Bagatellkündigungen - Wie ist die Rechtslage?

Bagatellkündigung: Was kann man unternehmen?
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Bagatellkündigung: Was kann man unternehmen?

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Ob berechtigt oder unberechtigt – sie erwischt einen Arbeitnehmer an der empfindlichsten Stelle und kann innerhalb kürzester Zeit seine Existenz zerstören – die Kündigung. Doch was kann man dagegen unternehmen?

Gerade Bagatellkündigungen sind meist außerordentliche fristlose Kündigungen – und treffen den Betroffenen völlig unerwartet. Selbst wenn der Bagatellkündigung ein gestörtes Verhältnis zum Vorgesetzten vorangeht, führt der Ausspruch der Kündigung regelmäßig zu dramatischen finanziellen Einbußen und hat gravierende Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen. Wie ist die Rechtslage bei Bagatellkündigungen?

Bagatellkündigungen – meist eine zweischneidige Angelegenheit

Bagatellkündigungen basieren auf einem kleinen Vergehen, das mit einer drastischen Maßnahme bestraft wird. So wurden schon Mitarbeiter gekündigt, weil sie einen einzigen Pfandbon unberechtigterweise eingetauscht oder Maultaschen ohne Erlaubnis gegessen hatten.

Die Ursachen für eine Bagatellkündigungen scheinen oft lächerlich und lassen Außenstehenden die Haare zu Berge stehen – vor allem angesichts der gravierenden Auswirkungen, die sie für die Betroffenen haben. Gleichzeitig handelt es sich bei den Gekündigten oft um langjährige Mitarbeiter, die dem Unternehmen häufig emotional verbunden sind.

Begründet wurden die oben genannten Kündigungen mit Diebstahl und einem dadurch zerstörten Vertrauensverhältnis. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass einem verdienten Mitarbeiter aufgrund einer Kleinigkeit die Existenzgrundlage entzogen wird. Eine eindeutige Situation wird man bei einer Bagatellkündigung also kaum erleben.

Wie sind Bagatellkündigungen juristisch zu beurteilen?

Die aktuelle Rechtsprechung verweist bei den letzten Bagatellkündigungen darauf, dass zunächst eine Abmahnung auszusprechen ist, bevor die Kündigung erfolgt. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um altgediente Mitarbeiter handelt.

Diese Rechtsprechung ist noch relativ neu – bis vor wenigen Jahren hatte ein Gekündigter in den Fällen von Bagatellkündigungen meist wenig Aussicht auf Erfolg. Allenfalls eine Abfindung konnte unter Umständen vor Gericht verhandelt werden, nicht aber der alte Arbeitsplatz erstritten werden durch die Unwirksamkeit der Kündigung. Insofern zeichnet sich hier eine Änderung der Rechtsprechung zugunsten der Mitarbeiter aus. Dies ist gerade bei älteren Mitarbeitern positiv zu bewerten, die auf dem Arbeitsmarkt kaum noch eine Chance haben, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.

Was tun bei einer Bagatellkündigung?

Hat sich die Situation zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber so zugespitzt, dass Sie eine Bagatellkündigung befürchten oder wurde diese sogar schon ausgesprochen, dann hilft in aller Regel nur noch eines – vorausgesetzt, es handelt sich wirklich um eine Bagatelle und Sie sind nachweislich unschuldig. Schalten Sie einen Anwalt ein! Ein Kündigungsschutzprozess kann langwierig sein und wird Ihnen mit Sicherheit alles abverlangen, aber er kann Ihnen durchaus den Arbeitsplatz zurück geben!

Gerade bei langer Betriebszugehörigkeit und mit fortgeschrittenem Lebensalter ist ein eigentlich sicherer Arbeitsplatz nicht zu unterschätzen, so dass Sie in solchen Fällen sehr wohl eine Kündigungsschutzklage erwägen sollten – allerdings nicht ohne die Einschaltung eines etablierten, erfahrenen Fachanwalts für Arbeitsrecht. Er wird Ihnen helfen, die juristischen Klippen im Kündigungsschutzprozess zu umschiffen und Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Unter Umständen kann er auch eine Abfindung aushandeln, falls Sie doch nicht mehr an der Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses interessiert sein sollten.

Letztlich zeichnet sich bei Bagatellkündigungen also ein leichter Wandel zum Wohl des Arbeitnehmers in der Rechtsprechung ab.

Quelle: freenet.de
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