Test: Open Office gegen Lotus Symphony

Die Startseite von Lotus Symphony ist aufgebaut wie eine
einfache Homepage und bietet Links zu allen wichtigen
Bereichen.
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Die Startseite von Lotus Symphony ist aufgebaut wie eine einfache Homepage und bietet Links zu allen wichtigen Bereichen.

Neben Office von Microsoft und iWork von Apple stehen dem Mac-Benutzer zwei oft weniger beachtete Büropakete aus der Open Source Gemeinde zur Seite. Das Beste an ihnen: Sie sind komplett kostenlos. Wir zeigt, was man von den Paketen erwarten kann und welchen Bedürfnissen sie nicht gerecht werden.

Während Apples Anwendungen als Pages, Numbers und Keynote über den Mac App Store mittlerweile separat ihren Weg auf den Mac finden und dort als eigenständige Applikationen arbeiten, sind Lotus Symphony und Open Office als Bürooberfläche angelegt. Man startet also nur eine Anwendung und sieht sich sofort im Text-, Tabellen- und Präsentationsumfeld.

Lotus Symphony orientiert sich vom Aufbau her an modernen Tab-orientierten Webbrowsern. Die Startseite zeigt alle möglichen Informationen. Neue Dokumente werden per Klick in einem separaten Tab als Brief, Präsentation oder Tabelle geöffnet. Vorlagen und Plug-ins lassen sich aus dem Web nachladen wie beispielsweise kostenlose Clipart-Grafiken. Während die Anwendung selbst komplett in Deutsch gehalten ist, sind die Service-Seiten nur in Englisch, allerdings auch sprachfremd simpel zu bedienen.

Open Office geht einen ähnlichen Weg. Auch hier begrüßt ein - allerdings etwas spröde gehaltenes - Startcenter den Benutzer. Dennoch ist es dem Funktionsumfang des Lotus-Eingangstores gleichwertig.

Beide Office-Pakete basieren auf Java und sind deshalb Plattform-unabhängig. Noch genauer ist Lotus Symphony ein Abkömmling von Open Office, das auf derselben Code-Basis aufbaut und lediglich die Oberfläche und das Handling nach eigener IBM-Philosophie angepasst hat.

Die Plattform-Unabhängigkeit hat wiederum zur Folge, dass die beiden Pakete sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der drei wichtigen Betriebssysteme Mac-OS X, Linux und Windows beschränken müssen. Daher ist die Anmutung in beiden Fällen spröde und in keiner Weise mit nativen Mac-Programmen vergleichbar.

Beim Start sind beide Pakete deutlich langsamer als die Referenz Office 2011. Da Open Office als native Mac-Anwendung kompiliert ist, ist es allerdings etwas schneller arbeitsbereit als Lotus Symphony. Während Word jedoch ein neues Textdokument auf dem Referenzrechner in knapp fünf Sekunden öffnet, brauchen Open Office dafür zehn und Symphony sogar 16 Sekunden.

Kompatibilität von Lotus Symphony und Open Office

Lotus Symphony und Open Office unterstützen neben dem eigenen Open Document Format auch die mit Office 2008 auf dem Mac eingeführten Microsoft-Dateiformate docx, xlsx und pptx. Das Layout der Textverarbeitung ist bei einfach gestalteten Dokumenten bei beiden kostenlosen Suiten noch recht identisch zum kommerziellen Original von Microsoft. Sobald jedoch Sonderzeichen und Grafiken ins Spiel kommen, bleiben Open Office und Lotus Symphony auf der Strecke. Wer lediglich Office-Dokumente lokal weiterverarbeiten muss, kann sich mit Open Office und Lotus Symphony behelfen. Wer jedoch an Dokumenten mitarbeitet, läuft Gefahr, das gesamte Layout für alle anderen Co-Worker zu kippen.

Sowohl bei Excel-Tabellen als auch bei Powerpoint-Präsentationen gilt, dass 90 Prozent aller MS-Office-Features enthalten sind und lediglich nur in seltenen Fällen verwendete Funktionalitäten in den beiden freien Office-Paketen fehlen.

Das Originallayout sowie Seitenumbrüche von MS Office 2010 bleiben auf der Strecke, sobald Grafiken und Spezialformatierungen im Dokument enthalten sind.

Bequeme Vorlagen

Sowohl iWork als auch die aktuelle Version Microsoft Office 2011 bieten in allen drei Anwendungsbereichen professionelle und vor allem professionell wirkende Vorlagen. Hier merkt man, dass echte Designer am Werk waren, wenn es um das Layout von Präsentationsvorlagen oder die Wahl von Schrifttypen in Briefen geht. Bei den beiden Vertretern dieses Vergleichs ist das Angebot einerseits spärlich und andererseits sehr simpel gehalten. Beide setzen darauf, dass der Nutzer sich Vorlagen aus dem recht umfangreichen Online-Pool holt. Der Vorgang hier ist aber nicht Mac-typisch automatisiert. IT-unbedarfte Nutzer sind damit sicher überfordert. Dafür findet man sehr individuelle Vorlagen, etwa für DHL-Pakete oder sonstige nationalen Formulare, die niemals Einzug bei Apple oder in Microsofts Suiten halten würden.

VBA und Makros

Sowohl Symphony als auch Open Office unterstützen grundsätzlich die Scriptsprache "Visual Basic for Applications", kurz: VBA. Dies ist insbesondere wichtig, wenn komplexe Kalkulationsformulare mit automatisierter Funktionalität ausgestattet sind oder spezielle Funktionen benötigt werden. Wie bei den Formaten gibt es auch bei den VBA-Makros nur die grundsätzliche Kompatibilität. So funktionieren die meisten selbst geschriebenen Excel-Funktionen problemlos. Etwas anders sieht es schon bei Formularen aus, mit denen Spreadsheets automatisiert oder komplette individuelle Branchenlösungen in Excel entwickelt werden können. Hier ist es ein Vabanque-Spiel, ob eine unter Excel funktionierende Applikation läuft oder nicht.

Sollte dies ein wichtiger Aspekt der Wahl zwischen der Microsoft-Variante und den kostenlosen Office-Paketen seien, liegt die Empfehlung klar beim Original. Der Ärger und die Zusatzkosten eines Programmierers für die Anpassung stehen in keinem Verhältnis zum Preis für Microsofts Office.

Unterschiede

Da beide Bürosuiten auf derselben Codebasis aufbauen, stellt sich die Frage, wo die Unterschiede sind. Hier ist zunächst einmal zu nennen, dass OpenOffice von vielen freiwilligen Programmierern auf der Open Source Basis weiterentwickelt wird, während Lotus Symphony von IBM-Entwicklern in Eigenregie und im Geiste von Big Blue gestaltet wird. Die Oberfläche ist zwischen den beiden Varianten grundlegend anders. Während Lotus Symphony ein einziges, mit Tabs unterteiltes Fenster für alle offenen Dokumente verwendet, ist in OpenOffice jede der drei Hauptanwendungen in einem separaten Fenster zu finden. Hinzu kommt dass in Lotus Symphony am rechten Rand eine kontextsensitive Sidebar vorhanden ist, mit der beispielsweise Formatierungen, Grafiken und vieles mehr direkt - sprich: ohne umständliches Menü - zum Einsatz kommt. Ein klarer Vorteil von Lotus Symphony ist die Integration anderer Software-Komponenten und -Technologien von IBM.

Der Vorteil von OpenOffice selbst, das dem Open Source-Gedanken folgt, ist die riesige Entwicklerschar, die Bugs oder Schwachstellen schnell beheben und zahlreiche individuelle und praxisorientierte Funktionen in die Oberfläche einbauen.

Kaufempfehlung und Fazit

Sowohl Open Office als auch Lotus Symphony machen ihren Job. Und sie machen ihn beide gut. Aber richtige Freude beim Umgang mit den Programmen will am Mac nicht aufkommen.

Bei beiden Office-Suiten hat man das Gefühl, eine in die Jahre gekommenen Microsoft-Oberfläche vor sich zu haben. Mit iWork oder gar dem neue Office 2011 haben sie optisch rein gar nichts gemeinsam.

Wollen Sie nur relativ einfach gestaltete Dokumente mit Microsoft Office Nutzern austauschen oder sind Sie der Urheber aller gestalterischen Fragen, können Sie getrost mit Lotus Symphony oder Open Office arbeiten. Lediglich wenn man erwartet, dass Sie inhaltliche Arbeit und keine gestalterischen Änderungen an Dokumenten vornehmen, die mit MS Office erstellt wurden, ist es nicht ratsam auf die beiden kostenlosen Pakete zu setzen.

Vorzüge: kostenloser Einstieg in die wichtigsten Büro-Programme, regelmäßige Updates

Nachteile: Optik und Bedienung nicht Mac-typisch, meist langsamer als kommerzielle Office-Pakete, Kompatibilitäts-Probleme

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