Opel Insignia Country Tourer und VW Passat Alltrack

Opel Insignia Country Tourer 2.0 DI Turbo 4x4 und VW Passat
Alltrack 2.0 TSI 4Motion im Vergleichstest. Zwei Fahrzeug für all
die Kombi-Beschwörer die ein bisschen im Trend der coolen SUVler
mitschwimmen wollen.
Bild 1 von 26

Opel Insignia Country Tourer 2.0 DI Turbo 4x4 und VW Passat Alltrack 2.0 TSI 4Motion im Vergleichstest. Zwei Fahrzeug für all die Kombi-Beschwörer die ein bisschen im Trend der coolen SUVler mitschwimmen wollen.

© Rossen Gargolov
11.03.2018 - 00:00 Uhr von Heinrich Lingner

Das Beste aus beiden Welten wollen Insignia Country Tourer und Passat Alltrack verbinden: Robustheit eines SUV mit der Sozialverträglichkeit eines Familienkombis. Welcher schlägt die bessere Brücke? VW Passat Alltrack 2.0 TSI 4Motion oder Opel Insignia Country Tourer 2.0 DI Turbo 4x4?

Es ist ja nun nicht so, dass der erste Country Tourer von Opel ein Überflieger gewesen wäre, nur etwa sechs Prozent aller Käufer des vorigen Insignia entschieden sich für die 2013 nachgeschobene Variante. Dennoch gibt es den rustikalen Offroad-Kombi auch bei der aktuellen Baureihe, schon weil ein größerer, repräsentativer Allrad-Opel einfach fehlt im Modellprogramm.

Obwohl VW dieses Problem nicht hat, erhielt der Passat Variant vor zwei Jahren eine sehr ähnlich gestrickte Rustikalversion namens Alltrack. Und falls hier Diskussionen aufkommen, welcher Hersteller nun den Offroad-Kombi erfunden habe, hier die endgültige Antwort: AMC. Der US-Konzern hat zwar mehrmals den Besitzer gewechselt und ist später in Chrysler aufgegangen, kann aber für sich beanspruchen, mit dem Eagle von 1979 bis 1987 das erste Crossover-Modell zwischen Gelände-SUV und Alltagskombi gebaut zu haben.

Zurück zu den Allradkombis von heute, die jeweils mit aufgeladenen Zweiliter-Benzinern zum Test antreten. Als Alternative zum 2.0 TSI 4Motion mit Siebengang-DSG und 220 PS gibt es den Passat Alltrack nur mit dem Zweiliter-TDI (190 oder 240 PS), aber immer in Kombination mit DSG und Allradantrieb. Der Country Tourer ist dagegen in Verbindung mit dem 1,5-Liter-Benziner (165 PS) und dem schwächeren Diesel (170 PS) auch mit Schaltgetriebe und Vorderradantrieb verfügbar. Doch weil so ein Kombi mit Allradantrieb mehr Sinn ergibt, ist Letzterer hier bei den kräftiger motorisierten Versionen serienmäßig an Bord.

Komfortabler Insignia

Mit dem 260 PS starken Benziner kostet so ein Country Tourer dann mindestens 44.330 Euro, doch der schwächere Alltrack ist mit 43.925 Euro kaum günstiger. Allerdings hat er das üppigere Raumangebot vorzuweisen, wobei beide außen wie innen zu den sehr großen Mittelklasse-Kombis gehören. Selbst Verwöhnte dürften in den meisten Fällen kaum unter Platzmangel leiden.

639 statt 560 Liter Basisvolumen sowie 1.769 statt 1.665 Liter maximaler Laderaum sind dennoch merkbare Unterschiede zugunsten des Passat, manche mögen ja auch viel Platz im Auto, ohne ihn je zu brauchen. Etwas geräumiger wirkt der VW zudem für die Passagiere, sie fühlen sich vorn wie hinten luftiger untergebracht als im ebenfalls noch ungedrängten Opel.

Aber vielen SUV-Kunden geht es ja bekanntlich nicht nur ums Raumangebot, sondern nicht zuletzt um die Höhe des sogenannten Hüftpunkts. Obwohl die beiden Kombis da weniger als ausgewachsene SUV bieten, ist erstaunlich, wie viel die zwei Zentimeter ausmachen, welche man in beiden Autos höher sitzt.

Sehr bequem untergebracht sind die Insassen übrigens in beiden Kombis. Die besseren Sessel vorn hat diesmal der VW, obwohl der Insignia mit den elektrisch verstellbaren AGR-Sitzen samt Siena-Lederausstattung (1.400 Euro) antritt. Der Passat Alltrack hat da mit seinem serienmäßigen ErgoComfort-Sitz zumindest für den Fahrer trotzdem mehr zu bieten. Bequeme Fondsitzbänke haben beide, das ist bei solchen Kombis eine Grundtugend.

Und da wir nun bei der serienmäßigen Ausstattung sind: Dass Passat Alltrack und Insignia Country Tourer – mit etwas Ausstattung immerhin in der 50.000-Euro-Klasse angesiedelt – serienmäßig mit H7-Scheinwerfern vor sich hin funzeln, ist nicht mehr zeitgemäß. Die im Testwagen eingebauten LED-Scheinwerfer lässt sich VW mit mindestens 1.090 Euro, das adaptive Active Lighting System gar mit 2.145 Euro extra bezahlen. Beim Opel ist das sehr gute Matrixlicht für 1.690 Euro zu haben.

Serienmäßig sind hier jeweils die Adaptivfahrwerke, FlexRide heißt es bei Opel, DCC bei VW. Im Insignia kann der Fahrer zwischen drei Modi wechseln, beim Passat gibt es zusätzlich einen Offroad-Modus, der ABS und Gaspedalkennlinie auf eine etwas rauere Gangart einstimmt. Den insgesamt besseren Kompromiss bietet hier ein wenig überraschend der Opel, der etwas geschmeidiger anfedert und stärkere Anregungen mit weniger Karosseriebewegung verdaut. Doch obwohl der VW etwas straffer wirkt, sind die Unterschiede nicht groß: Beide Kombis bieten überzeugenden Federungskomfort.

Ohne Traktionsprobleme

Gleichermaßen gut ist es um die Fahreigenschaften bestellt, wobei der VW hier einen Hauch vorn liegt. Nicht weil er sich hurtiger um die Pylonen scheuchen lässt, sondern weil er insgesamt etwas handlicher und agiler fährt als der Opel. Der bemüht sich zwar mit seinem mithelfenden Allradantrieb, neutral und flink ums Eck zu biegen, doch im direkten Vergleich zum Passat wirkt er einen Hauch träger. Er untersteuert deutlicher, und der Antriebsstrang scheint sich etwas mehr Zeit zu lassen, bevor er Drehmoment an die Hinterräder schickt.

Einmal mehr überzeugt auch bei diesem Insignia die Abstimmung der elektromechanischen Servolenkung, der man allenfalls vorwerfen könnte, einen Tick zu leichtgängig zu sein. Traktionsprobleme haben beide Kombis selbst bei sehr winterlichen Straßenbedingungen nicht. Sogar auf eisig-verschneiten Alb-Steigungen legen sie sich engagiert und sicher ins Zeug. Dabei hilft dem Opel die schnelle Momentenverteilung an der Hinterachse, während der VW serienmäßig über eine elektronische Differenzialsperre XDS an den Vorderrädern verfügt. Zusätzlich wirkt die zentrale Lamellenkupplung als Sperre zwischen beiden Achsen. Punkterelevante Unterschiede ergeben sich daraus im normalen Fahrbetrieb freilich kaum.

Sparsamer Passat

Trotz seiner 40 zusätzlichen PS ist der Opel weder beim Spurt auf 100 km/h noch beim Durchzug merklich fixer als der VW, und ein Plus von 11 km/h bei der Höchstgeschwindigkeit ist im Alltag ebenfalls wenig bedeutsam. Sehr schnelle Kombis sind beide, und die Benziner hängen jeweils gut am Gas.

Etwas herzhafter geht dabei der Opel-Vierzylinder zur Sache, während die TSI-Motoren aus dem VW-Konzern für ihre geschmeidige Laufkultur bekannt sind. Da macht der Zweiliter-Turbo des Passat keine Ausnahme, zumal die Zusammenarbeit mit dem Siebengang-DSG ebenfalls bestens funktioniert. Das Getriebe schaltet weich, reagiert auf manuelle Eingriffe mit den Schaltpaddeln schnell und ruckarm.

Opel verzichtet bei seiner Achtstufenautomatik auf Lenkradwippen, zum Schalten muss der Fahrer in die entsprechende Gasse des Wählhebels wechseln. Das dauert einen Moment und ist entsprechend lästig, zumal es ein Lenkrad mit Schaltwippen nur in der 3.000 Euro teureren Exclusive-Version gibt.

Weiterer Vorteil des VW: der um genau einen halben Liter niedrigere Testverbrauch. Das ist nicht viel, doch es trägt mit dazu bei, dass der Insignia den Passat auch in diesem Test nicht ganz packt.

Technische Daten:

Insignia Country Tourer 2.0 DI Turbo 4x4

Leistung: 191 KW (260 PS)
Drehmoment (bei U/min): 400
Höchstgeschwindigkeit:242 km/h
Grundpreis:44.330 €

Passat Alltrack 2.0 TSI 4Motion

Leistung: 162 KW (220 PS)
Drehmoment (bei U/min): 350
Höchstgeschwindigkeit:231 km/h
Grundpreis:43.925 €

Bewertung

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
Kommentare
Top-Themen
„Driving tomorrow“ lautet das doppeldeutige Motto der IAA Nutzfahrzeuge 2018 in Hannover. Was und wie die ...mehr
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die Typklassen für rund 29.000 verschiedene ...mehr
Auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover zeigt VW eine neue Studie. Der Transporter benutzt die Plattform der ...mehr
Auto Motor und Sport
Anzeige
Video
Tankstellen-Suche
Hier finden Sie günstige Tankstellen in Ihrer Nähe
Anzeige
Highlights
Tunnelein- oder Tunnelausgang - je nach Perspektive. Diese technischen Meisterwerke wirken längst nicht so spektakulär wie Brücken, sondern erregen erst Aufmerksamkeit durch ihre ...mehr
Im August sind unserem Erlkönigjäger satte 20 Prototypen vor die Linse gefahren. Der Schwerpunkt der erwischten Modelle liegt eindeutig auf sportlichen Modellen deutscher Hersteller.mehr
E-Mobilität
EZ-PRO: autonomes Transportsystem für die Stadt
Bestimmen künftig autonome E-Transporter das Stadtbild? Renault glaubt ja.mehr