Neuer Powerdiesel: Das kann der VW Amarok V6

VW Amarok 190 kW Fahrbericht Oman 2018
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VW Amarok 190 kW Fahrbericht Oman 2018

 © VW
16.04.2018 - 14:10 Uhr von Torsten Seibt

VW rüstet auf beim Pickup Amarok. Eine 258 PS starke Topversion soll der Mercedes X-Klasse Paroli bieten. Das haben wir ausprobiert – und zwar im harten Gelände.

Im Jahr 2016 führte VW für den Pickup Amarok den V6 für alle ein: Seitdem ist der Vierzylinder – zumindest in Europa – Geschichte und aus dem Pickup ein teures Premium-Produkt geworden. Wenigstens 32.629 Euro muss seitdem laut Preisliste investieren, wer einen Amarok mit Allrad besitzen möchte. Und dafür gibt es nur die ausgesprochen karg möblierte Trendline-Ausstattung, deren größter Luxus elektrische Fensterheber sind.

Am anderen Ende der Tabelle stehen die Highline- und Aventura-Modelle. Letztere, bislang 55.400 Euro schwer (wir erinnern uns: es handelt sich um einen Pickup) wird künftig mit einem neuen Motor ausgeliefert. Der 224-PS-V6 hat ausgedient und wird durch eine 34 Pferde stärkere Maschine ersetzt. 190 kW oder umgerechnet 258 PS sind es künftig, die im exklusivsten Amarok antreten, ab Sommer ist es soweit.

Mit dem Power-V6 in die Wüste

Wir konnten die neue Power bereits in einem Vorserienmodell testen. Und zwar statt auf deutschen Autobahnen in einer ziemlich ruppigen Umgebung, die dem Amarok auch vom Konzept her eigentlich perfekt entspricht: Wüste, Steine, Berge.

Seit der Markteinführung des Amarok im Jahr 2010 wird das Konzept der zwei Antriebsstränge konsequent durchgezogen: Schaltgetriebe-Modelle erhalten einen zuschaltbaren Allradantrieb mit starrer Kraftverteilung und entsprechenden Verspannungen im Antriebsstrang, welche den Alltagseinsatz des Allrads zum Beispiel im Winter limitieren. Nur für Automatik-Amaroks und dort als stets verbaute Serienausstattung ist ein permanenter Allradantrieb mit 40:60 Kraftverteilung und zentralem Torsen-Differential erhältlich. Entscheidender Unterschied: Bei der Schaltgetriebevariante ermöglicht eine zuschaltbare Geländeuntersetzung viel gefühlvolleres, langsames Fahren im Gelände.

Diese vor allem aus der Offroad-Szene von Beginn an kritisierte Entscheidung konterte VW stets mit der drehmomenterhöhenden Wirkung des Automatikgetriebe-Wandlers. Doch erst seit Einführung der V6-Varianten konnte man geneigt sein, diesem Argument zu folgen, denn seitdem gibt es auch im Drehzahlkeller verwertbares Drehmoment im VW-Pritschenwagen. Und das gilt nun erst recht für den neuen 260-PS-Diesel, der nicht nur bei der Leistung, sondern auch beim Drehmoment (580/+30 Nm) nochmals zulegt.

VW Amarok V6 mit Sahne-Sound

Ein echtes Erlebnis, da unterscheidet sich der neue Top-Motor nicht von seinen schwächeren V6-Kollegen im Amarok, ist der sonore Grummel-Sound, der schon akustisch mindestens eine Klasse höherwertig als beim früheren Zweiliter-TDI klingt. Das gilt natürlich auch für die Laufruhe bei jeder Drehzahl, wo sich das geschmeidige Oberklasse-Aggregat vibrationsarm und mit gleichmäßiger Leistungsentfaltung in Szene setzt.

Auf der Straße sorgt das vor allem bei anderen Verkehrsteilnehmern bisweilen für Verblüffung. Denn sowohl aus dem Stand als auch durchbeschleunigt während der Fahrt packt der 258 PS starke Diesel die ganz große Kelle aus und katapultiert den Amarok in einer Weise nach vorne, die mit herkömmlichen Eintonner-Pickups nichts mehr zu tun hat. Ein über fünf Meter langes Nutzfahrzeug, das selbst bei Tempo 160 noch reichlich Reserven für druckvollen Vortrieb bietet, ist tatsächlich eine neue Liga in diesem Fahrzeugsegment.

Nicht von ungefähr wählte VW für die erste Fahrvorstellung des neuen 190 kW-Motors einen Untergrund, auf dem ein Auto eigentlich nie genug Kraft haben kann: Sand. Die Rimal-Al-Wahiba-Wüste im Osten des Oman hat davon reichlich zu bieten. Von der betonharten Wellblechpiste bis zum feinpudrigen Tiefsand in den Dünen gibt es hier eine komprimierte Sandwüsten-Landschaft wie aus dem Bilderbuch.

Komfortabel trotz Blattfedern

Einmal mehr kann sich hier zunächst das Fahrwerk des VW Amarok in Szene setzen. Trotz der rustikalen Blattfeder-Starrachse im Heck ist der Fahrkomfort auch auf schnell gefahrenen Rüttelpisten erstaunlich, die Fahrstabilität gleichzeitig hoch. Dazu benötigt es noch nicht einmal eine größere Belastung auf der Ladefläche, um einen verwertbaren Federungskomfort zu erzielen. Ein Vorteil dabei ist sicher, dass VW wahlweise zwei Fahrwerks-Setups für normale und schwere Belastung anbietet. Dadurch müssen keine so großen Kompromisse eingegegangen werden, die andere Pickup-Hersteller mit einer „eine für alles“ -Fahrwerksabstimmung eingehen, um die je nach Kundenbedarf teils extrem unterschiedlichen Gewichtsbedarfe abzufangen – schließlich schultern Pickups dieser Klasse bis zu einer Tonne Nutzlast.

Der Verzicht auf eine Geländeuntersetzung fällt im Sand kaum ins Gewicht, hier wird auch mit anderen Geländewagen sinnvollerweise in der Straßenübersetzung gefahren. Anders ist das in der trockenen, zerklüfteten Felsregion der Ash-Sharqiyah-Region des Oman, die auf der Anfahrt in die Wüste durchquert wird. Enge Serpentinen auf losem Geröll, große Findlinge, die überklettert werden müssen, teils extreme Steigungen und Gefälle – eigentlich das klassische Einsatzszenario für eine Gelände-Untersetzung. Doch tatsächlich kann der V6-Diesel im gesperrten ersten Gang eine sehr brauchbare Kletter-Performance beim ganz langsamen durchkraxeln der Felsformationen bieten. Und bergab, wo bei Geländewagen mit Untersetzung die Motorbremse unterstützt, hilft hier die aktivierte und sehr effektive elektronische Bergabfahrkontrolle.

VW Amarok V6 wird teurer

Den richtig guten Auftritt hat der Power-Amarok dann jedoch tatsächlich im tiefen Sand, auf den ausgefahrenen Pisten in den Dünentälern ebenso wie beim Erklettern der Sandwände, die sich links und rechts der Fahrwege auftürmen. Der ansatzlose Antritt in praktisch jeder Drehzahlregion, das effektiv und sinnvoll schaltende Automatikgetriebe und nicht zuletzt die schiere Motorpower sorgen in Verbindung mit dem im Tiefsand hilfreichen langen Radstand für eine Wüstenperformance nahe am Optimum. Selbst die in der Wüstenpraxis oft genug bestätigte Regel, dass ein leistungsstarker Benziner mit seinem weiteren Drehzahlband die bessere Lösung für wirklich deftiges Dünen-Klettern ist, kann dieser Diesel eindrucksvoll widerlegen.

Diese Top-Performance hatte bereits bislang ihren Preis. Doch für den neuen Motor wurde nochmals an der Schraube gedreht. Es gibt ihn wie auch den 163-kW-Vorgänger nur in den beiden Topausstattungen Highline und Aventura, die Tarife hierfür steigen jedoch auf 51.384 und 58.072 Euro. Das sind rund 1.600 beziehungsweise rund 2.700 Euro mehr als bisher – auch in diesem Punkt setzt der VW Amarok Maßstäbe für einen Pickup.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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