VW Amarok V6 Praxistest

Südamerika, ganz unten. Wer dort hin möchte, nimmt sich besser
ein Auto, das hart im Nehmen ist. Im Amarok durch Patagonien.
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Südamerika, ganz unten. Wer dort hin möchte, nimmt sich besser ein Auto, das hart im Nehmen ist. Im Amarok durch Patagonien.

02.01.2017 - 15:05 Uhr von Torsten Seibt

Südamerika, ganz unten. Wer dort hin möchte, nimmt sich besser ein Auto, das hart im Nehmen ist. Wir fahren im neuen V6-Amarok durch Patagonien, dort hin, wo alle Wege enden.

5.000 Kilometer vom einen Ende bis zum anderen, das ist die argentinische Ruta Nacional 40. Argentinien ist ein langes Land. Und beileibe nicht jeder dieser 5.000 Kilometer ist asphaltiert, im Gegenteil. Wer also auf dem Landweg nach El Calafate möchte, Provinzhauptstadt des Departamento Lago Argentino und ganz unten auf der Landkarte, ist mit einem robusten Untersatz gut beraten. Mit einem auseinandergebrochenen SUV auf Hilfe zu warten, kann etwas dauern: Die argentinische Hauptstadt Buenos Aires liegt stramme 2.628 Kilometer entfernt, Luftlinie.

Hier also, fernab aller Unbillen der modernen Welt und gebettet in atemberaubende Landschaft, fassen wir die Test- Amarok aus. Das mit der Provinzhauptstadt sollte man im Falle von El Calafate nicht überbewerten, es sind rund 16.000 Einwohner, die sich in der überschaubaren Ansiedlung niedergelassen haben. Das Nachtleben erschöpft sich in ein paar Steak-Restaurants und gelangweilten Straßenhunden, in diesem Teil der Erde ist es die Natur, die Party macht.

Premiere in Patagonien

Für den VW Amarok ist es ein Heimspiel. Schließlich kam er in Argentinien zur Welt, im Werk Pacheco, und feierte auch seine Premiere im Anden-Staat. 2010 war das, wo er erstmals auf der Südamerika-Rallye Dakar als Begleitfahrzeug eingesetzt wurde. Und nach Patagonien kommt er nun anlässlich der Markteinführung des 2017er Modelljahrgangs zurück. In Argentinien wird der neue V6-Diesel erst 2017 kommen, in Deutschland wird er seit Ende 2016 ausgeliefert. Und zwar ausschließlich, während die Südamerikaner weiterhin den bekannten Zweilter-Vierzylinder kaufen können. Das gibt uns praktischerweise die Möglichkeit, beide Motorenversionen im direkten Vergleich in der identischen Baureihe zu fahren und so noch besser die Unterschiede des Zylinder-Upgrades herauszufiltern.

Hinsichtlich Leistung und Ausstattung stellt der Amarok Aventura künftig die Topversion dar, den ansonsten baugleichen V6-TDI liefert VW im Amarok künftig in den Varianten 163 PS, 204 PS und 224 PS aus. Der Sechszylinder mit der höchsten Leistung kommt auf 550 Newtonmeter Drehmoment, die Maschinen darunter bringen es auf 450 und 500 Newtonmeter.

Automatik mit 8 Gängen

Keine Änderung bei den Antriebsversionen: Die achtstufige Automatik ist ausschließlich mit dem permanenten Allrad erhältlich, der noch nicht verfügbare Schaltgetriebe-Amarok mit 163 PS hat einen Zuschalt-Allrad mit Geländeuntersetzung. Erhebliche Renovierungsarbeiten fanden beim Innenraumdesign statt. Das neue Multimediasystem zeigt sich mit App Connect und Car Net vernetzt, dazu warten neue Assistenzsysteme wie die serienmäßige Multikollisionsbremse. Zusätzlich wurden Lenkrad und Sitze verbessert, letztere lassen sich optional in einer besonders ergonomischen und 14fach verstellbaren Komfortversion bestellen.

Noch ganz klassisch per Schlüsseldreh wird das V6-Aggregat im neuen VW Amarok aufgeweckt. Der Motor stammt von Audi, wurde für den Einsatz im VW Amarok angepasst. Der angenehm gedämpfte Sechszylinder bleibt mit hintergründigem Grummeln präsent, ohne zu stören. Speziell nach dem Wechsel aus dem Modell mit dem Vierzylindermotor wird der akustische Komfortgewinn sehr deutlich, hier spielt der V6 in einer anderen Liga. Mit sanfter Gleichmut beantwortet er Fahrbefehle so, dass das oft strapazierte Adjektiv „ souverän“ absolut angebracht ist. Denn die Leistungsentfaltung kommt gleichmäßig, druckvoll und kräftig. In jedem Drehzahlbereich ist einfach Kraft da, kein Vergleich zum in den unteren Regionen etwas bemühten Zweiliter-Diesel aus dem Vorgänger.

Amarok V6 TDI mit Kraft in jeder Lebenslage

Dabei ist es dem VW Amarok V6 TDI relativ gleichgültig, welches Tempo gerade ansteht, auch über der Hundertermarke macht er beim Kickdown ordentlich Musik. Passend dazu ist das geringe Geräuschlevel, bei dem vor allem das Fahrwerk beeindruckt. Kein Gepolter, kein Gewimmer, richtig satt bügelt er über Unebenheiten. Besonders deutlich wird das beim Fahrtermin auf einer längeren Pisten-Etappe. Loses Geröll, Schlaglöcher, Auswaschungen – war da was? Speziell unter solchen Bedingungen stellt der VW Amarok unter Beweis, warum er fahrwerkstechnisch derzeit die Referenz bei den Pickups ist. Ein großes SUV könnte das kaum besser.

Dafür kann der Amarok besser Gelände. Seine Handicaps sind die jedes Pickups – langer Radstand, lange Überhänge. Doch im Vergleich zu modernen SUV, die mit allerlei anwählbaren Traktionsprogrammen Kompetenz vorgaukeln, hat der Amarok off road wirklich etwas zu melden. Die hintere Starrachse sorgt dort für gleichbleibende Bodenfreiheit, die vordere Radaufhängung ist aus dem Vollen geschnitzt und verträgt auch rüde Behandlung. Eine echte 100-Prozent-Sperre für die Hinterachse statt aufgeregter SUV-Traktionselektrik gibt es als Option. Und zusätzlich, ab Werk, handfeste Technik – Fahrwerkshöherlegung, Unterfahrschutz, hoher Ansaugschnorchel für staubige Gebiete und tiefe Wasserdurchfahrten stehen in der Aufpreisliste.

Dass der Automatik-Amarok auch weiterhin auf eine Geländeuntersetzung verzichten muss, ist ein bisschen schade, wird aber durch die große Spreizung der Achtgang-Automatik zumindest teilweise wieder wettgemacht. Mit dem gesperrten ersten Gang lässt es sich prima klettern und behutsam über größere Hindernisse zirkeln. Im schweren Untergrund wird die druckvolle Charakteristik des Sechszylinders noch deutlicher. Denn ob es jetzt tiefer Sand oder zäher Schlamm ist, Gasbefehle werden nahtlos und mit Macht umgesetzt.

Amarok V6 TDI zunächst nur mit Automatik

Eine kleine Entschädigung für die fehlende Untersetzung gibt es in Form elektronischer Unterstützung. Denn die hat der VW Amarok natürlich ebenfalls, aber nur dort, wo es auch Sinn ergibt. Die Bergabfahrhilfe bringt den Wagen bei kniffligen Gefällstrecken im Gelände in Kriechgeschwindigkeit zu Tal. Allerdings mit einem etwas ruppigen Arbeitsgeräusch, Schönheitsfehler. Zusätzlich wird über das Geländeprogramm eine Offroad-Variante des ABS nachgeladen. Hierdurch wird auf losem Untergrund eine stärkere Blockierneigung eingestellt, was den Anhalteweg deutlich verringert.

Momentan ist der Amarok-Kauf noch ein Fall für gut bestückte Bankkonten. Zwar wird es im Laufe des Jahres das Einstiegsmodell mit 163 PS für rund 31.000 Euro geben, doch aktuell sind nur die starken Automatikversionen zu Preisen ab rund 41.000 verfügbar. Der getestete Aventura begint bei selbstbewussten 55.370 Euro.

Technische Daten:

Amarok DC 3.0 TDI V6 4Motion

Leistung: 165 KW (224 PS)
Drehmoment (bei U/min): 550
Höchstgeschwindigkeit:193 km/h
Grundpreis:55.370,7 €

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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