll großes Touch-Display. Insgesamt geht die Bedienung im Crossland X einfach von der Hand. Für die wichtigen Funktionen gibt es gut gekennzeichnete und intuitiv auffindbare Tasten. Einziges Manko: Um sich durchs Menü zu hangeln fehlt am großen Touch-Display ein Drehrad.

7) Jetzt haben wir uns aber endlich genug durchs Mäusekino gedaddelt. Also Fuß auf die Bremse und Startknopf gedrückt, schon schnarrt vorne der Dreizylinder los. Für die erste Ausfahrt haben wir den 110 PS-Benziner mit Sechsgangautomatik gewählt. Dessen 205 Newtonmeter Drehmoment liegen schon ab 1.500 Umdrehungen pro Minute an. Damit wirkt der Crossland X vor allem in der Stadt und auf der Landstraße antrittsfreudig. Die Wandlerautomatik ist darauf bestens abgestimmt und harmoniert gut. Erst auf der Autobahn und kurvigen Bergstrecken geht dem Dreizylinder, der akustisch stets präsent ist, die Puste aus. By the way: Die technische Plattform und die Motoren stammen vom französischen PSA-Konzern.

8) Alternativ zum 1.2 Turbo mit 110 PS steht auch noch eine Variante mit 130 PS zur Wahl. Diese gibt es allerdings nicht mit der empfehlenswerten Automatik, sondern nur mit Sechsgang-Handschaltgetriebe. Das leidet unter langen und teils hakeligen Schaltwegen, was dem ganzen Fahrzeug einen Teil seiner Dynamik raubt. Ähnlich auch das Gefühl mit dem 120 PS-Dieselmotor. Der etwas brummige Selbstzünder ist zwar laufruhig und erfreut (nachdem das kleine Turboloch überwunden ist) mit gutem Durchzug, ob er zum Auto und den persönlichen Bedürfnissen passt, bleibt aber dem Geschmack überlassen.

9) Alle Skeptiker bezüglich der französischen Technik können an dieser Stelle übrigens beruhigt werden: Bei der Abstimmung des Crossland X hatten die Rüsselsheimer Ingenieure freie Hand. So reagiert der Crossover Opel-typisch direkt auf Lenkbefehle und das Fahrwerk federt zwar straff, bleibt aber komfortabel.

10) Bleibt noch der Preis: Die günstige Einstiegsvariante des 81-PS-Saugbenziners wird voraussichtlich erst ab Herbst bestellbar sein, aktuell ist der Crossland X ab 19.250 Euro zu haben. Den gefahrenen 1.2 Turbo mit 110 PS und Fünfgang-Schaltgetriebe gibt es ab 20.650 Euro. Das sind immerhin 1.000 Euro mehr als für den Peugeot 2008, dessen Nachfolger auf der gleichen Plattform stehen wird. Die Automatikversion kostet 1.450 Euro mehr. Die Dieselmotoren kosten aktuell ab 21.700 Euro, ebenfalls ab Herbst wird es bei den Dieseln zudem noch eine Basisversion ab 19.300 Euro geben. Hier ist der Opel dann günstiger als der Peugeot. Außerdem soll ab Sommer eine LPG-Variante die Auswahl vervollständigen.

Technische Daten:

Crossland X 1.2

Leistung: 60 KW (81 PS)
Drehmoment (bei U/min): 118
Höchstgeschwindigkeit:170 km/h
Grundpreis:19.250 €

Crossland X 1.2 DI Turbo

Leistung: 81 KW (110 PS)
Drehmoment (bei U/min): 205
Höchstgeschwindigkeit:188 km/h
Grundpreis:20.650 €

Crossland X 1.6 Diesel

Leistung: 88 KW (120 PS)
Drehmoment (bei U/min): 300
Höchstgeschwindigkeit:187 km/h
Grundpreis:24.000 €

Crossland X 1.6 Diesel

Leistung: 73 KW (99 PS)
Drehmoment (bei U/min): 254
Höchstgeschwindigkeit:180 km/h
Grundpreis:19.300 €

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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