Cern feiert 30 Jahre World Wide Web mit Tim Berners-Lee

Der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, hält eine Rede
während einer Veranstaltung anlässlich von 30 Jahren World Wide Web
am CERN.
Bild 1 von 2

Der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, hält eine Rede während einer Veranstaltung anlässlich von 30 Jahren World Wide Web am CERN.

© Fabrice Coffrini
12.03.2019 - 12:32 Uhr

Das World Wide Web feiert 30. Geburtstag. Der Grundstein wurde in Genf gelegt. Dort ist die bahnbrechende Erfindung jetzt gewürdigt worden, aber der Begründer, Tim Berners-Lee, zeigt Ernüchterung.

Genf (dpa) - Zum 30. Geburtstag des World Wide Web haben Wissenschaftler aus aller Welt die Vision einer vernetzten Online-Welt zum Wohle der Menschen gewürdigt.

"Das Web ist ein unglaubliches und mächtiges Werkzeug, um die ganze Welt zu erreichen, um Schranken einzureißen und allen Menschen Bildung und Informationen zu bringen und Ungleichheiten zu beseitigen", sagte die Generaldirektorin der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern), Fabiola Gianotti, am Dienstag in Genf. Am Cern hatte der britische Physiker und Computerwissenschaftler Tim Berners-Lee (63) im März 1989 seinen Vorschlag für ein World Wide Web entwickelt.

Berners-Lee, von der Queen zum "Sir" geadelt, warnt aber heute vor dem Missbrauch des World Wide Web. "Die Hälfte der Menschheit nutzt dieses Ding nun. Man muss mal Abstand nehmen, sich das anschauen, und um Netzneutralität, Privatsphäre, die Kontrolle über die eigenen Daten und freie Meinungsäußerung kämpfen", sagte er in Genf.

Berners Lee hatte in seinem Aufsatz damals Ideen für einheitliche Standards zur Darstellung und Übertragung von Daten und die Vision eines universellen, verbundenen Informationssystems entworfen. "Vage, aber aufregend" schrieb sein Vorgesetzter in einer handschriftlichen Notiz auf das Papier. Auf der Grundlage entwickelte Berners-Lee mit anderen Webpionieren die Grundlage für das World Wide Web. Es ist heute einer der bekanntesten Dienste für die Übertragung von Webseiten. Nicht zu verwechseln mit dem "Internet": damit wird das weltweite Netz einzelner Computer-Netzwerke bezeichnet.

Heute sind fast vier Milliarden Menschen online, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Es gibt rund zwei Milliarden Webseiten. Nur, weil Cern damals wie heute Forschung zum Nutzen aller betreibe und seine Software öffentlich zur Verfügung stellte, sei die Entwicklung überhaupt möglich gewesen, sagte Berners-Lee.

In einem offenen Brief warnte er vor Datenmissbrauch und gezielten Falschinformationen im Web. Es sei verständlich, dass Menschen sich heute fragten, ob das Web eine positive Sache sei. Das Gewinnstreben großer Firmen dürfe nicht auf Kosten von Menschenrechten, Demokratie, wissenschaftlichen Fakten und öffentlicher Sicherheit gehen.

"Aber es wäre defätistisch und einfallslos anzunehmen, dass das Web in seiner heutigen Form in den nächsten 30 Jahren nicht zum Besseren verändert werden kann", schrieb er. Berners-Lee schlägt mit seiner Stiftung Web Foundation einen Vertrag vor, in dem sich Firmen, Regierungen und Nutzer zu einen offenem Zugang für alle, einem respektvollen Umgang und Datenschutz verpflichten.

Nutzer sollen ihre Daten selbst verwalten und nicht Konzernen wie Facebook oder Google überlassen müssen, findet Berners-Lee. Zu diesem Zweck hat er im Herbst 2018 sein Projekt Solid vorgestellt. Es ist eine Plattform, auf der Nutzer persönliche Informationen in eigenen Speicherbereichen verwalten und entscheiden können, wem sie Zugriff erlauben. Die Menschen wollten Apps, die sie nicht ausschnüffelten, schrieb er seinerzeit. Er könne aber nicht sagen, wann sich eine solche Anwendung durchsetze, meinte Berners-Lee.

Quelle: dpa-infocom GmbH
Top-Themen
Egal ob Bodypainting, Grafik, Fotografie oder hyperrealistische Zeichnung, beim Anblick der besten optischen ...mehr
Einige Smartphones der Marke Nokia haben durch einen Fehler des Herstellers HMD Global bei der Installation versucht, ...mehr
Die deutschsprachige Version der Online-Enzyklopädie Wikipedia soll am Donnerstag aus Protest gegen die geplante ...mehr
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Gaming
Wie gewohnt geht es im Juli in Sachen Games deutlich gemütlicher zu, als im Frühjahr oder Herbst. Doch auch in den kommenden Wochen erscheinen einige vielversprechende Titel - so ...mehr
Highlights
Emojis sind aus der modernen Kommunikation gar nicht mehr wegzudenken. Inzwischen gibt es für fast jede Lebenslage das richtige Symbol. Wie in jedem Jahr kommen auch 2019 ...mehr
2019 ist Android 9.0 das Maß aller Dinge. Wir zeigen Ihnen, welche Geräte in absehbarer Zeit Updates erhalten.mehr
Anzeige