RM Schirner Free Nature im Test

Am kompakten Aufstelldach-Campingbus der Reisemobil-Manufaktur
Schirner ist nicht nur die auffällige Außenfolierung besonders.
Auch beim Ausbaukonzept geht der Hersteller eigene Wege.
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Am kompakten Aufstelldach-Campingbus der Reisemobil-Manufaktur Schirner ist nicht nur die auffällige Außenfolierung besonders. Auch beim Ausbaukonzept geht der Hersteller eigene Wege.

© Ingolf Pompe
26.10.2018 - 11:42 Uhr von Thomas Gerhardt

Am kompakten Aufstelldach-Campingbus der Reisemobil-Manufaktur Schirner ist nicht nur die auffällige Außenfolierung besonders. Auch beim Ausbaukonzept geht der Hersteller eigene Wege.

  • Küche
  • Aufstelldach
  • Basisfahrzeug
  • Daten und Messwerte
  • Preise
  • Testurteil
  • Fazit

Stellen Sie sich mal vor, Freunde und Nachbarn nennen Sie „Der mit dem Wolf campt“ (natürlich auch mit weiblichem Artikel möglich). Mensch, das wäre doch mal ein passender Name für die besonders abenteuerlustigen Freiheits-Genießer unter uns, oder? Viel braucht es dazu eigentlich nicht: Entweder Sie sind so mutig und campen tatsächlich mal im Revier von Meister Isegrim oder Sie kaufen einen Free Nature von der Reisemobil-Manufaktur Schirner. Neben dem Grundpreis wäre dann allerdings noch eine Investition von gut dreieinhalbtausend Euro in die aufwendige Außenfolierung mit großzügigem Wolf-Antlitz vonnöten, um Ihrem Umfeld einen entsprechenden Wink mit dem Zaunpfahl zu geben. Nicht gerade günstig, ja, passable Tarneigenschaften im Wald wären aber inklusive. Kurze Randnotiz: Das Folienmotiv wählte Geschäftsführer Schirner als Symbol für den Firmenstandort im Südosten von Sachsen, wo der Wolf wieder heimisch wird.

Winkelküche im Heck

Neben dem (optionalen) exzentrischen Außenauftritt pflegt der Free Nature auch innen Exotenstatus. Die Möblierung ist nicht wie bei den meisten Aufstelldach-Campingbussen als linksseitige Zeile, sondern komplett im Heckbereich als großzügige Winkelküche hinter der Fondsitzbank sowie diversen Schränken an den beiden Seiten eingebaut. Das Grundrisskonzept mit offenem Heckabteil erinnert an den bekannten Ford Nugget. Wie der neue Nugget Plus mit Hochdach führt auch der Free Nature eine feste Banktoilette mit.

Die Küche kann mit viel Bewegungsfreiheit und reichlich Stauraum punkten. Besonders stechen dabei die Stehhöhe von über zwei Metern, der große Stauschrank mit zwei Regalböden hinter der Rückbank und die großzügige Arbeitsfläche hervor, die sich mit Hilfe eines Auszugs in den Gang nochmals nahezu verdoppeln lässt.

Fürs Kochen stehen ein Einflammherd und eine kleine Spüle bereit, der Kühlschrank direkt daneben ist als Schublade konstruiert, was einen beidseitigen Zugriff, also auch von außen durch die offene Heckklappe ermöglicht. Die Toilette ist gegenüber dem Kühlschrank so platziert, dass man während der Notdurft mehr als ausreichend Beinfreiheit genießt. Das bedingt aber auch, dass die Kleiderschränke darüber und daneben in der Tiefe recht knapp ausfallen. Die Reisegarderobe muss also mehrfach gefaltet werden, um Platz zu finden. Aufgrund des Grundrisses bietet der Free Nature zudem keinen abgeschlossenen Heckstauraum. Deshalb werden passende Campingmöbel – ein Tisch und zwei Stühle – gleich mitgeliefert. Sie reisen rechts im Heck sicher verstaut mit.

Mit seinem vorne angeschlagenen Aufstelldach bleibt dieser aber in der Gesamthöhe unter der Zwei-Meter-Marke und passt somit in Parkhäuser mit üblichem Höhenmaß. Für die Nutzung der Küche muss allerdings zwingend das Dach aufgestellt werden, damit der Herd und die Spüle bequem benutzt werden können.

Aufstelldach: Optional aber nötig

Das Aufstelldach ist also fast obligatorisch, im Grundpreis aber noch nicht inbegriffen – wie übrigens bei manchen anderen Campingbusherstellern auch. Gut siebeneinhalbtausend Euro kommen nochmal on top, wenn der Free Nature sein volles Potenzial zeigen soll. Die Investition ist auch deshalb unverzichtbar, weil es sich bei der gut zwei Meter langen und knapp 1,30 Meter breiten Liegefläche unter dem GfK-Deckel um das Hauptbett handelt. Zwei Personen finden auf der einteiligen Kaltschaummatratze ein bequemes Nachtlager vor, zum perfekten Komfortglück fehlt jedoch zusätzlich eine Unterfederung. Der Einstieg in das Oberstübchen gelingt problemlos, die Abdeckung der Banktoilette und die Arbeitsfläche der Küche dienen dabei so gut als Treppe, dass auf eine Leiter getrost verzichtet werden kann.

Das Aufstellen und Schließen des Dachs erfordert nur wenige Handgriffe und keinen großen Kraftakt. Weicher Stoff am Dachhimmel schafft Gemütlichkeit, zwei aufzippbare Fenster mit Fliegenschutz und ein Folienfenster im Stoffbalg gestatten eine gute Sicht nach draußen. Sollen mal mehr als zwei Personen im Fahrzeug übernachten, kann die Fondsitzbank in ein Bett verwandelt werden. Da der Umbau recht aufwendig ist und die Maße (176 x 90 cm inklusive Einbeziehung der gedrehten Vordersitze) zumindest für Erwachsene ziemlich knapp sind, ist das untere Nachtlager nicht für den Dauereinsatz zu empfehlen.

Viel Platz genießt man dagegen, wenn die Sitzgruppe ihrem nämlichen Zweck dient. Der Mitteltisch ist von passabler Größe, steht solide und wackelfrei und bindet alle Plätze gut ein. Wird er nicht gebraucht, verschwindet er platzsparend hinter der Lehne der Rückbank. Schick und praktisch ist die Blende um das Seitenfenster, die zusätzliche Ablagen und zwei offene Staufächer im Bierdosen-Format beherbergt.

Durchweg überzeugend ist die gute Verarbeitung des Möbelbaus. Mit Microfaser-Stoff bezogene Wandteile und die optionale Lederausstattung unterstreichen den hochwertigen Eindruck des Ausbaus.

Bei der Bordtechnik punktet der Free Nature mit einer großen 100-Ah-Batterie und einem Ladebooster (beides Serie). Die Wasserversorgung ist mit einer Druckpumpe verbunden, mit je 24 Litern Volumen sind die Tanks für längere Trips aber zu klein. Zumal es auch eine Außendusche gibt, für die ein Boiler bei Bedarf warmes Wasser bereitstellt. Gegen Aufpreis wird der Free Nature mit einer Kraftstoff-Heizung ausgerüstet, die warme Luft über zwei Ausströmer verteilt.

Basisfahrzeug Opel Vivaro

Der Opel Vivaro ist als Basis zwar nicht so weit verbreitet, technisch ist er jedoch eng mit dem Renault Trafic verwandt. Der 145-PS-Diesel des Testwagens kommt mit den zweieinhalb Tonnen Gewicht gut zurecht und bleibt beim Verbrauch noch einigermaßen genügsam. Der Federungskomfort und die Spurstabilität sind absolut in Ordnung. Alternativ gibt es den Free Nature neuerdings auch auf Basis VW T6 – mit einem Aufschlag von rund 7.000 Euro. Die relativ niedrigen Einstiegspreisebeziehen sich allerdings auf eine einfache Basisausstattung, was aber nichts mit Preislistenkosmetik zu tun hat, sondern mit dem Usus eines Individualausbauers, der dem Käufer viele Optionen offen lässt. So steigt der Testwagenpreis letztlich auf über 70.000 Euro. Dafür bekommt man aber auch einen besonderen Campingbus mit grandiosem Hingucker-Effekt.

Daten und Messwerte

Auf- und AusbauStahlblech-Karosserie mit GfK-Dach, Stoffbalg mit 3 integrierten Fenstern, Innenverkleidung foliertes Sperrholz, Kunstleder, Microfaser, Isoliermaterial Wand/Boden PU-Schaum, Isolierstärke 20 mm, kein Doppelboden, Wohnraum mit 4 Kunststoff- Isolierfenstern mit PU-Rahmen und integrierten Rollos.

BordtechnikKraftstoff-Gebläseheizung Webasto Air-Top 2.000 St, 2 Ausströmer (Sitzgruppe, Küche/Heck), Wasseranlage: Frisch- und Abwasserschläuche, Druckpumpe, Truma-Boiler Gas/Elektro, LED-Beleuchtung.

BasisfahrzeugOpel Vivaro L2H1, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 1.598 cm3, Leistung 107 kW/145 PS bei 3.500/min, Drehmoment 340 Nm bei 1750/min, Sechsgang-Schaltgetriebe.

FahrleistungenBeschleunigung 0–50/80/100 km/h 5,8/12,2/18,6 s; Elastizität 60–80/100 km/h (4.//5. Gang) 4,9/10,4//7,2/14,9 s, Testverbrauch 10,4 L/100 km.

Preise

  • Grundpreis 46.604 Euro(Opel Vivaro L2H1, Motor 70 kW/95 PS) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II
  • Testwagenpreis 72.192 Euro

Testurteil

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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