Der Fall des Protz-Pastors: So reich ist die Kirche

Der umstrittende Bischofssitz von Limburg. Hier soll der Bischof Tebartz-van Elst in verschwenderischer Weise sein Unwesen treiben.
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Der umstrittende Bischofssitz von Limburg. Hier soll der Bischof Tebartz-van Elst in verschwenderischer Weise sein Unwesen treiben.

© imago / Sascha Ditscher

Die Verschwendungssucht des Limburger Bischofs Tebartz-von Elst lässt viele Gläubige die Augen reiben. Sollte eine mildtätige Organisation nicht lieber den Armen spenden, als ihren Bischöfen Luxus-Domizile zu finanzieren?

Es gibt nur Schätzungen über die Vermögenswerte der katholischen Kirche in Deutschland. Die Kirche selbst gibt nur bruchstückhaft Zahlen an die Öffentlichkeit. Das Vermögen ist auf viele selbständige Bistümer verteilt und die monetäre Bewertung von Immobilien wie dem Kölner Dom eine unlösbare Aufgabe. Auch über die kirchlichen Reliquien gibt es keine seriösen Schätzungen.

Dennoch wagt Publizist und Kirchenkritiker Carsten Frerk eine Vermögensschätzung. Demnach verfügt die katholische Kirche über Aktien- und Grundbesitz sowie Geldvermögen von bis zu 200 Milliarden Euro allein in Deutschland.

Das Vermögen der Katholischen Bistümer (Diözesen) nach eigenen Angaben
Münster2,37 Millionen (dazukommen Gebäude für kirchliche Zwecke wie das Franz-Hitze-Haus oder die Katholische Fachhochschule)
Speyer46,5 Millionen
Essen2,2 Millionen(davon 2,02 Millionen aus Erbschaften)
Köln166,22 Millionen (davon 15,4 Millionen ­Wohnungs-Beteiligungen)
Mainzkein Geldvermögen, nur ­mehrere Grundstücke und ­Beteiligung am ­Siedlungswert
Trier84 Millionen ­ (dazukommen 14 Wohnhäuser und 24 kirchliche ­Gebäude)
Aachen8,2 Millionen (ohne Immobilien)
Hamburg27 Millionen (enthalten sind Beteiligungen an drei Krankenhäusern)
Limburg100 Millionen
München-Freising27,6 Millionen
Dresden/Meißen0 Euro
Bamberg1,5 Millionen (ohne Immobilien)
Berlinkein Vermögen im Bischöflichen Stuhl

Die weiteren 14 Bistümer machten gegenüber Bild.de keine Angaben oder wollten keine Auskunft geben. Die Zahlen aus Limburg beruhen auf Aussagen von Altbischof Kamphaus.

Quelle: BILD.de

2008 traten ca. 170.000 Protestanten und 120.000 Katholiken aus der Kirche aus. Immhin zahlen aber noch zwei Drittel der Steuerzahler Kirchensteuer. Doch auch die anderen zahlen mit ihren Steuergeldern Geld an die Kirche. So bleibt die finanzielle Basis der Kirchen stabil, mag die Mitgliederbasis auch schrumpfen.

Laut Carsten Frerk zahlen die deutschen Steuerzahler jährlich eine Summe von 19,9 Milliarden Euro an die Kirche. "Staat und Kirche sind finanziell eng verwoben", schreibt Frerk. Mit Steuergeldern werden die Gehälter der Bischöfe bezahlt, die christliche Kindergärten betrieben, Kirchentage organisiert, Entwicklungsländer missioniert, Orgeln renoviert, Soldaten nach Lourdes geschickt. Allein die Gehälter für die Bischöfe (Erzbischöfe, Weihbischöfe, Bischöfe und Domvikare) kosten jährlich fast 500 Mio. Euro.

Frerk ist ein engagierter Kirchenkritiker. Ihn stört, dass die Kirchen in vielen Fällen den Eindruck erwecke, als würde sie selbst hinter Projekten und Organisationen stehen. In Wirklichkeit ist aber der Staat der Träger. "Wo Kirche drauf steht, ist meistens der Steuerzahler drin." So heißen Krankenhäuser "Sankt Marien", aber die Kosten bringen die Krankenkassen auf. Kindergärten in katholischer oder evangelischer Trägerschaft fördere der Staat mit 3,9 Milliarden Euro im Jahr.

"Sie sagen, dass die Kirchensteuer es ihnen erlaubt, ohne staatlichen Einfluss Gutes zu tun", sagt Frerk. "Tatsächlich werden diese Wohltaten nur zu einem Bruchteil von der Kirchensteuer finanziert und vor allem von der Allgemeinheit. Für das Bischöfliche Hilfswerk Misereor bringe die katholische Kirche nur 5 Prozent der Kosten auf", so Frerk. Auch der Evangelische Entwicklungsdienst sei zu weniger als einem Drittel evangelisch bezahlt.

Zahlen zu den Vermögenswerten dies Vatikans sind auch schwer aufzutreiben. 2008 wurde an die Kardinäle und Bischöfe weltweit eine geheime Bilanz verschickt. Diese wurde dummer weise der englischen Zeitung "The Tablet" zugespielt und von dieser veröffentlicht. Demnach betrug allein das Barvermögen 340 Millionen Euro, 520 Millionen in Form von Wertpapieren und Aktien sowie eine Tonne Gold. Zusätzlich besitzt der Vatikan ein Immobilien-Imperium mit 50.000 Gebäuden mit dem er jährlich 4 Milliarden Euro verdient.

In unserer Bildershow finden Sie die prächtigsten Bauten der Kirche.

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