Google Lens und AI-First: Augmented Reality als Understatement

Google Lens und AI-First: Augmented Reality als
Understatement
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Google Lens und AI-First: Augmented Reality als Understatement

 © Google
18.05.2017 - 13:45 Uhr

Wer sich gestern die

Google I/O

Keynote mit einem Hauch von Begeisterung angesehen hat, dem dürfte heute vor allem eins auffallen: es gibt nichts Neues! Keine neuen Apps zu installieren, keine großen Updates mit sensationellen Features, keine Produkte die man sofort kaufen möchte (oder könnte). Ok, man kann sich jetzt zum Betatester von

Android O

machen, und in

Gmail

gibt es vorgefertigte Antworten, aber sonst?

Und dennoch fällt diese Abwesenheit neuer Features genau und überraschend passend mit einer wirklich großen Veränderung zusammen.

Google

ist jetzt eine

AI

-First-Firma. Wenig überraschend an sich, aber zumindest mal direkt ausgesprochen. Und da AI immer ein gradueller Prozess ist, der sich nach und nach in die diversesten Bereiche einschleicht, ist diese Art des Fortschritts ohne Produkt auch irgendwie logisch.

Was wir zu sehen bekamen war ein Einblick in die Umstrukturierung. Eine graduelle Neuausrichtung, die weniger neue Apps in den Vordergrund rückt, das flashige Feature, sondern eine übergreifende kohärente Vision. Kein Wow-Effekt sondern ein bedächtiges: lasst uns mal in die Tiefe und die Breite gehen.

Wir wissen was kommt, haben aber keine Ahnung wann. Früher waren Google I/O Produkte oft extrem zerstreut. Jetzt zentriert sich alles rings um die künstliche Intelligenz, die bei Google in verschiedenen Aspekten rings um die längst nicht mehr trennscharf unterschiedenen Produkte einfließt. Kameras, Lautsprecher, Smartphones. Der etwas umständlich benannte

Google Assistent

wirkt wie ein cleverer Kitt, der sich nach und nach über alles legt.

Während Google mit Google Glass damals vorgeprescht war, um uns in einem nahezu sensationellen Scheitern die

Augmented Reality

eine Generation zu früh vor Augen zu führen, gehen sie jetzt den umgekehrten Weg und versuchen nicht mit Info-Overlays den Blick auf die Oberfläche der Welt smarter zu machen, sondern die Intelligenz hinter der Oberfläche behutsam wachsen zu lassen. In gewisser Weise war Google Glass die alte Idee von Augmented Reality, die Realität als einen Screen betrachtet hat, den es zu verbessern galt. AI-First ist die neue Konzeption, die die unsichtbaren Zwischenräume der Information mit Daten bevölkert, bevor sie präsentiert werden können.

Mit

Google Lens

z.B. werden bestehende Produkte mit marginalem Feature-Reichtum (World Lens, Google Googles) zu einer integrierten Lösung, die sich dem gesamten Problem widmet. Was kann die künstliche Intelligenz sehen was wir nicht sehen können. Wie können Bilder in Bezug zu unserer Realität gestellt werden, für uns nützlich gemacht werden, jenseits der eh schon offensichtlichen Informationen die sie beinhalten. Es geht also nicht darum bspw. der visuellen Realität eine zweite augmentierte aufzupfropfen, sondern hinter dem Bild die möglichen digitalen Verzweigungen zu sehen und als Optionen möglichst direkt anzubieten.

Google Lens wird - ähnlich wie der Google Assistent, denn eigentlich handelt es sich hier auch um das gleiche Produkt, das man auch gleich Google AI nennen könnte - nach und nach wohl in sämtliche Apps integriert werden, auch wenn es zunächst nur für Fotos und den Assistenten angedacht ist. Was wir bislang als Bildbearbeitung kennen bekommt so eine völlig neue Bedeutung.

Und auch

Google Home

ist nur Ausdruck dieser Bewegung. Inputs (hier Mikrofone und Sprache) und Outputs (Lautsprecher, aber bald auch Bildschirme) werden neu und grundlegender jenseits der anfassbaren Realitäten des Touchscreens und seiner Apps verknüpft. AI könnte das Touchscreen-Paradigma, das lange Zeit die Entwicklung von Smartphones als eigene monolithische Kategorie angetrieben hat, aufbrechen und die Digitalisierung auf eine neue Ebene heben in der die Produktkategorie am Ende weniger zählt, als die möglichen Verbindungen verschiedenster Bereiche. Eine unerwartete Revanche des Netzgedankens unterfüttert mit den langsam seine Netze über die Realität ausbreitenden, mühsam lernenden Algorithmen der künstlichen Intelligenz.

Ob wir allerdings - da wir uns schon jetzt mit den Komplexitäten des Netzes nicht selten sehr schwer tun - darauf vorbereitet sind, wagen wir zu bestreiten.

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