Abzockfallen im Internet

Warnung im Internet-Browser Iron PC-Welt-Edition.
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Warnung im Internet-Browser Iron PC-Welt-Edition.

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Download-Abzocke kann jeden treffen: Sie registrieren sich für einen scheinbar kostenlosen Internetdienst und sollen wenig später plötzlich 200 Euro dafür zahlen. PC-WELT erklärt, wie Sie sich wehren.

Ein paar Mal mit der Maus geklickt, die Adresse eingetragen, eine Datei geladen – und schon verlangt jemand knapp 200 Euro von Ihnen. Es kann unheimlich schnell gehen, dass Sie im Internet in eine Abzockfalle tappen. Und es passiert vielen, häufig sogar erfahrenen Internetsurfern. Das zeigen die zahllosen Anfragen von freenet.de-Lesern an die Redaktion.

Wie schützt man sich vor Download-Fallen? Was tun, wenn man auf einen der Abzocktricks hereingefallen ist? Diese und viele weitere Fragen beantwortet dieser Artikel.

Die Masche ist eigentlich immer die gleiche: Die Abzocker platzieren durch geschickte Suchmaschinen-Optimierung Seiten mit beliebten Internetdiensten, die gemeinhin gratis angeboten werden, etwa einen Routenplaner, eine Software-Börse oder eine Hausaufgaben-Datenbank, auf den vorderen Plätzen der Suchmaschinen. Oder sie streuen entsprechende Werbebanner. Auf der Internetseite soll der Besucher im Rahmen einer kurzen Anmeldung seine persönlichen Daten angeben. In einigen Fällen muss er zudem mit Hilfe eines Codes, der per SMS ans Handy geschickt wird, seine Handynummer verifizieren. Die Informationen oder Programme, die er anschließend erhält, sind meist wertlos und aus dem Internet zusammenkopiert. Allerdings haben die Abzocker so die Daten für ihre Rechnungsstellung erlangt.

Wenn es darum geht, ihre dubiosen Dienstleistungen auf Abonnements-Basis geschickt zu „verpacken“, zeigen sich die Unternehmen erfinderisch: „Wie alt wirst Du werden?“, „Wie gut passt Ihr zusammen“ oder „Stelle dem Geist eine Frage!“ sind nur ein paar der Aktionen, die sich in Form und Aufmachung vor allem an minderjährige Internetsurfer richten. Eine breitere Zielgruppe sprechen Dienste an, die angeblich über Gewinnspiele informieren, aktuelle Links zu kostenlosen Marketingaktionen von Handyherstellern kennen oder die Termine der besten „Partys und VIP-Events“ in der eigenen Stadt aufs Handy schicken.

Auch Dienstleistungen wie Lehrstellensuche oder Ahnenforschung sind bei Abzockern beliebt. Vorteil hier: Sie können gleich diverse persönliche Daten abfragen, ohne dass der Besucher Verdacht schöpft.

Ein Abzockschwerpunkt der letzten Monaten sind Handy-Ortungsdienste wie „Mobile Spy“, die in vielen Erscheinungsformen und Facetten versprechen, über das Mobiltelefon den Aufenthaltsort von Partner/Partnerin, den Kindern oder Freunden zu ermitteln. Das ist natürlich ohne Zustimmung des Betreffenden illegal. Bei Tests in der Redaktion funktionierte die Ortung zudem in vielen Fällen auch nicht.

Die Firmen hinter den Abzockfallen arbeiten mit Tricks: Der Preis für die Leistung, insbesondere Abo-Dauer und -Gesamtpreis, erscheint mehr oder weniger unauffällig in kleiner Schrift irgendwo auf der Anmeldeseite. Die Schriftfarbe wird meist dezent gewählt (Grau auf Weiß oder Hellblau auf Dunkelblau). Prinzipiell wird versucht, die Preisangabe schwer lesbar zu machen. Früher wurde sie sogar in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) versteckt. Einziges Ziel: Der Nutzer soll die Preisinfo nach Möglichkeit übersehen.

Selbst schuld, sagen dann die Betreiber der Seiten. Gar nicht selbst schuld, urteilen hingegen immer häufiger die Gerichte. Wenn es denn überhaupt zu Prozessen kommt. Denn die werden eher von Verbraucherschutzorganisationen angestoßen als von den Firmen, die ihr Geld eintreiben wollen.

Auf Bauernfängerei mit unseriösen Internetseiten fallen bei weitem nicht nur Computerneulinge herein. Im Gegenteil: Immer wieder berichten erfahrene PC-WELT-Leser der Redaktion, dass sie einem solchen Nepp aufgesessen sind. Vielleicht macht sie gerade ihre Interneterfahrung weniger misstrauisch. So hinterfragen sie etwa nicht, ob die Angabe der Postadresse für die Teilnahme an einem Gratis-Spiel überhaupt erforderlich ist.

„Die Verbraucherzentralen können sich kaum retten vor Anfragen zu diesen Themen“, berichtet auch Julia Rehberg, Juristin der Verbraucherzentrale Hamburg. Selbst Prominente tappen in Abzockfallen. So hat laut Medienberichten auch Hamburgs früherer Erster Bürgermeister Ole von Beust einmal versehentlich ein Abo bei einer Rezeptdatenbank abgeschlossen.

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Gegen Abzockseiten im Internet können Sie sich schützen. Lassen Sie sich per Software warnen, wenn Sie eine solche Seite ansteuern wollen. Alles, was Sie dazu brauchen, ist der Internet-Browser Iron PC-WELT-Edition 9, für Windows XP, Vista und 7, kostenlos). Das Programm enthält bereits die Erweiterung Web of Trust (WOT), was sich etwa mit „vertrauensvolles Internet“ übersetzen lässt. Dahinter steckt die Nutzergemeinschaft dieses Dienstes: Über ein Bewertungssystem können Internetsurfer auf Seiten aufmerksam machen, die unseriös oder gar betrügerisch sind. Auch anhand von weiteren Kriterien, etwa dem Einsatz von Schnüffelprogrammen oder anderen Bedrohungen, wird so das Gefahrenpotential für Internetnutzer errechnet.

Wenn Sie eine Internetseite mit zweifelhaftem Ruf und/oder Abzockcharakter ansteuern wollen, meldet sich WOT mit einer Warnung. Sie können sich dann Details dazu anzeigen lassen und auf dieser Grundlage entscheiden, ob Sie die Seite trotzdem besuchen möchten. Falls Sie der Ansicht sind, dass die Warnung vor der Internetseite falsch ist, können Sie auch einen Hinweis in der WOT-Gemeinschaft hinterlassen.

PC-WELT empfiehlt, sich durchaus einige der bemängelten Seiten anzuschauen – natürlich ohne Anmeldung. So lernen Sie das Grundkonzept von Abzockfallen kennen und verringern die Gefahr, auf derartige Tricks hereinzufallen. Grundsätzlich gilt: Wann immer auf einer Internetseite persönliche Daten angefordert werden, sollten Sie genau überlegen, ob die für die versprochene Leistung wirklich erforderlich sind. Andernfalls nehmen Sie davon Abstand. Prüfen Sie auf jeder Seite genau, ob dort Kosten erwähnt werden. Erst danach tragen Sie gegebenenfalls Ihre E-Mail-Adresse oder andere persönliche Daten ein.

Über diese Internetadresse finden Sie eine aktuelle Liste der Verbraucherzentrale Hamburg mit nach deren Meinung unseriösen Abofallen-Betreibern. Weitere Informationen gibt es im Internet auf der Seite vzhh über „ Themen, Telefon“. Außerdem können Sie über diese Seite eine Liste des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen laden, in der sämtliche Firmen und Internetseiten verzeichnet sind, gegen die die Verbraucherzentralen in den letzten Jahren prozessiert haben.


Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, haben Sie sich also schon einen unerwünschten Abovertrag eingehandelt, erhalten Sie in der Regel per E-Mail eine Rechnung des Unternehmens. Meist geht sie gleich über ein oder zwei Jahre, da das Abonnement in der Regel über diesen Zeitraum läuft. Wenn Sie die Rechnung nicht bezahlen, folgen meist Mahnungen, die im Ton zunehmend schärfer und drohender werden. Oft kommen auch Schreiben einer beauftragten Anwaltskanzlei oder eines Inkassobüros.

„Es ist aber fraglich, ob zwischen Ihnen und dem Anbieter ein gültiger Vertrag zustande gekommen ist“, weiß Julia Rehberg, Juristin der Verbraucherzentrale Hamburg. Denn der setzt nach deutschem Recht voraus, dass sich beide Parteien über Preis und Leistung einig sind und den Willen zum Vertragsschluss haben. Und gerade das ist bei Abofallen oft nicht der Fall. Schließlich setzen die Abzocker alles daran, die Preisinfo auf der Internetseite zu verschleiern.

Die Verbraucherzentrale rät daher, auf solche Rechnungen entweder gar nicht oder nur ein einziges Mal zu antworten. Auf der Seite der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz finden Sie ein passendes Word-Musterschreiben in einer Version für volljährige Kunden und in einer Fassung für Erziehungsberechtigte von Minderjährigen. Teilen Sie dem Absender mit, dass kein Vertrag zustande gekommen ist, und erklären Sie vorsorglich zusätzlich den Widerruf.

Danach sollten Sie grundsätzlich nicht mehr auf Mahnungen oder Drohungen reagieren, so lange diese nicht von einem ordentlichen deutschen Gericht kommen. An einer juristischen Auseinandersetzung sind die Firmen in der Regel meist nicht interessiert, da diese mehr Aufsehen erregt als ihnen lieb sein dürfte. Zwar gab es bereits einzelne Urteile zu derartigen Aboverträgen. Dabei bekamen die klagenden Abofirmen allerdings stets nur in solchen Fällen Recht, in denen ein weiterer Sachverhalt hinzukam, beispielsweise der Vertragsschluss durch einen gewerblichen Nutzer, für den andere Widerrufsrechte gelten. Das Verbraucherschutzrecht räumt dem Privatkunden in Deutschland oft weiter reichende Rechte ein als Gewerbetreibenden.

Oftmals erhalten Kunden vom Anwalt gleich einen bereits ausgefüllten Mahnbescheidsantrag. Das verleiht dem Schriftstück einen amtlichen Charakter: Der Empfänger soll glauben, dass das Schreiben von einem Gericht kommt. Dabei ist dieses Formular genauso wenig bindend wie ein normales Mahnschreiben.

Tätig werden müssen Sie erst, wenn ein gerichtlicher Mahnbescheid eintrifft. Beachten Sie, dass das Gericht dabei die offene Forderung nur so weiterreicht, wie der gegnerische Anwalt sie gestellt hat, die Rechtmäßigkeit der Forderung aber nicht überprüft hat. Für einen Widerspruch haben Sie zwei Wochen Zeit. Jetzt sollten Sie unbedingt aktiv werden, da danach ein Vollstreckungsbescheid ausgestellt wird, gegen den ungleich schwerer und nur vor Gericht anzukommen ist.

Eine gänzlich neue Form der Kostenfalle droht, wenn Sie Apps für Smartphones und Tablet-PCs verwenden. Denn durch die kleinen, schicken Hilfsprogramme lassen sich ungewollt Käufe tätigen und Bezahlvorgänge auslösen. Besonders gefährdet sind iPhone-Besitzer, da sie ihre persönlichen Daten im Itunes-App-Store hinterlegen müssen. Und das selbst dann, wenn sie sich nur Gratis-Apps holen und auf kostenpflichtige Leis-tungen wie das Laden von Filmen verzichten. Sie sollten daher so genannte In-App-Kaufvorgänge unterbinden, die durch die App ausgelöst werden. Beim iPhone wählen Sie dazu „Einstellungen, Allgemein, Einschränkungen, In-App-Käufe“.

Anders sieht es bei Android-Smartphones aus. Hier muss der Besitzer nicht zwingend seine Kreditkartendaten hinterlegen und kann so immerhin die kostenlosen Angebote des App-Markets nutzen. Aufpassen sollten Sie aber, ob eine App grundsätzlich weitere Zahlvorgänge auslösen kann oder nicht.

Doch auch wenn Smartphone-Nutzer in einer App versehentlich auf einen Werbebanner klicken, können sie in eine Kostenfalle geraten. Denn die Bezahlung erfolgt direkt über die Telefonrechnung.

Der Programmierer der jeweiligen App kann oft nicht einmal etwas dafür. Denn meist kommen Werbebanner, die dem Smartphone-Benutzer etwas verkaufen wollen, über Werbebanner-Anbieter dazu. In diesem Zusammenhang immer wieder genannt wird die Firma Admob. Der Anbieter der App hat keinerlei Einfluss auf die Auswahl der Werbebanner.

Ein Klick auf einen solchen Bezahlbanner öffnet eine Internetseite mit dem Angebot. Oftmals handelt es sich um ein Abonnement für Klingeltöne oder Hintergrundbilder fürs Handy. Der Smartphone-Besitzer erhält gleichzeitig eine SMS, in der ihm für die Bestellung gedankt wird. Außerdem überträgt der Netzbetreiber die MSISDN-Nummer, die das Handy zweifelsfrei identifiziert, an den Ersteller des Werbebanners.

Die Abrechnung selbst erfolgt über den Mobilfunknetzbetreiber. Dazu erfragt der Klingeltonlieferant die Identität des Kunden anhand der MSISDN-Nummer ab und rechnet dann in einem zweiten Schritt die erbrachte Leistung ab. Je nach Angebot werden oft mehrere Euro wöchentlich oder gar täglich fällig. Der Kunde bemerkt das Malheur erst, wenn er seine nächste Handyrechnung erhält oder wenn das Guthaben der vorausbezahlten Handykarte (Prepaid-Karte) aufgebraucht ist. Und falls die Kosten darüber hinausgehen, werden sie sofort mit dem neu aufgebuchten Guthaben verrechnet.

Verständliche Preisangaben, juristisch korrekte AGBs und eine ordentliche Widerrufsbelehrung sucht man in solchen Fällen fast immer vergebens. Ob derartige Abo-Konstruktionen rechtens sind, ist mehr als zweifelhaft. Schließlich kommt nach deutschem Recht ein Vertrag nur dann zustande, wenn sich beide Vertragspartner über die Konditionen des Vertrags im Klaren sind. Das wäre hier offenkundig nicht der Fall. Doch wer setzt schon bei einem Streitwert von einigen Euro einen Anwalt in Bewegung? Schließlich steht der Ärger in keinem Verhältnis zum Aufwand.

Gegen solche Abzockmethoden können Smartphone-Besitzer schon im Vorfeld vorgehen: Es lassen sich beim Netzbetreiber nämlich nicht nur bestimmte Vorwahlnummern sperren, sondern auch die „durch Drittanbieter bereitgestellten kostenpflichtigen Dienste“, auch „ WAP-Billing“ genannt. Zumindest T-Mobile (Kundenservice unter Kurzwahl 2202) und Vodafone (unter Kurzwahl 1212) ermöglichen dies, E-Plus und O2 dagegen derzeit nicht. Der Nachteil dabei: Auch seriöse Angebote, etwa einen Handy-Dienst zum Reservieren von Hotelzimmern oder zum Bestellen von Blumen, können Sie dann nicht mehr nutzen.

Zumindest bislang sind es vor allem kos-tenlose Spiele und andere Unterhaltungs-Apps, die sich über kostenpflichtige Werbebanner und In-App-Käufe finanzieren. Ein bekanntes Beispiel ist der „sprechende Kater Tom“. Solche Apps richten sich besonders an Minderjährige. Seien Sie daher nicht nur selbst wachsam, sondern weisen Sie auch Ihre Kinder auf die drohende Kostenfalle hin.

Quelle: In Zusammenarbeit mit http://www.pcwelt.de
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