VW Polo GTI im Test

180 PS plus Frontantrieb in einem leichten Auto? Der VW Polo GTI
zeigt, wie vorzüglich das funktionieren kann.
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180 PS plus Frontantrieb in einem leichten Auto? Der VW Polo GTI zeigt, wie vorzüglich das funktionieren kann.

© Frank Herzog
06.07.2010 - 04:00 Uhr von Götz Leyrer

Die jüngste Ausführung des VW Polo bietet alle Voraussetzungen für einen echten GTI. Sie ist klein und leicht, schnell und handlich. Unter der Haube des Kraftzwergs sitzt ein aufgeladener Vierzylinder mit 180 PS.

Sie grüßen uns, die flotten siebziger Jahre. Ein roter Streifen am Kühlergrill, im Cockpit wohlgeformte Sportsitze mit Karobezug. Wie damals, als das Kürzel GTI bei VW seine große Karriere startete. Auffällig unauffällig nannte das auto motor und sport unter der nahe liegenden Überschrift "Golf im Schafspelz".

Kompressor und Turbolader sorgen für hohe Leistung

Es hat sich wenig daran geändert - außer dass der jüngste GTI nur im Polohemd auftritt. Wobei man sich das "nur" auch sparen könnte, denn der VW Polo ist größer als das GTI-Original aus dem Jahr 1976. Was Platzangebot, Ausstattung und vor allem Sicherheit angeht, wird unvergleichlich mehr Auto geboten, wofür das Gewicht von 1.240 statt der damaligen 875 Kilogramm als Beweis gelten darf. Mehr Saft unter der Motorhaube sowieso. 180 PS sind es im VW Polo GTI jetzt, und sie kommen aus einem aufwendig konstruierten High-Tech-Triebwerk. Das hat zwar weniger Hubraum als der 1,6-Liter-Ahn, aber dafür einen Kompressor und einen Turbo. Der mechanische Lader beult im unteren Drehzahlbereich die Drehmomentkurve bis auf 250 Newtonmeter nach oben. Ab 3.500/min übergibt er die Arbeit im Testwagen an die Abgasturbine, mit deren Hilfe eine spezifische Leistung von stattlichen 130 PS/Liter zustandekommt.

Auf kurvenreichen Landstraßen der König

Die Besten zweier Welten also? Was die Fahrleistungen des Testwagens angeht, kann man das so sehen. Auf der Mess-Strecke stellt der scharfe VW Polo GTI sie unter Beweis. Weil es brütend heiß ist, schafft er zwar nicht die Beschleunigungsangabe des Werks (6,9 Sekunden von null auf 100 km/h), sondern belässt es bei 7,4 Sekunden. Zu den Gründerzeiten des VW Polo GTI hätte er aber selbst mit diesen Werten einem Porsche 911 den Auspuff gezeigt. An Dampf fehlt es auch in unserer leistungsverwöhnten Zeit nicht. Speziell auf kurvenreichen Landstraßen ist der VW Polo GTI der König, wozu natürlich das exzellent abgestimmte Fahrwerk beiträgt. Eine knackig exakte Lenkung paart sich im Test mit sehr hohem Querbeschleunigungspotenzial und ausgeprägter Gutmütigkeit. Dazu trägt das serienmäßige XDS bei, das Volkswagen als elektronisches Sperrdifferenzial bezeichnet.

Für einen Fronttriebler ein bemerkenswertes Eigenlenkverhalten

Das ist etwa so, als würde man eine Swatch elektronische Rolex nennen. Beide zeigen die Zeit, aber die Technik ist unterschiedlich. XDS hat denn auch mit dem Differenzial nichts zu tun, sondern bedeutet einen Bremseingriff am kurveninneren Vorderrad des VW Polo GTI. Als Folge fließt mehr Drehmoment an den besser belasteten Kollegen auf der anderen Seite - der gleiche Effekt also wie bei einem echten Sperrdifferenzial. Es wirkt jedenfalls. Keine Traktionsprobleme, dazu eine spursichere Neutralität des Eigenlenkverhaltens, das für einen Fronttriebler bemerkenswert ist. Es lässt sich im Test, ganz im sportlichen Sinn, mit dem Gaspedal beeinflussen. Lastwechsel werden zu einer gern genutzten Komponente des Fahrvergnügens, aber nie zu einer kritischen. Da ist das ESP vor, das dem GTI-geprägten Fahrer den gewünschten Freiraum lässt, aber allzu großem Optimismus einen höchst energischen Riegel vorschiebt.

Bissiges, spontanes ansprechen aufs Gas fehlt

Die Dynamik des Fahrens auszukosten ist tragender Bestandteil des VW Polo GTI-Charakters. Der starke Antrieb zeigt mit blitzartigem Hochdrehen bis auf 7.000/min durchaus angemessen sportliche Qualität. Nur das bissige, spontane Ansprechen aufs Gas, das fehlt dem doppelt aufgeladenen Motor. Denn trotz des hohen ladetechnischen Aufwandes entsteht eine winzige Verzögerung, bis im Testwagen der Volldampf zur Stelle ist. Nun sind die Verhältnisse nicht immer so, dass man alle Kraft mit der gebotenen Verantwortung nutzen kann. Dem VW Polo GTI freilich ist das egal. Beim entspannten Bummeln, das der Motor mit großer Souveränität beherrscht, zieht der zierliche Vierzylinder im unteren Drehzahlbereich wie ein Hubraumgroßer und erlaubt das Fahren in den obersten Gängen schon bei gemütlichen Geschwindigkeiten.

Polo GTI genehmigt sich im Testbetrieb 8,9 Liter

Weil im VW Polo GTI das Doppelkupplungsgetriebe serienmäßig ist, stehen sieben Fahrstufen zur Verfügung. Eine passt immer, und weil das Getriebe so schnell und sauber schaltet, ist die manuelle Vorwahl mit den Schaltpaddeln die am meisten befriedigende Umgangsform. Dazu gibt es zwei Automatik-Modi. S funktioniert vorzüglich, wenn man auf schaltintensiven Kurvenstrecken schnell fährt, wird aber nervig, wenn man im Verkehr mitrollt. Dann fährt man viel zu hochtourig, was natürlich völlig unökonomisch ist. Standardstellung D ist da besser, weil früh hochgeschaltet und das Durchzugsvermögen des Motors genutzt wird. Nur so gibt es eine Chance, dem Normverbrauch nahe zu kommen, der glatte 25 Prozent unter dem des Vorgängers liegt. 6,9 Sekunden und 5,9 Liter nennt VW Sportlichkeit der nachhaltigen Art. Allein - beides geht nicht zusammen, weil es auch in Wolfsburg keine Wunder gibt.

Wer mit dem Polo GTI viel im Ladebereich fährt, kann in den zweistelligen Bereich geraten. Im naturbedingt nicht konsequent ökonomischen Testbetrieb ergeben sich 8,9 Liter, was sehr respektabel ist für eine Sportlimousine, die mühelos bis auf fast 230 km/h beschleunigt. Es rundet das Bild des jüngsten GTI-Sprösslings ab. Der Urgroßvater würde sagen: Toll, was aus dem Jungen geworden ist. 

Technische Daten:

Polo GTI

Motor:Reihenmotor
Zylinder:4
Hubraum:1390 cm³
Leistung: 132 KW (180 PS)
Drehmoment (bei U/min): 250
Leergewicht:1269 kg
Höchstgeschwindigkeit:229 km/h
Kraftstoff:Super Benzin
Grundpreis:23.695 €

Quelle: 2010 Motor-Presse Stuttgart
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