RaceChip-Mercedes-AMG C 43 T im Test

Mercedes-AMG schockte mit dem C 43 T-Modell die Konkurrenz –
derart famose Fahrdynamik hatte niemand erwartet. Wird der Kombi
mit dem Tuning von RaceChip noch besser?
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Mercedes-AMG schockte mit dem C 43 T-Modell die Konkurrenz – derart famose Fahrdynamik hatte niemand erwartet. Wird der Kombi mit dem Tuning von RaceChip noch besser?

© Rossen Gargolov
03.09.2017 - 00:00 Uhr von Roman Domes

Mercedes-AMG schockte mit dem C 43 T-Modell die Konkurrenz – derart famose Fahrdynamik hatte niemand erwartet. Wird der Kombi mit dem Tuning von RaceChip noch besser?

Die anfängliche Skepsis wollte zunächst nicht weichen. Warum nur? Nun, zum einen bin ich am Tag der C-43-Übernahme noch einen 1.000 Kilogramm leichteren Lotus Elise in England gefahren. Wie gut kann da schon der erste Eindruck eines Kombis werden? Zum anderen war ich peinlich berührt von all den bunten Aufklebern. Die küren einen sofort zum King des örtlichen Tuning-Clubs, hinterlassen überall sonst jedoch einen dezent unseriösen Eindruck – der natürlich auch auf den Fahrer abstrahlt.

RaceChip C 43 T nähert sich C 63-Niveau

Dabei ist der C 43 im normalen, sprich unbeklebten Zustand ja ein optischer Leisetreter – trotz seiner wuchtigen 367 PS. RaceChip stärkt den Dreiliter-Biturbo-V6 per Zusatzsteuergerät, das etwas lose im Motorraum unter einer Abdeckung versteckt ist: Mit 435 PS kommt der kleine AMG dem großen Bruder C 63 ziemlich nahe; der Respekt schrumpft auf 41 PS. Beim Drehmoment steht's nur noch 650 zu 634 Nm für den V8.

Und bei der Anzahl der angetriebenen Räder führt der C 43 ja sowieso: vier zu zwei. Das bringt ihm später einen dicken Vorteil. Abgesehen vom Leistungszuwachs schnallt RaceChip noch einen Satz Federn von KW unters Blech – aus optischen Gründen, zu viel Luft zwischen Rad und Haus, Sie verstehen. Ab Werk hat RaceChip die Performance-Abgasanlage verbauen lassen: Dunkle (Fake-) Endrohrblenden lugen aus dem Diffusoransatz, der mit orangen Streifen garniert wurde. Wem's gefällt ...

Besonders sympathisch ist etwas anderes: Nämlich, dass es keinen Startknopf im Cockpit gibt! Der Schlüssel muss in ein dafür vorgesehenes Schloss gesteckt und herumgedreht werden. Richtig alte Schule im Mercedes-AMG C 43 T von Tuner RaceChip. Im Gegensatz dazu steht das von Mercedes entwickelte Neunstufen-Automatikgetriebe. Besonderheit: Die 9G-Tronic arbeitet mit einem hydrodynamischen Drehmomentwandler, der einen besonders hohen Wirkungsgrad bei sehr sportlichen Gangwechseln erzielen soll. Und das tut er, obwohl man den Unterschied zu gängigen Automaten – wenn überhaupt – nur beim Anfahren spürt.

Was für eine Beschleunigung im Kombi

Bei voller Beschleunigung tritt sich das getunte C 43 T-Modell im Test derart vehement vom Fleck, dass man das Gefühl bekommt, von einem Lasso am Brustkorb gepackt und in den Sitz gezerrt zu werden. Oder anders: Bei einem 911 Turbo gehst du ja schon mit der Erwartung ran, fast ins Koma beschleunigt zu werden. Aber bei diesem Kombi? Da denkst du: 435 PS hin oder her, das ist ja ein Mercedes, der wird schon nicht zu heftig zur Sache gehen. Falsch! In glatten vier Sekunden schwingt sich der T auf 100 km/h, sieben Zehntel schneller als der zuletzt gemessene C 43 T mit 367 PS.

Beachtlich: Bis Landstraßentempo sprintet der Mercedes-AMG C 43 T von RaceChip sogar beiden 63er-T-Modellen davon! Grund: die Traktion des Allradantriebs. Und bis 200 km/h enteilt er dem sicher nicht tranigen Serien-43er um 2,9 Sekunden.

Keine Blöße gibt sich der getunte C 43 auch bei der Elastizitätsmessung. Beispiel: Von 80 bis 160 km/h im fünften Gang arbeitet sich der 435-PS-Mercedes einen Vorsprung in Höhe von zwei Sekunden heraus. In allen Gängen, bei jeder Geschwindigkeit ist er schneller als die Serie. Die Leistung steigt gleichmäßig – mit gewalttätiger Kraftentfaltung ab 4.000 Umdrehungen. Sie wird auch bei längerer Belastung (und gestiegener Temperatur) nicht wellig. Das war bei RaceChip nicht immer so. In diesem Sinne: gute Arbeit!

Neun Gänge, aber ein Problem

Während der Fuß auf das Gaspedal gepinnt ist, zappt die 9G-Tronic schneller durch ihre Fahrstufen als Couch-Potatoes durchs Nachmittagsprogramm. Sie hat nur einen Nachteil: Die Getriebesteuerung agiert bei der Gangwahl nicht immer schlüssig.

Beim Cruisen wechselt sie trotz Tempomat und ebener Strecke öfter die Stufen. Deshalb fühlt man sich bald genötigt, das M auf der Mittelkonsole zu drücken, den letzten Gang einzulegen und dahinzurollen. Der manuelle Modus ist ebenso die beste Wahl, wenn einen die Lust packt, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Einzige Kritik: Wer zu spät schaltet, wird mit einem kurzen Leistungsverschlucker bestraft. Also spätestens bei 6.100/min am Paddle ziehen.

Seine Bremspunkte setzt man ebenfalls besser frühzeitig, die volle Wirkung kommt leicht verzögert. Einen Pluspunkt verdient die Lenkung – und die Balance zwischen ruhigem Geradeauslauf und zackiger Einlenkreaktion. Klar: Ein Kombi ist kein GT3, aber der C 43 muss sich in seinem Umfeld nicht verstecken. Im Kurvenverlauf bei Landstraßentempo bleibt der 43er grundsätzlich neutral, erst bei sehr motivierter Gangart neigt er etwas zum Untersteuern.

Hier gab sich das Serienmodell spielwilliger, ließ der Hinterachse mehr Freiraum und entlastete damit die Front, sodass man früher voll ans Gas konnte. Aber all das ist Meckern auf hohem Niveau – anfängliche Skepsis hin oder her.

Technische Daten:

AMG C 43 T

Leistung: 320 KW (435 PS)
Drehmoment (bei U/min): 634
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h
Grundpreis:62.599 €

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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