Renault Mégane GT im Fahrbericht

Optisch ist der Renault Mégane GT eine Wucht. Doch was hat er
für das Fahrerherz zu bieten?
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Optisch ist der Renault Mégane GT eine Wucht. Doch was hat er für das Fahrerherz zu bieten?

© Hans-Dieter Seufert
14.01.2016 - 10:14 Uhr von Michael von Maydell

Optisch ist Renaults neuer Kompakter schon mal eine Wucht. Dazu lockt der GT mit EDC-Getriebe und Allradlenkung. Was kann das aktuelle Topmodell? Wir sind den Kompakten mit 205 PS gefahren.

Ebenjene Allradlenkung, genannt 4Control und beim GT immer an Bord, beschäftigt uns nun schon seit einigen Kurven. Schließlich soll sie dem neuen Mégane zu spürbar mehr Querdynamik verhelfen. Doch genau das ist die Schwierigkeit. Denn die Hinterräder lenken nur bis 80 km/h mit maximal 2,7 Grad entgegen der Vorderachse. Und leider gehen viele Kurven im Hinterland Lissabons deutlich schneller. Ergo zieht der Franzose neutral und spurstabil seine Bahnen, erfreut aber nicht mit einer grandios direkten oder feinfühligen Lenkung.

Renault Mégane GT kein waschechter Sportler

Doch dann naht eine engere Links, die Geschwindigkeit passt; schwups, dreht sich der Renault Mégane GT im Fahrbericht spitzer in die Kurve rein, und wir zischen schnell weiter, während die Erkenntnis reift, dass 4Control tatsächlich an Bord ist. Ebenfalls montiert: der wohlbekannte 1,6-Liter-Turbobenziner inklusive Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Immerhin 205 PS stark, sorgt der leider zu zahm klingende Vierzylinder für ordentlichen Schub untenrum, dreht locker gen 6.000 Touren und verhilft dem 1,4 Tonnen schweren Viertürer zu sehr ordentlichen Fahrleistungen. Ein feiner Motor also - schade nur, dass die EDC-Schaltpaddel nur unten am Lenkradstock montiert sind.

Manch einer mag es nun schon erahnen - ein waschechter Sportler ist dieser Mégane trotz straffem Fahrwerk und im Vergleich zum Vorgänger fünf Zentimeter breiterer Spur dennoch nicht. Er bleibt lieber seinem GT-Label treu, liegt satt auf der Straße, sammelt Unebenheiten sowie kurze Wellen gekonnt ein und nervt seine Insassen nicht mit Stößigkeiten. Auf den ersten Blick also ein ausgewogener Kompromiss, der den Renault Mégane GT sowohl auf der Autobahn als auch über Land zum komfortablen und zugleich schnellen Begleiter macht. Adaptive Dämpfer? Nicht verfügbar. Von der Schärfe eines Golf GTI oder Focus ST ist der Franzose somit weit entfernt. Warum? Renault schafft sich Spielraum für die Abstimmung des nächsten R.S., der 2018 auf den Markt kommen wird.

Optisch ist aber auch der 29.090 Euro teure GT ein echter Hingucker. An der Front prangt ein Grill mit prominentem Rhombus-Logo, markante Scheinwerfer flankieren ihn mit scharf geschwungenen LED-Tagfahrleuchten, und das Heck sticht mit seinen beständig aktiven und über die ganze Fläche gezogenen Rückleuchten hervor. Dazu steht der nun 4,36 Meter lange Franzose, der übrigens auf der CMF-Plattform der Renault-Nissan-Allianz basiert, kraftvoller da.

Wachstum macht ihn kraftvoller

Wie das? Zum einen ist das Auto 6,5 Zentimeter länger und 2,5 Zentimeter flacher geworden. Zum anderen legte der Radstand um 2,8 Zentimeter zu, und graue Lufteinlässe, ein frecher Diffusor und 17-Zöller runden den Auftritt ab. Vom Wachstum profitieren natürlich auch die Insassen. Vorne wie hinten geht es nun deutlich luftiger zu, es mangelt nirgends an Kopffreiheit im Renault Mégane, und der Laderaum fasst nun immerhin 384 statt 370 Liter. Zu wenig Platz? Im Mai kommt der GT auch als Grandtour in den Handel.

Ansonsten wirkt das Interieur ordentlich, wenn auch nicht nobel. Softtouch-Material und sauber eingepasste Lichtleisten kontrastieren mit einfachen Kunststoffen. Wirklich klasse: die sehr sportlich ausgeformten sowie hochwertigen Sportsitze, übrigens vorne wie hinten. Keine Spur mehr von Knautschsesseln ohne Seitenhalt. Der Fahrer selbst blickt auf eine moderne Komposition aus analogen und virtuellen Armaturen sowie einen bis zu 8,7 Zoll großen vertikalen Touchscreen. Hier gilt es, Navi, Multimedia, Ansprechverhalten von Motor und Lenkung und vieles mehr in bunten Menüs einzustellen. Tablet-Freunde dürften hier viel Spaß haben. Überhaupt mangelt es dem neuen Mégane nicht an modernen oder hilfreichen Extras.

So lässt sich der Renault beispielsweise mit sinnvollen Assistenzsystemen, LED-Scheinwerfern, Head-up-Display oder einer mächtigen Bose-Soundanlage aufrüsten. Rundherum wirkt der Mégane der vierten Generation damit sehr vielversprechend, selbst ohne die etwas mystische Allradlenkung. Wer dennoch von ihm nichts wissen will - zum Abschied ein tröstlicher Tipp: Das aktuelle R.S. Coupé läuft bis in den Herbst vom Band. Preis: 27.950 Euro. PS: 273. Dann mal los.

Technische Daten:

Mégane TCe 205

Leistung: 151 KW (205 PS)
Drehmoment (bei U/min): 280
Höchstgeschwindigkeit:230 km/h
Grundpreis:29.690 €

Quelle: 2016 Motor-Presse Stuttgart
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