Alternative Heiztechniken

Alternative Heiztechniken
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Alternative Heiztechniken

 © Getty Images

Heizen ist teuer und oft umweltschädlich. Da lohnt es sich zu überlegen, wie die Kosten für Warmwasser und Wohnungsbeheizung möglichst gering gehalten werden können. Dabei sollte man die Erhitzung des Brauchwassers im Sommer gleich mitberücksichtigen. Aber: Gibt es überhaupt umweltfreundliche Alternativen zu Gas und Öl?

Der Ölpreisfalle entkommen!
Viele Experten sehen die Ölpreise langfristig weiter steigen. Für die Heizkosten bedeutet dies wieder mal einen tiefen Griff ins Sparschwein. Auf weiter fallende Ölpreise zu hoffen, ist sehr optimistisch. Denn dass die Marktentspannung nur von kurzer Dauer sein wird, beweist ein Blick in die Vergangenheit. Des Weiteren ist nach Einschätzung führenden Wirtschaftsforschungsinstitute der "Peak", die Höchstfördermenge von Rohöl bald erreicht, vielleicht sogar schon überschritten. Steigende Nachfrage führt dann unweigerlich zu Preissteigerungen.

Angesichts dieser Entwicklung suchen die Verbraucher wieder vermehrt nach Alternativen. So verzeichneten die bundesweiten Beratungsagenturen einen stark gestiegenen Beratungsbedarf. Denn zweifelsfrei lohnt es sich, einen Blick auf mögliche Alternativen zu werfen, um der Heizkostenfalle zu entkommen.

Wir vergleichen für Sie vier alternative Heizungssysteme und zeigen Ihnen, mit welchem neuen System Sie sich langfristig vor dieser Entwicklung schützen können.

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Heizöl
Bezüglich der Energieeffizienz führt kein Weg an der Brennwerttechnik vorbei, die seit kurzem auf dem Markt gehandelt wird. Denn Brennwertkessel verwerten im Gegensatz zu den weit verbreiteten Niedertemperaturkesseln zusätzlich die Wärme aus dem Abgas, die bei anderen Heizkesseln durch den Schornstein entweicht. Bei der Abkühlung der Abgase, die beim Verbrennungsprozess freigesetzt werden, kondensiert der im Abgas enthaltene Wasserdampf und Kondensationswärme wird freigesetzt, welche zum Heizen genutzt werden kann. So können im Vergleich zu den herkömmlichen Heizkesseln bis zu 13 Prozent mehr Wärme gewonnen und Wirkungsgrade von über 100 Prozent erzielt werden.

Der Tank für die Versorgung von Ölheizungen benötigt Platz und sollte in einem separaten Raum untergebracht werden. Bedingt durch Größe und Gewicht gibt es fast ausnahmslos bodenstehende Modelle. Es muss berücksichtig werden, dass Ölheizungen einen weitaus höheren Reinigungsaufwand und damit Wartungskosten aufweisen als zum Beispiel Gaskessel. Des Weiteren erfordert die Brennwerttechnik wegen des anfallenden Kondenssatzes einen Schornstein aus Kunststoff, Glas oder Keramik. Aus diesem Grund ist eine spätere Umrüstung finanziell oft nicht lohnenswert.

Erdgas

Knapp die Hälfte aller Haushalte in Deutschland wird inzwischen mit Erdgas beheizt, Tendenz steigend. Heizen mit Erdgas gilt als umweltfreundlich, Platz sparend und preisgünstig. Hier sollte ebenso wie beim Heizöl ein Brennwertkessel gewählt werden, um einen maximalen Verbrennungswert zu erzielen. Auch in diesem Falle ist wiederum eine spezielle Kaminkonstruktion gefordert. Die Reinigung und Wartung eines Gastanks ist bei weitem nicht so kostenintensiv.

Weit verbreitet sind auch kleine Gasheizungen, die oftmals in Bad und Küche an den Wänden angebracht werden und so gezielt kleine Einheiten beheizen. Erdgasheizungen lassen sich bei Neubauten auch gut unter dem Dachboden installieren. Hier können einerseits die Konstruktionskosten für die aufwendige Kaminanlagen gespart werden, andererseits lässt sich die Gasheizung sehr gut mit einer Solaranlage kombinieren.

Wer sich für Erdgas entscheidet handelt gleichfalls im Sinne der Umwelt, denn bei der Verbrennung von Erdgas entstehen deutlich weniger Schadstoffe als bei der Ölverbrennung. Problematisch: Der Erdgaspreis ist an den Preis für Erdöl gekoppelt. Bei den Verbrauchskosten ergibt sich damit für keinen der Brennstoffe ein Vorteil und Preissteigerungen sind zu erwarten.

Holzpellets
Die ursprünglichste Form der Wärmegewinnung ist das Heizen mit Holz. Es ist auch eine der ökologischsten Formen der Wärmegewinnung. Beim Verbrennen von Holz wird nämlich nur so viel CO2 frei, wie der Baum der Atmosphäre in der Wachstumsphase entnommen hat. Holz wird in Form von Scheiten oder so genannten Pellets für das Heizen aufbereitet. Pellets sind aus kleinen Holzsplittern und -spänen bestehende Pressformen, die in verschiedenen Größen erhältlich sind.

Moderne Regeltechnik sorgt bei neueren Holzvergaserkesseln für einen hohen Wirkungsgrad und einen schadstoffarmen Verbrennungsprozess.

Bequemer als ein Holzvergaser ist eine Pelletzentralheizung. Mit Hilfe einer Förderschnecke werden die Pellets automatisch vom Lager in den Brennraum befördert. Der automatischen Beheizung steht damit nichts mehr im Wege.

Pellets-Anbieter gibt es inzwischen flächendeckend in ganz Deutschland. Die positiven Umwelteigenschaften des innovativen Heizsystems werden zudem mit Förderungen durch öffentliche Stellen belohnt. So verteilt das Bundesamt für Wirtschaft und die KfW Zuschüsse und zinsverbilligte Kredite, die insbesondere die hohen Anschaffungskosten und Installationskosten von etwa 10.000€ vermindern können.

Solarenergie
Im Bereich der alternativen Strom- und Wärmeerzeugung ist die Nutzung von Sonnenenergie zweifelsohne die am weitesten verbreitete Methode. Durch die steigenden Preise für Erdgas und Heizöl und die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz wird Solarenergie bei den Verbrauchern außerdem immer beliebter. Ihre volle Wirkung entfaltet sie jedoch nur im Sommer, im Winter müssen andere Heiztechniken für warmes Wasser sorgen.

Bezogen auf die Warmwasseraufbereitung lässt sich mit üblichen Sonnenkollektoren der Energieverbrauch um bis zu 60 Prozent senken. Bei entsprechender Dimensionierung und kompatibler Heizungstechnik lassen sich die Solaranlagen mit der Gas- bzw. Ölheizung koppeln. Der Warmwasserspeicher wird dann auf kurzem Wege von der Sonne und dem Heizkessel erwärmt.

Für den Warmwasserbedarf eines Vier-Personenhaushaltes reicht eine Kollektorfläche von fünf bis sechs Quadratmetern aus. Diese sollte möglichst nach Süden, Südwesten oder Südosten mit einem Neigungswinkel von etwa 45 Grad ausgerichtet sein. Als Speichermedium der Sonnenenergie dient dabei zumeist Wasser bzw. Frostschutzmittel. Dieses wird in den Kollektoren von der Sonne auf über 60°C erhitzt. Eine Umwälzpumpe transportiert das Medium zum Warmwasserspeicher, wo die Sonnenwärme mittels eines Wärmetauschers auf das Wasser übertragen wird. Da allein zur Erwärmung von einem Kubikmeter Wasser von 10°C auf 45°C ungefähr 4 Liter Heizöl bzw. 4 Kubikmeter Gas benötigt werden, ist das Einsparpotenzial allemal groß.

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Förderung und Gesamtkostenvergleich

Die Solartechnik wird noch nicht flächendeckend als eigenständiges Heizsystem eingesetzt, sondern ergänzt vielmehr den vorhandenen Heizträger. In den meisten Fällen erhalten Sie für neu installierte Anlagen einen Zuschuss, der 2005 auf 135 € pro Quadratmeter Kollektorfläche aufgestockt wurde. Auskunft darüber können Ihnen lokale Beratungsstellen sowie das Bundesamt für Wirtschaft erteilen.

Kostenvergleich
Wirklich Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Systeme zur Wärmeversorgung gibt erst eine so genannte Vollkostenrechnung. Sie berücksichtigt die kapitalgebundenen Kosten von Investition und Installation, die verbrauchsgebundenen Kosten von Energie und Bevorratung und die betriebsgebundenen Kosten von Wartung, Reinigung und Versicherung. In unserem Beispiel hat die Gasheizung klar die Nase vorn. Denn für den Einbau einer Gasheizung ist die Vorhaltung eines Heizungskellers, die Aufstellung eines Öltanks und der Abschluss einer Gewässerschaden-Versicherung nicht erforderlich. Aber: Die Berechnungen beziehen sich auf ein neu zu errichtendes, frei stehendes Einfamilienhaus. Insbesondere bei Modernisierungen oder wenn kein Erdgasanschluss vorhanden ist, kann der Kostenvergleich ganz anders aussehen.

Nutzfläche: 140 Quadratmeter
Anzahl der Personen: 4
Verglichene Heizsysteme: Erdgas, Heizöl, Holzpellets
Haustyp: Niedrigenergiehaus

Heizsystem

Erdgas

Heizöl

Holzpellets

Kapitalkosten

1020 €

1130 €

1610 €

Verbrauchskosten

830 €

1020 €

740 €

Betriebskosten

370 €

500 €

590 €

Förderung

 

 

338 €

Vollkosten je qm

15,86 €

18,93 €

18,59 €

(Daten: co2online GmbH)



Liegt in unserem Beispiel Erdgas klar vorne, ist es dennoch schwierig, aufgrund einer Vielzahl verschiedener Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, eine verlässliche Aussage zu treffen. Entscheidend wird die weitere Preisentwicklung der fossilen Brennstoffträger seien. Sollten sich Öl und Gas in der nahen Zukunft weiter verteuern, wofür einiges spricht, dann führt langfristig an den umweltschonenden Solar- und Holztechniken kein Weg vorbei. Genauso wichtig wie eine moderne Heizanlage und eine umweltschonende Bausubstanz ist ein energiesparendes Verhalten. Oftmals lassen sich durch einfache Tricks und Verhaltensänderungen die Heizkosten merklich senken.

 

Autor: Nils Kompe

Quelle: freenet.de
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