Toyota iQ

Toyota iQ
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Toyota iQ

© Achim Hartmann
14.12.2008 - 15:52 Uhr von Jörn Thomas

Klein und süß, aber gehaltvoll – so will der Toyota iQ Parkplatzproblemen sowie Kleinstwagenklischees aus dem Weg gehen. Mit mehr als drei Sitzplätzen auf weniger als drei Metern könnte das klappen.

Vor die Hotel-Ausfahrt haben die Jungs von Toyota einen Handlingkurs gesteckt. Hauteng wie beim Bobby-Car-Contest stehen Slalomstöcke und Pylonen. Das kann nicht gut gehen – so der erste Eindruck. Doch statt anzuecken kurvt der iQ wie ein blechgewordener Limbotänzer durch die Hindernisse – sofern der Pilot seine Angst vor Stoßstangenkontakt ignoriert. Wo andere schon Lack hobeln, lässt der iQ noch Luft. 7,8 Meter Wendekreis reichen fast, um auf einer Briefmarke Pirouetten zu drehen.

Dagegen wirkt sogar ein Smart Fortwo mit neun Metern hüftsteif. Also schnell noch eine Extra-Runde zwischen die Hütchen einschieben, bevor uns die Routenplanung auf die Autobahn spült. Harter Kontrast, schlimme Befürchtungen, sorgenvolles Stirnrunzeln. Autostrada – das Horrorszenario für Dreimeter-Zwerge. Und der Toyota unterbietet diese Marke sogar. 2.985 Millimeter lang, mit Platz für vier. Na ja, 3+1, was 2+2-Kenner in „Zweisitzer mit Bonus- Gepäckraum“ übersetzen. Falsch, denn um innen Platz zu schaffen, räumte Toyota um und installierte clevere Technik.

Neben der kompakten Auspuffanlage sind dies ein vor der Vorderachse platziertes Differenzial (wie beim Audi A4), ein kompakteres, über dem Motor angebrachtes Lenkgetriebe sowie ein Unterflurtank. Statt unter der Rücksitzbank macht sich die 32-Liter-Plastikblase unter dem Boden flach.

Einstieg hinten verlangt eine Drei im Turnunterricht

Ebenfalls abspecken muss die Klimaanlage, die in die Mittelkonsole schlüpft. Durch Verzicht auf ein konventionelles Handschuhfach entsteht viel Platz vor dem Beifahrer. Der kann weiter vorrutschen, um dem Fondpassagier Raum zu verschaffen. Auch wenn der Einstieg nach hinten mindestens eine Drei im Turnunterricht verlangt: Einmal eingeklinkt sind kürzere Touren trotz mäßiger Kopffreiheit kein Problem – Beinfreiheit Verhandlungssache. Hinten links wird es aber eng. Im Gegensatz zu vorn, wo selbst Großgewachsene trotz schwach konturierter Basis-Sitze gelassen lächeln.

Sie sitzen hinter einem unten abgeflachten Lederlenkrad umgeben von sauber verarbeiteten Hart-Kunststoffen, serienmäßig klimatisiert und stereobeschallt sowie von neun Airbags beschützt (etwa für die Fahrerknie, in den Beifahrersitzflächen und hinter den Rücksitzen). Auch ESP ist obligatorisch, womit klar wird, dass Toyota den iQ nicht als automobile Notunterkunft, sondern als pfiffiges, wendig-trendiges Novum anbietet.

Zu ambitionierten Preisen: Los geht es bei 12.700 Euro, ein Smart Fortwo 1.0 ist mit 9.850 Euro Grundpreis zwar günstiger, ein vergleichbares Modell aber teurer. Zurück auf die Piste. Zwei Meter Radstand und schüttere Power – so geht es im Sandwich auf die Autostrada. Eingeklemmt zwischen Scania-Treiber und Alfa-Gockel der ganz normale Wahnsinn. Doch der iQ hält tapfer mit, federt straff, aber bekömmlich, lenkt verhältnismäßig präzise. Mit seinem Basismotor, dem bekannten, reibungsoptimierten 68-PS-Benziner, geht es sanft vorwärts, untermalt von energischem Sausen aus dem Heck.

Aus dem Heck? Der Dreizylinder sitzt doch vorn. Stimmt, aber die gelungene Geräuschdämmung und der kompakte Auspuff, der ohne Endschalldämpfer auskommt, verschieben den akustischen Schwerpunkt nach hinten. Wozu auch die stufenlose Automatik beiträgt. Sicher werden viele in deren systembedingtes Geheul unter Last einstimmen. Alle von trägen automatisierten Schaltgetrieben Traktierte loben hingegen die gleichförmige Art der Kraftübertragung.

Öko-Einstellung

Hinzu kommt die Öko-Einstellung des CVT, das auf niedrige Drehzahlen setzt. Statt auf Start- Stopp vertraut Toyota ansonsten auf Fahrererziehung mittels Schaltempfehlung und zusätzlicher Grafik. Sie wollen Drehmoment? Dann probieren Sie den 1,4-Liter-Diesel. Dessen 190 Newtonmeter kicken den nicht einmal eine Tonne schweren iQ nach einer kleinen Anfahrschwäche unter einem perlenden Nagelschauer wuchtig nach vorn. Alle, die weder Dreizylinder-Benziner noch Diesel mögen, müssen statt bis Januar 2009 bis zum Juli warten: Dann kommt der neue 1,3-Liter-Benziner mit rund 100 PS und Start-Stopp. Spannend zu sehen, ob die Zeichen für den Bonsai-3+1 in Deutschland auf Start oder Stopp stehen. Das Ziel sind jedenfalls 10.000 Verkäufe pro Jahr.

Technische Daten:

IQ 1.0 1.4 D-4D

Leistung: 66 KW (90 PS)
Drehmoment (bei U/min): 190
Höchstgeschwindigkeit:170 km/h
Grundpreis:15.700 €

IQ 1.0 VVT-i

Leistung: 72 KW (98 PS)
Drehmoment (bei U/min): 123
Höchstgeschwindigkeit:170 km/h
Grundpreis:14.950 €

Quelle: 2008 Motor-Presse Stuttgart
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