Renault Koleos dCi 175 4WD X-tronic Fahrbericht

Der neue Renault Koleos 2017, der Ende Juni zu den Händlern
kommt, teilt sich die Plattform mit dem aktuellen Nissan
X-Trail.
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Der neue Renault Koleos 2017, der Ende Juni zu den Händlern kommt, teilt sich die Plattform mit dem aktuellen Nissan X-Trail.

© Renault
09.06.2017 - 07:35 Uhr von Torsten Seibt

Mit dem neuen Koleos rundet Renault das SUV-Angebot nach oben ab. Das große SUV teilt sich die technische Basis mit dem Nissan X-Trail, hat aber einen ganz eigenen Charakter.

Der erste Renault Koleos kam in einer anderen Zeit zur Welt. Die SUV-Welle fegte noch mit gebremstem Schaum durch Europa, viele Hersteller setzten nur recht halbherzig auf die neue Mode. Darunter auch Renault, wo vom heutigen Verkaufsschlager Capture noch nichts zu sehen und der erste kuriose SUV-Versuch mit dem Crossover-Van Scénic RX4 als passabler Flop in die Firmengeschichte eingegangen war.

Mit dem Koleos, damals wie heute gefertigt von Samsung in Korea, lieferten die Franzosen in der ersten Generation eher durchschnittliche Hausmannskost. Ein komfortabler, einigermaßen geräumiger SUV mit ausreichenden Fahrleistungen, der weder beim Design noch bei den technischen Merkmalen Glanzlichter setzen konnte.

Das wird nun anders.

Gemeinsame Plattform mit dem X-Trail

Der neue Renault Koleos 2017, der Ende Juni zu den Händlern kommt, teilt sich die Plattform mit dem aktuellen Nissan X-Trail. Gestaltet wurde er dagegen von den Renault-Designern, die viele Stil-Merkmale der neuen französischen Modelle mit einbrachten, zu erkennen besonders am Gesicht des neuen Koleos. Das ähnelt dem Renault Talisman doch sehr, inklusive der charakteristischen, C-förmigen LED-Leuchten.

Der neue Koleos ist ein stattlicher SUV, überragt mit seinen 4,67 Meter Länge den Marktführer Tiguan um runde 20 Zentimeter. Beim Radstand (2.705 mm) ist der Vorsprung nicht ganz so groß, die Eckdaten versprechen jedoch einen behaglich dimensionierten Wohnraum. Dieses Versprechen erfüllt der neue Koleos vor allem für die Passagiere: Der Beifahrer hat mehr seitlichen Bewegungsraum zwischen Tür und Mittelkonsole als der Fahrer, auf der Rücksitzbank sitzt es sich ausgesprochen bequem und großzügig. Genügend Kopffreiheit, viel Raum für die Beine und eine angenehme Sitzhöhe bieten Langstreckentauglichkeit in Reihe zwei. Die sehr weit aufschwingenden Türen erleichtern außerdem den Zustieg, der Koleos geht von seinen Eckdaten als einwandfrei familientauglich durch.

Renault wird bis auf weiteres nur zwei Varianten des Koleos bringen. Als Einstiegsversion den 1.6er dCi mit 130 PS, der nur mit Frontantrieb und Sechsganggetriebe angeboten wird. Dazu gesellt sich der Zweiliter-Diesel mit 177 PS, immer mit Allradantrieb, wahlweise mit sechs handgeschalteten Gängen oder der stufenlosen X-tronic-Automatik, mit der wir auf der ersten Testfahrt unterwegs waren. Benzin- oder Hybrid-Varianten gibt es keine.

Renault Koleos mit stufenloser Automatik

Die Kombination des 2.0 dCi mit der X-tronic kennt man bereits aus dem Nissan X-Trail, sie bietet entsprechend wenig Überraschungen. Die prinzipiell stufenlose Automatik bekam per Software kleine Abstufungen verpasst, um der Kundschaft das gewohnte Schaltverhalten zu suggerieren. Bei Vollgas etwa für einen Überholvorgang wird der Motor dagegen CVT-typisch im Bereich der effektivsten Leistungsabgabe gehalten. Dass diese Idee so schlecht nicht sein kann, zeigt das Datenblatt, wo der Automatik-Koleos dem handgeschalteten Modell beim Spurt auf Tempo 100 nach Werksangaben über eine Sekunde abnimmt. Ein Manko teilt sich der Koleos mit dem Plattformbruder X-Trail: Die Automatik limitiert die Anhängelast. Für diese SUV-Größe sind die erlaubten 1,65 Tonnen unterdurchschnittlich, mit Schaltgetriebe dürfen volle zwei Tonnen an den Haken.

Die Power ist völlig ausreichend für das große und immerhin 1,8 Tonnen schwere SUV, solange man sich nicht mit der vielzylindrigen Konkurrenz der deutschen Hersteller anlegt. Und das möchte Renault zumindest vom Anspruch her durchaus, nennt unter anderem den Audi Q5 und den BMW X3 als potentielle Mitbewerber. Ob Fans der genannten Modelle zwischen diesen und einem Renault schwanken, mögen sie selbst beurteilen, die wahrscheinlichere Konkurrenz kommt aus dem Volkswagen-Konzern und heißt Skoda Kodiaq. Den unterbietet Renault preislich bei vergleichbarer Ausstattung immer um ein Quäntchen, die bereits manierlich möblierte Basisversion Life (u.a. Klima-Automatik, Multimedia-Navi, digitales Tachodisplay) beginnt mit dem 1,6er Dieselmotor bei 30.900 Euro.

Mit der Intens-Ausstattung (ab 33.800 Euro) kann man eigentlich bereits zufrieden sein, dann zieht auch das „hochkant“ montierte größere Multimedia-System in den Koleos ein. Das ist, speziell im Vergleich mit dem Konzerngeschwisterchen X-Trail, die rundum bessere Lösung. Einfach im Stil eines Smartphones bedienbar, intuitiv und ohne Eingewöhnung zu verstehen.

Speziell in der von uns gefahrenen „Initiale Paris“-Variante, die zusätzlich über Akustikglas zur Geräuschminderung verfügt, ist der neue Renault Koleos ein recht leises Auto. Beim Initiale serienmäßig, für den Intens gegen Aufpreis erhältlich ist dabei das BOSE Surround-System, das mit einer aktiven Geräuschunterdrückung durch Gegenschall die Motorgeräusche subjektiv weiter reduziert.

Der Renault Koleos ist komfortabel und leise

Aus Komfortsicht ebenfalls auffällig ist das sehr gediegen ansprechende Fahrwerk des neuen Renault Koleos. Frostaufbrüche, Rumpelpisten, Kopfsteinpflaster nimmt er mit großer Gelassenheit und ohne auf seine Fahrgäste einzuprügeln, kurze wie lange Unebenheiten kontert er souverän. Wer öfter Innenstädte und Parkhäuser zu seinem Revier zählt, sollte in jedem Fall wenigstens zur Intens-Ausstattung greifen, wo eine Rückfahrkamera und seitliche Abstandssensoren die speziell nach hinten und hinten-seitlich ziemlich magere Übersichtlichkeit entschärfen. Ein Birdview-System bietet der Koleos jedoch nicht.

Die Offroadtauglichkeit des Allrad-Koleos wird vom Hersteller hoch gelobt, ist aber bei sachlicher Betrachtungsweise nicht wirklich weltbewegend. Klar, dank Traktionskontrolle und bis 40 km/h starr schaltbarem 50:50-Allrad lassen sich gewisse Feldweg-Situationen meistern. Doch größeren Taten steht bereits der nur sehr bescheidene vordere Böschungswinkel (19 Grad) entgegen. Eine Bergabfahrkontrolle wird nicht angeboten. Der Eselspfad zum Urlaubsstrand oder die verschneite Zufahrt ins Ski-Resort lassen sich mit dem Koleos wuppen, größere Abenteuer bleiben jedoch wie in dieser Klasse üblich echten Geländewagen vorbehalten. Immerhin bietet der Koleos ja im Gegensatz zur Offroad-Attrappe Capture überhaupt einen Allradantrieb.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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